Karate, Kids und Disziplin

Kinder lernen Dinge spielerisch. Das war schon immer so. Und Kinder lernen auch Karate. Vor allem, wenn sie Japaner sind. Auch Japaner haben einen Kindergarten. Und klein Mayumi war natürlich dort. Eine Erinnerung daran habe ich keine, aber ich soll schon damals wild gewesen sein. Gelehrt hat man dort Shotokan-Karate und das war klein Mayumis Ding.

Nun sehe ich schon besorgte Eltern die Stirn in Falten legen und voller Abscheu auf Japan blicken. „Gewalt schon im Kindergarten? Da geht mein Kind nicht hin!“ Und genau da liegt der Fehler. Karate dient nicht der Gewalt. Es ist Sport, Philosophie und eiserne Disziplin. Karate kennt keinen ersten Angriff, das haben uns nur schlechte Filme gelehrt. Und dumme Menschen, die diesen Sport verachten. „Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.“ Das ist die erste Regel und sie bedeutet viel. Respekt dem Sensei, den Eltern und anderen Menschen gegenüber. Respekt auch vor sich selbst.

Regel zwei habe ich bereits genannt: „Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.“ Karate ist immer Selbstverteidigung. Schutz für das eigene Leben und das Leben anderer. Das aber effektiv. „Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.“ Der Satz ist selbsterklärend.  „Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.“ Und genau hier liegt der Fehler, den Europäer und Amerikaner machen. Sie sehen nur den Kampf, den physischen Aspekt. In einem guten Dojo ist das anders, was mich zu den nächsten Regeln bringt.

„Denke nicht, das Karate nur im Dojo stattfindet. Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, dann wirst du geistige Reife erlangen.“ Im deutschen Kindergarten gab es 1987 kein Karate. Aber Privatstunden von meinem Papa für mich. Ohne Karate, Aikido und Meditation wäre ich vermutlich ein noch schwierigeres Kind gewesen. Aber statt Ritalin bekam ich Liebe und lernte Disziplin. Und das tat ich richtig gut. Meine Wut war kanalisiert und ich habe den Sandsack drangsaliert. Mit Inbrunst und Leidenschaft. Gewalt ist anders.

Das lebenslange Training macht den Unterschied zwischen Hobbysportler und Profi aus. Und das möchte ich heute gern als Video zeigen. Leider gibt es keine von mir, youtube war noch nicht erfunden. Aber ich soll gut gewesen sein. Und das bin ich heute noch, was mich zur nächsten Regel bringt. „Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig warm hältst.“

Auch, wenn ich heute meist Aikido, Wing Chun und Krav Maga trainiere, so ist Karate ein Teil von mir und wird es immer sein. Es ist mein Leben, wie auch das Buch von Japans größtem Samurai. „Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert“, hat Gichin Funakoshi, der Begründer des Shotokan-Karate gesagt. Wer das verinnerlicht und fleißig übt, der braucht keinen Gegner mehr zu fürchten.

„Wandle dich abhängig vom Gegner.“ Ein Gegner kann auch der Alltag sein. Wobei ich den mehr als Herausforderung sehe. Vor allem für hyperaktive Kinder kann Karate also ein Segen sein. Ich kenne so einige Fälle, die das positiv belegen. Und damit ihr besser versteht, was Kindern Karate bedeutet, schaut euch folgendes Video an. Klein Mayumi war übrigens doppelt so dynamisch. Und das bin ich heute noch. Sayonara!

22 Kommentare zu “Karate, Kids und Disziplin

  1. Mein hyperaktives Söhnchen übt seit fünf Jahren Shaolin Kung Fu aus. Vor dem Selbstverteidigungsaspekt (ähnlich wie bei Aikido wird hier die Kraft des Gegners u. a. dazu genutzt, diesen sanft auslaufen zu lassen), steht die Bewegungsmeditation im Vordergrund und die Lehre des buddhistischen Prinzips der Barmherzigkeit.

    Er ist unterdessen wesentlich ruhiger und vor allem: Er gehört nicht zu den Jugendlichen, die sich kloppen.Im Gegenteil, er gilt als Vermitteler und Beschwichtiger.

    Kurz und gut: Ich kann dein wieder einmal wunderbar geschriebenes Statement nur bekräftigend bejahen.

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    • Auch, wenn ich bezweifle, dass er echtes Shaolin Kung Fu macht, wird ihm die in Deutschland gelehrte Form helfen. So, wie allen Menschen, die sich wirklich darauf einlassen können UND einen guten Lehrer haben. Nicht missverstehen bitte, aber die Ur-Form des Shaolin Kung Fu wird nur im Kloster gelehrt.

      Aikido selbst kennt keine Angriffe (mehr). Im Kung Fu ist das anders. Meine Form ist Daito-ryu Aikijujutsu. Und da wird auch getreten und geschlagen.

      Und egal, ob Kung Fu, Taekwon-Do, oder Karate: Der Geist dahinter hilft. Nur leider wird der viel zu oft vergessen und nur Wert auf „Schlagen“ gelegt. Aber ein vermiedener Kampf, ist ein gewonnener Kampf. 🙂

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      • Er geht hier in den Berliner Shaolin-Tempel und wird dort von einem Groß-Meister gelehrt … ? Du kannst das bestimmt besser einorden.

        Dein letzter Satz ist ausgesprochen klug. Den merke ich mir.

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      • Du siehst mich (nicht) neidisch 😉 Spaß beiseite. Soweit ich weiß wird die Urform des Shaolin Kung Fu nicht an „Zivilisten“ gelehrt. Was nun nicht bedeutet, dass die zivile Variante so viel schlechter ist. Vor allem wenn die Philosophie dahinter stimmt. Und da mangelt es leider oft.

        Wenn ich Frauen und Mädchen unterrichte fällt es ihnen oft schwer sich zu sammeln. Unsere schnelllebige Zeit, die Hektik bestimmen den Alltag. Die Ruhe in einem Dojo fehlt im Westen leider oft. Ich muss das auch mir selbst ankreiden. Bin ich doch früher eine „Kickerin“ gewesen 😉

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  2. Die Kleine ist ja richtig knuffig – also bis zu dem Punkt, wo sie „Enpi!“ ruft und loslegt. 😉
    Ich finde den Gedanken, auch ganz jungen Menschen schon innere Disziplin beizubringen sehr gut! Also nicht Disziplin im Sinne von „ihr lauft alle in Reih und Glied“, sondern eher „ihr denkt darüber nach, was ihr da tut, warum ihr es tut und sammelt euch, bevor ihr Entscheidungen trefft“. Das hat mir in meiner Kindheit glaube ich sehr gefehlt. Und natürlich der Sandsack zum verprügeln 😀 Ich will eigentlich auch schon seit Ewigkeiten eine Kampfsportart lernen, habe aber viel zu wenig Ahnung/kenne niemanden, der eine macht und keine Ahnung, ob und welche ich gesundheitlich machen könnte, Weißt du als alle-Kampfsportarten-auf-einmal-Könnerin vielleicht zufällig, wo man sich da informieren kann? 🙂 Auch wenn ich in meinem betagten Alter (Mitte zwanzig) wohl nie so gut werden würde, wie die coole 6-jährige im Video. ^^

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    • Schön, dass jemand auch auf das Video eingeht. Ich könnte die Kleine „fressen“, so süß ist die. 🙂 Ich konnte die Begeisterung förmlich spüren mit der sie unterwegs war.

      Du musst aber zwischen „Kampfsport“ und Selbstverteidigung unterscheiden. Karate ist zwar toll, aber wirkt auf Frauen eher abschreckend. Empfehlen könnte ich dir aber

      1. Wen-Do
      2. Wing Chun
      3. Krav Maga

      Vorteil des Wen-Do: Es ist von Frauen für Frauen entwickelt worden und wird daher auch nur an Frauen unterrichtet.

      Wing Chun: Darüber habe ich mehrere Artikel geschrieben, siehe meine „Mein Sport“ Seite. Im richtigen Club sehr gut und schnell zu lernen. Vorteil: Du musst nicht topfit, oder ultra gelenkig sein. Auch Wing Chun ist von einer Frau erfunden worden und eignet sich wirklich für uns sehr gut.

      Krav Maga ist eine israelische Selbtverteidigung, die du quasi intuitiv anwenden kannt. Vorteil: Es werden nur Leute zugelassen, die keine Vorstrafen haben.

      Wenn du weitere Infos brauchst helfe ich gern per Mail 🙂

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      • Jaaa 🙂 Also gerade für mich, die ich Kampfsport höchstens in der hyperunrealistischen Animeversion kenne, sah die Präzision der Bewegungen wirklich beeindruckend aus. Es ist ja gerade kein wildes um sich hauen, das einem die Kinnlade bei richtig guten Sportlern runterfallen lässt. Und wenn das dann kleine Kinder bereits hinbekommen, finde ich es umso beeindruckender, auch wenn ich wahrscheinlich vor ihr flüchten würde. 😉
        Und ja, mir würde auch Selbstverteidigung völlig ausreichen, aber da ich die verschiedenen Sportarten noch nicht einsortieren kann, hab ich mal einfach banal „Kampfsport“ gesagt. Den Begriff Wen-Do hab ich ehrlich gesagt auch noch nie gehört, aber deine Artikel über Wing Chun habe ich natürlich bereits verschlungen ^^ Aber ob ich das jetzt alles selbst kann … also falls du Zeit hast, würde ich mich seeehr über eine email freuen! 🙂 Deine Mailadresse hab ich nirgendwo gesehen, aber meine Adresse findest du in meinem Impressum, also unter: http://crazyth1ngs.com/about/impressum/ (Ich poste die immer so ungern direkt irgendwohin.)
        Daaaaaaaaaaanke auf jeden Fall schon mal für deine liebe und ausführliche Antwort! 🙂

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      • Echtes Karate wirst du nur selten sehen. Die meist in Deutschland gelehrten Formen sind kein Vergleich zu dem „alten Karate“, das aus Okinawa stammte. Es gibt einige wenige Filme, die das ansatzweise zeigen. Die Szenen dort sind real gehalten. Aber Film-Karate ist natürlich immer anders 😀

        Wen-Do ist als Einstieg nicht schlecht. Von Wing Chun und seinen Derivaten halte ich wesentlich mehr. Wobei Krav Maga schneller erlernbar ist. Von WT hast du langfristig mehr.

        Alles Wetiere gern per Mail. Du solltest Post von mir haben. Und ich helfe immer gern 🙂

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      • Jetzt hast du mich aber schockiert! 😀 Man kann nicht einfach mit einem Karateschlag Hauswände zum explodieren bringen??? :O
        Vielen lieben Dank noch einmal für die email, dann werde ich mich auf jeden Fall fleißig weiter informieren! 🙂

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      • Aber ich glaube es wird schwer dafür eine Schule zu finden 😀 „Ich würde gerne was in die Luft sprengen, wenn ich draufhaue, Sensei. Lernt man das bei Ihnen? ^_^“ „Ääääh…? o.O“

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  3. “ Aber statt Ritalin bekam ich Liebe und lernte Disziplin. Und das tat ich richtig gut.“ Es gibt nicht nur „entweder, oder“. Man kann auch die drei genannten Dinge miteinander kombinieren, so wie wir es tun. Geht gut. 😉

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      • Ja. Es geht ihm gut =) er trainiert fleissig, hat viel Spaß daran und ist sehr gut integriert. Auch wenn das seltsam klingen mag, aber ohne die medikamentöse Unterstützung könnte er nicht so gut am Training teilnehmen.

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      • Ich freue mich für euch, dass das so gut klappt. 🙂 Und ich hoffe auf gute Fortschritte und irgendwann von einem „Schwarzen Gürtel“ zu lesen 😀

        Vielleicht zeigst du ihm zur Motivation mal das Video der Kleinen 😀

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  4. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein (gut unterrichteter) Kampfsport gerade den hyperaktiven und den Prügel-Kindern sehr hilft. Einerseits, weil sie da einfach Energie verbrennen können, und andererseits, weil sie Selbstdisziplin und gegenseitigen Respekt lernen, die ihnen auch in anderen Bereichen helfen (das ist das, was du mit „Karate ist nicht nur im Dojo“ meinst, oder?). Was den guten Unterricht betrifft, muss man sich als Eltern halt umschauen. Die meisten Dojos und Vereine bieten ja Schnupperstunden an, und man kann die Trainer fragen, was ihnen wichtig ist.

    Die Kleine im Video ist wirklich knuffig. Man sieht gut, mit wie viel Ernsthaftigkeit und Begeisterung sie das betreibt. Da kann man nur selbst begeistert sein 🙂

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    • Als ich das Video fand ging die Sonne in mir auf. Ich sah mich als Kind, die Katas laufen. Viele japanische Kinder wachsen mit Karate auf und lernen auch auf diese Weise ihre Selbstdisziplin. Und die wenigsten davon müssen es jemals anwenden zum „Kampf.“ Aber es macht einfach einen Unterschied, ob du Karate lebst, oder es nur trainierst.

      Die Prinzipien des Karate kannst du 1:1 ins normale Leben übernehmen. So, wie ich das mit den Lehren des Miaymoto Musashi mache.

      In Deutschland wird meist Shotokan-Karate gelehrt. Das ist nicht schlecht, aber halt ein modernes Karate für die Massen.

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  5. Karate scheint mir, wenn ich so den Uebungen zuschaue, eher Schulung der Disziplin, Körperbeherrschung und Tanz. Es ist schön.

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    • Durch das Karate-Training soll nicht nur der Körper, sondern auch der Geist geschult und ein Einblick in die fernöstliche Philosophie vermittelt werden. Für Kinder ist es Spaß, aber auch ein Weg zur Disziplin. Was die Kleine im Video zeigt ist außergewöhnlich. Und ich denke sie wird richtig gut als Erwachsene sein.

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  6. Die kleine Karateka ist ja total süß und gut ist sie auch! 😄
    Kinder in einer Kampfkunst zu unterrichten, finde ich gar nicht so einfach. Ich unterrichte sie auch auf einer spielerischen Art und Weise. Da Kinder sich sehr schnell langweilen, ist es für mich persönlich schwieriger Kinder zu unterrichten als Erwachsene.

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    • Dieses Mädel ist bereits jetzt ein Star in Japan und wird vielleicht die nächste (Groß)Meisterin.

      Kinder brauchen Abwechslung. Und vielleicht ist erst einmal der Kampfsport für sie der richtige Weg. Mein Vater hat mir traditionelles Karate und Aikijujutsu vermittelt. An Wettkämpfe hat er nie gedacht. Entsprechend schwierig für mich war beim ersten Mal die Umstellung, als ich doch auf Turniere ging. Aber mit Disziplin habe ich auch das geschafft.

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