Interview mit (m)einer Frau

Eine lustige Runde. Meine Mädels sind alle da. Karin hat eine Idee, die für allgemeine Erheiterung sorgt. Unsere Frauen werden befragt, was sie von der Beziehung halten. Ob und warum sie glücklich sind, wie wir uns getroffen haben. Karin als beste Freundin darf das gern machen, ich interviewe aus gespielter Rache dann ihre Frau. Natürlich kann ich mir Kommentare nicht verkneifen, die ich einfügen werde.

„Yuki, erzähl uns doch bitte, wann und wo du Mayumi zum ersten Mal gesehen hast“, beginnt Karin das Gespräch.
„Das war im Sommer 2008. Und soweit ich weiß warst du doch auch dabei. Also warum erzählst du es nicht?“, kommt es von Yuki zurück.
Karin schnauft und schüttelt lachend den Kopf.
„Du bist schon fast so frech, wie deine Frau“, sagt sie. „Magst du es uns nicht mit deinen Worten erzählen? Wir sind auch ganz Ohr.“
Yuki schenkt der Runde ihr bezauberndes Lächeln. Das kann sie gut, da schmelzen alle Herzen.
„Ich hatte damals eine Trennung hinter mir“, beginnt sie leise. „Und ich war auf dem Weg mich selbst zu finden.“
„Was genau meinst du damit?“, bohrt Karin weiter. „Und war die Trennung von Frau oder Mann?“
„Es war eine Frau“, erwidert Yuki. „Viel älter und sehr viel reifer als ich. Sie hat mich tief beeindruckt mit ihrer ganzen Art.“
„War sie deine Erste?“, will Karin wissen.
„Nein“, sagt Yuki, „das war sie nicht. „Nur die Erste, bei der ich mehr empfand als pure Lust. Sie hat meine Seele, mein Herz berührt. So, wie die Dicke da.“
Frech zeigt sie mit dem Finger auf mich und ich der Runde meinen flachen Bauch.

„Und warum hat es nicht geklappt, warum habt ihr euch getrennt?“, fragt Karin.
„Wir hatten verschiedene Einstellungen zum Leben“, erwidert Yuki. „Sie war sehr dominant, stand ihre Frau im Leben. Und sie wollte Kinder. Nach ihrer Meinung sollte ich zu Hause bleiben und die nächsten Jahre dauerschwanger. 3, gern auch 4 Kinder wollte sie. Geld und Platz gab es genug dafür.“
„Und das hast du natürlich nicht gemocht?“, sagt Karin. „Das kann ich gut verstehen.“
„Jein“, gibt Yuki zurück. „Es war die Art wie sie es formulierte. Für sie war ich nur ein Anhängsel, eine schöne Larve. Ein eigenes Leben haben, das sollte ich wohl nicht.“
„Du bist mehr der ruhige Typ, häuslich und besorgt. Aber mit eigenem Köpfchen. So, wie es sein sollte“, philosophiert Karin laut und erhält prompt einen Knuff von ihrer Frau.
Kann Liebe nicht herrlich sein?

„Hast du die Beziehung beendet, oder sie?“, fragt Karin weiter und gibt ihrer Frau einen Kuss.
„Das war ich“, erwidert Yuki. „Und es fiel mir schon sehr schwer. Eine Weile glaubte ich sie sei die Richtige. Mein Fehler.“
„Sie war ein Meilenstein auf deinem Weg“, sagt Karin. „Du musstest ihn passieren, ihn sozusagen meistern. Damit du unser Biest hier triffst.“
„Et gibt gleich paar uffe Omme“, flöte ich und alles lacht.
Freundschaft kann so einfach sein.
„Also war es nicht die große Liebe?“, fährt Karin fort.
„Nein“, sagt Yuki. „Ich war verliebt, das ist richtig. Aber vermutlich mehr in die Idee. In ihre Stärke, ihre ganze Art. Aber nicht wirklich in den Mensch.“
„Und wie war das mit Mayumi? Wann hast du es gewusst?“

Yukis Lächeln überstrahlt alles in dem Raum. Fast automatisch greift sie nach meiner Hand.
„Ich hatte bereits von ihr gehört. Eine Freundin hatte eine Freundin in Düsseldorf. Und du weißt doch selbst wie das ist, Frauen tratschen gern. Und die Dicke da, war schon immer der heimliche Star.“
„Eher unheimlich“, sagt Karin und rückt schnell von mir ab.
Aber ich erwische ihre Füße und kitzele sie bis ihre Frau für sie um Gnade bettelt.
„Lass mir was übrig“, bittet sie.
„Was war für dich das Besondere an ihr?“, fragt Karin. „Aussehen, Sprache, dass sie eine Alpha ist?“
„Ich war nie auf Japanerinnen fixiert“, erwidert Yuki. „Meine erste Frau war blond. Gegensätze ziehen sich nun mal an. Mayumi trug die gleiche Hose, das fiel mir sofort auf. Und diese Ähnlichkeit zu Aya Ueto. Sie könnte wirklich deren ältere Schwester sein.“
„Ich dachte immer Japanerinnen sähen alle gleich aus“, sagt Karin augenzwinkernd und erntet prompt gleich zwei herausgestreckte Zungen. Von Yuki und von mir.

„Es ist schwer zu erklären“, fährt Yuki fort. „Ich sah sie und mein Herz begann zu rasen. Ich habe die Hose angesprochen und selbst kaum gewusst, was ich da sage. Vor allem sofort und instinktiv Japanisch gesprochen. Und das den ganzen Abend. Es war, als ob wir uns schon lange kennen. Unsere Worte, Gefühle, alles passte. Es war verrückt, magisch, zauberhaft.“
„Und du hattest keine Angst, dass du nur eine Nummer für sie bist?“, bohrt Karin weiter. „Du weißt ja, sie war kein Kind von Traurigkeit.“
Yuki drückt meine Hand fester und ich spüre einen Kloß im Hals.
„Selbst wenn, so war mir das in dem Moment egal,“ erwidert sie. „Ich wollte den Moment genießen. Und genau das, habe ich getan.“
„Sie hat mich verzaubert“, werfe ich ein. „Mit Elfenmagie verhext. Schaut nur, wie sehr ich unter dem Pantoffel stehe.“
„Du bist doof!“, kommt es im Chor von gleich drei Frauen.
Haben die was gegen mich?

„Wie war das mit dir und Mann?“, wechselt Karin unverhofft das Thema. „Vermisst du diese Zeit?“
„Nein“, sagt Yuki und schaut mich an. „Mit Männern funktionierte das für mich nicht. „Klar hatte ich Sex mit Männern. Es war Neugier und Lust. Aber ich blieb allein. Sie konnten mir nicht geben wonach ich mich sehnte. Dieses tiefe Gefühl, Verständnis, Emotionen und Zärtlichkeit. Ich fühlte mich benutzt.“
„Und deshalb hast du die Seiten gewechselt?“, will Karin wissen. „War es nur Neugier, oder warum ist das passiert?“
„Eine Freundin hat mich quasi verführt“, sagt Yuki. „Ich fühlte mich immer wohl bei Frauen. Viel mehr, als bei Mann. Und irgendwann merkte ich, dass es mehr als nur Freundschaft war. Frauenkörper haben mich tiefer berührt. Ich begann sie mit anderen Augen zu sehen. Und dann war es nur ein kleiner Schritt.“
Karin nickt, sie weiß genau wovon meine Elfe spricht. Und ich weiß das auch.

„Wenn ich euch so sehe, dann wirkt ihr wie das ideale Paar“, sagt Karin. „Habt ihr niemals Streit?“
„Ich kann mich an keinen Streit erinnern“, erwidert Yuki. „Natürlich sind wir auch anderer Meinung. Aber das diskutieren wir dann aus. Und Mayumi kann schon ziemlich starrköpfig sein, das steht außer Frage. Aber sie hat nicht immer recht!“
„Nur fast immer“, werfe ich ein und bekomme ein „Mund halten!“ von Karin zu hören.
Die lieben mich nicht!
„Hat sich Mayumi deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert?“, stellt Karin ihre nächste Frage.
„Ja“, antwortet Yuki. „Und auch wieder nicht. Sie ist immer noch die Königin meiner Träume, aber weitaus weniger radikal als noch zuvor.“
„Oh ja!“, schnauft Karin. „Das unterschreibe ich dir!“
Was die nur immer haben?

„Mayumi tut immer so, als sei sie ein Biest“, sagt Yuki. „Aber in Wirklichkeit ist sie wie ein Kätzchen. Sanft und verschmust, aber mit einem eigenen, starken Willen. Und äußerst scharfen Krallen. Und die weiß sie zu benutzen.“
„Magst du das, wenn sie die zeigt?“, fragt Karin.
„Sie gibt mir Sicherheit“, sagt Yuki. „Wer mit ihr zusammen ist, der braucht keine Angst zu haben. Ich spreche nicht von körperlicher Stärke. Es ist ihre Persönlichkeit. Und ohne die kann und will ich nie mehr sein. Sie kann andere beschützen. Das ist so etwas, wie ihr Lebensziel. Eine Kämpferin und Poetin. Ungewöhnlich, anders. Und dafür liebe ich sie.“

Das Interview führte Frau Dr. Karin „Sommer.“ Nicht die von der BRAVO. Aber sie hat es trotzdem gut gemacht.

25 Kommentare zu “Interview mit (m)einer Frau

  1. Dr. Sommer von der Bravo wurde eh endgültig in die Wüste gejagt, vermutlich beantwortet die Fragen der Kids nun irgendein Spötter. Eine schöne Runde habt ihr da, tausendmal besser als Flaschendrehen.

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  2. Sehr schön. Der Eintrag hat mich auf eine Idee bzw. Wunsch gebracht. Wie es eigentlich als lesbische Mutter, wenn man sich dem Liebesleben der Heten Tochter bzw Sohn auseinandersetzen muss? Für euch ist das noch kein Thema, aber im Bekanntenkreis habt ihr doch bestimmt Mütter mit älteren Kindern. Vielleicht könnt ihr bei Gelegenheit dazu schreiben. Danke

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  3. Mein Freund und ich haben auch nie Streit – und das, obwohl er ein Mann ist 😉

    Übrigens: Dass ich deine Auto- und Kampfsportposts nicht lese, liegt am Thema (und der Länge, durch die ich mich dann nicht lesen will), nicht an dir.

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