Ich bin (nicht) anders!

Wir schreiben das Jahr 2014, wir sind im 21. Jahrhundert. Die Welt hat sich verändert und ist noch dabei. Aufklärung und Toleranz haben gesiegt. Friede auf Erden und alles ist gut. An dieser Stelle kommt ein harter Schnitt und der Blick auf die Realität. Auf das, was die Welt wirklich ist.

Die Welt ist homophob, das habe ich bereits oft genug geschrieben. Auch, wenn immer mehr amerikanische Bundesstaaten den Weg des Regenbogens gehen, sieht es in Afrika viel düsterer aus. Kirche und Menschen leben dort noch im tiefsten Mittelalter. Homosexualität steht oft unter Strafe und wird einem Verbrechen gleichgesetzt. Der Gott der Juden und Christen wird dazu als Alibi benutzt. Gern wird auch aus einem legendären Buch zitiert, das sich in Textpassagen gegen Homosexuelle richten soll. Nur hat kein Gott dies Werk geschrieben. Das waren Menschen ihrer Zeit.

Die bekannte lesbische TV-Moderatorin Bettina Böttinger hat es in einem Interview auf den Punkt gebracht, den ich nicht vorenthalten möchte: „Alle reden davon, wie frei und tolerant wir hierzulande sind. Ich glaube aber, wir werden lediglich geduldet. Der Punkt ist genau dann erreicht, wenn die Forderungen von Schwulen und Lesben auch nur ein bisschen zu weit gehen. Wenn Homosexuelle auch nur ein Stückchen zu selbstbewusst in der Öffentlichkeit auftreten, dann ist genau dieser Punkt erreicht, an dem es wieder einen Schritt zurück geht.“ Und da stimme ich ihr zu.

In Gesprächen fällt mir immer auf, wie unsicher die Leute Homosexuellen gegenüber sind. Toleranz wird oft und gern versichert, auch Unterstützung zugesagt. Aber immer wieder höre ich den Satz „Ich bin aber nicht lesbisch / schwul!“ Selbst bei Bloggern habe ich das schon erlebt und ich frage mich warum. Warum diese (un)bewusste Abwehr, dieses „ich stehe hier und du da drüben!“ Mir zeigt es deutlich, dass die Aufklärung nicht wirklich gegriffen hat. Schade.

Homosexuelle sind noch immer Außenseiter. Und daran haben sie zum Teil selbst schuld. Bewusste Provokation in allen Ehren, aber was fehlt ist der Schritt (zurück) zur Normalität. Dabei geht es nicht um Anpassung pur. Leider reduzieren sich Homosexuelle gern auf Sex. BDSM, Lack und Leder sind hoch im Kurs. Nur gehört Sex ins Schlafzimmer und nicht per Sklavenhalsband in eine breite Öffentlichkeit. Und Exhibitonismus ist auch nur eine Spielart von vielen.

Beide Seiten machen Fehler, das muss man ganz klar sehen. Mir geht es um Respekt, um Toleranz. Selbst ich, als früher erklärte Männderfeindin, versuche das zu leben. Nur fällt mir das schwer in einer männlich dominierten Welt, die meine Rechte immer wieder mit Füßen tritt. Und bekanntlich trete ich dann gern zurück. Und das nicht von einem Amt. Die fast schon unschuldig-naiv anmutende Frage der pensionierten Lehrerin Brigitte, ob wir auch Kinder wollen, hat Hoffnung gemacht. Für die alte Dame war diese Frage normal. So, wie für uns auch.

„Was ist entartet, was normal?“, hat eine Band gesungen. Und diese Frage stelle ich nun auch. Bin ich wirklich anders, muss ich mich so sehen? Ich sage NEIN und ich stehe dazu. Denn wahre Liebe kennt kein Geschlecht. Ich bin Frau und liebe (m)eine Frau, das wird auch niemals anders sein. So gesehen bin ich völlig normal. Was seid ihr? Warum muss im 21. Jahrhundert eine solche Abgrenzung existieren? Warum können nicht alle Menschen ganz normal Schwestern und Brüder sein?

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36 Kommentare zu “Ich bin (nicht) anders!

    • Sehr eindringliches Video, das ganz klar aufzeigt, wie weit es geht, wenn man sich gerade als Jugendlicher dazu bekennt, nicht zur Norm zu gehören…nur warum jemand, der liebt, nicht normal sein soll, das will mir einfach nicht in den Kopf…ebenso wenig, wie die Tatsache, dass man mit Menschen anders umgeht, nur weil sie nicht so sind, wie die anderen.

      • Es ist die Angst, lieber Ben. Und die fängt doch schon bei einfachen Dingen an. Die Kinder aus der anderen Straße, dem anderen Haus, der Sportverein aus der anderen Stadt und und und … Dieses Video sollte Pflicht an Schulen werden. Oder krass gesagt jenen Fundamentalisten 24 Stunden 7 Tage die Woche vorgespielt werden. Vielleicht würden sie dann begreifen, was sie sind.

      • Ach, für solche Leute taugt doch so ein Video überhaupt nicht. Die bleiben ja dabei, dass es eh unnormal sei, das Video damit eh nicht stimmt und ob da jemand sein Leben lässt…manchmal frage ich mich, ob die Leute das überhaupt noch interessiert, dass sie mit ihrem Hass andere Menschen soweit bringen können.

      • Ich habe noch immer das Bild des freundlichen älteren Herrn und Bildungsplan Gegners vor Augen, der sein Plakat „Pädagogik statt Pädo-Logik“ in die Kamera hielt. Ich überlasse es dir, wobei jener Herr vielleicht auch noch lächeln würde.

  1. was seid ihr? ich bin normal und doch nicht weil ich die welt als brüder und schwesterngemeischaft im denken und herzen trage! Abgrenzung? passiert aus der Vergangenheit und in der Gegenwart durch unwissen und Verblödung sowie kommerzierung von Schwachsinn und derlei und jeder trägt zu Abgrenzung oder Öffnung des gedankengutes bei! warum nicht alle brüder und Schwestern? gute frage die wir nur im Ansatz auszudenken erwagen können da diese Abgrenzung mehrere Jahrhunderte zurückliegt und wir es vielleicht nicht grundsätzlich ändern können da Vergangenheit nicht änderbar doch in weiterer folge kann jeder für sich diesen Prozess der Abgrenzung stoppen und sein herz aufmachen für alle menschen und Tiere die uns begegnen

  2. Deine Fragen stellte ich mir gerade gestern Abend wieder, nachdem ich „Hotel Ruanda“ (darin geht es zwar um „Rassen“, die scheinbar nicht miteinander leben konnten/können, aber das Phänomen ist ja gleich) gesehen hatte. Es geht in meinen Kopf irgendwie nicht hinein, was Menschen zu einem derartigen Verhalten veranlasst…

    • Es ist oft Angst vor dem Unbekannten und Unwissenheit. Leider aber auch Verhetzung von Fanatikern, die es noch immer gibt.

      Ich kenne das Problem „anders“ zu sein gleich aus zwei verschiedenen Blickwinkeln:

      1. eine Asiatin unter lauter Weißen zu sein

      2. eine lesbische Asiatin zu sein

      Man sollte meinen, dass im 21. Jahrhundert keine (Rassen)Vorurteile mehr herrschen. Dem ist aber leider nicht so. Mit 7 Jahren durfte ich zum ersten Mal die geballte Dummheit eines Jungen erleben, der mich hinterrücks zu Boden stieß. Er fand das witzig und hat es einige Sekunden später bitterlich bereut.

  3. Also ich habe da so meine Zweifel, dass Homosexuelle immer noch Außenseiter sind. Ich sehe darin eher eine gewisse Koketterie. Etwas anderes ist es sicherlich bei dir persönlich. Du schriebst irgendwo, dass du mädchenhaft süß aussiehst und in deiner Schreibe kommt eine deutliche Alpha-Eigenschaft hervor. Zwei Merkmale, die sicherlich nicht unbedingt standardmäßig zusammen passen. Aber dessen ungeachtet, sehe ich dich eher im höheren Management eines Unternehmens, als Lenkerin eines Betriebes, und nicht beim Fußvolk der kleinen Angestellten. Bei denen magst du anecken und anstoßen, denn für die bist du unverständlich. Aber glaubst du tatsächlich, dass du beispielsweise für eine Christine Lagarde anstössig bist. Eher nicht.

    • In den Köpfen der meisten Menschen, ist „Gleichheit und Brüderlichkeit“ noch nicht angekommen. Und die Masse besteht nun einmal nicht aus dem höheren Management.

      Und zur Zeit bläst der LGBT-Community wieder ein rauer Wind entgegen. Parteien, Splittergruppen, Rechte, Fundamentalisten haben uns (wieder) als Feindbild ausgegraben, nachdem „wir“ quasi Forderungen stellten. Siehe Stuttgarter Bildungsplan. Was Bettina Böttinger formulierte passt genau in dieses Bild. Kaum wagen sich LGBT-Menschen aus der Deckung, werden sie in die Schranken gewiesen und sollen ihr abartiges Leben wieder im Verborgenen tun.

      Ich bin von der Statur her eine typische Japanerin und sehe der Sängerin und Schauspielerin Aya Ueto recht ähnlich. Deren Azumi-Rolle vor einigen Jahren, das bin in abgemildeterer Form dann ich. Vor allem der durchschnittliche Mann erwartet nun ein „Mädchen“, eine devote und ultrahöfliche Japanerin. Da passt es wenig zusammen, wenn diese zierliche Person am Steuer eines Sportwagens vorgefahren kommt, einen akademischen Grad in BWL hat und ihn noch aufs Kreuz legen kann.

      • Ich bezweifle, dass der durchschnittliche Mann bei einer Japanerin ein devotes und ultrahöfliches Mädchen erwartet. Ist das nicht ein bisschen self-fulfilling prophecy. Sie sind sicherlich manieriert distanziert und reserviert, aber daraus gleich auf Unterwürfigkeit zu schließen, wäre mir nie in den Sinn gekommen.

        Aber gestatte mir den Verweis auf Obama Lebenslauf. Barry Obama arbeitete nach seinem Studium in NY bei einem Wirtschaftsberatungsunternehmen. Er wollte jedoch unbedingt als Sozialarbeiter für seine schwarzen Brüder tätig sein. Ein Karriereangebot des Wirtschaftsunternehmens schlug er deswegen aus. Auf sein Argument, etwas für seine schwarzen Mitbrüder tun zu wollen, antwortete der schwarze Portier des Wirtschaftsunternehmens, er würde mehr für die Schwarzen bewirken, wenn er hier Karriere machte. Er tat sich schwer eine Stelle zu finden. Erst in Chicago fand er eine entsprechende Stelle. Der Rest ist bekannt, irgendwann studierte er Jura, weil er erkannt hatte, dass er damit sein Ziel am besten verfolgen kann. Genauso kannst du für deine Community mehr bewirken, wenn du deinem Talent und Fähigkeiten Obama-entsprechend an anderer Stelle einsetzt, anstatt den Kampf gegen irgendwelche Splittergruppen, Rechte und Fundamentalisten aufzunehmen.

      • Ich habe die Situation schon längst auf die mir eigene Art analysiert und bin in Absprache mit meiner Frau zu einem Entschluss gekommen. Aber das gehört vorerst nicht in einen Kommentar.

      • Jetzt bin ich neugierig, aber schön zu lesen, dass du auf dem Weg bist.

  4. Eines Tages. Eines Tages wird die Liebe normal sein, wird es nicht mehr um schwarz oder weiß, männlich oder weiblich, homo oder hetero gehen, sondern nur noch um Respekt.

    Eines Tages wird es so weit sein. Der Weg dorthin ist lang und anstrengend. Aber wir dürfen nicht aufhören zu gehen.

  5. Ich glaube das Problem ist, dass viel zu wenig Menschen wahre Liebe kennen. Die meisten ( oft Heteros ) sehen die Liebe eher als Zweckgemeinschaft. So ist verständlich das es schwer ist denen das beizubringen. Was man selbst nie erlebt hat, da kann man nicht mitreden. Das verhindert aber nicht das sie anderen Vorschriften machen wie sie zu sein haben aus ihrem eigenen Irrglauben herraus.

    • Liebe wird nur allzu oft mit Sex gleichgesetzt. Vor allem von jüngeren Menschen. Klar war die Ehe früher eine reine Zweckgemeinschaft. Man(n) hat die Kinder gut und zum eigenen Wohl verheiratet. Oder aus politischen Gründen.

      Vielleicht lag es mit an diesem Denken: Ich habe eine Tochter, die muss mir Erben schenken, dass man/n z. B. der Liebe unter Frauen kritisch gegenüber stand. Schwule Söhne mussten ebenfalls zwangsweise Kinder zeugen, um die Blutlinie nicht zu gefährden.

      Ich stelle mir immer wieder vor, wie ich in einem Japan des Mittelalters gelebt hätte. Mit weniger toleranten Eltern vielleicht. Ohne Ausbildung, ohne Kampfkunst Kenntnisse und doch der Liebe zu Frauen. Vermutlich wäre ich daran zerbrochen.

  6. Einen schönen Tag wünsche ich dir,viele Menschen kennen heute keine Liebe Mehr sind nur Materiell eingestellt leider.Wünsche dir ein gutes Wochenende.Lieber Gruß Gislinde

  7. Ich bin zwar nicht ganz normal, aber ich liebe ganz normal. Meine Lieben äußern sich verschiedentlich, doch immer wahrhaft und vorbehaltlos. Jeder, der neugieig auf andere Menschen ist, kann gar nicht phobisch werden, sondern geht offen mit dem Anderssein um. Herzgrüße an Dich und Deine Elfe.

  8. Mit sich selbst allein verkümmert der Mensch. Geht er aber in einer Begegnung, einer Beziehung aus sich heraus, so kommt er gerade dann bei sich an. Erst durch ein Gegenüber, ein DU, findet das ICH des Menschen zu sich selbst… sagt M. Buber
    Mensch ist Mensch und wie sich Begegnungen entwickeln, ist es gut und richtig.
    Wenn nur der Geschlechterkampf endlich aufhört.

  9. Was bin ich? Ausschussware. Ein Fehler der Natur. Die Natur ist nicht perfekt. Liebe hin oder her. Der einzige wahre Sinn des Lebens ist es, den Fortbestand der Rasse zu sichern. So funktioniert der Kreislauf des Lebens. Das ist die nackte Realität. Mein Herz ist rein. Mein selbst ist rein. Aber was hilft mir das. Ich kann nur versuchen mit meinem Schicksal zu leben. Einen weg zu finden das leben irgendwie zu leben, das ich bekam.

    Erfolg, Ruhm, Reichtum, Anerkennung, Kampf um Akzeptanz bla bla. Alles nur Schein. Ein Mittel zum überleben. Für viele.

    Ich wäre gern ein Regenwurm. Nicht denken. Einfach leben. Ohne zu wissen was man nicht ist. Ohne darüber nachzudenken. Einfach sein.

    Ich habe mich akzeptiert. Ich liebe mich. Doch was ändert das? Gesellschaftliche Meinung hin oder her. Zonk ist zonk. Wer urteilt, wer verurteilt, dem wünsche ich mein Leben. Niemand geht diesen weg freiwillig.

    Ich habe es mir nicht ausgesucht. Es lässt sich nicht ändern. Es ist wie es ist.

    Ist die Gesellschaft schuld? Nein. Niemand ist schuldig. Es ist die Grausamkeit der Natur. Genau wie bei einem blinden, gehörlosen oder krankem Menschen. Wie vieles andere auch. Die Gesellschaft kann das Schicksal nur erleichtern. Genau wie ich selbst.

    Ich beneide jeden Menschen, der wirklich etwas tun kann, um sein Schicksal zu ändern. Ohne sich dafür in Subkulturen, Status etc. verlieren zu müssen.

    • Du bist kein Ausschuss, du bist ein Mensch. Eine Frau. Und indem du dich akzeptiert hast bist du einen ganzen Schritt weiter, als die meisten anderen Menschen. Aber du solltest bitte dein Licht nicht unter den Scheffel stellen und abwertend von dir sprechen. Schicksal, Laune der Natur? Ich bitte dich! Alles hat seinen Sinn im Leben. Auch, dass wir (nicht!) anders sind. Den Fortbestand der Rasse kann ich auch erfüllen, wenn ich denn mag. Und auch du kannst etwas ändern. Jeden Tag, mit jedem Wort. Du kannst aufklären, in Hintern treten, wie es dir gefällt. Nur bitte nicht in Agonie versinken, oder Selbstmitleid. Das verdienst du nicht.

      • Ist dies nicht die wichtigste Aufklärung überhaupt? Den Schmerz, den wir alle irgendwie kennen, öffentlich zuzugeben? Der blinde , mit dem haben wir Mitleid. Mitgefühl. Alle. Man sieht es ihm an, dass er nicht das gleiche leben führen kann wie ein sehender. Wir bewundern ihn dafür wie er sein leben meistert. Auch ohne dass wir wissen wie es wirklich für ihn ist.

        Ja die Gesellschaft könnte mehr Verständnis zeigen. Mitgefühl. Sie macht es uns nicht leicht. Getrieben von Religionen, erdachten werten, Unwissenheit etc. Wie bei jedem anderen auch, der anders ist als er sein „sollte“.

      • Schmerz zuzugeben und darin zu baden sind verschiedene Dinge. Schau, das Ufer ist da. Zu viele Menschen ergeben sich einem selbst gewählten Leid. Sie versinken im Meer der Tränen und werden blind dem Glück gegenüber. Und das Glück ist immer da. Aber man muss seinen Hintern auch bewegen. Das Glück kommt nie von allein. Ein Lächeln für dich. 🙂

      • Dann lass mich aus diesem Schmerz ein Gedicht für dich formen:

        Oh lass den Weltenschmerz mich fühlen. Tief und immerdar. Lass Melancholie mein Herz berühren, auf dass ich treibe im Ozean der Tränen. Auf immer und ewiglich.

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