Dating, Sex und scharfe Mädchen

Düsseldorf im Frühling 2004. Ich bin süße zwanzig Jahre jung und mir meiner Selbst schon lange bewusst. Ja, ich bin wild und ziemlich ungezügelt. Noch ist keine Yuki in Sicht und niemand kann mich bremsen. Spaß steht bei mir im Vordergrund. Während Teile der L-Szene sich für Dates bereits in Internet-Portalen tummeln, ziehe ich das richtige Leben vor. Direkt wie ich bin schrecke ich auch vor Heten nicht zurück. Wobei oft schon die Neugier von Frau auf mich überwiegt und auch der Zufall Liebe bringt.
Ein Kuss ist ein Kuss.

Ich habe Affären, alles völlig spielerisch. Dramen haben nur die anderen.
„Du bist eine Verführerin“, hat meine Freundin Karin zu mir gesagt. „Aber du machst das richtig gut.“
Sie darf so zu mir sprechen, ihr nehme ich nichts krumm.
Aber ich bin trotz allem keine Shane.

Nicole ist vier Jahre älter als ich, hetero und supersüß. Ich lerne sie als Freundin einer Freundin kennen. Alles ganz einfach und unkompliziert.
Der sprichwörtliche Blitz schlägt ein und ich mache sie nervös. Kaum kann sie ihre Augen von mir lassen.
Karin stupst mich an und zwinkert mir zu.
„Da hat dich jemand im Visier“, flüstert sie. „Aber pass auf bei der, ihr Freund ist furchtbar eifersüchtig.“
Herausforderungen haben mich schon immer gereizt. Auch bei Nicole ist das nicht anders.
Im Handumdrehen sind wir im Gespräch.

Nicole mag Kinder und möchte Lehrerin werden.
„Und zwei eigene Kinder sollen es auch sein“, verrät sie mir.
„Also die klassische Familie“, erwidere ich frech. „Haus, Kinder und Wohlstandsbauch. Genügt dir das?“
Nicole wird rot und dann verlegen. Sie ahnt mehr als sie weiß, was wirklich zählt.
„Ich habe nicht den Mut um offen lesbisch zu sein,“ gesteht sie leise. „Aber ich sehne mich nach weicher Haut.“
Zeit der Zärtlichkeit.

„Also hattest du schon was mit Frauen?“, frage ich. „Und hat es dir gefallen?“
„Ja“, haucht sie. „Aber es ist schon eine Weile her. Und mein Freund ist eifersüchtig.“
Sofort werde ich hellhörig. Was genau soll das bedeuten?
„Er weiß davon?“, stelle ich sicher.
„Ich habe es ihm natürlich erzählt“, erwidert sie. „Wir reden über alles. Er hat gesagt es sei okay, aber nur bei einem Dreier.“
Drei sind einer zuviel.

Ich muss lachen, mein Verdacht hat sich bestätigt.
„Männerfantasien“, winke ich ab. „Lesben haben nichts mit Männern.“
Nicole wirkt enttäuscht, sie hat sofort verstanden.
Während sie noch überlegt, ist das Thema für mich bereits abgehakt.
Ein Gang zur Toilette bringt mich auf andere Gedanken.
Auch andere Mütter haben schöne Töchter.

Die Bedienung der L-Bar schwebt vorbei. Wie unabsichtlich streift sie meine Hüften.
Ihr Blick ist heiß und ihre Küsse auch. Die Nacht mit ihr ist wie ein Rausch.
Als ich Karin am nächsten Tag in der Uni treffe schaut sie mich seltsam an.
„Was hast du mit dieser Nicole gemacht?“, will sie wissen. „Die ist wie ein begossener Pudel abgezogen.“
„Die wollte mich als zweite Frau für ihren Freund“, antworte ich und muss bei dem Gedanken lachen. „Sie steht nicht zu sich und wird früher oder später scheitern.“
Die Lebenslüge als Weg.

Eine Woche später steht Nicole aufgelöst vor mir. Sie beweist Mut und überrascht mich damit.
Sie hat sich von ihrem Freund getrennt. Aber eigentlich war es schon lange vorbei. Und die Beziehung einfach nur bequem.
„Du gehst mir nicht aus dem Kopf“, gesteht sie mir. „Und ich bin so dumm gewesen.“
„Dumm ist der, der Dummes tut“, zitiere ich Forrest Gump und gebe Nicole einen ersten Kuss.
Dumm sein ist anders.

Die Freundschaft mit Nicole währt nicht lange.
Dating, Sex und scharfe Mädchen, das war mein Leben in dieser Zeit.
Spaß pur und wilde Küsse, was fehlte war Geborgenheit. Aber die habe ich dammals nie vermisst. Kein Wunder, wenn man süße Zwanzig ist.
Flieg bunter Schmetterling zur nächsten Blume hin.
Heute bin ich schon lange angekommen. Und niemand, außer meiner Elfe, gebührt der Platz neben mir. Sie ist das schärfste Mädchen und mein Date für immer.

21 Kommentare zu “Dating, Sex und scharfe Mädchen

  1. Ja, deine Beziehungsgeschichten hier sind insgesamt wie brillante Fotografien: scharf. 😉
    Ich glaube dir aufs Wort, und sollte es überzogen sein, du schreibst gut nachvollziehbar. Man(n) könnte fast lesbisch werden. Wenn ich es mal so sagen darf. Eigentlich geht das nicht, weiß ich, aber irgendwie kriegst du’s hin.

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  2. Drei sind zwei zuviel – das gilt bei mir auch. Wobei ich mir noch eher vorstellen könnte, mit zwei Mädels Spaß zu haben, als mit zwei Kerlen oder gemischten Geschlechtern. Man kann aber eben doch nicht die Aufmerksamkeit gleichmäßig verteilen…

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  3. WER oder WAS ist (eine?) Shane?

    Lesben die nur aus „Bequemlichkeit“ mit einem Mann zusammen sind und vorgeben hetero zu sein, davon habe ich auch ein paar in meinem bisherigen Leben kennengelernt. Teilweise ist das sehr kurios mit anzusehen und über Jahre hinweg mit zu erleben. Wie manche „heimliche Lesbe“ dann nach einer Frau regelrecht giert und beim Blick ihres „Freundes“ dann schnell wieder die Hetero-Maske überzieht. Verrückt!

    Die meistens heimlichen Lesben die vorgaben hetero zu sein, sind langfristig gescheitert. So zumindest habe ich das erlebt und mitbekommen. Und dieser „Dreier“ aus den Männerfantasien, das ist schlicht nur eine Fantasie. Weil alle Männer die ich bisher getroffen habe und die diese Erfahrung gemacht haben, berichten im persönlichen Gespräch (anders als in der Gruppe) davon das dass sehr arg anstrengend ist auf Dauer und eher überfordert.

    Mir reicht eine intime Beziehung zu Einer Frau voll und ganz aus, ausserdem kann ich meine Aufmerksamkeit NICHT zweiteilen.

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    • Shane ist DIE Womanezerin aus der Serie „The L-Word.“ Klar, dass du die nicht kennst. 😉

      Die Konstellation Lesbe – (schwuler) Mann gibt es vor allem in Asien häufiger. Diese Paare haben dann sogar Kinder, aber natürlich keinen Sex. Sie leben offen hetero und heimlich „ihre“ Liebe. Der Hintergrund ist die zwar in Japan nicht offen gezeigte Homophobie, aber diese furchtbare Gleichgültigkeit Homosexuellen gegenüber. In Japan wird einfach erwartet, dass du hetero bist. Punkt.

      Die meisten „Springer“ legen sich irgendwann fest. Die, die es nicht schaffen, bleiben ihr Leben lang unglücklich. Quasi zerrissen. Wenige dürften keine Probleme damit haben, abwechselnde Beziehungen zu führen.

      Ich könnte endlos über das Thema referieren und zig Fallbeispiele bringen. Aber ich kann aus deinen Worten lesen, dass du einen Überblick hast. Und für deinen letzten Satz gibt’s einen „hohen Daumen“ von mir. Mir reicht (m)eine Frau auch voll und ganz aus. 🙂

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    • „The L-Word“ ist Kult. Es geht um L-Frauen, ihr Leben und ihre Liebe(n). Und die Serie ist als Gesamtkunstwerk einzigartig und bahnbrechend für die L-Szene. Ob sie auch Mann gefällt kann ich nicht sagen. Gerüchten zufolge aber schon. Empfehlenswert ist sie meiner Meinung nach aber nur im englischen Original.

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      • Ich schaue sowie so nur noch Serien im Englischen Original, da die Deutsche Synchronisation meistens so arg schlecht ist, das ich meine einen gänzlich anderen Film zu schauen, oder eben eine andere Serie.

        Mal schauen wie mir „The L-World“ gefällt, wobei ich mindestens 1 Staffel mir antun werde und danach erst ein Gesamturteil mir bilden werde.

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      • Es gibt englische / amerikanische Filme, die wegen des Dialektes kaum zu verstehen sind. Stichwort: Cockney-Englisch, oder Südstaaten Dialekt. Da greife ich dann gern auf eine synchronisierte Fassung zurück. „The L-Word“ kommt in einem sehr guten Englisch. Wobei wir auf den DVD auch Deutsch wählen können 😀

        Ein Gesamturteil über „The L-Word“ wird nach einer Staffel nicht funktionieren. Aber zumindest einen Überblick geben. Viel Spaß dabei 😀

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  4. Du warst ja ein ganz schöner Vamp. 🙂 Ich hatte meine „Austobzeit“ bis 20 und war ab dann schon für 4 Jahre in meiner ersten festen Beziehung. Vielleicht klinge ich jetzt echt altmodisch und konservativ, aber für mich fehlt bei Sex ohne Gefühlen etwas. Aber ohne Bestäuber kann es halt auch keine Blumen geben, ne!?! 😉

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