Die Liebe ist kein Spiel

Eigentlich bin ich ein toleranter Mensch und respektiere die Meinung anderer. Aber das war nicht immer so in meinem noch recht jungen Leben. Trotz japanischer Eltern, Meditation und Philosophie, kannte ich oft nur Schwarz und Weiß. Besonders krass war das bei Freundinnen, die plötzlich nicht mehr lesbisch waren. Auch, wenn ich heute der Meinung bin, dass Bisexualität nichts verwerfliches ist, so habe ich mit radikalen Aussteigern doch ein Problem. Denn meist wenden sich diese Leute nicht einfach nur von der LGBT-Community ab, sie bekämpfen ehemalge FreundInnen auch noch bis aufs Blut.

Es gibt immer wieder krasse Beispiele von Menschen, die nun für die „andere Seite“ sind. Vor einigen Jahren etwa den Exodus-Chef John Paulk. Der „geheilte“ und mit einer „Ex-Lesbe“ verheiratete Vorsitzende der damals weltweit größten Ex-Gay-Bewegung wurde dann aber in einer Schwulenbar erwischt, in der er heimlich Männer treffen wollte. Exodus hat im Jahr 2013 aufgegeben, nachdem sich die Gruppe zunehmend lächerlich machte und immer mehr Mitglieder als (noch immer) homosexuell geoutet wurden, oder sie in Richtung anderer Bewegungen verließen.

Was treibt nun Menschen dazu an, sich gegen ihre sexuelle Orientierung auszusprechen? Ist es wirklich nur die Liebe eines anderen Menschen, der sie zu diesem Schritt zwingt? So ganz kann ich nicht an diese These glauben. Auch, wenn ich mittlerweile eine erklärte Befürworterin, der Liebe unter allen Menschen bin. Der Schritt zurück in die Normalität mag für viele einfach nur ein Ausweg sein, um der Ächtung durch Freunde und Familie zu entgehen. Im noch weitestgehend homophoben Asien gehen Lesben und Schwule oft Scheinehen ein und haben sogar durch künstliche Befruchtung entstandene Kinder. Alles nur, um den schönen Schein zu wahren.

Oft mag es auch der neue Hetero-Partner und Homo-Hasser sein, der nun seinerseits die totale Abkehr von der Szene fordert. Und so werden aus glühenden LGBT-Verfechtern oft wutschäumende Gegner, die kein gutes Haar an ehemaligen Freunden lassen. Im Fall von Chloe – siehe „Die falsche Lesbe Teil 1 – 3“ bin ich mir noch immer nicht sicher, was in sie gefahren war. Von Ulrike weiß ich, dass Chloe wie ausgewechselt ist und kein Vergleich zu früher mehr. Und genau ihr Verhalten bringt mich zu einem Punkt, der immer wieder zur Sprache kommt: Die Rückkehr von Ex-Lesben und Ex-Schwulen in ihre alte Welt.

Ich kenne etliche Fälle, die genau so abgelaufen sind. Lesbische Frau trifft auf Mann, bekommt ihr Wunschkind und verlässt ihn nach einiger Zeit für eine Frau. Mit Kind versteht sich. Die Frage stellt sich nun, ob das nur ein Spiel war, oder ob es jemals wirkliche Gefühle für den Mann gegeben hat. Beantworten kann ich die Frage nicht. Nur Vermutungen äußern. Ein Teil dieser Menschen kann sich nicht für einen Partner entscheiden. Hin und her gerissen taumeln sie von einem ins nächste Bett. Von Frau zu Mann und wieder zurück. Das sind die Unsicheren, die nicht mit sich im Reinen sind.

Andere haben einfach ihren Spaß und verlieben sich in Frau oder Mann. Nicht „und“, das ist der kleine Unterschied. Denn diese Menschen gibt es auch. Sie haben ganz bewusst Affären mit beiden Geschlechtern, oder sogar Ménage-à-trois. Das ist alles nicht verwerflich und in vielerlei Hinsicht normal. Wobei ich dieses Wechselspiel für mich kategorisch ausschließe. Ein weiterer Teil dieser Menschen ist unglücklich. Sie haben vielleicht einen liebenden Partner gefunden, sehnen sich aber zutiefst nach dem anderen Geschlecht. Viele werden früher oder später wieder in die Arme der LGBT-Gemeinde eilen.

„Ich stehe auf Männer, aber ich liebe Frauen“, hat eine Bekannte einst gesagt. Sie hat viele Frauenherzen gebrochen wegen ihrer Penissucht. Liebe ist anders, das war sexuelle Gier. Hardcore-Lesben lehnen diese Springer ab und vermeiden jeglichen Kontakt. Sie trauen den Reumütigen nicht sonderlich und wollen nicht (erneut) verlassen werden. Und ich kann sie gut verstehen. Liebe ist unendlich, aber sie ist kein Spiel.

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18 Kommentare zu “Die Liebe ist kein Spiel

  1. Moin! Ich bin immer ganz fasziniert von deinen Artikeln. Du schreibst leicht und gut. und öffnest mir die Augen für mehr Toleranz. Danke! Aber „Der Schritt zurück in die Normalität“ – oha! Was verstehst Du hier unter „Normalität“. Tritts Du nicht dafür ein, dass Homosexualität auch zur Normalität gehört?
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
    Ulrike

    • Moin moin, wie wir Hamburger sagen 😉

      Leider gibt es noch kein anderes Wort in dieser Gesellschaft, das ich so ohne weiteres benutzen kann. Normal für mich ist eine Welt in der sich alle Menschen lieben. Nur gibt es immer wieder solche, die das ganz anders sehen. Statt Toleranz wird dann eine ganz andere Meinung vertreten. Und das meist radikal. Und dann hört auch meine Toleranz irgendwann auf und ich werde hellhörig und sehr skeptisch. Ich könnte noch zig Beispiele von Ex-Lesben bringen, die ziemlich betroffen machen. Frauen, wie Chloe, aber auch den einen oder anderen männlichen Springer. Ihr Hass (auf sich selbst) wird dann auf andere übertragen. Diese Menschen haben mein Mitgefühl.

      Dir auch ein schönes Wochenende 🙂

  2. Einen schönen Freitag wünsche ich dir,ja die Liebe ist kein Spiel aber viele sehen es als Spiel an,und gehen von einer zu anderen.Wünsche dir ein gutes Wochenende.Liebe Grüßeund Freundschaft.Gislinde

  3. Love is a game – das wird schon Kindern vermittelt; und ich habe es auch von einer Bekannten manchmal gehört. Ich selbst habe das nie so empfunden und/oder empfinden können. Bin halt durch und durch Romantikerin 😉

  4. Da wäre aber auch wichtig zu schreiben wie du Liebe definierst?
    Ich für mich behaupte ja auch das ich keine ONS`s habe, sondern mich kurzzeit verliebe. Von aussen betrachtet kann man da aber kein Unterschied erkennen.

  5. Mit den Gefühlen anderer sollte man tatsächlich nicht spielen, das sehe ich ganau so, wie Du. Und ich wage zu behaupten, dass hinter der Häufigkeit, in der das doch vorkommt, nicht pure Kalkül steckt, sondern Unkenntnis der eigenen Gefühle oder schlicht und ergreifend das Unvermögen, seine Gefühle anderer gegenüber adäquat auszudrücken. Das Problem sehe ich z.B. an mir – in Gefühlsdingen bin ich manchmal echt ein Panzer…
    Vielleicht wäre dieses ganze Liebesbeziehungsgedöns einfacher, wenn nicht zwischen Homo, Hetero, Bi und was weiss ich noch alles unterschieden würde und sich entsprechende Gemeinschaften bilden, sondern dass die Liebe im Zentrum steht, die halt ihre eigenen Wege geht. Mal hier hin, mal da hin. Vielleicht liebe ich seit Jahren Männer – verschiedene Männer – und merke irgendwann, dass mich das nicht glücklich macht. Vielleicht treffe ich eine Frau, mit der sich eine schöne Beziehung entfaltet und alles ist gut. Aber vielleicht ist es auch nicht das, was ich suche. Und dann treffe ich wieder einen Mann und mit dem passt es dann total gut. Das hat dann nichts zu tun mit homo, hetero oder bi, sondern dass ich einfach meinen Gefühlen folge, den Menschen ins Zentrum stelle und das Geschlecht letztendlich keine Rolle mehr spielt. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, solange die involvierten Parteien alle zufrieden damit sind. Toleranz für alle und in jede Richtung – das müsste in meinen Augen das Ziel sein. Oder so. Irgendwie habe ich den Faden verloren… 😉
    Liebe Grüsse
    Charlotte

    • Ich habe dich verstanden, liebe Charlotte. Aber das mache ich eigentlich immer 🙂

      Du beschreibst einen Idealzustand, zu dem die Menschen noch nicht, oder nicht mehr bereit sind. Heutzutage haben wir Fronten, die aber langsam immer durchlässiger werden. Rückschläge wie in Stuttgart, in vielen Teilen Afrikas, gibt es leider immer wieder. Und denen gilt es zu begegnen.

      Ich kann natürlich immer nur aus meiner Sicht schreiben. Die einer Hetero-Frau kenne ich selbst nicht. Und in der LGBT-Szene ist die Liebe auch nicht immer einfach, wie Chloe & Co. bewiesen haben. Die Ex-Gay-Bewegungen gibt es immer noch. Und sehr oft sind es frühere LGBT-Mitglieder, die dort die Vorsitzenden sind.

      Mit Liebe, den Gefühlen anderer sollte man niemals spielen. Selbst ich, die früher kein Kind von Traurigkeit war, habe das niemals gemacht. Ich habe niemals Liebe geheuchelt. Mein Weg war ehrlich, offen und klar.

      Eine Freundin ist lediglich für ihre Freundin „lesbisch.“ Da trafen sich zwei verwandte Seelen, die es zueinander zog und die, wie Yuki und ich, kaum voneinander lassen können.

      Zum Thema Bisexualität könnte ich noch eine Menge schreiben. Und leider nicht sehr positive Dinge. Aber es ist nicht meine Schuld, dass sich die Betreffenden derart präsentieren.

      Liebe Grüße 🙂

      Mayumi

  6. Nein, Liebe ist kein Spiel. Zwar kann ein jeder, der aufrecht liebt, nur gewinnen, doch nicht wie im Spiel. Das Risiko, der Einsatz ist viel zu groß bei der Liebe, als könnte man sie spielen. Warum es trotzdem viele tun, es bleibt mir ein ungelöstes Rätsel. Viele erhöhen sogar noch den Einsatz, als ob sich davon der Gewinn optimieren könnte. Nur Narren spielen ein falsches Spiel, reichen dir die eine Hand und halten in der anderen die gezinkten Karten. Ob sie nun männlich oder weiblich sind, macht keinen Unterschied. So wie die Liebe selbst auch nicht.
    Liebe Grüße an euch zwei Liebenden, mit Grußkuß, Käthe.

    • Du hast mit wunderschönen Worten formuliert, was und wie ich über Liebe denke. Dafür danke ich sehr. Und meine Elfe lässt dich herzlich grüßen.

      So wild ich früher war, gespielt habe ich niemals mit Gefühlen. Und heute stehe ich unter Yukis (nicht vorhandenem) Pantoffel 😉

      • Dankefein, liebe Mayumi. Schön, daß so verschieden wir auch sind, das Verständnis der Liebe uns eint. So muß es immer sein. Grüße herzfein zurück und richte bitte aus, daß im Moment in meinem Florallabor eine Sommerblume namens Elfenspiegel der Renner ist. Ich denke automatisch oft an euch, auch wenn ich nicht viel kommentiere.
        Es gibt übrigens auch ein Pflänzchen namens Pantoffelblume.. ich grüße lachendkringelig.

  7. Gute Überschrift! 🙂 Lieber von der Gesellschaft verachtet werden als eine Lüge zu leben.
    Dennoch gibt es Gesellschaften, in denen man für seine Homosexualität hingerichtet wird. In solchen Gesellschaftsstrukturen kann ich die Ängste und daraus resultierenden Scheinleben nachvollziehen.

    • Danke! Dieses Scheinleben gibt es noch in Asien. Dort finden sich Lesben und Schwule zu Paaren, um so der Öffentlichkeit etwas zu verschweigen. Sogar Kinder gibt es aus solchen Ehen, die dann jeweils 2 Mütter und 2 Väter haben.

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