Lust und Frust der einen Nacht – Der One Night Stand in der Kritik

Nicht nur im Frühling kochen bei vielen Menschen die Hormone. Aber in der von Poeten viel zitierten schönsten Jahreszeit ist der Trieb oft besonders stark. Männlein wie Weiblein macht sich also auf den Weg zur Piste, dem Laufsteig der Eitelkeiten. Bei vielen Singles geschieht das unbewusst, sie sind sich ihrer selbst nicht sicher. Möglichst kompliziert und hinter intellektuellen Worten verstecken sie ihre Triebigkeit.

Sex braucben wir alle, das ist nun mal so. Wer das verleugnet, den nehme ich nicht ernst. Aber Sex ohne Liebe, geht das überhaupt? Die Antwort ist so einfach, wie unkompliziert: JA! Am literarisch aufgearbeiteten Dialog dreier Frauen in einer Szene Bar möchte ich das Für und Wider eines One Night Stand aufzeigen. Viel Spaß dabei. Oder auch nicht.

„Ich kann das nicht“, jammert Freundin A. „Wie soll ich mich denn fallen lassen?“
„Dussel“, kontert Freundin B. „Genieß doch dein Leben. Wovor hast du Angst? Schwanger werden kannst du mit Frauen nicht.“
„Aber One Night Stands sind so oberflächlich“, wirft nun Freundin C ein. „Wirkliches Vertrauen stellt sich doch erst nach einer ganzen Weile ein!“
„Habt ihr ’ne Meise?“, fragt Freundin B und schlägt sich mit der flachen Hand vor die Stirn. „Wer spricht denn von Vertrauen? Es geht um Sex! Soll ich etwa allein ins Bett gehen? Ich mag Spaß haben, okay? Und jede Beziehung hat einmal mit einem One Night Stand angefangen. Dessen solltet ihr euch bewusst sein.“

„Ja, aber ich kann das nicht. Also einfach so. Du weißt schon“, sagt Freundin A. „Ich bin für romantische Stunden. Langsames kennenlernen. Richtige Dates. Abendessen bei Kerzenschein.“
„Na viel Spaß dabei, Prinzessin“, erwidert Freundin B. „Bis du zum Ziel kommst hatte ich die ganze Bar im Bett.“
„Du bist ja auch die kleine Schwester von Shane“, wirft Freundin C ein und lacht. „Aber du hast schon irgendwo recht. „Wenn ich richtig Lust habe ist auch ein One Night Stand legitim.“
„Aber ich kann mich doch nicht nur auf Sex reduzieren“, jammert Freundin A. „Ich mag Liebe erleben, Gleichklang der Herzen. Vertrauen und Innigkeit. Nur so kann Liebe sein.“
„Du raffst es einfach nicht“, sagt Freundin B. „Niemand spricht von Liebe! Schau dort die kleine Blonde. Die ist so einsam wie du. Und sie schaut die ganze Zeit zu dir hin.“

Freundin A wird rot und schaut zu Boden, sie kann ganz schlecht aus ihrer Haut. Sie ist schüchtern, romantisch und kopfgesteuert. Ein liebes Mädel, aber schrecklich kompliziert.
Freundin B ist das genaue Gegenteil. Spaß steht bei ihr im Vordergrund. Dabei steht sie im Alltag ihre Frau und ist nicht nur auf Sex reduziert. Nur weiß sie wer sie ist und was sie mag.
Freundin C ist ein Mittelding. Sie hat One Night Stands, aber hadert mit sich selbst. Denn eigentlich sucht sie Liebe.
Aber Liebe sucht auch Freundin B. Nur hält sie das in keinster Weise vom Spaß haben ab.

Der Blonden dauert das zu lange. Tapfer geht sie auf Freundin A zu und lächelt sie an.
„Magst du vielleicht tanzen?“, fragt sie leise.
Freundin A will im Boden versinken, aber ihr Kopf nickt automatisch. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Zurück bleiben zwei süffisant lächelnde Frauen, die nun natürlich etwas zu lästern haben. Das machen sie natürlich gut. Und die Blonde versteht ihr Geschäft.

Einen Tag später trifft man sich bei Freundin A, die einen zufriedenen Eindruck macht.
„Und, wie wars?“, will Freundin B sofort wissen. „Hattest du eine gute Zeit?“
„Ja, sag schon“, verlangt auch Freundin C. „Habt ihr, oder habt ihr nicht?“
Freundin A nickt und seufzt dabei.
„Es war ja so toll mit ihr“, schwärmt sie. „Ich glaube wir haben keine Minute geschlafen.“
„Seht ihr euch wieder?“, fragt Freundin B mit fast schon lauerndem Unterton.
Freundin A seufzt erneut und schüttelt dann den Kopf.
„Vermutlich nicht“, sagt sie. „Sie ist nur manchmal in der Stadt. Aber es war die Sache wert.“

An dieser Stelle möchte ich den halb fiktiven Dialog beenden und die Szene kurz analysieren.
Der moralische Kater danach ist für viele Menschen ein Hindernis, wenn es um One Night Stands geht. Eigentlich möchten sie den tollen Menschen kennenlernen. Und sei es auch nur für eine Nacht. Frauen nutzen ONS oft als Beginn einer Beziehung. Zumindest sehe ich das bei Heten so. Lesben sind da nicht unbedingt anders. Aber durchaus freizügiger, wenn es um heiße Nächte geht. Freundin A ist Kopfmensch und kann ganz schlecht aus ihrer Haut. Die Angst vor dem danach, vor der Leere hindert sie.

Was wäre wenn? Diese drei Worte sind mächtig und groß. Sie haben Ehen und Spaß verhindert, aber vermutlich auch Frust. Aber wer sich seiner selbst bewusst ist, wer weiß was er mit wem möchte, der kann sich ohne moralischen Kater seinen Spaß gönnen. Sex ist kein Allheilmittel und Frau wird durch One Night Stand nicht unbedingt zur Schlampe. Aber Sex macht Spaß, wenn ich ihn bewusst genießen kann. Suspekt sind mir jene Menschen, die vehement Sex und One Night Stands in Frage stellen. Denen glaube ich keinen Ton. Sie sind lediglich zu feige, um ihren Gefühlen zu folgen.

Erwähnen möchte ich aber auch, dass Sex in der Beziehung wesentlich erfüllender sein kann. So lange die Partner auch andere Interessen haben. Und genau da liegt das Problem. Für Freundin A ist Sex das Sahnehäubchen und das nicht nur für eine Nacht. Aber sie hat mittlerweile begriffen, wer sie ist und was sie wirklich will. Und das ist mehr, als die meisten Menschen jemals von sich behaupten können.

Jetzt habe ich wieder viel geschrieben und bin voller Energie. Daher werde ich mit meiner Elfe … joggen gehen. Was bitte habt ihr gedacht?

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24 Kommentare zu “Lust und Frust der einen Nacht – Der One Night Stand in der Kritik

  1. „Die Angst vor dem danach, vor der Leere hindert sie.“
    Nicht unbedingt immer mein Hindernis, aber ich frage mich woher sie kommt, diese Leere. Einerseits hört es sich so an, als ob ONS‘ ganz natürlich und einfach nur schrecklich unverstanden wären, aber andererseits beklagen so viele Leute eben diese lähmende Leere danach…
    Ich kenne sie auch, schön ist die nicht.

    Doch woher kommt sie?

    • Es ist einfach schwer, wenn man sich in der Nacht so nah war, wieder auf die vorherige Gefühlsebene zurückzukehren. Selbst in einer so kurzen Zeit „gewöhnt“ man sich an diese kleine Blase, die Illusion von Leidenschaft und Zweisamkeit. Wenn sie also wegfällt fühlt man sich erstmal leer … denn es fehlt ja etwas ….

  2. Mit einem One Night Stand eine Beziehung anfangen…? Das stelle ich mir schwierig vor. Wenn der eine nur diese eine Nacht will und der andere mehr, führt das doch nur zu Liebeskummer und Herzschmerz. Ich habe kein Problem mit ONS (und hatte auch schon meine eigenen), aber beide Seiten sollten sich vorher darüber im Klaren sein, was drin ist und was nicht.

    • Omnes una manet nox, um es mal mit einem absichtlich falsch benutzten Zitat auszudrücken. 😉

      Diese erste Nacht haben wir alle. Und oft fängt damit sehr wohl eine Beziehung an. Aber Beziehung kann man auch anderes definieren. Vielleicht nur mit einer zweiten, oder dritten Nacht. Mit reinem Sex. Erstrebenswert? Für mich nicht.

      Weißt du, viele Menschen verleugnen sich selbst. Sie wären gern anders und würden schon mal gern mit der tollen Frau da von nebenan … oder dem Typen an der Bar. Die verfassen dann Diplomarbeiten über dieses Thema und eiern um das Wesentliche herum. Zugeben was sie wirklich wollen, das können die leider nicht.

  3. Einen guten Montag für dich ohne Fantasie währe das Leben doch langweilig,jeder Mensch hatt seine Vorstellung und die ist auch manchesmal schmutzig.Wünsche dir eine gute neue Woche Lieber Gruß Gislinde

  4. Irgendwie erinnert mich Freundin B an dich in deiner Sturm und Drang-Phase.

    ONS sind meines Erachtens vollkommen ok und der Abschluss eines gelungenen, mit körperlicher Anziehung angefüllten Flirtabends; allerdings sexuell wahnsinnig ergiebig waren sie für mich nie. Dafür waren es entweder die Falschen oder ich brauche eben doch eher die Beziehungsebene.

    (PS: Und nein, Mayumi, eine Frau brauche ich nicht ;))

    • Nicht überall wo „B“ draufsteht, ist auch eine Mayumi drin. 😉

      Weißt du, es gibt solche und solche Menschen. Manche scheinen lediglich in ONS ihren Sinn zu finden. Andere nur in der Beziehung. Aber das Leben besteht nicht nur aus Schwarz und Weiß.

      Schlimm sind für mich seit jeher jene Menschen, die wie Freundin A strikt und kopfgesteuert gegen ONS gewesen sind. Mit den unmöglichsten Argumenten ist vehement gegen diese abartige Form der Nicht-Beziehung vorgegangen worden. Die Wahrheit siehst du in ihrem Blick, in ihrer Körpersprache.

      Klar gibt es immer Ausnahmen. Dumm nur: Mir ist noch keine begegnet.

  5. Da habe ich ja in deinem Blog wieder einen gefunden in dem es noch viel zu lesen und Kommentieren gibt 🙂

    Wird dauern bis ich mich durch deine ganzen texte gewühlt habe. Schöne Interessante Geschichten 🙂

    Freue mich schon auf´s lesen 🙂

    Liebe grüsse

  6. Die Beziehung mit meinem Mann begann mit einer Affäre, es war kein ONS. Daraus wurde eben mehr. Hätte ich mich darauf nicht eingelassen, wären wir womöglich nie zusammen gekommen. Es war eine tolle Erfahrung mit Happy End und diese Erfahrung wollte ich nie missen.
    LG, Emma

    • Genau das meinte ich damit. Ein ONS, eine Affäre. Nur enden die meist nicht mit Happy End. Aber immer toll wenn … 🙂 Wenn es gewollt ist. Von beiden Seiten.

  7. Einen One Night Stand hatte ich noch nie, Affären schon. Das liegt wahrscheinlich daran, dass man mich nach der ersten Nacht wiedersehen wollte. Ich hoffe zumindest, dass es daran liegt! 😂 Dementsprechend kann ich bei diesem Thema nicht mitreden. 😉

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