Die falsche Lesbe – Teil 3

Chloe hat sich an Ulrike geschmiegt.
Ich sehe das ungern. Aber eigentlich sind die beiden das perfekte Paar. Und eigentlich waren sie das schon in diesem verflixten Jahr.
„Ich hatte immer das Gefühl mir fehlt etwas“, fährt Chloe fort. „Egal bei welchem Partner ich nun war. Eine Weile ging das recht gut, wie ihr bestimmt noch wisst. Und dann hat Uli um meine Hand angehalten. Da bin ich völlig ausgeflippt. Es war Panik in mir und ich bin zu einem Mann geflüchtet. Und Uli hat das natürlich bemerkt.“
Karins Handy unterbricht ihre Worte. Es ist ihre Frau. Auch eine Chloe-Ex.
Doris wird kommen. Die Kinder sind bei ihrer Mutter abgegeben.
Das riecht nach Stress.

Chloe ist sichtlich nicht wohl zumute. Und das ist alles andere als gespielt.
Die Maske ist gefallen. Vor uns sitzt eine tief verletzte Frau.
Doris sitzt neben Karin und giftet Chloe an. (An)Spannung pur.
„Hast du damals nur gespielt?“, will sie wissen. „Lesbisch bist du doch nicht!“
„Ja und nein“, gibt Chloe zu. „Ich wusste einfach nicht was ich will. Und wen. Und es war schon toll mit euch Mädels“, fügt sie nach einer kurzen Pause hinzu. „So klasse Sex hatte ich nie mit Mann.“ „Als wenn es immer nur um Sex ginge!“, schnaubt Karin wütend. „Warst du denn nie richtig verliebt?“

Chloe rückt noch dichter an Ulrike.
„Nein“, gibt sie offen zu. „Ich wollte einfach nur Spaß haben. Und nie allein schlafen.“
„Das ist dir gelungen“, sage ich. „Aber nicht in letzter Konsequenz.“
Der Stich sitzt, Chloe zuckt zusammen.
„Er wollte eine Schlampe, Hausfrau, Mutter und Abenteurerin“, sagt sie leise. „Selbst mir war es unmöglich diesen Anspruch zu erfüllen.“

Einige Mädels fallen verbal über Chloe her, die sich so gut sie kann verteidigt.
Ich halte mich dezent zurück und die Zicken in Schach. Das kann ich gut.
Yuki fragt nach Chloes Kindern und stoppt die Furien für einen Moment.
Als sie die Bilder präsentiert herrscht Schweigen.
Plötzlich schlägt die Stimmung um. Ausgelöst durch fotografiertes Kinderlachen.
So einfach kann alte Freundschaft sein.

Wir bleiben zwei Tage bei Ulrike. Und Sonntags sind noch mehr Mädels und Chloes Kinder da. Auch Karins und Doris Töchter. Und die verstehen sich einfach gut.
Noch ist nicht aller Tage Abend. Chloe und ich werden nie Freundinnen sein.
Aber ich höre zu und beginne zu verstehen, was sie angetrieben haben muss.
„Volker war der Mannn meiner Träume“, hat Chloe gesagt. „Aber nicht der Mensch, mit dem ich auf Dauer glücklich werden kann. Das geht nur mit einer Frau. Auch, wenn ich nicht lesbisch bin. Die Nähe, Wärme und Verbundenheit mit Frauen, die mag ich nie mehr missen. Und noch weniger die Zärtlichkeit. Ich weiß nicht, ob ich für immer bleiben werde, aber ich habe euch alle richtig gern. Selbst dich, Mayumi.“
„Respekt reicht mir“, sage ich. „Mehr muss es nicht sein.“

Ich bin skeptisch, das gebe ich offen zu.
Chloes Verhalten war alles andere als nett. Und einige Jahre war sie eine Gegnerin.
Aber oft erkennt man seine wahren Freunde erst in Zeiten der Not.
Ich hoffe für Ulrike, dass sich alles zum Guten wendet.
Spielt Chloe erneut bin ich da. Dann jage ich ihren Hintern quer durch Düsseldorf. Das habe ich ihr versprochen. Und sie hat genickt.

 

18 Kommentare zu “Die falsche Lesbe – Teil 3

      • Wie war das mit der anzeige wegen Nötigung? Schwarz weiß denken kann zu Handlungen führen, die sich logisch nicht erklären lassen… nur im Nachhinein mit ganz viel Phantasie..

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      • Sagen wir es so: was du so schreibst, hast du einen großen beschützerinstinkt. Aber manchmal scheinst du doch sehr riskant zu agieren. Die klage gegen uli wegen Nötigung hat mich hellhörig werden lassen. Oder hat uli sie wirklich genötigt?… vielleicht habe ich mich zu viel mit dem Thema beschäftigt, aber es gibt sie, die Menschen, die sich plötzlich vor Gericht wiederfanden ohne jeden wirklichen Grund. … auch der justiz sind solche fälle bekannt…

        Dennoch glaube ich an das gute in jedem Menschen. Und über einen kamm scheren mag ich schon gar nicht. … sei einfach wachsam.

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      • Es gibt Menschen, die zerstören das, was sie einst liebten, oder nicht mehr bekommen können. So hat Chloe damals agiert. Das Verfahren wurde eingestellt.

        Ja, ich mag gern alle meine Freundinnen beschützen. Am liebsten alle Menschen, denen Unrecht geschieht. Aber du täuschst dich. Es ist oft durch Rat und nicht mit Tat.

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  1. Nur das ich das jetzt richtig verstehe – Doris, Karin und Ulrike hatten alle jeweils was mit Chloe. Und die ist jetzt nach einer Männerpause wieder zu Ulrike zurück? Na dann…. ich nenn sowas beim zusammentreffen eine „Bombenstimmung“. Kann Ulrike den damit um das ihre zukünftige evtl. Bi ist? Wie soll das den später gehen?

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    • Nein Karin hatte nichts mit ihr. Nur ihre Frau. Vor Karin. Aber du weißt wie das ist mit „Exen.“

      Chloe lebt zur Zeit bei Uli. Ob das wieder klappt wird die Zeit zeigen. Ihre Beziehung ist schon eine Weile her.

      Auch wenn ich für mich ausschließe jemals etwas mit Mann zu haben, im Lauf der Jahre habe ich das Schubladendenken abgelegt, was die sexuelle Orientierung betrifft. Hetero, homo, bi oder pansexuell. Was letztlich zählt ist nur Liebe.

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  2. Irgendwie tut mir Chloe ja leid. Sie hat sich selbst ziemlich unglücklich gemacht. Aber dass sie damit auch andere unglücklich gemacht hat und ihr Unglück an ihnen ausgelassen hat, ist natürlich unter aller Kanone. Besonders die Sache mit der falschen Anzeige, sowas ist einfach nur mies. Ich kann dein Misstrauen also total verstehen, aber ich drücke euch auch die Daumen, dass Chloe tatsächlich gelernt hat. Und ich finde es gut, dass du sie nicht sofort zum Teufel gejagt hast, sondern ihr eine Chance gibst, ohne dich aber von ihr einwickeln zu lassen.

    Ich hoffe mit dir, dass für Ulrike alles gut ausgeht. Die hat es am allerwenigsten verdient, nochmal in Chloes Schusslinie zu stehen. Und es ist gut, dass ihr für sie da seid 🙂

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    • Ich werde sie auch bestimmt nicht „verprügeln.“ 😀 Aber Worte erreichen das gleiche Ziel.

      Ich habe lange über Chloe nachgedacht. Nein, eine Lesbe ist sie nicht. Das ist / war sie nur für die jeweilige Frau. Und ich vermute nun wieder für Ulrike. Ein bißchen lesbisch sein? Geht das? Früher war ich da skeptisch, heute weitaus mehr tolerant. Ja, es geht, wie ich erfahren habe. Du verliebst dich in den Menschen und der hat vielleicht genau das gleiche Geschlecht. Aber ich musste älter und weiser werden, um genau das zu verstehen. Eine Chance für die Liebe. Ich gönne sie Uli und Chloe.

      Und du weißt doch, am liebsten beschütze ich die ganze (Frauen)Welt 😉

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