Gut, besser, Ich!

Die provokativ gewählte Überschrift soll kein Lobgesang auf meine Person sein. Auch, wenn ich wirklich selbstbewusst bin. Ich möchte heute auf Fragen eingehen, die mir immer wieder begegnen. Gemeint sind Fragen aus der Kampfsport-Welt. Wen das nicht interessiert, der darf an genau dieser Stelle mit dem Lesen aufhören. Alles gut.

Seit vielen Jahren wird mir die Frage gestellt, was das beste „System“ ist, die beste Kampfkunst, die beste Selbstverteidigung. Die Antwort ist ganz einfach: Das beste System gibt es nicht! Und schon sehe ich, wie sich die Kickboxer und Karatekas dieser Welt in Szene setzen und mir das Gegenteil beweisen wollen. Sollen sie, es schert mich wenig. Warum ist das so, was macht mich so „arrogant?“ Mit Arroganz hat meine Meinung nichts zu tun, aber mit in fast 26 Jahren erworbenem Können und Wissen. Denn im Gegensatz zu den meisten Sportlern, habe ich meine „Kunst“ jeden Tag trainiert. Ja, täglich! Und das kam so …

Als ich fünf Jahre alt war, hat mein Papa mit dem Karate Training bei mir angefangen. Mit unglaublicher Geduld hat er dafür gesorgt, dass ich nicht nur perfekt kickte. Auf den Knien sitzend hat er mir auch Aikido beigebracht und das aus dem Schwertkampf stammende Kendo. Wir haben meditiert und ich habe sowohl Kanji-Zeichen, wie auch Hiragana gelernt. Später kam noch das Katakana (und Romaji) dazu. Ihm war immer wichtig, dass ich Training als Gesamtheit verstanden habe, dass mein (rebellischer) Geist und mein Körper, eine perfeke Einheit bilden. Und dazu gehört seiner Meinung nach auch das Wissen um Zen-Buddhismus und Kalligrafie.

Selbst heute trainiere ich noch täglich, wenn auch völlig anders als in jungen Jahren. Yuki und ich gehen 2 x pro Woche ins Wing Chun und 2 x in ein Aikido-Dojo. Unabhängig davon kann man mich im Wohnzimmer Katas laufen sehen und Kicks aus dem Karate üben. Oder ich stehe wirklich mit einem Holzschwert im Wohnzimmer umd schlage auf imaginäre Gegner ein. Vielleicht mache ich auch nur einen Spagat und übe mit Yuki Chi Sao, die klebenden Hände aus dem Wing Chun. Unter anderem habe auch ich Taekwon-Do trainiert, Tai Chi Chuan und Hung Gar Kung Fu. Und seit einer Weile auch Wen-Do und Krav Maga. Ich war und bin immer offen für ein neues System, für neue Dinge. Ich halte nie an alten Zöpfen fest.

Nun gibt es die Meinung vieler Sensei und Sifu, dass nur der wirklich gut in etwas ist, der sich auf „seine Kunst“ konzentriert. Denen gebe ich durchaus recht! Aber so ganz bin ich dann doch nicht damit einverstanden. Und das hat einen bestimmten Grund. Nehmen wir das traditionelle Chinesische Kung Fu. Schön anzuschauen, mit oft tiefem Stand, imitiert es Tierbewegungen. Als Kung Fu über Okinawa nach Japan kam, hat es sich verändert. Japaner sind wahre Meister darin Dinge anzupassen. Egal, ob es die Kanj-Zeichen, oder eben nun Karate ist. Die verschiedenen Karate-Stile sind nichts anderes, als ein mehr oder weniger um überflüssige Bewegungen reduziertes Kung Fu. Ob die nun wirklich überflüssig sind, darüber lässt sich streiten. Karate ist nicht besser, es ist nur anders. Wirklich vergleichen kann man die Stile nicht.

Aber genau das wird immer wieder gern getan. Auf youtube finden sich unzählige Filmchen, die etwa „Kung Fu vs. Karate“ heißen, oder „Wing Chun vs. Kickboxing – must see!“ Letzteres Video sollte man sich nur anschauen, wenn man Ahnung hat. Sonst glaubt der Zuschauer wirklich, dass Wing Chun schecht ist. Aber schlecht, bzw. unerfahren, war der Mensch! Wing Chun ist Selbstverteidigung, Straßenkampf. Von einer Frau für Frauen entwickelt, unterrichtet es heute vorzugsweise Mann. Und macht gutes Geld damit. Leider. Dazu ein anderes Mal mehr. Jedes System kämpft nach Regeln, die zum Teil völlig unterschiedlich sind. Man kann auch Poker nicht mit Schafskopf vergleichen, das macht ebenfalls null Sinn. Wing Chunler praktizieren selten mit anderen Stilen, oder üben sich im Kampf. Das war nie der Sinn dieses Systems. Lässt ein Wing Chunler sich also auf Kämpfe mit Karate-, oder Taekwon-Do-Regeln ein, kann er nur den kürzeren ziehen. Er ist limitiert, sein Gegner darf aber quasi alles machen. Alles, was er aus seinem System kennt.

Egal, ob Judo, Aikido, oder Kung Fu. Ein Vergleich „Mann gegen Mann“ kann niemals fair ausgehen. Der Judoka ist dem Kung Fu Meister im Nahkampf überlegen. Wenn der clever ist, dann packt der Judoka ihn aber nicht. Und bezieht die Prügel seines Lebens. Auch „Karate gegen Kung Fu“ wird nicht wirklich funktionieren. Es wird schließlich nach irgendwelchen Regeln gekämpft. Vermutlich werden also beide KämpferInnen mehr oder weniger Kickboxing machen und  der, oder die bessere gewinnt. So einfach ist das. Mit einer Ausnahme, auf die ich näher eingehen möchte. Angenommen ein Shaolin Kampfmönch – lassen wir ihn 30 Jahre alt sein – und ein gleichaltriger Deutscher Meister im Karate stehen sich gegenüber. Diese Begegnung wird es im Normalfall nie geben, Mönche kämpfen eigentlich nicht. Wenn man weiß, wann die Ausbildung eines Mönches beginnt, so darf man ihm nun ca. 25 Jahre komplettes körperliches und geistiges Training unterstellen. Kampfmönch wird nur, wer außergewöhnliche Begabung zeigt.

Der Deutsche Meister trainiert vielleicht auch schon seit 10 – 15 Jahren. Aber er ist und bleibt Hobbysportler. Für den Mönch ist es Beruf(ung), den er täglich mehrere Stunden praktiziert. Dieser Kampf muss nicht stattfinden, der Ausgang steht bereits fest. Es sei denn, der Karateka ist ein neuer „Bruce Lee.“ Und das ist unwahrscheinlich. Der Karateka hat keine Chance, er wird gnadenlos vorgeführt und ausgekontert. Und genau an dieser Stelle stehe ich. Ich habe mich schon lange vom Wettampfsport abgewandt und praktiziere quasi eine Art Straßenkampf-System. Unkonventionell und vor allem ohne Regeln. Ich analysiere Gegner und Situationen und setzte instinktiv die richtige Technik ein. Oder bin clever genug, um den Kampf zu vermeiden. Denn unbesiegbar bin ich nicht. Nur schwer auszurechnen. Denn ich bin flink und klein.

„Du kannst niemals einen 100 Kilo Mann besiegen“,  hat man zu mir gesagt. Doch kann und habe ich schon. Wobei das natürlich keine wirklichen Gegner waren, sondern ganz normale Menschen. Dummheit wäre es, mich einem 100 Kilo Kickboxer nach seinen Regeln zu stellen. Da kann ich nur alt aussehen. Genau diesen Fehler sehe ich allzu oft. Was mache ich mit meinen 1,62 Meter und zur Zeit knapp 53 kg gegen einen solchen Mann? Auf Distanz bleiben? Toller Plan! Weglaufen ist eine Option, wenn möglich. Deeskalation ebenso. Geht das alles nicht, so muss ich mich ihm stellen. Aber auf Distanz ist er mir überlegen. Er hat längere Beine und mehr Kraft. Und genau da setze ich dann an. Ich gehe ihm entgegen! Wenn er tritt steht er nur auf einem Bein. Dann bin ich da und er (f)liegt. Wer das nicht glaubt soll sich die von mir sehr verehrte Yoko Okamoto ansehen. Sie ist ein 6. Dan im Aikido und mit der spaßt auch Mann nicht. Oder sucht nach Emi Yamagishi. Sie ist nur 1,49 Meter klein, 48 kg leicht und eine Meisterin im Judo. Sie hat mehrfach demonstriert, wie sie ohne jede Kraft und mit perfekter Technik deutlich schwerere PartnerInnen werfen kann. Auch, den 110 kg schweren Nicholas Pettas, der das kaum glauben konnte.

„Aber Sparring und Straßenkampf haben kaum etwas gemeinsam“, höre ich die Kritiker nun sagen. „Da herrschen andere Regeln.“ Genau richtig, erwidere ich. Nur gibt es auf der Straße keine Regeln. Dort kämpfe ich vielleicht um mein Leben und wende daher, an Wettkampfregeln gemessen, unfaire Mittel an. Unfair heißt, dass ich dem Gegner in die Augen steche, oder in den Unterleib und Kehlkopf schlage. Wenn ich es kann. Und das bringt mich zurück zum „besten System“ und den wahren Meistern. Was ist ein wahrer Meister? Wirklich nur jemand, der z. B. sein Hung Gar Kung Fu perfekt ausüben kann? Klar kann er das! Wer das 30 Jahre und länger täglich macht, der wird darin eine Perfektion entwickelt haben, die ohnegleichen ist. Blickt er aber nicht über den Tellerrand, behält er andere Systeme nicht im Auge, so kann das ein böses Erwachen geben. Und genau das habe ich immer gemacht und mir das Beste der verschiedenen Stile herausgepickt. Vielleicht werde ich dann niemals die Katas so schön laufen, wie ein reiner Karateka, aber ich werde kompletter sein.

Vor vielen Jahren wollte es eine (Jugend)Meisterin im Taekwon-Do genauer wissen. Sie hat mich mehrfach provoziert. Es gab dann einen „Freundschaftskampf“, aber nicht nach ihren Regeln. Im Taekwon-Do sind Schläge zum Kopf nicht erlaubt, was im Wettkampf gut, aber für die Selbstverteidigung totaler Blödsinn ist. Die „Kleine“ war größer und kräftiger als ich, aber eben nicht flinker. Sie hat versucht, die Reichweite ihrer langen Beine gegen mich auszunutzen. Gesprungene Drehkicks waren eine große Gefahr. Dumm nur, dass ich schneller war, höher sprang und ihr vermutlich noch immer das Köpfchen brummt. Ich habe sie mit einem ähnlichen Angriff klassisch ausgekontert. Zuvor hatte ich sie bereits mehrfach von den Beinen geholt. Heute kann ich darüber nur noch lachen. Alle hohen Kicks sind meist pure Show und wenig effektiv, wenn der Gegner schneller ist.

In einem weiteren Beitrag werde ich mehr über Wing Chun erzählen. Nicht über die Geschichte und Legende(n). Es geht mir darum aufzuklären, was alles möglich und was unmöglich ist. Den Grund werdet ihr dann lesen. Gut, besser, Ich! Dazu stehe ich ganz selbstbewusst. Ich habe mich gefunden, meinen Stil. Und das gilt nicht nur für Karate, Aikido und Kung Fu. Das gilt für mein gesamtes Leben und für meine Frau. Sayōnara!

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50 Kommentare zu “Gut, besser, Ich!

    • Gern, liebe Ulrike. Mir ist bewusst, dass nur wenige Menschen etwas mit diesem Artikel anfangen können. Aber Selbstverteidigung, Karate, Kung Fu, ist ein Teil meiner japanischen Kultur. Es ist weit mehr als nur Kampf, was aber sehr schwer zu vermitteln ist.

  1. Deine Kampfsportberichte finde ich immer wieder spannend 🙂 Vielen Dank dafür!

    Dass es nicht „die“ richtige Kampfsportart gibt, sondern nur richtige Techniken für bestimmte Personen und Situationen, klingt eigentlich logisch. Natürlich kann ich Leute verstehen, die Jahre ihres Lebens in eine bestimmte Sportart stecken und sich dann gern einreden, es wäre die einzig wahre, Und es ist sicher schwierig, in verschiedenen Techniken immer wieder neu anzufangen. Um so viel so gut zu können wie du, muss man eben eine ganze Menge Zeit investieren. Aber gerade im Straßenkampf, in der Selbstverteidigung kommt es aufs Ergebnis an.

    Und letzten Endes sollten sich die verschiedenen Kampfsportler darauf einigen können, dass ihnen ihr Sport Spaß macht. Da geht es nicht um „besser“ oder „schlechter“, sondern um „gut für mich“. Wenn das bei der einen Karate ist, bei der nächsten Aikido und bei der dritten eine Mischung: das ist doch keinen Streit wert.

    P.S. Aber dass Maumau natürlich viiiel besser ist als Poker oder Schafkopf, das weiß doch jeder 😛

    • Ich kontere geschickt mit Halma und werfe die Schloßallee aus Monopoly hinterher. Was bietest du dagegen? 😀

      Weißt du, ich weiß nicht, ob viele etwas mit dem Artikel anfangen können. Ich war vor Jahren in einem bekannten Kampfkunst-Forum unterwegs und durfte mir dort immer die Überlegenheit von Mann und System X anhören. Es gab immer wieder die gleichen Streitgespräche: „Ich bin besser als du, mein System schlägt dein System … mein Meister hat gesagt … blah blah blah“

      Die meisten Schreiber waren Luftnummern, die kaum nennenswertes Training hatten und vermutlich lieber Buchstaben Kung Fu betrieben haben.

      Letztlich siegt der Faktor Mensch über das System. Ein System kämpft nicht für dich, das machst allein du. Deine Hand, dein Fuß, dein Körper. Ich werde vermutlich morgen einen Artikel bringen, der nur von Wing Chun handelt. Dabei geht es aber um andere Dinge und nicht um das beste System, oder Kampf.

      Die Einigkeit von der du sprichst, die wird es niemals geben. Das liegt aber schon an den noch immer vorhandenen Abneigungen der Völker, die ich für mich nicht nachvollziehen kann.

      • Manche Leute brauchen wohl einfach irgendwas, worüber sie streiten können 😦 Und im Internet ist es leicht, der Stärkste zu sein. Solange wir uns nicht persönlich begegnen, kann ich auch die beste Kampfsportlerin der Welt sein und habe schon im Mutterleib angefangen zu trainieren; außerdem bin ich natürlich die Schönste, Stärkste und Klügste! 😛 Frag mich bloß nicht nach einem Beweis. Da würde ja rauskommen, dass ich doch nicht die Wiedergeburt von Wonder Woman bin 😉

        Ich freue mich jedenfalls auf deinen Wing-Chun-Artikel 🙂 Etwas Neues zu lernen finde ich immer gut.

  2. hochinteressant für mich!
    habe eine zeitlang (shuri ryu) karate trainiert, bei einer frau, für frauen.
    obwohl sie deutsche ist, legt sie sehr viel wert auch auf die hintergründe. die philosophie der kampfkunst.
    faszinierend.
    bin hier sehr gerne eingetaucht, danke.
    überhaupt ist dein blog eine sehr feine entdeckung!
    herzlich,
    diana

    • Jede Form des Karate macht Sinn wenn der Wert auch auf die Philosophie gelegt wird. Leider sehen viele Menschen Karate nur als „Kampf.“ Und genau das ist es nicht! Es ist schwer, dass in einem Blog zu vermitteln. Aber je älter ich werde, umso mehr verstehe ich die Worte meines Vaters, was Karate wirklich ist.

      Darf ich fragen warum du mit Karate aufgehört hast?

      Ich freue mich, dass dir mein Blog gefällt.

      Liebe Grüße auch an dich 🙂

      • ja, karate ist eine kunst, dient, wie du ja auch schreibst, ausschließlich der selbstverteidigung – und vor allem ist nach meinem verständnis karate ein weg.
        zu deiner frage: ach, äußere umstände.
        hatte wegen umzugs nicht mehr die möglichkeit eben bei dieser sensei zu trainieren.
        liebe grüße 🙂

  3. Liebe Nadalya!
    Vielen Dank für diesen tollen Eintrag! Ich bin eher zufällig auf Dein Blog gestoßen und klicke mich grade durch. Und als ich diesen Eintrag las, fand ich es fast schon gruselig, hast Du mir nämlich damit geholfen, eine Entscheidung zu treffen, um die ich mich schon seit Tagen herumdrücke.
    Und das kam so: Vor vielen vielen Lichtjahren mal habe ich „Kampfsport“ gemacht bzw. ein wenig gelernt. Dann kam mir das Leben dazwischen, ich hatte keine Zeit mehr.
    Vor einiger Zeit aber – nach der Babypause – wollte ich mal wieder ran: Immer schon haben mich die verschiedenen Kampfkünste und ihre Philosophie fasziniert.
    Hier ist das Angebot stark begrenzt, also meldete ich mich in dem einzigen Studio für MMA an.
    Und wurde bitter enttäuscht!
    Die körperliche „Arbeit“ hat so verdammt gut getan, aber nach einiger Zeit konnten sie die Mängel nicht mehr überdecken!
    Ich sage nicht, dass es bei allen MMA-Studios so ist, aber hier…
    Wie soll ich sagen? Hier werden die verschiedenen Kampfkünste einfach nur auf den Sport reduziert! Da ist nichts mit Philosophie, Ehre und Ehrenkodex, Respekt, Achtung und Würde… Da wird auf den Trainer gehört – wenn nicht, gibt`s extra Liegestützen! – und alle klatschen sich nach dem Training ab.
    Das war`s.
    Keine Atmen- ode Konzentrationsübungen, keine… wie soll ich sagen? „Lehrstunden“ über die Gdanken, die hinter einer Kampfkunst stehen, keine „Ehrenregeln“ oder sonstwas. (Irgendwie kann ich mich grade sehr schlecht ausdrücken, war ein langer Tag, aber ich hoffe, Du weißt, was ich meine!)
    Mir ist natürlich klar, dass die Art, wie ich damals Kampfkunst zu lernen begonnen habe, nichts weiter als ein Abklatsch der Art ist, wie Du gelernt hast und trainierst.
    Aber dennoch war es anders,
    Hier und jetzt: Wie gesagt: Da geht es nur um Sport und Wettkampf. Der Trainer sagt ständig Dinge wie „Macht dies und das, das gibt Extra-Punkte!“ – Hallo????
    Als würde ich das lernen wollen, um als dressierter Turnaffe auf einem Turnier jemanden, den ich nicht kenne und der mir nichts getan hat, nicht nur ohne für mich ersichtlichen Grund weh tun zu wollen, sondern auch, um mir mein Fleißsternchen für besonders gelungene Stöckchentricks abzuholen????
    Als ich da mal dezente Kritik übte (was ich natürlich bei meinem damaligen Meister nieeeee gewagt hätte, das hätte… Na ja, so was macht man einfach nicht!), hieß es nur, ich könne ja einen Wochenendselbstverteidigungskurs besuchen. Im Vergleich dazu hieß es bei den Judo-Würfen: „Du wirst mich eh nicht werfen können, aber versuch`s mal ruhig!“
    Ich bin so wütend, frustriert und enttäuscht!
    Gerade nach der Schwangerschaft hat es mir so gut getan, mich wieder sportlich-körperlich zu fordern, meine Grenzen zu erleben und zu überschreiten.
    Aber das ist es mir dann doch nicht wert.
    Man kann sich Vieles schönreden, aber nachdem ich hier ein bisschen rumgestöbert und nun auch diesen Eintrag gelesen habe, ist mir klar, dass ich da nicht mehr hingehen werde und kann.
    ich weiß, MMA hat einen eher schlechten Ruf; das kann ich nicht verstehen, warum sollte die bloße Kombination verschiedener Techniken schlimm sein?
    Aber die Art und Weise, wie hier die verschiedenen Kampstile „gelehrt“ werden, ist einfach nur zum k*tzen! Oder, um es mal ganz krass auszudrücken: Da kann jeder alles lernen, selbst wenn er ein nazistisches Finsterschwein ist.
    Hauptsache, die Punktzahl stimm, oder was?
    Sorry, rege mich grad auf, bin aber eben sehr enttäuscht und frustriert und als ich dann noch las, wie es sein KÖNNTE bzw. SOLLTE…
    Auf jeden Fall: Danke! 🙂

    • Hallo Molly,

      vielen Dank für deinen Bericht. 🙂

      MMA ist, wie du schon schriebst, nicht grundsätzlich schlecht. Schlecht sind meist die Trainer. Und wenn ich so manchen Mann sehe und auch höre, so geht es lediglich um Kampf, Kampf und Kampf. Mann will verletzen, dem anderen „richtig wehtun.“ Im Gegensatz dazu stehen die Gracie-Brüder, deren Jiu-Jitsu-Stil eine ganze Weile dominierend war. Die haben nicht geboxt, die haben mit Haltegriffen gewonnen. Im japanischen Jiu-Jitsu und auch der brasilianischen Variante, wird von guten Trainern auch die Philosophie vermittelt. Und die sollte immer lauten: Ein vermiedener Kampf, ist ein gewonnener Kampf. Das ist auch im Aikido der Fall.

      Sprüche von Mann wie „Du kannst mich nicht werfen!“, sind Quatsch. Natürlich kann ich keinen 100 Kilo Mann stemmen. Aber das will ich auch nicht. Weder im Judo noch im Aikido wird mit Kraft gearbeitet. Zumindest dann nicht, wenn man es richtig macht. Richtig ist, dass ich einen 100 Kilo Kraftmenschen nicht in einem Hebel halten kann. Da gibt es andere Methoden. Und weglaufen ist eine davon.

      Nun weiß ich nicht welchen Sport du früher machtest, oder welche Angebote es bei euch gibt. Vielleicht findest du einen anderen Club, der dir mehr entgegen kommt. Wenn du mehr Wert auf den geistigen Aspekt legst, so ist Aikido immer erste Wahl. Zwar ist das nicht sehr dynamisch, aber gute Trainer legen sehr viel Wert auf die Philosophie.

      Liebe Grüße an dich.

      • Danke für die lieben Grüße! 🙂
        Gemacht habe ich früher Nin Jitsu. Da herrschte auch ein ganz anderer „Geist“, man wurde zB nach Fähigkeiten und Können beurteilt und nicht nach Geschlecht… *seufz*
        Mit anderen Angeboten sieht es hier leider düster aus, Pampa halt, aber ich schaue mal.
        Ach ja: Im wahren Leben würde ich natürlich alles tun, um eine Situation zu vermeiden, bei der ein Angreifer, der 30 Kilo mehr wiegt, so dicht an mich dran kommt.
        Klar, bei Judowürfen kommt es ja vor Allem auf Schwung und Technik an, oder anders ausgedrückt: NATÜRLICH habe ich den geworfen, schon aus Prinzip! 😉

      • Ninjutsu bezeichnet eigentlich die Gesamtheit der Fähigkeiten eines sogenannten „Ninja.“ Was gelehrt wird sind aber meist nur die Kampfkunstfertigkeiten. Aber wer muss sich im Alltag schon tarnen? 😀

        Auf dem Land ist es vermutlich extrem schwer einen Verein zu finden. Vielleicht findest du einen Jiu-Jitsu (Ju-Jutsu) Club in der Nähe. Das ist nicht viel anders, als Ninjutsu. Nur, dass dort keine Messer und Wurfsterne durch die Gegend fliegen 😉

        Ich habe es oft erlebt, dass ich als Frau beim Kampfsport nicht ernst genommen werde. Weniger vom Trainer! Das war meist mein Vater. Aber ich war auch in anderen Vereinen. Und Mann dort mochte gern seine Überlegenheit beweisen. Dumm nur, wenn er dann auf dem Hintern saß 😛

        Ich drücke dir die Daumen, dass du etwas passendes für dich findest. Falls du Fragen hast, nur zu.

        Sonnige Grüße

  4. Deine Texte sind echt inspirierend, muss ich zugeben! 🙂 Und dein Selbstbewusstsein ist echt erfrischend! Ist Yuki eigentlich deine Ehefrau? Das ist natürlich toll, wenn deine Frau genauso kampfsportverrückt ist, wie du. Ähm, ich habe vielleicht einen Scheuklappenblick, habe mich aber dennoch dafür entschieden, mich nur im Wing Chun zu perfektionieren. 😉 Ich gucke aber dennoch über meinen Tellerrand und mache darum auch manchmal (leider viel zu selten) mit anderen Kampfsportlern Sparring, was ich für sehr wichtig halte.

    • Ja, Yuki ist meine Frau. Kampfsportverrückt würde ich sie nicht nennen. Sie hat Spaß an der Bewegung und sich in den Kopf gesetzt mich irgendwann im Sparring zu schlagen. Aus Spaß natürlich! Ich lasse sie oft einfach gewinnen. Dann wird sie böse und schmollt ungefähr 5 Sekunden. 😀

      Wenn Wing Chun deine Berufung ist bleib dabei. Aber behalte immer einen kritischen Blick und erkenne die Schwächen des Systems. Ein Beispiel. Vor einer Weile war ich auf einem Krav Maga Seminar. Krav Maga, Kontaktkampf, stammt aus Israel und ist im Endeffekt ein Mix verschiedener Stile. Schnell und einfach zu lernen und für Frauen als Selbstverteidigung super geeignet. Jetzt wollten die unbedingt mit mir sparren und sind auf mich los. Und dann habe ich ihnen die Grenzen gezeigt. Weil Krav Maga kein Sport ist und sich dafür nicht eignet.

  5. Ein Freund von mir macht Krav Maga. :). Ich bin mir unsicher, aber meine irgendwo gelesen zu haben, dass du in Hamburg wohnst. Wäre das nicht so weit weg von Köln, hätte ich dich darum gebeten mal zu deinem Training kommen zu dürfen. So wie du schreibst, scheinst du ein richtiges Kämpferherz zu haben. 😉 Meine Freundin (Chinesin) interessiert sich leider nicht so für Kampfsport, obwohl sie ein gutes Körperbewusstsein hat und z. B. Tai Chi schnell lernen würde. Es gibt auch öfters Streit, weil ich ihr in der Woche zu oft beim Training bin (mindestens 4 h und höchstens 10 h). Darum finde ich super, dass du sogar mit deiner Frau zusammen trainierst. Ich könnte mir jedoch nie vorstellen Yi Man beim Sparring zu schlagen oder zu treten. Allgemein habe ich Frauen gegenüber beim Training irgendwie eine größere Hemmschwelle, da ich sie nicht verletzen möchte. Bei Männern denke ich immer, dass die das schon aushalten. Voll sexistisch, ich weiß. 😉

    • Yuki haut mich! 😀 Ach was, wir tun uns nicht wirklich weh und trainieren auch nicht immer gemeinsam. Hemmungen? Ein entsprechender Schutz vorausgesetzt und die Hemmungen sind vergessen.

      • Dann bin ich ja beruhigt, dass du mit Yuki sorgsam umgehst. 😉 Wahrscheinlich habe ich beim Training bei Frauen auch nur Hemmungen, weil wir ohne Schutz trainieren. Mit der besagten Kampfsportfreundin habe ich mit Kopfschutz auch schon Sparring gemacht. Das ging dann wirklich besser.

      • Ach, noch eine Frage. 🙂 Was magst du eigentlich am Unterrichten? Ich unterrichte in unserem Verein die Kinder und mein Sifu will unbedingt, dass ich auch bald die Erwachsenen unterrichte. Ich bin beim Training aber recht egoistisch und will lieber selbst trainieren. 😉

      • Karate, Selbstverteidigung ist mehr als eine Kombination von Schlägen und Tritten. Ich versuche auch die Philosophie dahinter zu vermitteln und das Selbstbewusstsein meiner SchülerInnen zu stärken. Ein Sifu oder Sensei bleibt auch als Lehrer selbst ein Schüler, der von seinen Schülern lernen kann.

  6. Leider kommt das mit der Philosophie bei unserem Training viel zu kurz. Darum versuche ich mir so etwas immer selbst anzulesen. Kannst du mir vielleicht irgendetwas empfehlen?

    • Du musst deinen Weg finden. Dabei spielt es keine Rolle, ob Taoismus, oder Buddhismus. Die westliche Lebensart, schneller, höher, weiter, verhindert das leider sehr oft.
      Tai Chi kann dir vielleicht bei der Selbstfindung helfen. Und ein/e MentorIn.

  7. Leider kann ich Tai Chi nicht auch noch machen, obwohl ich Tai Chi Quan total cool finde. Sonst bin ich bald single. 😉 In diesem Leben wird das wohl leider nichts mehr mit dem/der MentorIn. Kennst du denn irgendein philosophisches Buch, das ich unbedingt gelesen haben sollte?

    • Wie wäre es mit „Der kategorische Imperativ“ von Kant. Danach ist nichts mehr wie es einmal war. 😉

      Spaß beiseite, aber so lange du deinen Weg nicht selbst kennst, werden dir irgendwelche Bücher kaum helfen. Wenn du die Möglichkeit hast mit deiner Freundin Urlaub in China zu machen, sucht vielleicht die Wudang Berge auf. Deren inneres Kung Fu, der Taoismus, helfen dir vielleicht auf deiner Suche. Viel Glück.

      • Hast du das von Kant gelesen? Leider bin ich immer mit der Fachliteratur für Psychologie beschäftigt. 😉 Ansonsten befasse ich mich nur mit Taoismus, Konfuzianismus, Buddhismus, Zen-Buddhismus etc.
        Zum Tempel in die Wudang Berge wollte ich sowieso schon immer mal. 🙂 Den Shaolin Tempel im Norden habe ich mir schon angeguckt. Von dem war ich sehr enttäuscht. Die Mönche müssen für die Besucher so ne Art Zirkusvorführung machen, um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen. 😦

      • Ähm ja, wenn ich ehrlich bin, habe ich mich hier nur angemeldet, um deine Beiträge kommentieren zu können. Ich bin keine Bloggerin. Als ich unter Google „Frauen und Kampfsport“ eingegeben habe, bin ich auf einen deiner Kampfsporttexte gestoßen und neugierig geworden.
        Das Buch werde ich natürlich trotzdem lesen, aber keine Rezension dazu verfassen. 😉

  8. Ich bin da ganz deiner Meinung. 🙂 Am Wochenende habe ich mit Yi Man darüber gesprochen, dass ich bei unserem nächsten Chinaurlaub unbedingt das Wudang Kloster sehen möchte. Die Reisterassen wollen wir uns auch anschauen. Kennst du den Film „Fearless“ (einer meiner Lieblingsfilme)? Die Landschaft ist da so schön! Ach cool, in Japan war ich bisher noch nie, würde mir das Land aber auch gerne mal anschauen. Warst du jemals beim Japanfest in Düsseldorf? Da tritt jedes Jahr ein japanischer Sensei mit seinen Karateschülern auf. Von dem bin ich echt begeistert! Seine Katas wirken so fließend, wie Kung Fu. Ach ja, wenn ich dir mit dem Kampfsportthema auf den Geist gehe, dann gebiete mir bitte Einhalt. Dies bezüglich bin ich etwas besessen. 😉

    • Letztes Jahr hat es bekanntlich in Strömen geregnet. Da waren wir nur kurz unterwegs. Aber 2013 und 2014 war ich dabei. Ich vermute du hast meinen Stil, das Gōjū-Ryū Karate gesehen. Die Ähnlichkeit zum Ursprung, dem White Crane Kung Fu, sind kaum zu leugnen. Shotokan Karate wirkt hart dagegen.
      Den Film kenne ich. Aber er bleibt ein Film. So, wie die Ip Man Streifen. Realität sieht anders aus.
      Kampfsport ist ein durchaus interessantes Thema, aber kein zentrales Thema dieses Blogs. 🙂

  9. Also, so sieht dein Stil aus. Der gefällt mir! Gut, dann widme ich mich auch mal anderen Themen deines Blocks. 😉 Politik, Religion usw. sind auch interessante Themen. 🙂

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