Der Sex-Check

Ein Artikel, über den ersten Sex eines Paares, hat mich aufmerksam gemacht. Dabei geht es ganz klassich um Mann und Frau, was mich aber trotzdem interessiert. Und mir fallen durchaus Gemeinsamkeiten, aber auch große Unterschiede auf. Und darüber werde ich nun schreiben. Bewusst verzichte ich auf die Feministinnen-Keule. Die packe ich später wieder aus.

Ich lerne, was Mann denkt, wenn eine nackte Frau vor ihm steht. „Geil, jetzt gibt es Sex!“, soll sein erster Gedanke sein. Auch, wenn Lesben durchaus männliche Verhaltensweisen haben, so habe ich das nie gedacht. Aber das ist auch nicht schlimm. „Ist mein Penis auch groß genug?“, soll des Mannes zweite Frage sein. Und da muss ich dann passen. Diese Denkweise bleibt mir fremd. Ist der Penis für Mann so wichtig?

Der dritte Gedanke von Mann schlägt in die gleiche Kerbe. „Was, wenn ich versage?“, soll der lauten. Dass Mann sich oft über seine Erektion definiert, das habe ich begriffen. Frauen brauchen das nicht. Sie täuschen oft Lust für den Partner vor. Das ist auch bei Lesben so. Nur merkt es die andere in der Regel schnell. Wir achten auf unsere Körper und  die Signale. Aber das nur nebenbei. Verstanden habe ich, dass auf Mann ein großer Erfolgsdruck zu liegen scheint. Er muss seine Partnerin unbedingt befriedigen. Nur warum muss das mit dem Penis sein? Ohne jemals mit einem Mann geschlafen zu haben glaube ich zu wissen, dass Frau das entspannter sieht.

Im weiteren Verlauf des Artikels wird es chauvinistisch. Aber keine Angst, ich halte mich zurück. Mannes Blick wird sich nun also auf den Busen richten. Davon habe ich sowieso nicht viel, was mich niemals störte. Eher ist das Gegenteil der Fall. Frau, so lese ich, soll nun unter Mannes Blick ganz aufrecht stehen, um ihre Formen gefällig zu präsentieren. Wenn sie Glück hat, so der Autor weiter, interessiert sich Mann nicht dafür ob der Busen etwa hängt. Angeblich hofft Mann nun auf die schnelle Nummer. Und da komme ich nicht mit.

Mannes Blick richtet sich dann auf die unteren Regionen von Frau. Nicht etwa auf die langen, wohlgeformten Beine, er hat ein ganz anderes Ziel. Das Tal der Venus, jenes feuchte Zentrum purer Lust, liegt zur Begutachtung bereit. Ob Frau das, wie im TV gesehen, wirklich schamhaft hinter ihrer Hand versteckt? Mir zumindest ist das doch nie passiert. Aber das Venusdelta war nie (m)ein primäres Ziel. Identifizieren kann ich mich aber mit jenem Satz, den der Autor als „Umgang mit der eigenen Nacktheit“ schreibt. Genau das, ist für beide Partner wichtig.

Auch, wer vielleicht einige Polster zu viel auf den Hüften hat, kann noch immer selbstbewusst durchs Leben gehen. Wo ist das Problem? Ich muss mich mögen und das vermitteln. Dann mag mich der andere Partner meist auch. Laut dem Artikel achtet Mann in dieser Phase ohnehin nicht auf den dicken Po. Ich schon, aber er stört doch nicht. Und das bringt mich zur weiblichen Seite zurück und was Frauen beim Anblick des nackten Partners denken. Natürlich kann ich das nur aus meiner lesbischen Sicht (be)schreiben. Aber so viel anders, als bei Heten, ist die vermutlich nicht.

Für Frauen ist der gesamte Mensch wichtig. Nicht nur der Körper, auch der Geist. Wobei man letzteren nicht sehen kann. Aber es hilft, wenn „sie“ vor Witz nur so sprüht. Im Artikel steht, dass Frau mehr auf die Physis steht und ob das Gegenüber vielleicht besser trainiert ist als sie. Zumindest für mich kann ich das unterschreiben. Ab einer gewissen Körperfülle ging bei mir nichts. Ich mochte stets normale Frauen. Ob schlank, oder trainiert, spielte dabei keine Rolle. Ebensowenig wie die Busengröße. Frau ist mehr, als nur zwei Brüste.

Im Gegensatz zu Heten hat sich mein Gehirn nicht mit der Penisgröße beschäftigt. So zumindest soll es laut dem Autor sein. Demnach bevorzugt Frau die normale Variante, auf Monstergrößen stehe sie nicht. Und das kann ich verstehen. Auch, dass Frau bei kleinen Größen, auf Mannes flinke Zunge hofft. Ebenso, wie auf seine Erektion. Bleibt die aus, so gibt sie sich angeblich die Schuld. Das zumindest kann ich ansatzweise nachvollziehen. Bleibt die Partnerin allzu passiv, so wird sich auch die lesbische Frau ihre Gedanken um die eigene Attraktivität machen.

Einigermaßen gleich sind die Reaktionen auf Komplimente. „Du siehst zum anbeißen aus“, hören auch Lesben gern. Und auch die Details des anderen Körpers entgeht uns Frauen nicht. Egal ob Muttermal, oder unrasierte Beine. Wir haben alles im Blick. Nur gehen wir damit anders um. Und der Partnerin beim entfernen unnötiger Haare zu helfen macht richtig Spaß und fördert das Vertrauen. So und nicht anders soll es sein. Und ein Lächeln, ein Kuss, die tolle Persönlichkeit sind immer wichtiger, als die falsche Frisur.

Etwas hat der Autor aber vergessen, was ich nicht verschweigen möchte. Und das ist der Körpergeruch. Japaner haben ein anderes Verhältnis zu Sauberkeit, als westliche Menschen. Das fängt schon beim duschen, oder Baden an. Baden dient in Japan der Entspannung und nicht der Körperpflege. Japaner haben zum Teil weniger Körperbehaarung, als Westeuropäer. Und wenn überhaupt, so riechen sie völlig anders. Und das für meine Nase nie unangenehm. Was ich von Europäern leider nicht behaupten kann. Was mir dort schon müffelnd entgegenschlug, hat mir regelrecht den Atem geraubt. Egal, ob Frau oder Mann. Nur wird mir das schon auffallen, bevor sich eine Angebetete entblößt. Und auf miefige Feministinnen, die kein Deo kennen, stehe ich nun mal nicht.

Neben mir gibt es ein Geräusch und ich schaue Yuki ins lächelnde Gesicht. Sie hat sich in Pose geworfen und steht in elfenhafter Schönheit vor mir. Ohne dass ich es bemerkte, hat sie meinen Artikel mitgelesen.
„Na, was sagst du“, meint sie leise. „Bestehe ich den Sex Check immer noch?“
Mir wird warm ums Herz.
„Ja, Elfchen“, erwidere ich. „Und daran wird sich auch nichts ändern.“
„Gut“, erwidert Yuki und zwinkert mir zu. „Dann darfst du mich jetzt küssen.“
Ist sie nicht allerliebst?

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26 Kommentare zu “Der Sex-Check

  1. Sie ist allerliebst 😉
    Übrigens muss ich sagen: mir hat diese Fick-Fixierung von Männern immer geholfen… Da ich weiß, dass sie, wenn eine nackte Frau vor ihnen steht, nur noch ans Bumsen denken und nicht so sehr an ihre Makel, kann ich viel entspannter nackt vor ihnen stehen. In der Regel bin ich nämlich nicht glücklich mit mir und meinem Körper, aber wenn ich weiß, er merkt es eh nicht, kann ich viel selbstbewusster damit umgehen und wirke dann auch entsprechend anders.
    Bei Frauen bin ich viel unsicherer, weil ich weiß, sie sehen das, und da können sie mir x Mal sagen, dass das nicht das Wichtgste ist, das kommt gar nicht an…

    • Danke für deinen Kommentar.

      Es ist wirklich nicht wichtig wie du nackt aussiehst. Die Frau wäre nicht bei dir, wenn sie dich nicht als Mensch mögen würde.

  2. Für mich persönlich (andere sehen das sicher anders) ist das der große Vorteil einer liebevollen Beziehung gegenüber dem One Night Stand: Als mein Freund und ich uns das erste Mal nackt gesehen haben, war das Vertrauen schon da. Da ging es nicht mehr um Brustumfang oder Penislänge, sondern nur um unsere Liebe. Bei den One Night Stands, die ich hatte, war ich immer viel unsicherer. Spaß haben sie trotzdem gemacht, klar 😉 Aber zurück will ich nicht mehr.

    • Genau darum geht es: Vertrauen. Ich verliebe mich nicht in einen tollen Hintern. Auch, wenn meine Elfe einen hat 😀 Aber Frauen sehen ihre PartnerInnen anders. Die Unsicherheit bleibt auch bei Lesben erhalten, das habe ich schon bemerkt. Da unterscheiden sie sich nicht von anderen Frauen.

      Und ONS? Nee du, lass uns mal in unseren Beziehungen bleiben. Vertrauen und Liebe machen viel mehr Spaß 🙂

  3. Ich glaube, dass Männer viel mehr auf optische Reize reagieren als Frauen, weshalb Frauen wahrscheinlich auch die größeren Probleme mit Nacktheit haben als Männer. Bei mir ist das jedenfalls so. Ich ziehe mich erst dann gerne aus, wenn ich mich beim anderen wohl, sicher und geborgen fühle und weiß, er findet mich schön – mit all meinen Makeln (und davon habe ich viele). Ob Mann hingegegen Makel hat, ist mir egal. Es ist nicht der Körper, der mich in Fahrt bringt, es ist der Mensch im Gesamten, die Atmosphäre und auch die Lust, die er auf mich hat.
    So wie Männer bei Brüsten eine Wunschvorstellung haben (Größe, Form, etc.), habe ich sie jedoch auch bei ihrem besten Stück. Wie es am Ende allerdings tatsächlich beschaffen ist, ist für mich dann doch kein ausschlaggebender Faktor (meistens jedenfalls… ;)).
    Besonders lustig finde ich immer, dass Männer einfach nicht verstehen wollen, dass die Lust bei Frau durch anderes angeheizt wird als bei ihnen selbst. Während sich das Türmchen in der Hose schon beim Anblick der nackten Liebsten aufbäumt, braucht es bei vielen Frauen schon etwas mehr. Immer wieder aufs Neue amüsierend, wenn Männer nackt vor einem stehen und überhaupt nicht verstehen können, warum man zwischen den Beinen noch nicht trieft 😉

    • Nun habe ich wirklich schmunzeln müssen und auch Yuki hat gelacht. 😀 Wir „anderen Mädels“ reagieren schon auf körperliche Reize. Menschen sind visuell geprägt, das ist also normal. In jüngeren Jahren habe ich beispielsweise viel mehr auf Aussehen Wert gelegt. Wobei ich mich an meiner Elfe niemals satt sehen kann. Und in der L-Gemeinde starren dir durchaus auch Mädels auf den Hintern. Aber du hast wohl recht, Mann ist mehr auf diese Reize geprägt.
      Für mich sind diese Unterschiede bei aller früheren Abneigung nun durchaus interessant. Lerne ich doch so einiges mehr über andere Menschen. Und das ist nie verkehrt. Auch ein Biest wird im „Alter“ toleranter 😀

    • Ich lese ständig, lieber Bernd. Nicht alles und jeden. Aber viel. Aber Menschen sind visuell geprägt. Das Gegenüber ist unser erstes Bild. Aber Frauen sehen vemutlich tiefer, anders. Und ich schaue nicht auf den Po 😀

  4. Balian Buschbaum sagte einst mal, wenn du als Mann glaubst das du einen Penis brauchst um eine Frau richtig zu befriedigen, dann hast du schon verloren.

    Genau so sehe ich das auch und genau so lebe ich dass zudem auch, denn der „normale Geschlechtsverkehr“ ist für mich eher eine Zugabe. Natürlich auch sehr schön und erfüllend, aber davon ab und vor allem darüber hinaus gibt es noch viel erfüllender Möglichkeiten sich gegenseitig zu „verwöhnen“ sowie zu „befriedigen“ und meistens geht es auch für mich auch nicht um den (schnellen) Fick, sondern um die Zeit füreinander.

    Vertrauen ist für mich das wichtigste gegenüber meiner Partnerin. Mich hat noch nie interessiert, welche Maße eine Frau hat, sondern lediglich ihr Charakter. Bin da offensichtlich AndersAlsAnders gepolt als die restlichen Männer… 😉

    • Dankeschön für deinen Kommentar 🙂 Ja den Balian kenne ich. Wer eigentlich nicht? Toller Mensch, wie ich finde.

      Er hat natürlich den Vorteil alles aus der Sicht von Frau zu kennen und muss nun nicht von Geburt an auf etwas fixiert sein. Ich denke mal – ohne es wirklich zu wissen -, dass die Mann – Frau-Beziehung mit mehr Zärtlichkeiten und aufeinander eingehen erfüllter wäre.

      Wir Mädels gehen anders miteinander um. Wobei es da auch Unterschiede gibt. Und so manche Lesbe durchaus wie Mann agiert. Aber die traf ich nie für mehr. Und muss es auch nicht. 🙂

  5. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals ein entspanntes Verhältnis zu meinem Körper gehabt zu haben und ich glaube auch nicht daran, dass sich das in diesem Leben mal noch ändern könnte. Was mir aber hilft ist, dass mir in den meisten Fällen relativ egal ist, was mein Gegenüber über mich denkt, bzw. wenn mich mein Partner nackt sieht denke ich, dass er ja nicht mit mir zusammen wäre, wenn ihm nicht passt, was er sieht. Und wenn es ihm nicht passt, dann soll er es bleiben lassen. So einfach ist das. 🙂

    • Viele Frauen haben dieses eher unentspannte Verhältnis zum eigenen Körper. So wäre ich früher gern etwas größer gewesen 😀 Heute ist mir das egal.

      Aber frühere Freundinnen hatten die gleichen Probleme, wie viele hetero-Frauen auch. Da unterscheiden wir uns kein bisschen. Frau bleibt Frau.

      Und ja du hast recht, liebe Charlotte. Bevor wir uns ausziehen haben wir das Gegenüber näher kennengelernt. Und ein Leberfleck an der richtigen Stelle ist oft wunderschön. 😉

  6. a) Muss eine Lesbe Feministin sein?
    b) Die Penisgrösse ist für Mann nicht so wichtig, ausser beim Duschen im Sportsverein.
    c) Mann denkt, Frau wolle einen grossen, langen, auch wenn Frau ihm hundertmal sagt, das sei nicht wichtig.
    d) Hätte Mann keinen erfolgsdruck, gäbe es keine Atos, schon gar nicht schnelle

    • Nicht alle Lesben sind Feministinnen, lieber Zauberer. Und ich schon lange nicht mehr wirklich radikal.

      Jetzt überlege ich was die Liebe für schnelle Autos für mich als Frau bedeutet. Nein, es ist kein Peniswunsch 😀 Vielleicht unbewusst der Wunsche nach einigen Zentimetern mehr Körpergröße. Aber ist die wirklich erstrebenswert?

      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar aus der Sicht von Mann. Die finde ich ich nämlich gut.

  7. Wieder einmal großartig. Deine Gedanken zu dem vergleichenden Sex-Check haben mir sehr gut gefallen.

    Anmerken möchte ich zu der geschilderten und auch in den Kommentaren wiedergegebenen weiblichen Unsicherheit hinsichtlich weiblicher Anforderungen an ihren Körper schon etwas Verwunderliches ist. Angeblich resultiert dieses unentspannte Verhältnis zum eigenen Körperas ja aus dem durch die Frauenzeitschriften geschaffenen Frauenbild. Allerdings kann dies auch nicht so ganz richtig sein. Als die Frauenzeitschriften hierauf reagierten und keine Modells mehr zeigten, ging die Zeitungsauflage zurück.

    Als Mann kann ich nur hervorheben, dass sämtliche weibliche Bedenken diesbezüglich unbegründet sind. Wenn der Mann interessiert ist, dann ist er interessiert. Dann vergleicht er auch nicht und stellt keine Gedanken an, ob die Oberschenkel von Barbie dünner sind (oder was weis ich). Zugegebenermaßen nach der action ist es mir sehr wohl passiert, dass ich mir dachte, ziemlich stramme Waden hat das Mädchen. Vorher habe ich die nicht gesehen.

    Zu dem Thema Penisgröße wird im allgemeinen weiblicherseits hervorgehoben, dass es darauf nicht ankommt. Ich denke, all diese Äußerungen sind nichts anderes als weibliche Nachsicht. Ich kenne sehr wohl Frauen, die sagen unter 20 cm gehören sie eigentlich verboten. Hier gilt es daher den Frauen für ihr verzeihendes Verständnis dankbar zu sein.

    Das Thema Körpergeruch dürfte differenziert zu betrachten sein. Frauen wird hormonell verursacht ein ausgeprägterer Geruchssinn zugesprochen. Bei Männern sei dies anders. Natürlich empfinde auch ich einen gewissen Körpergeruch erst einmal abstoßend, aber da nehme ich mich kurz zusammen und danach finde ich ihn meistens sogar anregend.

    Vermissen tue ich noch Ausführungen zur Verpackungsthematik. Spielt die Verpackung bei euch auch eine Rolle oder ist das Dessous-Thema als sexistisch verpönt bzw. bei lesbische oder queere Frauen eher zweitrangig.

    • Weißt du, ich denke jeder Mensch wünscht sich die eine oder andere Veränderung an seinem Körper. Bei Mann sind es vermutlich auch größere Muskeln und der Waschbrettbauch. Zu der Penisgröße kann ich nichts sagen. Aber der Westeurpäer liegt weit unter deinen angeführten 20 cm. Steht in den Frauenzeitschriften, die auch ich lese. 😉

      Lesben sind nicht anders, als andere Frauen auch. Wir laufen nicht alle im Tomboy Look herum und tragen Boxershorts als Unterwäsche 😀

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