Wenn Sexismus in die falsche Richtung geht

Dass Sexismus nicht nur ein Hirngespinst ist zeigt ein am Dienstag bei youtube veröffentlichtes Video. Darin ist die Schauspielerin Shoshana Roberts zu sehen, wie sie beim normalen Schlendern durch New York von Männern angesprochen und (sexuell) belästigt wird.

Vielen Dank an dieser Stelle an die „Lesbomatin“, die auf ihrem Blog bereits auf das Video aufmerksam machte. Bei meiner Online-Recherche bin ich dann auf einen Bericht von SPIEGEL-Online gestoßen, der von Morddrohungen gegen die Schauspielerin berichtet.

Auch, wenn sich das Video nicht 1:1 auf Deutschland übertragen lässt, hat jede Frau schon Bemerkungen wie diese erlebt. Besonders krass ist der die Schauspielerin verfolgende Afro-Amerikaner, der dies mehr als fünf Minuten tat. Und das am helllichten Tag! Für ein solches offen ausgelebtes sexistisches Verhalten fehlt mir jegliches Verständnis.

Zum Originalpost der Lesbomatin geht es hier:  KLICK MICH

Auf den Link zum SPIEGEL verzichte ich. Ich bin überzeugt davon, dass meine LeserInnen den Weg dorthin selbst finden.

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32 Kommentare zu “Wenn Sexismus in die falsche Richtung geht

    • Erschreckend, ja. Das waren auch meine Worte. Das Video zeigt ein Bild des (amerikanischen) Mannes, das der Sexismus-Debatte neue Nahrung gibt. So krass habe selbst ich das in Deutschland noch nie erlebt.

  1. Die Kommentare bei SPON von den Männern sind echt das Letzte. Ich würde die gerne alle nach Schwul-Town beamen, damit sie mal selbst den Spießrutenlauf absolvieren können.

  2. Wow. Einige Situationen kamen mir bekannt vor. So was wie „Hey Hübsche… ah, mag nicht grüssen“, oder „hey, lächle doch mal“ höre ich auch ab und zu. Und ich mache es dann gleich wie im Video: geradeaus schauen und ignorieren.

    Tragisch finde ich allerdings, dass sie nun Morddrohungen kriegt. Sie hat ja nichts getan. Und wirklich erkennen tut man ja niemand darin… Und sie war ja nicht mal besonders sexy angezogen. So gehe ich tagtäglich zur Arbeit…

    • Jede von uns kennt diese Art der Anmache in irgendeiner Form. Im Unterschied zu der Kommentatorin ist meine Toleranz mit zunehmenden Alter nicht gestiegen. Nur die Reaktion hat sich verändert. Ein Mittelfinger, ein abfälliger Blick trifft diese Spezies meist besonders hart.

      Ich mag mir kaum vorstellen was passiert wäre, wenn die Schauspielerin im Schulterfreien Top und Minirock diesen Versuch unternommen hätte.

  3. Ich hatte heute morgen das Video auch auf meinem Blog verlinkt, es später aber wieder runtergenommen. Das Thema ist für mich immer mal wieder relevant (http://schwestermeldungen.wordpress.com/2014/10/13/wohin-mit-meiner-wut/). Einerseits möchte ich mich nicht daran aufhängen, andererseits weiss ich aber, dass es wieder passieren wird.
    Ja, es gibt super nette Männer, die sowas nicht machen. Ja, es gibt auch Frauen, die Männer belästigen. Aber es reicht für mich aus, dass es so ein paar Idioten gibt. Dadurch rechne ich unterschwellig damit, dass ich wieder angemacht werde. Es ärgert mich, dass sich das auf mein Verhalten in der Öffentlichkeit auswirkt und ich mich nicht frei bewegen kann.
    Ich hab noch keine Lösung für mich gefunden.
    Aber es ist gut, dass darüber gesprochen wird.

    • Sexismus ist zwar keine Frage des Geschlechts, das ist völlig richtig. Aber ein Mann wird von Frauen definitiv so nicht angemacht, ginge er den gleichen Weg in New York, oder irgendeiner anderen Stadt.

      Als Deutsche mit asiatischen Wurzeln bin ich (gierige) Blicke gewohnt und auch Kommentare. Hinnehmen muss ich sie aber nicht. Ich kann mich wehren. Und diese Wehrhaftigkeit wird dann gegen mich ins Feld geführt. Verdrehte Logik des Täters, ein alter Trick bei Diskussionen.

  4. Ich finde das überhaupt nicht erschreckend. Wer New York kennt weiß wie allein die Hälfte dieser Ansprachen dort gemeint ist. Die Kommentatoren haben recht: Es gibt da schon ein Problem, aber der Film ist unfassbar schlecht gemacht.
    Natürlich ist die Welt sexistisch. Das liegt daran, das wir sexuelle Wesen sind. Und zwar die Männer und die Frauen! Das es schöner und intelligenter ginge, klar.

      • Nein, bestimmt nicht. Das Verhalten ist natürlich nicht ok.
        Allerdings, und ich will sein Verhalten damit nicht entschuldigen, das ist alles ein wenig komplizierter. Ich sagte an anderer Stelle schon, der Beitrag ist einfach schlecht gemacht. Da werden Dinge vermischt, die nicht die gleichen sind und unterschiedlichen Ursprung haben. Menschliches Verhalten ist enorm komplex. Und so ist das auch bei der minutenlangen Verfolgung. Das ist nämlich eine Interaktion des Mannes und der Frau, keine reine Aktion des Mannes. Auch wenn ich es völlig daneben finde von ihm, ist es so. Es ist immer Interaktion, auch wenn es einem nicht gefällt.

      • Interaktion bedeutet also für dich, die Frau ist daran schuld, dass Mann so reagiert? Frauen laden Männer durch ihre reine Präsenz zu Belästigungen (und Vergewaltigungen ein)?

      • Schuld – Können wir es Ursache nennen? Der Begriff ist präziser. Und selbst der funktioniert nicht sehr gut bei Interaktionen, da es sich um Ketten von Aktion und Reaktion handelt. Ich versuche es trotzdem mal:
        Frauen laden Männer durch ihre Präsenz zu Interaktionen ein. Natürlich, so soll das auch sein. Das ist sind ihre zugeschriebenen Rollen, in den Genen liegt das nicht, wie man weiß. Schon da wäre die Schuldfrage hinfällig, da man nicht-nicht handeln kann. Man kann ja nicht inexistent sein. (Es gibt übrigens Kulturen die versuchen genau das, indem sie Frauen aussperren aus dem öffentlichen Leben oder die Lebensbereiche von Mann und Frau trennen – sie wollen so diese Interaktion verhindern, klappt aber auch nicht)
        Der Spannende Teil ist, wie die Interaktion verläuft. Das hängt an sehr vielen Fäden. Das hängt an Stimmungen, wie der Mann tickt, wie die Frau tickt, und und und. Ganz oft liegt es leider daran wie der Mann tickt, denn der tickt ganz oft nicht sauber, keine Frage. Darüber brauchen wir uns überhaupt nicht zu streiten. Ich sehe auch das größere Defizit bei den Männern. Das ist Hilflosigkeit, die wiederum, an der sind sie nicht schuld.
        Die meisten Männer wollen Frauen nicht belästigen. Vollidioten gibt es immer, klar. Sie wollen den Frauen auch nicht zu nahe treten. Sie treten in ihrem Verhalten nur immer öfter daneben, da unsere Gesellschaft in immer heterogenere Gruppen zerfällt. Es gelten völlig verschiedenen Maßstäbe parallel miteinander. Natürlich ist das dann nicht mehr harmonisch, sondern wird ein großes Durcheinander mit Belästigung und Frustration.
        Aber was ist eine Belästigung? Da wird es sehr viele verschiedene Schwellwerte geben. Sogar bei ein und der gleichen Person im Tagesverlauf.

        Um deine Frage auf deine Schuldfrage zu destillieren – was einen aber bei dem Problem nicht weiter bringt: Wer belästigt ist an der Belästigung Schuld. Selbstverständlich gilt das auch für die Vergewaltigung.

        Mit Vergewaltigung hat dieses Kommunikationsmuster allerdings nicht viel zu tun. Das ist ein ganz anderer Wirkungskreislauf.

      • Zitat: „Frauen laden Männer durch ihre Präsenz zu Interaktionen ein. Natürlich, so soll das auch sein. Das ist sind ihre zugeschriebenen Rollen“ … Zitat Ende

        Bedeutet das nun im Umkehrschluss, dass Mann auch Frau zur Interaktion einlädt? Muss Mann beim Gang durch eine Stadt befürchten, derart belästigt zu werden? Was du als einfache Belästigung siehst, ist für viele Frauen bereits die Vergewaltigung ihrer Unversehrtheit. So wird ein Schuh daraus. Danke für deine Kommentare, sie waren erhellend.

      • Der Mann läd auch die Frau zur Interaktion ein, natürlich. Alle müssen interagieren. Es geht gar nicht anders, wenn man einen Raum teilt. Man kann nicht nicht interagieren. Das ist unmöglich.
        Natürlich gibt es sehr unterschiedliche Ansprachen, Belästigungen, Konfrontationen. Viele sind sehr ungeeignet. Trotzdem:
        Man ist für die Dinge verantwortlich die man tut, darauf sollte man sich auch konzentrieren. Aber man ist nicht dafür verantwortlich, was andere dazu empfinden oder sich Zusammendenken. Das liegt außerhalb des eigenen Verantwortungsbereichs.
        Das ist alles schwierig, ohne Frage, aber man kann sich auch in Dinge hineinsteigern.

      • Ohne Interaktion gäbe es kein Leben. Aber der Fokus liegt auf (sexueller) Belästigung. Und die geht primär von einer Spezies aus. Frauen – in der Summe – belästigen Männer nicht.

        Vom rein logisch-wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet tritt schnell eine Verharmlosung ein. Das bewertet Frau als den berühmten „jovialen Sexismus = ist doch alles nicht so schlimm.“ Und der ist mindestens so schlimm, wie Unachtsamkeit und Frauenhass. Gleiches gilt für den Versuch der Schuldumkehr: Frau ist schuld, dass Mann … Da steigere ich mich dann gern hinein und biete Contra. Weil es richtig und wichtig ist.

      • Natürlich geht sexuelle Belästigung häufiger vom Mann aus als von der Frau. Das anzuzweifeln wäre Lächerlich. Was sexuelle Belästigung ist und was nicht, das ist ein heikles Feld. Das wäre im Einzelfall zu diskutieren und einig wird man sich oft nicht.

        Ich kann das reinsteigern verstehen. Aber reinsteigern begeht schnell unrecht, riecht nach Männerhass, der vergleichbar dumm ist.

        Bei diesen Fragen wird schnell das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Sexismus wird als verachtenswert gegeißelt. Sexismus an sich ist aber nicht verachtenswert. Er ist menschliches Prinzip. Der Mensch – Frau und Mann – ist zu tiefst sexuelles Wesen. Man kann das nicht abschneiden von seinem Wesen.
        Sehr wohl kann man Form, Häufigkeit und Orte diskutieren in denen es sich ausdrückt. Da gibt es viel zu verbessern. Da bin ich dabei, sofort. Und darauf sollte man sich konzentrieren, nicht darauf zu geißeln, dass der Mensch sexistisch ist.
        Da muss man nüchtern bleiben, gerade weil es so ein heißes Thema ist.

      • Männerhass ist in der Feminismus-Szene oft die Regel. Aus Sicht von Frau betrachtet auch zu Recht. Der Fokus vieler männlicher Menschen liegt auf Sex und wie er das nächste Frauchen begattet. Zur Not auch mit Gewalt. Schönreden hilft dabei wenig. Mann kann, oder will den Standpunkt von Frau nicht verstehen. Ich erlebe das seit vielen Jahren. Er überschreitet Grenzen und dringt ein … in Körper und verletzte Seelen. Alles nur die Schuld der Frau, ich weiß.

        Bei aller Nüchternheit, bei aller Logik: Von mir gibt es dann den spontanen Mittelfinger, wenn mich Mann wie in diesem Video nervt. Und zur Not kann ich auch mit Worten zur Tat schreiten, um erhitzte Gemüter einzufrieren.

      • Der Mittelfinger ist vielleicht oft nicht die schlechteste Wahl.

        Und: ich will das jetzt hier nicht beginnen, nur kurz mit dem Finger drauf zeigen, weil irgendwie gehört es doch dazu:

        Männer (drastisch vereinfacht) wollen gar nicht jede Frau begatten, erst recht nicht mit Gewalt. Die Frauen (drastisch vereinfacht) sind die viel sexuelleren Wesen, so man sie denn lässt.
        Doch weder Frauen, noch Männer wissen davon.
        – Das ist der große Irrtum. Er einigt Feministen und Patriarchat in absurder Allianz. Sie begehen den gleichen Fehler. Weder das Patriarchat, noch der Feminismus (in seiner üblichen Farbe) ist ein irgendwie Sinnvolles Konstrukt. Es sind nur Kriegsphilosphien und scharen um sich verbissene Krieger, mehr nicht.

        Männerhass ist, genauso wie Frauenhass, oft verständlich, doch nie berechtigt.

      • Natürlich sind Frauen sexuelle Wesen, sofern sie ihre Weiblichkeit begreifen / annehmen können. Oder sofern man(n) sie lässt. Aber das ist ein anderes Thema und ruft nach einem weiteren Blogbeitrag.

        Die von mir angesprochene Begattung durch Mann muss kein körperlich vollzogener Akt sein. Womit wir wieder bei dem Video, dem Verhalten von Mann während und danach wären.

        DEN Feminismus gibt es (leider) nicht, die Lager sind zutiefst gespalten. Und Krieg führen doch nur die anderen. Männer und Frauen? Nö, die tun das nicht. Die lieben sich zu Tode, die küssen und die schlagen sich.

        Männer zu hassen hieße für Frau, dass sie mit sich selbst nicht im Reinen ist. Ich bin. Guten Tag.

  5. Gibt es eine richtige RIchtung für Sexismus?
    Äh, aber egal. Was gezeigt wurde ist einfach inakzeptabel – in jeden Land. Schlimmer ists aber in Pakistan und Indien, wo die Männer auch schon öfter mal Mobs bilden und handgreiflich werden.

    • In vielen Ländern leben Männer in einer Gesellschaft, die Frauen als Objekte ansieht. Falsch verstandene, oder (bewusst) falsch gepredigte Religion trägt ihren Teil dazu bei.

  6. Traurig, aber wahr! 😥 Ich habe leider auch schon Erfahrungen mit körperlichen, sexuellen Belästigungen durch junge Männer gemacht. An anderer Stelle erwähnte ich bereits, dass mir ein Mann einmal auf der Straße in den Schritt gefasst hat und ein weiterer an den Hintern. Da sie nicht wussten, dass ich Kampfsportlerin bin, waren sie bei meiner harschen, körperlichen Reaktion sehr schnell eingeschüchtert und suchten das Weite. Manchmal ist es ein Fluch blond zu sein und für manche vielleicht wie ein Engel oder so etwas auszusehen.

    • Du wirst noch über meine Begegnungen mit Mann lesen oder hast es schon. Verbalattacken sind eine Sache. Wer mich anfassen will, hat ein Problem.

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