Die Kritik der reinen Vernunft

Vernunft und Unvernunft liegen oft dicht beisammen. Fast möchte man sie Engel, oder Teufel nennen. Und auch in meiner Brust wohnen diese beiden munteren Gesellen, denen ich ausnahmsweise die männliche Form zugestehen mag. In mir hat ein Kampf getobt, der keinen Sieger kennt. Vernunft trifft auf Unvernunft. Wers lesen mag, der folge nun meinen Zeilen. Wer nicht, der gehe seiner Wege. Alles gut.

Was aber ist die Vernunft, was will uns dieses Wort nun lehren? Ich zitiere nachfolgend Immanuel Kant, den vielleicht wichtigsten Philosophen. Bei der Vernunft unterschied Kant zwischen der („reinen“) theoretischen und der praktischen Vernunft. Die theoretische Vernunft ist die Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen, sich selbst zu prüfen und unabhängig von der Erfahrung zu den apriorischen Vernunftsideen (Seele, Gott, Welt) zu gelangen.

Die theoretische Vernunft hat mich schon immer begleitet. Ich war mir selbst stets die beste Analytikerin. In dieser Funktion liege ich nun mit mir selbst auf der Couch und höre meinen Gedanken zu. Ich hinterfrage mich und meine Ziele. Nie lange und immer sehr direkt. Zögern, das machen nur die anderen. Ich verharre nur kurz und stürme dann davon.

Meine welt ist bunt, geprägt von Elfen, BWL und einem Regenbogen. Die Welt ist, die Dinge sind. Alles was ist nennen wir Seiendes. Auch die alltäglichen Dinge des Lebens. Die können erfreulich, oder nützlich sein. Ein Geschenk, ein Wagen, auch Auto genannt. All dies nennen wir ist. Zu allem was ist verhalten wir uns. Die Frage ist nur wie und warum. Beantworten kann ich die Frage nicht, das konnte Kant viel besser.

Nur hatte Kant mindestens den 10. Dan in seinem Fach, um einen Vergleich mit Karate zu wagen. In der Philosophie bleibe ich die kleine Schülerin. Mit vielleicht einem lichten Moment. Aber es sind Kants Thesen, die ich meisterlich für mich verwende. Seine Worte helfen. Nur, wo hört Kant auf und wo fängt Mayumi an?

Ich habe nachgedacht und das sehr intensiv. Laut Kant ist der Verstand das zentrale Maß aller Erkenntnis. Jede Erkenntnis besteht aus Sinnlichkeit (Wahrnehmung) und Verstand, denn die Sinnlichkeit ist auf den Verstand angewiesen, und der Verstand auf unsere fünf Sinne.

Und auch mir ging ein Licht auf. Nicht plötzlich, kein „Heureka – Ich hab’s!“ Es war ein wochenlanger Denkprozess. Das Ergebnis lest ihr hier. Ich habe mein Verhalten auf den Leistungsprüfstand geschleppt. Mayumi, die Turbofrau. Immer ungebremst durchs Leben. Aber niemals gegen die Wand. Unfälle bauen nur die anderen. Und die haben keine Rennlizenz.

Nach einigen Durchläufen dann die Analyse. Und die Erkenntnis wog schwer. Um den Verstand drehen sich die erkannten Gegenstände. Und zwar so, wie wir sie sehen und nicht wie sie in Wirklichkeit sind. Mein Blick fiel auf Zahlen. Aber Statistiken und Top-Speed als Lebenszweck? Zahlen, Namen, Artikel – ein Blog. Felgen, Motor, Farbe – ein schneller Wagen.

Anders als bei Kant, hat sich mein Verstand um nichts anderes mehr gedreht. Und das habe ich nun klar und mit Vernunft erkannt. Ich habe eine Erfahrung gemacht und eine Erkenntnis gewonnen. Und ich übe Kritik an meinem Verhalten, das von Zugriffen und Schnelligkeit geprägt worden ist.

Die Vernunft kann nur das an der Natur (an Dingen) erkennen, was sie vorher in sie hineindenkt. Blog und Auto haben sich nicht verändert. Sie waren da. Einfach. Aber meine Gedanken sind zu schnell gekreist. Mein Fazit: Langsamer komme ich auch zum Ziel. Was das bedeutet wird die Zukunft zeigen. Bis dahin lese ich den „Kategorischen Imperativ.“ Und ihr habt mich hoffentlich verstanden. Oder etwa nicht?

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19 Kommentare zu “Die Kritik der reinen Vernunft

    • Das trifft es nicht ganz. Ich ändere meine Prioritäten. Der Blog ist. Er wird es auch sein, wenn ich weniger an ihn denke. Mein Verstand nicht mehr darum kreist. Ob die Zeit, die ich dann doch hier verbringe, intensiver ist, das wird sich zeigen.

      • Du hattest schon vor ein oder zwei Wochen davon geschrieben, dass du deine Aktivitäten zurückfahren willst. Deswegen dachte ich, dass es bei deinem Verstand schon angekommen wäre. 🙂

  1. „Cogito ergo sum“ Wir denken, die meisten Probleme unseres Lebens ließen sich beheben, wenn wir nur gründlich darüber nachdenken. Descartes und seine Erben haben uns gelehrt, all jene Aspekte des menschlichen Lebens unbeachtet zu lassen, die bewusster Nachprüfung nicht leicht zugänglich sind. Und wenn, laut Kant, der Verstand das zentrale Maß aller Erkenntnis ist, dann ist eigentlich alles ganz klar und ganz einfach.
    Ist es so einfach? Wenn unser Bewusstsein, unser Verstand, den wir zum zentralen Sitz unseres Ich, unserer Persönlichkeit erklärt haben, alles wäre, dann ja. Für mich ist der Verstand aber nur der Darsteller auf der Bühne, auf den sich die Scheinwerfer richten und der uns vergessen lässt, dass Kulisse, Technik, Regie, Dramaturgie, Bühnenarbeiter, Maskenbildner, Repetitoren, Kostümschneider, Beleuchter, Tontechniker und ein halbes Dutzend anderer Protagonisten ihren unsichtbaren, entscheidenden Teil dazu beitragen, dass die Aufführung stattfinden und der Schauspieler im Scheinwerferlicht glänzen kann. Darüber, wie das Drehbuch zustande gekommen ist, welche Einflüsse und Einsichten die Handlung bestimmt haben, verschwenden wir meist keinen Gedanken. Vielleicht ist es gut so, dass wir darüber nicht nachdenken. Nur manchmal ist es ganz gut, sich für einen kurzen Moment bewusst zu machen, dass auch das, was wir nicht bemerken, einen Einfluss auf uns hat.
    Sorry, aber du siehst, dein Text hat bei mir ins Schwarze getroffen, die Thematik fasziniert mich. Dann neige ich schon mal dazu, etwas exzessiv loszuplaudern.
    Dir einen schönen Tag und viel Spaß mit dem Kollegen Imperativ, dem kategorischen 🙂
    LG, Sec

    • Das sagst du nicht mehr, wenn ich wirklich den Kategorischen Imperativ erkläre 😉 Aber keine Angst, Kants Thesen kamen mir nur für die Aussage in genau diesem Artikel gelegen.

  2. Du bist die kleine Schwester von Kant, und die heißt ja wohl Kantine. :mrgreen:
    Langsamkeit als Folge der Vernunft. Ich hatte das eher als Folge seelischer Erkenntnisse gesehen.
    Nun ist es dein persönlicher Weg, und dein Agieren mit Kant zu verbinden (mit dem 10. Dan, welchen hat er im Senf machen?) finde ich faszinierend.
    Langsamkeit als Folge der Vernunft. Und Vernunft als Leitstab und Maß des Handelns. Finde ich gut, dass du daran erinnerst.

    • Ich finde es faszinierend, was du aus dem Text liest. Zugegeben war er schwere Kost. Einer Kantine würdig, nicht wahr? 😉

      Kant mag für viele Menschen unverdaulich gewesen sein, die Höchststrafe für angehende AbiturientInnen, oder Studies. Aber er hat etwas erfasst, woran es den älteren Philosophen mangelte. Und an ihm vorbei zu kommen, diesem Schwergewicht reiner Gedanken, fällt selbst heute noch schwer.

  3. Langsamer werden bedeutet für mich die Dinge zu vereinfachen.
    Das Blendwerk und die Tuner abzulegen und auf den Grund stoßen.
    Sich dort ein gemütliches Plätzchen zu schaffen und aus gewonnener Ruhe heraus zu wirken.
    Kurz: Einfach(es) Leben.
    Ein schöner Artikel.

  4. Ich finde es immer sehr schön und interessant wie du schreibst. Es ist so ein eigener Schreibstil 🙂
    Analysen über mein Handeln und Denken kenne ich allzu gut. Nur bin ich schon von Anfang an immer langsam gewesen. Bzw. habe ich schon im Voraus genau Milchbüchlein geführt über das „Was, wie, warum, weshalb?“, wenn man das so metaphorisch ausdrücken kann. Das kann dann eben mal in Zögern ausarten, was auch nicht immer sonderlich gut ist.
    Aber mal etwas langsamer machen ist wichtig.
    „Entschleunigen“, sagte mal ein Clown namens Baldrian, wie ich mich von einer Zirkus-Kindheitserinnerung erinnern mag ^.^
    Liebe Grüsse

    • Baldrian soll beruhigen, die Gedanken kreisen dann langsam(er), nicht wahr? 😉

      Langsam kommt man auch zum Ziel, das nennt sich dann Beharrlichkeit. Aber Zögern? Nein, das machen doch nur die anderen. Wir nie. 🙂

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