Was Männer schon immer über Lesben wissen wollten

Die Sex-Konferenz im Hotel 69 ist eröffnet, ich stehe vor dem Auditorium. Erwartungsvolle Gesichter wohin mein feuchtes Auge blickt. Neunzig Prozent Männer, aber die Entfernung machts.
„Guten Tag meine Damen, guten Tag meine Herren“, beginne ich salbungsvoll. „Mein Name ist Frau Dr. lust Landar. Sie haben bestimmt schon von mir gehört.“
Mehr als die Hälfte des Publikums nickt, das werte ich als gutes Zeichen.
Ich ordne meine Gedanken und starte die Dia-Show. Dank Powerpoint kein großes Problem. Zwei innig knutschende Frauen sind mein erstes Bild. Damit hebe ich die Stimmung, nackte Haut kommt immer an.
Und die Musik spielt dazu den Reigen.

„Männer stehen auf Frauen“, beginne ich. „Egal, ob Hete, oder Lesbe. Und natürlich steht auch Frau auf Mann, das ist doch biologisch.“
Zustimmendes Gemurmel aus den Reihen, nur die Frauen schauen mich komisch an.
„Ich möchte heute über die Spezies der Lesbe sprechen“, fahre ich fort. „Darüber, wie Lesben sind und was sie wirklich wollen.“
Das nächste Bild, ein lüsternes Raunen geht durch den Saal. Zufrieden mustere ich die mir hörige Menge.
Im Spiel der Emotionen.

„Lesben sind absolute Luder“ sage ich mit lauter Stimme. „Laut einer Studie von Professor Dr. Humorus Causa, die er mit einem Dutzend naturgeiler Lesben machte, denkt die typische Lesbe Tag und Nacht an Sex. Dies bestätigt die Theorie von Dr. Heinz Stoß-Bockner, aus dem Jahr 1969, der das angeblich schon immer wusste.“
Eine Blonde aus der ersten Reihe zieht skeptisch die Augenbrauen hoch. Hoffentlich bleibt die still.
Das nächste Bild, ein Hochglanzdildo. Die Blonde schaut entsetzt. Schnell zwinkere ich ihr zu und sie versteht mich stumm.
Gar lieblich hat sich gesellet mein Herz in kurzer Frist zu einer, die mir gefället.

„Laut Professor Dr. Humorus Causa schwirrt genau 86,66 Prozent der Lesben, der neue Dildo SL-Deluxe von Hammerhart durchs Kurzhaar-Köpfchen. Der Rest stand mehr auf das Modell von Pinkes Plastik, wie es sich für echte Prinzessinnen gehört.“
Ich amüsiere mich, als ich die Reaktion der Männer sehe. Das Hemd zwickt, einigen platzt schon jetzt der Kragen.
„75,87 Prozent der Lesben stehen demnach auf vaginale Penetration“, erkläre ich und drehe mich kurz um. „Der Rest mags anderswo.“
Erste Zwischenrufe zeugen vom Erfolg meiner Worte. Ich lächele und beginne von vorn.
„37 Prozent der Befragten geben an, dass sie es extrem gut fänden, wenn die Partnerin die High Heels im Bett trägt. Genau 89 Prozent dieser Frauen wünschen sich, dass diese Heels zuvor auf der Straße getragen worden sind. Möglichst in der Dirty Alley.“
Warum nur grinst die Blonde so?

„Weitere 63 Prozent der Lesben spüren gern die Hand an einer ganz bestimmten Stelle. Aber das wussten Sie vermutlich alle schon, so wird es an der Porno-Universität von Dr. Sex gelehrt.“
Während die meisten Frauen lachen, wird den Herren richtig warm. Kalter Schweiß steht auf so mancher Stirn und die Oberlippe zuckt.
„Apropos Finger“, doziere ich weiter. „Lesben jauchzen wild vor Lust, wenn sie die langen Fingernägel der Geliebten spüren. Da wird das Fleisch dann willig, etwas Schöneres gibt es nicht.“
Das nächste Bild, der nächste Satz. Ich erkläre warum Lesben keine Kleider tragen.
„Professor Dr. Humorus Causa gibt an, dass 100 Prozent aller Lesben zu Hause niemals Kleider tragen. Sie sind und bleiben nackt! Bis in die frühen 2000er Jahre trugen Lesben an wenigen Tages des Monats ein Höschen. Aber dank Hormonspirale sind sie nun in der Regel immer nackt.“
Ich habe bei Wortspielen schon immer gelacht.

„Lesben sind grundsätzlich über 1,75 Meter groß“, lese ich aus der Studie vor. „Schmale Hüften, knackiger Po. Und der Busen ist mindestens Doppel D! Lesben lassen sich den nämlich vergrößern! Nackt zu Hause schwingt der dann in schönster Freikultur bis auf den Boden.“
Es folgen weitere Bilder und für die Herren gibt es kein Halten mehr. Flinke Finger fliegen über Smartphones. Der Kopf ist rot, lüstern gar der Blick. Vermutlich knüpfen sie beim Internet-Portal „Lesbe sucht Mann“ erste Kontakte der besonderen Art.
„Zum Abschluss meines Vortrages, werde ich gern noch Fragen zum Thema beantworten“, sage ich in die Runde. „Also trauen Sie sich nur.“
„Hier, ich“, meldet sich ein bebrillter Nerd zu Wort. „Ich hätte da mal eine Frage, die mich schon lange beschäftigt hat.“
„Nur zu“, ermuntere ich den Fragesteller. „Was kann ich für Sie tun?“
„Also ich will doch unbedingt wissen, warum Frauen immer gemeinsam auf die Toilette gehen!“
Zweisam ist man nicht einsam. Aber das versteht der Mann natürlich nicht.

Ich beuge mich leicht nach vorn und schenke dem Frager einen Verschwörerblick.
„Es ist nämlich so,“ sage ich, „Frauen gehen nur deshalb zusammen, weil sie alle lesbisch sind! Und wo bitte kann Frau so richtig dufte fummeln, als auf einen Frauenklo? Dort wird dann hemmungslos geknutscht, das stille Örtchen wird zum Swingerclub. Bewantwortet das ihre so drängende Frage?“
Der Mann grinst verzückt und wischt sich den Schweiß von der Stirn. So einfach können Männer sein.
„Mögen Lesben eigentlich Männer?“, will ein Buchhalter-Typ von mir wissen. „Also ich meine so für einen Dreier? Und für Kinder! Weil … ohne Mann fehlt ja was!“
„Gut, dass sie diesen Punkt erwähnen“, sage ich eisig lächelnd. „Bekanntlich sind Lesben nymphoman und haben ständig Lust. Sie daten täglich andere Frauen. Und wenn ein Mann dabei Gesellschaft leisten will, so ist auch der hochwillkommen. Was wäre ein lesbisches Paar, ohne den dritten Mann?“
Humor ist, wenn die Lesbe lacht.

„Wie ist das mit Selbstbefriedigung?“, will ein Mann mit Pferdeschwanz wissen. „Machen es sich die Frauen auch?“
„Ja, aber klar!“, erwidere ich begeistert. „Gleich nach dem Frühstück, wenn Frau unter der Dusche steht. Lesben stehen doch immer eine Stunde früher auf, damit sie in diesen Genuß kommen.“
Die Blonde vor mir beißt sich lachend auf die Unterlippe.
„Entschuldigen Sie, Frau Dr. Landar,“ keucht sie mit halb erstickter Stimme. „Ich müsste mal eben für kleine Lesben …“
Noch eine Minute bis zum Glück.
„Tragen Lesben eigentlich Unterwäsche?“, meldet sich ein kahlköpfiger Herr zu Wort. „Ich habe gehört die lieben rauen Stoff auf ihrer nackten Haut. Ist das wahr?“
„Natürlich tragen sie niemals Unterwäsche“, sage ich in todernstem Ton. „Sie tragen ja auch niemals Hut.“
Verwirrte Augen, ein nachdenklicher Blick. Nur die Blonde, die kommt (jetzt) mit.

Und die Moral von der Geschicht: Lesben wollen Männer nicht.

30 Kommentare zu “Was Männer schon immer über Lesben wissen wollten

  1. Herrlich! Du siehst uns (meine beiden Assistentinnen, die Personalfrau und mich) schmunzelnd vor dem Bildschirm sitzen. Traurig, welche Klischees, Pseudoweisheiten und Vorurteile, meist von der Pronoindustrie gezüchtet und befeuert, in den Köpfen vieler existieren.

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  2. „Der Mann grinst verzückt und wischt sich den Schweiß von der Stirn. So einfach können Männer sein.“
    Ja, so sind wir wohl – einfach! Wenn ich das alles so lese, dann kann ich meinem Schöpfer nur danken, dass es, obwohl ja nach Ihren Erkenntnissen alle Frauen lesbisch sind, sich doch im Laufe meines Lebens die eine oder andere Frau gefunden hat, die eine Vorliebe für „das Einfache“ hatte. 😀
    Was du schreibst ist immer lesenswert, aber humorvoll kannst du ganz besonders gut!

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  3. „Aber dank Hormonspirale sind sie nun in der Regel immer nackt.“

    Made my day! Dafür wurden die Dinger schließlich gemacht …
    (Um die Hormone, die Lesben jeden Tag sparen, weil sie nicht verhüten müssen, beneide ich sie wirklich.)

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  4. Mir bleibt das Lachen gerade im Halse stecken. Ich hatte erst gestern Abend wieder so ein nettes Erlebnis in dieser Richtung. Habe mich mit einer Person männlichen Geschlechts getroffen (was für mich vorerst keine Rolle spielte). Er kommt aus Kenia, hat mich an der Uni angequatscht, wir hatten uns auf einen Kaffee getroffen. Ich fand ihn nett, ich kenne niemanden aus Kenia, war noch niemals in Afrika, fand es einfach spannend. Sagte aber gleich zu Beginn (man hat ja so seine Erfahrungen), daß ich verheiratet bin und sprach unbefangen wie immer von meiner Frau. Er war geflasht, ich mußte los. Er bat mich um ein zweites Treffen, er hätte noch nie eine(n) Homosexuelle(n) kennenlernt, wüßte so Vieles nicht, in Kenia werde nicht darüber gesprochen, er könne so viel von mir lernen. Wie ich heute weiß, war ich naiv, als ich dachte: „Wer weiß, wem in Kenia es irgendwann mal zu Gute kommt, daß dieser Mann weiß, daß wir auch nur Menschen sind.“ Also trafen wir uns gestern nochmal und es kam zum üblichen Programm, das Du in Deinem Post beschrieben hast. Ich habe es manchmal einfach nur noch satt. Ich versuche wirklich vorurteilsfrei an jeden Menschen heranzugehen und ich halte auch nichts davon, ein Geschlecht über einen Kamm zu scheren, aber solche Erlebnisse vermitteln mir, daß das naiv ist. Es bewahrheitet sich immer wieder, was ich versuche Männern NICHT zu unterstellen!

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    • Es tut mir wirklich leid, was dir da passiert ist. Leider ist dieses Verhalten die Regel und eben keine Seltenheit.

      Den Beitrag habe ich als Summe vieler eigener Erlebnisse und denen von Freundinnen geschrieben. Natürlich hätte ich das ernst und sachlich gekonnt, aber als Satire kommt es gleich so viel besser.

      Wenn ich mit Männern zu tun habe, was nur rein beruflich ist, bleibe ich stets auf Distanz. Im Training sind sie für mich entweder Schüler, oder Trainer, bzw. Mittrainierende. Da meine Frau stets dabei ist kommt es selten zu Missverständnissen. Und falls doch kann ich mich wehren. Wobei meist Worte reichen.

      Ich glaube viele Männer begreifen nicht, dass eine Frau eine andere Frau lieben kann und keinen Mann zum Glück braucht. In Gesellschaften wie Kenia, den arabischen Staaten, ist Homosexualität oft geächtet und wird nur heimlich ausgelebt. Du hast bestimmt gelesen, dass immer mehr Staaten in Afrika sie sogar unter Strafe stellen. Ewig Gestrige sorgen dafür und eine falsch verstandene Religion, die aber meist nur vorgeschoben ist. In Japan ist das auch nicht wirklich besser. Lesbische Frauen werden einfach nicht wahrgenommen, schwule Männer haben es etwas leichter.

      Vielen Männern ist es so was von egal, ob da zwei sich liebende Frauen sind. Sie sehen nur die „Beute“ und der Trieb erwacht. So war das auch bei deiner Begegnung denke ich.

      Ja, die Vorurteile. Ich habe Männer getroffen, denen ich (fast) vertraue. Aber das sind meist ältere Semester, die zum Glück kein Interesse an mir haben. Ansonsten bleibe ich vorsichtig und misstrauisch. Und ich irre mich so gut wie nie, wenn ich einen Menschen sehe.

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