Zum Abschied sag ich leise tschüss

„Nichts ist für die Ewigkeit“, hat eine Band gesungen, „Ein jegliches hat seine Zeit“, die Bibel einst gesagt.
Und die Zeit des Abschieds ist gekommen. Es ist vorbei, wir brechen auf.
Monate der Freude liegen hinter mir. Monate voller Elfenglück.
Was bleibt ist die Erinnerung, was bleibt sind bunte Bilder.
Nichts ist für die Ewigkeit, nichts bleibt wie es war.

Es ist Donnerstag, der 28.August 2014. Ausnahmsweise lacht die Sonne. Ein Novum an diesem Tag.
Mein Blick ist verschleiert, öde wirkt die Welt.
Yuki kann mir kaum in die Augen schauen, zu emotional ist dieser Moment.
Wir steigen in den Wagen. Die Nachbarin grüßt, auch sie wirkt bedrückt.
Ahnt sie unsere Pein?

Schweigend und tief in Gedanken fahren wir zu unserem Termin.
Ja, die Welt hat sich gewandelt und Menschen erfinden sich jeden Tag neu.
Treu für immer, nur ein schönes Wort?
Rasant nach vorn im gleichen Schritt. Ganz ohne Pause. Kommt wer mit?
Gefühle auf der Überholspur. Sind sie uns davon gefahren?
Das Ende aller Zeiten naht.

„Was machen wir denn jetzt?“, will Yuki wissen. „So geht das doch nicht!“
Und aus der Tiefe des Herzens steigt die Qual ans Tageslicht.
Ein Kloß sitzt mir im Hals. Zum ersten Mal seit Jahren fehlen mir die Worte.
Dann macht es klick in meinem Hirn.
Ich schalte um auf Logik und Yuki greift nach meiner Hand.
Halt mich fest für immer!

„Dich hätte ich geliebt“ erklingt ihre Elfenstimme. „Dich so geliebt. Durch dich wär groß ich. Hätte meinen Namen man einst genannt, ich hätte deinen mehr dem Staub entrissen. In das Firmament ihn ehern brennend. Dem Titanen gleich, der Kraft sich an der Erde Brüsten holt, wär deinem Leibe immer ich genaht. Nun muß ich dich mit bittrem Schweigen nennen. Wie ist mir trocken um das Herz geworden. Gelöscht ist alles, und wenn ich dich sehe, fehln mir die Worte. Nur Alltäglichkeiten noch mag ich reden. Säh ich dich nicht mehr! Du hättest mich zu einem Kind gemacht um einen deiner Küsse. Ungeweint nun brennen mir die Tränen tief im Herzen, wie Salz in offnen Wunden beißt und brennt.“

Yuki macht eine kurze Pause und schaut mich an.
„Georg Heym?“, frage ich und sie nickt.
„Das war aus  – Die Zeiten schlagen ihre Bücher zu -, ein, wie ich finde, wunderbares Gedicht.“
„Auf jedes Ende folgt wieder ein Anfang, auf jedes Äußerste folgt eine Wiederkehr“, zitiere ich den chinesichen Philosophen Lü Buwei.
„Und wie soll das gehen?“, will Yuki wissen. „Ich fühle mich total schlecht! Muss denn immer alles so schnell enden?“
Wenn Elfen weinen, bleibt kein Auge trocken.
Hat wer ein Taschentuch für mich?

Mein Gasfuß zuckt, die Radar App schlägt Alarm. Notgedrungen muss ich langsam fahren.
Tausend Dinge gehen mir durch den Kopf. Bunte Fragmente aus besseren Tagen.
Wir reden, aber unsere Laune wird nicht besser. Emotional zerrüttet erreichen wir unser Ziel.
Düstere Mauern warten schon. Ein letzter Gang, ein letzter Blick.
Nun heißt es also Abschied nehmen.

Yukis Vater ist ebenfalls erschienen. Keine Miene regt sich in seinem Gesicht.
Wortlos blättert er in Papieren. Kalte Fakten, Beweise der besonderen Art.
„Die Schlüssel“, verlangt er knapp und legt sie auf den Tisch.
Ich hole tief Luft und nehme Yuki in den Arm.
Tschüss Z„, sage ich leise, die Zeit war schön mir dir.“
Nichts ist für die Ewigkeit, nichts bleibt wie es war. Nur Biest und Elfe bleiben für immer ein Paar.
Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

In Wolfs Büro bekommen wir einen neuen Schlüssel, einen Wagen für den Übergang. Es ist ein alter Bekannter, der RS 6 und der hat nun knapp 800 PS.
„Auf jedes Ende folgt wieder ein Anfang, auf jedes Äußerste folgt eine Wiederkehr.“
Frech nimmt mir Yuki die Schlüssel ab.
„Ich fahre“, sagt sie bestimmt. „Du musst jetzt schreiben.“
Und genau das habe ich gemacht.

Die Geschichte geht noch weiter. Nur nicht an diesem Tag. Und in die Zukunft blicken kann ich nicht. Aber ohne „Z“ fehlt mir was.

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55 Kommentare zu “Zum Abschied sag ich leise tschüss

    • Ich kenne den Wagen schon länger, wir fahen den ab und zu als Test. Und keine Angst, der muss ausgefahren werden. Aber bestimmt nicht auf der Autobahn. 😀

    • Der Z ist nicht nur ein Auto, der Z ist Kult. Und stell dir nur vor, wie ich bei einem Godzilla reagiert hätte. Jammernd, am Boden zerstört, mir die Kleider zerrissen und Asche aufs Haupt gestreut. Ach …

      😀

      • Für schlappe 80000. Ich werde niemals auch nur annäherend so viel Geld in ein Auto investieren. (Abgesehen davon, dass ich so viel Geld wohl auch nie übrig hätte.) Aber jedem seine Leidenschaft. Meine (Bücher und unser gemietetes Altbauhäuschen) sind da bedeutend billiger 😉

      • Der Neupreis des GT-R liegt bei 95.000. Ein Schnäppchen, wenn man ihn mit einem Porsche Turbo vergleicht. Der kostet doppelt so viel und ist nicht besser. Nur anders. So deutsch 😀

        Wer spricht von kaufen, bin ich verrückt? Der „Z“ war ein Testfahrzeug von Mai bis August und die Prüfung hat er lässig bestanden. Aber ich bin ehrlich, DEN will ich und bekomme ich auch. Als Roadster in Rot. Vernunft ist anders ich weiß. Aber ich bin lange genug vernünftig gefahren.

        Apropos Haus, das wird ein Zukunftsprojekt für uns und Kind(er). Aber davon bald mehr 😉

  1. Herrjeee! Musst Du denn hier alle so in Panik versetzen? 🙂
    Und das Schlimme ist – Du schaffst das immer wieder, langsam müsste ich mich da ja dran gewöhnt haben – aber NIX da … 🙂

    Danke! 🙂

  2. Ich habe mich nicht aufs Glatteis führen lassen 🙂 Zu stark und oft beschriebe Worte Eurer Liebe von Dir. War trotzdem auf das Ende gespannt. Ein wunderschönes Wochenende Euch. Melanie

  3. Und ich dachte: „Was ist hier denn los?“ Wer ist da denn von einem gegangen und dann ist das nur so ne olle Karre (schuldige den Ausdruck, ich habe bereits gemerkt, dass das eine schwacher Punkt bei dir ist). Na dann mal viel Spaß mit dem neuen Geschoss.

  4. „Wenn das Leben zu langweilig ist, schreib ich halt was, das klingt wie Lebenskrimi.“
    So ist sie, die nandalya.
    Und darum liest der theomix sie gerne..:)

  5. Mit lieben Worten böse Gedanken weckend schreibt sie lässig über …
    … ein Auto.

    Wie gut, dass ich mir erst zum Ende Gedanken gemacht habe 😉 Wer zahlt eigentlich eure Spritkosten?

  6. Dann ist ja gut, dass ihr beide wieder einen Z habt! 🙂
    Dramaturgisch war das für mich wirklich eine Glanzleistung. Ich war hin- und hergerissen zu glauben, dass ihr einen Tiefpunkt in eurer Beziehung hattet oder dass ein naher Angehöriger von euch gestorben ist. Das war aber auch sicherlich der Sinn und Zweck. 😉

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