Warum ich (k)ein Kind sein will!

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen, für Kinder ist die Welt spannend und bunt. Aber Kinder haben auch den Wunsch erwachsen zu sein.
Ich war gern Kind, Erwachsene fand ich komisch. Klar, da waren meine Eltern, diverse Tanten und Onkel. Aber Familie und Freunde zählen nicht.
Es gibt Menschen die trauern ihrer verlorenen Jugend hinterher. Ihr Leben dreht sich stets im Kreis. Immer nur ein Blick zurück.
Kinderzeit, verlorenes Glück?

Für manche Menschen scheint die Zeit zu rasen, hiflos sehen sie dem Uhrenzeiger zu. Und die Sekunden ticken, das Leben zieht vorbei.
„Ach und könnt‘ ich doch nur ein einz’ges Mal die Uhren rückwärts dreh’n“, hat Wolfsheim einst gesungen.
Aber ganz ehrlich, warum sollte man das tun? Das Leben spielt im Hier und Jetzt und nie im Gestern.  Kinder, das sind die anderen. Aber Kinder sind auch wir. Tief in unserem Inneren lebt das ewige Kind, jenes unbeschwerte Glück.
Mag jemand mit mir lachen?

„Denn wie viel von dem, was ich heute weiß, hätt‘ ich lieber nie geseh’n“, heißt es bei Wolfsheim.
Und schon flüchtet der Mensch in (s)eine eigene Welt, vielleicht sogar in eine Depression.
Aber was schließt uns von der Welt der Kinder eigentlich aus, warum können Erwachsene sie nicht sehen? Die Logik, der Verstand tötet oft das Spiel. Und unsere Herzen werden kalt.
Das Feuer der Jugend macht der Weisheit des Alters Platz. Träume verpuffen und bleiben nur noch Träume.
Ich habe das immer anders gesehen.

Als Kind war ich anders, als andere Kinder. Viel disziplinierter, aber auch unglaublich wild.
Und dann wieder verträumt im Reich der Bücher. Geschichten, ach wie wunderbar.
Mir lief die Zeit niemals davon, ich habe immer intensiv gelebt. Und das in meiner bunten Welt, im zauberhaften Feenreich.
Aber auch Feen müssen manchmal kämpfen. Genau das habe ich dann auch getan. Ich habe meine Welt verteidigt, mich und mein kleines Herz geschützt.
Feuer und Eis, beides ist in meiner Seele.

Meine Kindheit war behütet. Aber die eigentliche Wächterin war ich. Ich habe jeden Tag genossen. Intensiv und voller Mädchenglück.
Musik, Poesie und auch Karate, haben einen besonderen Menschen geformt. Und der Zen-Buddhismus hat ein übriges getan.
Es waren immer spannende Tage und keiner war ein Klischee. Statt den Regen zu meiden bin ich lieber in Pfützen gehüpft.
Angst hatten immer nur die anderen. Der Angst lache ich fröhlich ins Gesicht.
Unbeschwerte Jugend, unbeschwertes Glück.

Das Kind in mir ist stets lebendig und das wird niemals anders sein. Aber dieses Kind hat manchmal Pause. Und doch gibt es immer den Weg zurück.
Vielen Menschen gelingt das nicht. Sie entfernen sich von ihrer Kinderseele. Ich habe die meine immer behütet, wie einen kostbaren Schatz gehegt.
Geholfen dabei haben mir auch andere Menschen. Oder besser gesagt haben sie mich unterstützt.
Der wichtigste Mensch ist dabei meine Elfe. Obwohl erwachsen, ist sie auch ein großes Kind.
Vielleicht ist das eins der Geheimnisse unserer Liebe: wir nehmen uns an, wie wir sind.
Ändern wollen uns immer nur die anderen.

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen, für Kinder ist die Welt aufregend und bunt. Aber Kinder haben auch den Wunsch erwachsen zu sein.
Ich bin gern erwachsen und ich bin noch immer gern ein Kind. Kein Widerspruch, nur mein Weg zu leben.
Und genau das ist der ganze Trick. Zu leben und nicht zu warten bis die flüchtige Zeit vergeht.
„Immer vorwärts, Schritt um Schritt es gibt keinen Weg zurück“, singt Wolfsheim und das Kind in mir schüttelt leicht den Kopf.
Es gibt immer einen Weg zurück! Mag ihn jemand mit mir gehen?

35 Kommentare zu “Warum ich (k)ein Kind sein will!

  1. Das mag ein kontroverses Thema sein, aber genau wegen dieser Furcht flüchten sich viele Menschen, jedenfalls die Christen, in die Religion.
    Mir ist das leider nie gelungen, dazu denke ich zu rational. Und habe vielleicht zu wenig Angst.

    Über den Verlust der Zeit habe ich auch vor kurzem nachgedacht. Ein schöner Gedanke, einfach rückwärts zu gehen.
    Liebe Grüße!

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  2. Eine Weg zurück, manchmal, aber immer seltener, immer mehr bleibe ich im hier:-) Nur manchmal gehe och zurück, bewusst an die Schönen Erinnerungen anknüpfen. Mich nicht mehr von Vergangenen runterziehen lassen. Verdrängen? Nee das denke ich nicht. Schon durchlebt und angenommen. Spreche ich in Rätseln? Ja kann sein:-) Alles Liebe

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  3. Zurück kann man, glaube ich, nie – wir haben uns verändert, die Welt hat sich verändert. Aber muss man denn wirklich die Zeit zurückdrehen, um das Leben noch wie ein Kind genießen und neugierig die Welt entdecken zu können? Erwachsen und gleichzeitig noch ein Kind zu sein ist eine Kunst. Wer das in der Balance halten kann, der muss die Zeit gar nicht zurückdrehen, sondern kann mit derselben Unbeschwertheit vorwärts gehen, mit der ein Kind sich auf den nächsten Geburtstag, die nächste Reise, den nächsten Winter, Frühling, Sommer, Herbst freuen kann.

    Und wenn man dann noch eine Elfe an seiner Seite hat, muss man wirklich keine Angst vor der Zukunft haben. Oder? 😉

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    • Stimmt! Yuki ist viel kindischer als ich 😉

      Was mich bei Erwachsenen früher abstieß, war die an den Tag gelegte Ernsthaftigkeit, der fehlende Humor. Das von mir, einer japanischen Deutschen zu hören mag seltsam klingen, sind wir doch MeisterInnen in der Zurückhaltung von Gefühlen. Aber ich konnte schon immer lachen. Und das wird auch dank Elfe in Zukunft so sein.

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  4. „Childhood is the Kingdom where nobody dies“ (Edna St. Vincent Millay)
    Dieser eine Satz stimmt mich immer wieder nachdenklich und traurig. Unter diesem Blickwinkel würde ich gerne mal „zurückgehen“, und sei es nur für einen Tag!

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  5. Nochmals zurück? Nein – auf keinen Fall. Dann hätte ich ja alles nochmals vor mir. Auch alles, was keinen Spass gemacht hat. Trotzdem lebt das Kind in mir aber auch weiter. Zum Kind wird man oft wieder, wenn man bei den Eltern ist. Und diese zwei Wochen im Jahr, wo ich sie besuche, geniesse ich dann auch. Auch wenn meine Eltern dann wieder voll und ganz zu Eltern werden, und mir sagen, was ich zu tun habe.

    Auch sollte man sich ab und zu „kindisch“ verhalten können und dürfen. Das macht doch das Leben gleich viel schöner und bunter. Was spricht dagegen, einfach mal nur unbeschwert Spass zu haben, wie das Kinder oft tun? Zum Glück habe ich gute Freundinnen, mit denen mir das regelmässig gelingt.

    Und auch geniesse ich es, einfach mal einen Nachmittag mit einem Kind zu spielen. Ach, war der Nachmittag mit meinem kleinen Cousin und seiner Carrera-Rennbahn toll. Seitdem habe ich ja auch den Status der Lieblingscousine 😉

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      • Ich glaube, ich kann es mir vorstellen. Hierzu fällt mir ein Erlebnis meiner Kindheit ein. Zu uns ins Dorf zog ein Ehepaar, sie Japanerin und er Schweizer, mit zwei Jungs. Der Jüngere kam in die gleiche Schulklasse wie mein Bruder, und die beiden freundeten sich an. Dadurch freundeten sich dann auch unsere Eltern an, weswegen wir da oft zu Besuch waren. Beim ersten Mal haben wir Fangen gespielt. In und ums Haus. Und mein Bruder und ich sind dabei auch einmal durch das japanische Esszimmer gerannt. Was wohl nicht so gut war. Darauf wurde die Stimmung ganz komisch und wir sind dann bald nach Hause. Zu Hause haben uns unsere Eltern dann erklärt, dass die Kumiko halt weit weg von zu Hause wohnt, und deswegen sehr an ihrem japanischen Esszimmer hängt, und wir da besser nur reingehen, wenn sie uns dazu auffordert. Zum Glück tat es der Freundschaft keinen Abbruch. Das Zimmer mieden wir ab da aber lieber 😉

        Mein Lachen bleibt auch. Ebenfalls laut und unbekümmert. Sich freuen wie ein Kind kann doch nach wie vor extrem schön sein.

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      • Dann haben sie uns Europäern was voraus 🙂 Wobei ich mich da bei dem uns ausschliessen will. Durch das viele Reisen halte ich auch niemanden mehr für komisch. Anders aber schon. Was ja in dem Fall auch nur eine Tatsache ist 😉

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  6. Für Erwachsene, die ihr „Inneres Kind“ verloren haben und darum die Welt nicht mehr als aufregend und bunt wahrnehmen, empfehle ich Reisen in andere Kulturen. Bei solchen Reisen ist die Wahrnehmung eine andere als die im stumpfen, routinierten Alltag.
    Bei meinen Beratungs- und Therapiegesprächen führe ich unglückliche Menschen auch zurück zu ihrem „Inneren Kind“, damit sie diesem in ihrem Leben einen Platz einräumen können. Gerade bei Paarberatungen zeige ich den Klienten wiederum auf, welche Anteile von ihnen dem „Inneren Kind“ zuzuschreiben sind, damit sie reflektierter miteinander kommunizieren können. Gerade bei Paarkonflikten können Menschen nämlich sehr kindisch und unreflektiert werden, ohne es zu merken.
    Ach je, das hört sich alles sehr analytisch an. 😅 Darum mal etwas Unanalytisches: Wenn man auch mal kindisch ist, dann hat man einfach mehr Spass im Leben! 😀

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