Girltrash – South of Nowhere meets the L-Word

Seit einigen Jahren bin ich ein Fan von meist lesbisch geprägten Web-Serien. Girltrash gehört mit dazu. Geschrieben von der großartigen Angela Robinson einer Produzentin von „The L-Word.“ Die Serie entstand zwischen 2007 und 2009 und hatte nur kurze Folgen. Mehr als 3 bis 5 Minuten sind solche Filmchen selten lang.

Die leider unvollendete Serie basierte auf dem Leben von Tyler und Daisy, zwei kriminellen Sängerinnen, gespielt von Michelle Lombardo  und Lisa Rieffel. Bei Tyler dachte ich damals schon an eine Neuausgabe von Shane, wenn auch auf anderem Niveau. Daisy / Lisa ist einfach sie selbst. Witzig, lustig, talentiert.

Macht man sich bewusst, dass die DarstellerInnen oft kein Geld dafür bekommen, jeder Film aber trotzdem Geld kostet, so kann man sich die Schwierigkeiten solcher Produktionen gut ausmalen. Und doch sind in den letzen Jahren wahre Perlen entstanden. Gedreht mit wenig Geld, dafür mit um so mehr Herzblut. Diesen Weg zu gehen zeigt aber auch das große Problem lesbischer Kunst, sie wird selten von großen Studios finanziert.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Leider auch genug schlechte Beispiele, in denen Lesben als dümmliche Witzfiguren auftreten. Der Grund ist klar, die Regisseurin muss sich verbiegen um ihr Werk an den Mann, bzw. die Frau zu bringen. Entsprechend harsch ist dann auch die Kritik der Szene. Vor allem, wenn Lesben tragisch sterben müssen, um die heilige Kuh „Hetero-Ehe“ zu retten.

Auch Girltrash, auch Angela Robinson hatte diese Probleme. Aber als 2009 die Ankündigung kam einen Film aus der Serie zu machen, waren wir alle gespannt. Immerhin hat das bei D.E.B.S  wunderbar funktioniert. Kurzfilm meets Langversion und das mit großem Erfolg.

Nun gibt es die Legende des Einhorns in der Fantasy-Welt. Und ähnliches geschah nun mit Angelas Film. Die Monate vergingen und Jahre zogen ins Land. Gesehen hat man Girltrash nie. Dabei war der Film gedreht und Angelas Frau, Alexandra Kondracke, hat sogar Regie geführt. Nur gab es offenbar keinen Verleih, kein Studio hat sich dafür interessiert. Geld zu sammeln hieß nun die Devise. Und das wird im oft erzkonservativen Amerika recht schwer.

Ich bin ehrlich: ich hatte die Serie fast vergessen und den Film schon lange abgehakt. Bis, ja bis Herbst 2013, als eine Nachricht die Szene erschütterte. Girltrash: All Night long wird auf DVD veröffentlicht! Mit Herzklopfen las ich weiter und meine Augen wurden schmal. Ein Musical sei der Film geworden und Angela Robinson habe sich im Streit davon distanziert. Und mit ihr auch ein Teil der Crew und Darstellerinnen. Was war hier geschehen?

Vielleicht kennt der ein oder andere meiner Leser die Serie „South of Nowhere,“ die Liebesgeschichte von Spencer und Ashley. Die beiden Darstellerinnen, Gabrielle Christian und Mandy Musgrave, spielten auch bei Girltrash eine kleine Rolle. Zusammen mit Kurzauftritten von Amber Nicole Benson, die in der Serie Buffy, die lesbische Hexe Tara spielte und Rose Rollins aus „The L-Word.“

Aber während die Serie fast nur auf Tyler und Daisy basierte, ging der Film einen anderen Weg. Plötzlich stand dort die Liebesgeschichte zwischen Gabrielle Christian, als Colby und Mandy Musgrave, als Misty im Vordergrund. Kein Fehler, um es vorweg zu sagen, aber eine Überraschung für mich. Und die beiden Darstellerinnen haben dem Film etwas die Show gestohlen und alle anderen degradiert. Leider war Amber Nicole Benson nicht mehr dabei. Dafür Rose Rollins, die wieder nur sehr kurze, aber durchaus überzeugende Auftritte hatte.

Und mit dem Hinweis auf „Buffy“ schließt sich dann der Kreis. Ursprünglich sollte der Titel des Beitrags „Buffy meets the L-Word“ heißen. Weniger wegen der Darstellerinnen, aber auch die spielten eine Rolle. Vielmehr wegen der Natur des Films als Musical. Eine der Buffy-Folgen „Once more, with Feeling“,  hat man ebenfalls als Musical gedreht.
Dieses Konzept war damals neu und ungewohnt, hat aber durchaus gepasst. Entsprechend gespannt war ich auf Girltrash und die Umsetzung der Serie als Film-Musical.

Natürlich kann man mit einem geringen Budget keine Wunder erwarten, aber die Crew hat ihren Job gut gemacht! Ja, es gab kleine Schwächen bei Beleuchtung und Ton, ja die nun singenden Darstellerinnen wirkten am Anfang komisch. Aber wer die Web-Serie nicht kennt, dem wird der Film vielleicht uneingeschränkt gefallen. Angela Robinson hat das völlig anders gesehen und die Szene damit schockiert:

“Girltrash!” is a project close to my heart.

I was trying to find a way to make affordable, quality lesbian entertainment and develop a brand that would encompass web series, movies, television, graphic novels and stage musicals.  To this end, after first making a web series and a penning a graphic novel, I produced “Girltrash: All Night Long” with Stacy Codikow.

I love the movie and each and every person that tirelessly worked on this project – the crew and mentees that donated their time and energy for free or for cut rates, the incredible musicians, Lisa Rieffel and Johnny Dunn, who wrote fantastic songs, the awesome actors who worked all night long for months on end, Luke Tierney, the composer and Chris Hill, the editor, and of course, Alex Kondracke, the amazing director. I am extremely proud of the work that was done.

But POWER UP is presenting a version of the film that I have not seen, that is unfinished and that has not been creatively approved by me and as a result, I do not support nor validate any screenings or commercial sales of “Girltrash: All Night Long” at this time.

Working with Stacy Codikow and POWER UP has been, without a doubt, the worst experience of my career. Because Stacy has been so horrible I will never again be involved in any project in which Stacy Codikow or POWER UP is involved.

Vor dem Hintergrund dieser Aussage sehe ich den Film zwigespalten an. Ich habe mich auf das Wiedersehen mit „alten Freundinnen“ gefreut und die Zeit genossen. Und so geht es vielen Fans, die vom Streit hinter den Kulissen nicht viel wissen. Lesbische Filme sind scheinbar auch weiterhin vom Glück verlassen. Sie sind und bleiben eine Randerscheinung, werden wenig akzeptiert. Und gibt es dann noch Streit im lesbischen Lager, wird es niemals weitergehen. Ich kann den Film trotzdem empfehlen. Wer Musik und Handlung mag, der kommt auf seine Kosten.

6 Kommentare zu “Girltrash – South of Nowhere meets the L-Word

  1. Oh je… Aber ich verstehe Dich gut: Ich habe mir mal eine Serie fast selbst verdorben, indem ich zu viel darüber gelesen hatte: 2 der Hauptdarsteller – in der Serie Freunde für`s Leben – waren sich nämlich hinter den Kulissen spinnefeind. Und mehr noch: Der eine Hauptdarsteller entpuppte sich als riesiges menschliches A****loch der u.A. frauenfeindliche Äußerungen von sich gegeben haben und für den Rausschmiß einer Kollegin gesorgt haben soll – weil sie eine Frau ist!
    Hat mir die Serie irgendwie versaut…
    Was man allerdings sagen kann: Wenn das mal kein genialer Schauspieler war! 😀

    Gefällt mir

    • Die Serie hat mir der Film nicht verdorben. Sie ist wirklich nur sehr kurz und das Ende fehlt. Das Paar im Film ist seit South of Nowhere privat befreundet. Und lesbisch sind die nicht, die spielen das nur sehr gut.

      Ich fand es lediglich schade, dass durch Angelas Ausstieg, der Film in die Negativ-Schlagzeilen kam.

      Gefällt mir

      • Ich bin grad verwirrt: Wie können denn Teile einer Serie nur 3-5 Minuten lang sein? Wo kann man sich das denn anschauen? 8Vorzugsweise auf Deutsch! 😉 )

        Gefällt mir

      • Dankeschön, werd bei Gegenheit mal reinstiezen!
        … Englisch? Aber logo, klar kann ich des, watt denkste denn??? Also, zumindest für Harry P. hat`s gereicht, Hemingway würde schwierig werden. 😀
        Also mal sehen, wie viel ich da verstehe! 😉

        Gefällt mir

      • Gern geschehen 🙂 Du wirst alles verstehen, die Dialoge sind nicht sehr komplex.

        Hemingway hat eine eher einfache, klare Sprache benutzt. Mag sein, dass du einige (Fremd)Worte nicht verstehst. Andere AutorInnen sind da schwieriger. Du schaffst das, ich glaube an dich.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s