Verliebt in eine Elfe – Teil 1

Es ist Ostern. Karfreitag. Überall herrscht typischer Auflugverkehr. Der Q3 schnurrt über die Autobahn und gleitet locker an den Kriechern vorbei.
Lemmingen gleich streben sie mit unbekanntem Ziel dahin. Wie Perlen auf einer Schnur.
Wohin mag die Reise gehen? In die Berge, oder vielleicht ans Meer?
Im Gleichschritt nach vorn. Wohin werden sie wohl springen?

Meine Elfe hat mich entführt und mitten in der Nacht sanft aus dem Kuschelbett geworfen.
„Aufstehen meine Süße“, hat Yuki leise gesagt. „Wir müssen los. Ich habe eine Überraschung für dich.“
Schlaftrunken öffne ich die Augen und blinzele zur Uhr. Die Ziffern stehen auf 5:00!
Jeden anderen Menschen hätte ich nun mordlüstern bis in alle Ewigkeit verfolgt.
Aber meine Yuki darf alles mit mir machen. Bei ihr wehre ich mich nicht.
Müssen Elfen niemals schlafen?

Yuki hat Frühstück gemacht und Tee steht auch bereit.
Ausgelassen erzählt sie mir von ihren Plänen. Um mich zu überraschen hat sie ein Hotel gebucht. Wo, das will sie nicht verraten.
Aber es ist Magie im Spiel. Soviel sagt sie mir.
Mit nur 4 Stunden Schlaf bin ich kaum zu gebrauchen. Entsprechend wortkarg sitze ich am Frühstückstisch.
„Selbst schuld“, meint Yuki schnippisch. „Ich sagte doch geh früh zu Bett.“
Meine herausgestreckte Zunge lässt sie nur silberhell lachen.
Liebe der besonderen Art.

Gepackt hat meine Elfe auch schon und mich frech auf dem Beifahrersitz verstaut.
„Ich fahre“, verkündet sie. „Ruh du dich besser aus du alte Frau.“
Nun bin ich solche Worte seit Jahren gewohnt und entspanne mich im Sitz. Prompt fallen mir die Augen zu.
Ich träume von Blumenwiesen und einem großen See. Ein Vorteil, wenn man seine Träume lenken kann. Natürlich dürfen lustige Elfen nicht fehlen. Im Dutzend schwirren sie umher.
Maikäfer flieg.

Sanfte Finger wecken mich und Yuki strahlt mich an.
„Also hömma, dat is so ne Sache mit dich“, beginnt sie im imitierten Dialekt. „Pennste mir da doch voll wech.“
„Wenn ich wat nich abhaben kann, dann sind dat so ne besserwisserische Klugscheisser“, gebe ich zurück.
Wir müssen lachen.
Ist Dialekt nicht schön? Auch, wenn er nicht unser eigener ist.
Schantall, tu ma die Omma winken!

Ich fühle mich besser. Drei Stunden sind vergangen. Und nun sieht Yuki müde aus. Aber sie weicht nicht vom Steuer, nur sie kennt den Weg.
Das Wellness-Hotel haut mich dann glatt aus dem Sitz. Es wirkt wie ein verzaubertes Schloß. Und standesgemäß fahren wir auch vor.
Der frisch polierte Q3 macht sich gut neben all den dicken Wagen. Jetzt verstehe ich auch warum ich Rock und Bluse anziehen musste.
Der Page ist höflich und unaufdringlich. Kein lüsterner Blick. Das finde ich gut.
Unser Gepäck wird getragen. Service, den ich meine.

Das Zimmer ist ein Traum. Ebenso das Himmelbett. Heels und Rock fliegen prompt durchs Zimmer und ich ziehe Yuki mit aufs Kissen.
„Komm in meine Arme geliebte Elfenmaus“, retiziere ich. „Lass uns ins Land der Träume gleiten.“
Yuki tippt sich kommentarlos an die Stirn und gibt mir einen Kuss.
So und nicht anders muss Liebe sein.
Dumm nur, dass wir keine Zeit zum Schmusen haben.
Frisch auf ihr Heldinnen, lasset die Fitness-Spiele beginnen!

Und Wellness ist in diesem Hotel nicht nur ein Wort. Hier werden Geist und Körper gleichermaßen verwöhnt.
Und genau das nutzen wir aus an diesen Ostertagen.
Mineralwasser, Tee und frisches Obst stehen den ganzen Tag bereit. Auch Sport und ein wundervoller Wellness-Garten.
Die Menschen sind alle gut gelaunt. Vor allem sehr leise und auf Ruhe bedacht. Ich höre kein lautes Wort.
In kuscheligen Bademänteln geht es zur Frauensauna. Gemischt mögen wir nicht, wir brauchen keine Fleischbeschauer.
Im Swimming Pool drehen wir Runden und freuen uns wie kleine Mädchen.
Hanni und Nanni auf dem Wellness-Hof.

Geschickte Frauenhände kneten uns durch und lösen jeden noch so kleinen Knoten.
Das macht locker und lustig. Übermut wir kommen!
Natürlich fallen wir auf und ernten den ein oder anderen Blick.
Japanerinnen soweit das Auge reicht. Und prompt bedienen wir das Klischee und sprechen unsere Muttersprache.
Yuki hat bei der Heirat meinen Familiennamen angenommen. Ob man uns für Schwestern hält?
Wir gehen immer Hand in Hand. Neugier bei Mann, Frau lächelt meist nur.
Verständnis kann so einfach sein.

Das Hotel liegt außerhalb der Stadt. Ein Wald schließt sich daran an.
Elfenhain nenne ich ihn sofort. Wir tauchen ein in magische Welten. Folgen Pfaden, die nur wir gehen können.
Die Bäume sind alt und zeigen erstes Grün. Veronika, der Lenz ist da!
Gleich mehrere Haiku entstehen, die ich sofort notieren muss. Und die Idee zu diesem Text.
Wohl der Frau, die eine Elfe mit Schreibblock im Rucksack hat! Ich Schussel hatte den vergessen.
„Alzheimer“, kommentiert Yuki trocken.
Ist sie nicht zuckersüß?

Am Ostersonntag treffen wir im Wellness-Garten eine Frau, die dort für sich allein Tai Chi praktiziert.
Weiße Haare, Falten eines langen Lebens. Freundliche Augen begrüßen uns.
„Kommen Sie nur“, lädt sie uns ein. „Machen sie einfach mit.“
Tai Chi ist kein Problem für mich. Ich kann die schnelle Form.
Plötzlich kommen weitere Frauen und unversehens üben wir im halben Dutzend.
Frauenpower pur. So muss Wellness in Amazonien sein.

Damit die Erholung lange dauert, habe ich zwei Teile aus dem Bericht gemacht.
Morgen gehts weiter. Auf Wiederlesen.

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29 Kommentare zu “Verliebt in eine Elfe – Teil 1

  1. Wunderschön wenn man einen Partner hat, der einen ins Elfenland entführt, eine so schöne Überraschung bereitet. :*

  2. Sie hat dich um fünf geweckt und lebt noch? Na, wenn sie vorher nicht wusste, dass du sie liebst, kann sie jetzt sicher sein 😛

    Klingt nach einem tollen Wochenende! Werden wir die dort entstandenen Haikus auch zu lesen bekommen?

    • Yuki darf und kann alles mit mir machen. Auch Kissen(weit)wurf gegen meinen Kopf 😀 Dafür muss sie mich ja immer im Training erdulden. Als Partnerin. Und ich bin ja nun wirklich ein klein wenig besser als sie *lacht sich weg*

      Nicht alle Haiku finden den Weg in diesen Blog. Auch nicht alle Geschichten. Wir werden sehen 🙂

  3. Oh wie wir so was gut tun würde. Vor 3 Jahren machten wir auch über Ostern einen Wellnesskurzurlaub – es war toll und sehr erholsam und das Wetter spielte mit. Dein Beitrag war eine gute Erinnerung daran, dass es mal wieder Zeit wäre, wieder zu entspannen.
    LG, Emma

  4. Das ist echt eine tolle Überraschung von deiner Elfe gewesen! 🙂 Wenn ich groß bin, möchte ich Zuhause unbedingt eine Whirlpool-Badewanne haben. 😀 Und nichts geht über Massagen! 👍

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