Warum ich nicht (typisch) japanisch bin

Um Japaner zu verstehen, muss man kein Japaner sein. Aber es kann helfen. Was aber, wenn selbst Japaner sich nicht mehr verstehen? Und das ist mir passiert. Bekanntlich bin ich in Japan geboren und habe dort auch vier Jahre gelebt. Ich finde keine Erinnerung an diese Zeit und kenne sie nur aus Bildern und Erzählungen meiner Eltern. Und die sind zu meinem großen Glück nicht traditionell japanisch. Warum schreibe ich das? Habe ich Probleme mit Japanern?

Um das, um mich besser zu verstehen, muss ich mehr von Japan/ern erzählen und wie Land und Leute wirklich sind. Japaner werden völlig anders erzogen, als Amerikaner, oder Europäer. Selbstlosigkeit und die Bereitschaft der Gesellschaft zu dienen, gilt noch immer als hohes Gut. Vor diesem Hintergrund muss man die alten Saumrai sehen, die todesverachtend in die Schlacht für ihren Fürsten zogen. Leider ist dieses Denken heute kontraproduktiv. Die atomare Katastrophe von Fukushima, hat die Grenzen japanischer Mentalität deutlich gezeigt. Hilfe von Fremden? Vielen Dank, wir haben alles im Griff. Nein sagt man bekanntlich nicht.

Für Japaner gilt der Grundsatz nie das Gesicht zu verlieren. Das gehört sich einfach nicht. Wer sich die stoischen Mienen japanischer Sumo-Ringer bei Sieg, oder Niederlage anschaut, der wird das klar erkennen. Wobei Sportler durchaus Emotionen zeigen, das habe ich schon mehrfach gesehen. Egal, ob beim Karate, oder Skisprung. Der Kontakt mit dem Westen hat diese Japaner geprägt und sie dadurch offener gemacht. Aber die Regel bleibt das Lächeln. Und das können Japaner gut.

Japaner stellen weder sich noch die eigene Leistung in den Vordergrund. Individualismus ist verpönt. Die eigene Leistung wird in die Firma eingebracht, die Familie, das Land. So denkt und lebt der Japaner. Und damit kann ich nicht. Nun dränge ich mich nicht in den Vordergrund, oder prahle mit meinen Schwarzen Gürteln. Ich habe sie, na und? Aber allein schon dieser Blog, die Art und Weise wie ich schreibe, sie macht mich ziemlich unjapanisch. Und Yuki damit auch.

Wer mit Japanern spricht, wird schnell die Unterschiede in der Denkweise erkennen. Viele Menschen neigen dazu, dem Gesprächspartner die eigene Meinung aufzudrängen. Wer das in Japan macht, wird niemals akzeptiert. Der Japaner glaubt in diesem Fall, als minderwertig angesehen zu werden. Dann wird der Geschäftspartner zum Gaijin. Und das wird er sehr schnell spüren. Geschäfte macht er dann keine mehr. Auch Japaner können fremdenfeindlich sein. Und das unnachahmlich.

Japaner sprechen meist neutral, um niemand zu verletzen. Und da setzte Klein-Mayumis Widerwille ein. Ich hatte (m)eine Meinung und habe sie vertreten. Und damit meine Eltern schockiert. Dieser rebellische Geist ist nicht plötzlich entstanden. Er ist langsam gewachsen und war doch schon immer da. Zum Glück haben meine Eltern es verstanden, mich sanft an der langen Leine zu führen. Sonst wären sie, oder ich, daran zerbrochen.

Trotz nahezu dreißig Jahren in Deutschland, sind meine Eltern viel japanischer als ich. Aber sie haben sich an meine Art gewöhnt und dass ich ein kleiner Wirbelwind bin. Sie haben sich aber auch selbst etwas vom typischen Japanertum entfernt. Nur Gefühle zeigen, das können sie noch immer schlecht. Auch, wenn meine Mutter sich durchaus ein Lächeln bei Freunden erlaubt, so würde sie niemals laut lachen. Das ist verpönt, so ist sie erzogen.

Klein-Mayumi hat sie vor vielen Jahren auf einem Schulfest an die Hand genommen und einen Freudentanz mit ihr gemacht. Während die Augen meines Vaters leicht zuckten, was seine Form von Lachen ist, taute meine Mutter nur langsam auf. Immerhin war ihr Lächeln dann vorhanden und das war wie Sonnenschein für mich. Ja, ich habe meine Probleme mit Japan und Japanern. Egal, ob in Deutschland, oder Übersee. Ich mag meine alte Heimat sehr, die Sprache, die Kultur. Aber ich werde immer anders sein und könnte nie in Japan leben. Zumindest nicht ohne Probleme zu bekommen. Und das wäre weniger toll.

Unser Japan-Urlaub steht nun vor der Tür. Wir haben fleißig die Regeln geübt und uns gegenseitig an die Eigenarten erinnert. Trotzdem werden wir in den einen, oder anderen Fettnapf treten. Das war schon immer so. Bei meiner Familie ist das kein Problem, die kennen mich bereits sehr gut. Für meine LeserInnen mag der Bericht sehr negativ klingen und zeigen, dass ich Japan nicht mag. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Eben weil ich Land und Leute liebe, kritisiere ich sie sanft. Auf Dauer kann auch Japan sich dem Fortschritt nicht verschließen. Und selbst wenn einige liebenswerte Eigenarten verschwinden, völlig ändern wird sich der Japaner nie. Und ich ebenfalls nicht.

31 Kommentare zu “Warum ich nicht (typisch) japanisch bin

  1. Ich finde Deinen Bericht überhaupt nicht negativ. Die Liebe ist doch da. Vor allem die Liebe zu Dir selbst. Danke für diesen Einblick und eine schöne Reise wünsche ich Euch. Lieben Gruß. Melanie

    Gefällt mir

    • Das ist die Deutsche in mir, die gern über andere „meckert“ 😀 Aber es stimmt, ich liebe (mein) Japan sehr.

      Vielen Dank dir, wir fliegen nächste Woche. Ich werde mich noch Artikelmäßig verabschieden.

      Gefällt mir

  2. Danke liebe nandalya ich fiede deinen Bericht immer sehr Interessant ja Eltern sind da immer noch was altmodischer als die Jungen sie können sich vielleicht nicht so gut der Kultur anpassen.Wünsche dir einen glücken Tag liebe Grüße und Freundschaft.Gislinde

    Gefällt mir

      • Wahrscheinlich gilt auch in Japan der Grundsatz, wenn Engel reisen, dann lacht der Himmel. Nicht, dass du ein Engel bist, schließlich wirst du von einer Elfe begleitet und der Unterschied zwischen Engel und Elfen ist doch eher zu vernachlässigen.

        Gefällt mir

  3. So wie der Regenbogen, in dessen Auftrag Du wandelst, bist Du bunt und birgst so viele Facetten, liebe Mayumi. Und typisch zu sein, das überlassen wir denen, die gerne mit dem ausgestreckten Finger auf andere zeigen. Du bist gut so, genau wie Du bist. Liebgrüße an Dich und Deine Elfe.

    Gefällt mir

  4. Ganz langsam glaube ich, etwas besser zu verstehen… Ich bin eben fast noch ein „Fremder“ hier… Bitte entschuldige meine zeitweisen Synapsenprobleme, ja…(?) Lieber Gruß zum Wochenanfang für Dich!* Frank

    Gefällt mir

  5. Im Moment habe ich keine offenen Fragen… Ich war ja zwischenzeitlich hier unterwegs, habe mir verschiedene Blogeinträge angeschaut… Danke für Deine Nachfrage… Das war lieb von Dir…* Frank

    Gefällt mir

  6. In deinem Beitrag wird noch einmal der Unterschied zwischen Kollektivismus und Individualismus deutlich. Ich dachte immer, dass die Chinesen auch zurückhaltender und leiser als Deutsche wären. Dadurch war ich beim Chinaaufenthalt sehr verdattert als ich bemerkte, dass sie zum Beispiel in Restaurants sehr viel lauter sind und viel lachen. Scheinbar unterscheidet sich diese Kultur schon sehr von der japanischen, obwohl auch Chinesen ja ein kollektivistisches Menschenbild haben.

    Gefällt 1 Person

    • Die Unterschiede zwischen Japan und China sind riesig. Und damit ist nun nicht Sprache und Schrift gemeint. Weltoffene BürgerInnen beider Länder, haben wenig bis keine Probleme miteinander. Da spricht der Japaner plötzlich Mandarin und der Chinese lernt Karate.

      Ich kann nicht völlig beurteilen inwiefern Chinesen anders sind als Japaner. In Filmen, wenn HeldInnen für China sterben, ist mir zu viel Propaganda. Das nur, um ein Beispiel zu nennen. Und unser Aufenthalt in Shanghai war zu kurz.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s