Nimm dir was du willst

„Nimm dir was du willst“, habe ich bewusst als Überschrift gewählt. Ich will damit provozieren und den Typ Mensch aufzeigen, der sich ohne Rücksicht alles nimmt. Lesbische Partnerschaften sind in der Beziehung nicht so viel anders, als das Hetero-Modell. Wobei man das deutlich differenzierter sehen muss, als die Liebe zwischen Frau und Mann.

Geben und Nehmen sind zwei Worte, die eigentlich Geschwister sind. Sie gehören zusammen, wie Tag und Nacht. Und so verschieden sind sie auch. Geben, das ist der helle Tag. Die Sonne, die uns neues Leben schenkt. Nehmen ist die Nacht. Sie nimmt uns das Licht, die Wärme. Ganz unphilosophisch will ich heute einen Blick auf menschliche Beziehungen werfen. Vor allem auf das Ungleichgewicht, wenn es um Geben und Nehmen geht.

Im Idealfall herrscht ein Gleichgewicht. Balance ist bekanntlich immer gut. Beide Partner achten also darauf, dass ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen besteht. So viel zur Theorie, die Realität sieht zum Teil völlig anders aus. Nüchtern betrachtet gibt es keine perfekte Partnerschaft.

Fast niemand in einer Beziehung wird sich eingestehen, dass „er“, den Hauptanteil daran trägt. Zum Teil wird sie einfach schön geredet, zum Teil liegt eine Wahrnehmungsverzerrung vor. Aus reiner Gewohnheit, oder purem Egoismus, nimmt oder gibt ein Partner immer mehr. Aber warum ist das so?

Psychologen unterscheiden die Menschen in Geber und Nehmer. Sie lassen in dieser Hinsicht kein „Aber“ gelten. In fast allen Partnerschaften gäbe es Phasen, so die These, in denen ein Partner mehr für die Partnerschaft, als der andere tue. Jeder könne das selbst überprüfen.

Ein Blatt Papier, ein Stift, zwei Spalten: Soll und Haben. (Geben und Nehmen) Ehrlichkeit vorausgesetzt zeige sich sehr schnell, wer mehr nimmt und wer mehr gibt. Und plötzlich zeige sich, wo die Beziehung wirklich steht. Mag es jemand testen?

Menschen nutzten andere Menschen oft bewusst aus, heißt es weiter. Für sie sei eine Partnerschaft lediglich ein sicherer Hafen, in dem der andere Partner für Essen, Kleidung und Wohlbefinden sorge. Und das in jeder Form. Harmonie ist anders. Und eine solche Partnerschaft ist nicht erstrebenswert.

Liebe kann für manche Menschen harte Arbeit sein. Von selbst wird sie nicht bleiben. Ist die erste Verliebtheit gewichen, wird von den Partnern oft Resümee gezogen. Die Aufmerksamkeit schwindet, es fallen böse Worte und auch der Sex bleibt aus. Den sucht man dann bei anderen Partnern. Und das Spiel beginnt von vorn.

Auch in reinen Frauen-Partnerschaften kann es eine klassische Rollenverteilung geben. Und Formen häuslicher Gewalt. Testosteron ist nicht immer der Auslöser für Prügelattacken. Auch Frauen schlagen andere Frauen. Und das ist nicht wirklich gut. Die Dunkelziffer ist sehr groß. Nur wenige Frauen suchen Hilfe, oder gehen zur Polizei. Geben und Nehmen wird hier falsch verstanden. Liebe ist das nicht. Nur noch Kontrolle und Macht.

In gewisser Weise ist eine Partnerschaft wie ein Geschäft, eine Bank. Beide Partner bringen ihr Kapital ein und hoffen nun auf Zinsen. Und die darf man auch getrost erwarten. Nur nicht im Übermaß abheben, damit kein Ungleichgewicht entsteht. Defizite zwischen Menschen sind nur schwer zu korrigieren.

Im Idealfall wird sich das eingebrachte Kapital mehren. Die Zinsen können Kinder, Glück und Immobilien sein. Nun kann man Glück kaum greifen und es ist auch ein gar flüchtiges Gut. Aus dem Glück von heute kann das Unglück von morgen entstehen. Das aber auch in Bezug auf Kinder und das Einfamilien-Reihenhaus.

In einer wirklich harmonischen Beziehung gibt es kaum Probleme. Aufmerksamkeit und Respekt vorausgesetzt, wird auch die Liebe nie weichen. „Nimm dir was du willst“, kann aber nie die Lösung sein. „Ich gebe dir die Hälfte ab“, schon eher. Mag jemand teilen?

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31 Kommentare zu “Nimm dir was du willst

  1. Ich teile gerne und vielleicht bin ich die Person, die ein bisschen mehr gibt. Zumindest glaube ich das manchmal, wenn ich beobachte, dass ihm es unangenehm ist, wenn ich gewisse Dinge einfach für ihn mit mache. Aber ich beschwere mich nicht darüber, dass ich es getan habe und er nicht. Und weil ich mich nicht beschwere, macht er dafür andere Dinge freiwilliger als manch anderer Mann sie machen würde.

    Ich glaube, so klappt es ganz gut. Man darf jedenfalls das Geben nicht fordern. Es muss von ihm aus kommen.

  2. Einen schönen Tag wünsche ich dir du hast so recht was du schreibst,in einer Beziehung muss man immer arbeiten sonst geht es nicht und eines Tages ist es zu spät.Wünsche dir eine glückliche Woche.Lieber Gruß und Freundschaft.Gislinde

  3. Liebe Nandalya
    wie Du bereits geschrieben hast braucht es beides – geben und nehmen – Wer geben will der braucht jemanden, der das gegebene annimmt – ohne Geber keinen Nehmer und wie Du schreibst profitieren oft beide. Geben kann aber auch zur Sucht werden, weil das Geben so hoch bewertet wird und manchmal kommt eine Situation wo der Gebende lernen muss anzunehmen und auch der nehmende muss lernen zu geben. Auch hier sind es zwei Seiten der selben Münze.
    Manche Frauen machen es uns Männer halt zu einfach, nur immer geben kann auch nicht die Lösung sein, da braucht es halt Mal klare Worte und klare Abmachungen. So lange die Frauen schweigen, meinen wir Männer, alles sei so in Ordnung und sind dann ganz überrascht, wenn die Frau etwas fordert.

    Liebe Grüsse zentao

  4. Ich weiß nicht, ob so ein Soll-und-Haben-Zettel wirklich weiterhilft. Was ist mit der unterschiedlichen Bewertung? Vielleicht bringe ich öfter den Müll runter als mein Partner, aber mir macht das weniger aus als ihm; dafür sauge ich so gut wie nie Staub, weil ich das hasse, während es ihm wenig ausmacht, das mal eben schnell zu erledigen. Wie kann man das gegeneinander aufrechnen? (Klar, auch dafür gibt es mathematische Modelle… aber irgendwo muss das doch ein Ende finden. Spätestens wenn ich mehr Zeit mit Rechnen als am gemeinsamen Essenstisch verbringe, brauche ich keinen Psychologen, um rauszufinden, was in meiner Beziehung schiefläuft.)

    „Aufmerksamkeit und Respekt“ sind die Voraussetzung einer gelingenden Partnerschaft, schreibst du, und ich stimme da völlig dir zu: Solange beide Seiten davon ausreichend einbringen, muss man nichts aufrechnen. Wer aufmerksam und respektvoll ist, der will seinen Partner nicht beherrschen und nicht ausnutzen, und wer auch auf sich selber achtet und seine eigenen Bedürfnisse respektiert, lässt das nicht mit sich machen.

    • Ich habe mal Psychologie studiert. Aber dann den Kurs geändert. All diese theoretischen Modelle gingen mir … du weißt schon wo … vorbei 😀 Und sind wir ehrlich, wer diesen Zettel wirklich braucht, bei dem stimmt etwas nicht. Da gibt es schon Defizite. Spaß sein kann es dagegen schon.

      Auf die Bemerkung mit der Bewertung hatte ich gewartet, das hast du wunderbar erkannt. Yuki und ich haben zwar eine gewisse Aufgabenteilung. Aber allein kochen lässt sie mich fast nie 😀

      • 😀 😀 😀 Du hast einfach die Psychodynamik nicht verstanden. Und überhaupt hast du nur „abgebrochen“, weil du deine Penisneid nicht akzeptieren wolltest. 😛

        Ich glaub auch bei dem Thema darf man nicht alle Theorien und auch Psychologen in einen Topf schmeißen. Meine erste Frage an einen Psychologen wäre übrigens: Warum haben sie Psychologie studiert? Und bitte ehrlich antworten. 🙂

      • Eine interessante Bemerkung. Und ich habe wirklich einen größeren … Wagen als Mann 😀 Sollte mir das zu denken geben?

        Spaß beiseite. Ich finde Psychologie noch immer spannend. Methodenlehre und Statistik sind eigentlich nicht schwer. BWL war dann einfach taktisch klüger und hat mir mehr gebracht.

        Wie war denn die Antwort des Psychologen? Dass er anderen Menschen helfen will?

      • Ich war noch bei keinem? 🙂 Wenn ich diese Antwort erhalten würde, würde ich wieder nachhaken, ob er sich mit dem Thema beschäftigt hat, um einer bestimmten Person helfen zu wollen oder global jeden Menschen.

        Ich kenne nur zwei Psychologinnen persönlich. Der einen würde ich eine solche Antwort nicht abnehmen und mich nie im Leben auf ihre Couch legen. Bei der anderen wäre ich auch etwas skeptisch, bei den Hummeln, die sie im Allerwertesten hat 🙂

  5. Was man auch nicht vergessen darf, ist die Frage „Muss ich mich selbst verstellen, um ihm oder ihr zu gefallen?“ Ich hatte das leider mal in einer Beziehung. Er hielt die Rollenverteilung in der Beziehung seiner Eltern für die richtige, ich nicht. Habe mich trotzdem angepasst, bis es nicht mehr ging (neuer Job – weniger Freizeit). Er begann dann oft Sätze mit, „aber meine Mama macht/tut/kümmert sich….“. Am Schluss haben wir nur noch gestritten, und sobald er „aber“ gesagt hat, kam von mir die Antwort „ja ich weiss, deine Mama…“. Habe dann zum Glück die Beziehung ziemlich bald beendet, und es war einfach nur eine Erleichterung.

    • Danke für deinen Kommentar. 🙂 Du lieferst einen interessanten Denkanstoß: muss / soll man sich verstellen? Ich sage dazu ganz klar NEIN!

      Natürlich kann man in einer Beziehung kein Egoist sein und nur seine eigenen Dinge machen. Auch reine Frauenbeziehungen sind vor solchen Fehlern nicht gefeit. Gut, es kommt dann vermutlich weniger vor, als bei Frau – Mann.

      Du hast eine gute Entscheidung getroffen. Nicht wegen Mann, der Mensch war einfach unreif und hat einen Mutterersatz gesucht. Und denn können Partner nicht bieten. Und das sollen sie auch nicht.

  6. Meine liebe Mayumi, ich werde nicht müde, zu wiederholen, was nach einer langen Kommentierey zwischen der im Moment so stillglücklichen Madame Contraire und meinereiner unterm Strich übrig blieb:
    Geben und geben lassen. Nehmen und nehmen lassen. Sein und sein lassen.
    Wenn man dies im Hinterkopf behält, pendelt sich die Beziehung auch nach dem Verflattern der ersten Bauchschmetterlinge auf Augenhöhe ein. Ihr zwei scheint das ja wunderbarst hinzubekommen. Du versuchst zu kochen und bekommst einen elfigen Knuff in die Seite…

    • Ja, die olle Elfe schubst mich immer weg vom Herd 😉 Und den Z hat sie sich heute auch genommen. Einfach so. 😀

      Fakt ist: Yuki und ich sind ein Sonderfall, wie es nur wenige gibt. Mein zugegeben großes Ego wird ganz klein, wenn sie mir in die Augen schaut. Dann gebe ich ihr all mein Liebe und sie darf sich alles nehmen.

      Leider haben nicht alle Menschen dieses Glück. Und auch Frauen untereinander können sehr nehmerisch veranlagt sein. Darüber werde ich vielleicht noch bloggen.

      • Wäre ein weiterer interessanter Einblick. Ich kenne nur Nehmerfrauen, die Männer benutzen. Es ist schlichtweg widerlich, dieses Natterngezücht.
        Liebfeingrüße an Euch zwei Liebenden, Eure Käthe.

  7. Hat dies auf Red Skies over Paradise rebloggt und kommentierte:
    „[…] In einer wirklich harmonischen Beziehung gibt es kaum Probleme. Aufmerksamkeit und Respekt vorausgesetzt, wird auch die Liebe nie weichen. “Nimm dir was du willst”, kann aber nie die Lösung sein. “Ich gebe dir die Hälfte ab”, schon eher. Mag jemand teilen?“

  8. So, drei Male gelesen, bis ich das was ich sagen möchte in Worte fassen kann 😉

    Zu allererst, DANKE für den schönen und inspirierenden Artikel. Als zweites, meine Kritik, Den viert letzten Absatz könntest du so raus löschen, er hat meiner Meinung nach, dort nichts zu suchen 😉 Weiss nicht warum du eigentlich fast überall das Thema Gewalt erwähnen musst, muss recht Präsent sein, bei dir… soll jetzt gar nicht so hart klingen wie es sich vielleicht geschrieben liest, dachte nur, lese den Artikel ohne den Absatz, er fehlt gar nicht 😉

    Ansonsten, jetzt zu eigentlichen Artikel, ich glaube, egal ob lesbisch, hetero, schwul, das hat damit nichts zu tun, es gibt immer Nehmer und Geber in einer Beziehung. In den aller seltensten Fällen sind beide Partner wirklich auf gleicher Augenhöhe, ich glaube, einer schaut immer etwas auf zu anderen (ich weiss, heisse These)
    Aus meiner Sicht die du ja auch teilst, wie viele dieser ganzen Leser… RESPEKT vor dem anderen, das ist es wo es in allererster Linie drauf ankommt. Und es gibt diesen schönen Spruch, in einer funktionierenden Beziehung bekommst du das was du gibst, doppelt zurück und das gilt für beide. Ein Geschäft? auch wenn das Wort hart klingt, irgendwo ist es so.

    Den Test mit dem Zettel habe ich schon öfter gemacht, (wenn ich mal von dem Augenblicklichen Zustand in meiner Beziehung absehe, in dem ich der AUSSCHLIEßLICHE Geber bin und Sie die NEHMERIN, du kennst den Hintergrund denke ich) Davon abgesehen in unser guten Zeit… stand es 50:50 und das war schon echt klasse, weil ich hatte da sonst immer einen Missstand 😉

    So, ich hoffe ich war konstruktiv und nicht provozierend, ich denke nur viel nach über diese Dinge im Augenblick und wirke oft etwas angetriggert durch manche Artikel 🙂

    Danke dir noch einmal. Lieben gruss

    • Für Kritik bin ich immer offen. Dies ist „nur“ ein Blog. Was mir spontan einfällt, das fasse ich in Worte. Große Korrekturen der Artikel gibt es meist nicht. Bei Fortsetzungen sieht das anders aus, die bereite ich akribisch vor.

      Gewalt: Ich bin ihr begegnet und das schon als kleines Kind. Ich mag sie nicht, aber ich weiß mich sehr gut zu wehren. Und das Thema Gewalt in Beziehungen ist durchaus präsent. Ich habe das bei Freunden schon erlebt. Darüber zu schreiben ist untypisch Frau, nicht wahr? Aber ich werde niemals typisch sein.

      Du darfst immer gern deine Meinung sagen. Ich bitte sogar darum. Für mich ist eine andere Sicht der Dinge ebenfalls wichtig. Und mit „Ja-Sagern“ kann ich nicht. Oder mit Mimosen.

      Schönen Tag dir! 🙂

      • Es ging mir nicht darum, dass es untypisch ist drüber zu schreiben, über die Gewalt. Das finde ich sehr gut, viel mehr Offenheit über diese Dinge, nichts zum unter den tisch kehren 🙂 Ich meinte ausschließlich in diesem Artikel, da passte sie so gar nicht rein, weil es so am Thema vorbei war 😉

        Mimosen und ja Sager, ja die brauchen wir auf dieser Welt eigentlich nicht mehr, gibt genug davon ^^

        Danke und auch dir noch einen tollen Tag. Mach was draus :*

  9. Ich gebe mal vor sehr sehr langer Zeit die Theorie aufgestellt: Wir alle sind kleine Egoisten. Man teilt ja nur, wenn man einen Nutzen davon hat. Ich denke mal so falsch liege ich nicht 🙂

  10. Ich glaube nicht, dass man Geben und Nehmen in einer Partnerschaft – welche Art von Partnerschaft auch immer – gegeneinander abwägen kann und sollte. So lange beide Seite dass Gefühl haben, dass es für sie stimmt, so lange stimmt auch das Gleichgewicht – egal, ob der eine jetzt mehr gibt oder mehr nimmt. Wenn es nicht mehr stimmt, dann gehört das Thema auf den Tisch, ausdiskutiert und gelöst. Und wenn das nicht passiert, dann stimmt in der Partnerschaft sowieso etwas nicht – und zwar nicht wegen des ungleichen Gebesn und Nehmens.

  11. „Früher hat man Dinge noch repariert, heute wirft man alles weg und besorgt sich etwas Neues.“ Vielleicht hat das Scheitern so vieler Beziehungen und Ehen auch etwas mit unserem heutigen Zeitgeist zu tun…und dem von dir näher analysierten Ungleichgewicht.

    • Menschen heute leben „schnell(er).“ Unsere Zeit ist von Hektik und Stress bestimmt. Früher war mit Sicherheit nicht alles besser, aber man hatte und nahm sich vermutlich mehr Zeit. Hinzu kommt noch, dass der heutige Mensch überreizt ist. Ständig verschiedene Eindrücke durch unsere Mobilität und Vernetzung und schlechte Nachrichten tragen mit zu dem schnellen Leben bei. Ich kenne mehrere Fälle. Du bestimmt noch mehr.

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