Darfs ein bisschen Kind mehr sein?

Eigentlich ist es an der Zeit, die Regenbogenflagge auszupacken und einen kleinen Sieg zu feiern. Aber das Wort eigentlich hat immer diesen negativen Beigeschmack. So auch in diesem Fall. Die Rede ist von einem Gesetzentwurf, der erst durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zustande kam. Das Gericht hatte im Februar 2013 geurteilt, dass das Verbot der Sukzessivadoption für homosexuelle Lebenspartner gegen die deutsche Verfassung verstößt.

Es ist bezeichned für Deutschland und die vormals muffig-konservative Regierung, dass homosexuelle Paare immer noch Menschen zweiter Klasse sind. Immer wieder musste das höchste Gericht entscheiden, was die Politik verweigert hat. Egal ob bei Steuern, oder Kindern.

Und schwarz-rot? Die machen es kaum besser. Die SPD duckt sich und gleicht sich den Konservativen immer weiter an. Immerhin gibt es nun den Entwurf, der eingetragenen Lebenspartnern erlaubt, das adoptierte Kind ihres Partners ebenfalls zu adoptieren. Nach Ansicht der Grünen sind die „homophoben Ewiggestrigen“ in der Union für eine verfassungswidrige Blockadepolitik der Bundesregierung verantwortlich.

Was bedeutet das genau? Nichts anderes, als dass die Bundesregierung weiterhin am Verbot der gemeinschaftlichen Adoption für Kinder festhält. Klar, wenn man weiß, wie viele Politiker Homosexuelle sehen und wer im Hintergrund die Fäden zieht. Dass auch die SPD nicht klarer Stellung bezieht ist eine Schande und wird die Partei weitere Wähler kosten.

Karlsruhe hat die Politik im Visier. Und dass weiß die Regierung sehr genau. Seit 2009 hat das Bundesverfassungsgereicht sechs Mal Benachteiligungen von eingetragenen Lebenspartnern gegenüber heterosexuellen Eheleuten für verfassungswidrig erklärt. Immer mit der Begründung, dass die grundlose Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung gegen den im Grundgesetz verankerten Gleichbehandlungsgrundsatz verstoße.

Das weiß auch die neue Regierung und genau darauf wird gesetzt. Sie schiebt die Verantwortung weit von sich und lässt die Richter entscheiden. Und die werden entscheiden, das steht bereits fest. Gegen das Verbot der gemeinschaftlichen Adoption für Kinder durch homosexuelle Paare.

„Statt endlich das Verbot der gemeinschaftlichen Adoption aufzuheben, wird ein Placebo-Gesetz vorgelegt“, formulierte Manfred Bruns, der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) seine Kritik. Ich gehe noch einen Schritt weiter und frage provokativ, wie viel Kind darfs denn heute sein? Das Kind als Ware, Gefühle von Menschen kleingehackt. Zwei Beine heute, zwei Arme morgen, Haut und Knochen nächste Woche. Die Schlächter schlagen zu.

Es ist billig und durchschaubar, was hier geschieht. Die neutralen Richter müssen richten, was sogenannte Volksvertreter Homosexuellen verwehren. Gegen Diskriminierung und für mehr Menschlichkeit. Zum Wohle aller Menschen.

20 Kommentare zu “Darfs ein bisschen Kind mehr sein?

  1. zum wohle aller menschen – der scheiß trifft es wohl am besten und auch wenn ich nicht betroffen kann ich nicht nachvollziehen wie eine Regierung so Entscheidungen treffen kann aber wie du sagst spricht es nicht für die menschen die da drinnen sitzen und wie man in einer zeit wie der jetzigen noch so Sichtweisen vertreten kann wo doch alles auf Gleichberechtigung und antidiskriminierung ausgerichtet ist wird einfach weiter diskriminiert und weiter unten den verdammten Teppich gekehrt als würden homosexuelle Eltern schlechter sein als hetreosexuelle … da stößt es mir einfach nur sauer auf

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    • Es wird gern auf die Religion(en) verwiesen, wenn Homophobie gepredigt wird. Politiker wollen immer viele Interessen vertreten. Und genau da liegt das Problem. Es werden sogar Studien erstellt und Bücher darüber geschrieben, wie schwer es Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften haben. Die wenigsten Kinder in solchen Partnerschaften werden übrigens selbst homosexuell. Kinder haben es nur wegen der noch weit verbreiteten Homophobie schwer.

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      • eben und wenn ich auf alte beiträge von dir bezug nehmen darf geht es doch in erster Linie um die liebe und Geborgenheit die ein Kind erfahren darf während seines erwachsen werdens und da kann man wirklich von Diskriminierung sprechen wenn alle alles dürfen ohne wenn und aber jedoch nur die homosexuellen nicht – wahnsinn

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  2. Ich kann dich gut verstehen. Einerseits ist es ja gut, dass es vorwärts geht, aber dass unsere Regierung jeden Schritt so klein wie möglich hält und wirklich um jeden Millimeter kämpft, ist einfach nicht mehr nachvollziehbar und schrecklich frustrierend.

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  3. Was fehlt, sind Politiker mit Arsch in der Hose oder im Rock. Das Gezaudere und Gerangel und Geschwafel, man hat es so satt. Mit einem Auge immer auf’s Wahlvolk geschielt, mit dem anderen auf die Starklobbyisten, da kann man das Thema, was vor einem liegt halt schlecht erkennen. Bjäch.

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  4. Ich verstehe nicht, wieso der Staat allen verantwortungslosen Leuten das Kinderkriegen erlaubt und gleichgeschlechtlichen Paaren das Adoptionsrecht verweigert. Ist jemand ehrlich willens, für ein Adoptivkind zu sorgen und es wie ein eigenes im Wachsen zu begleiten und zu einer positiven Persönlichkeit zu verhelfen, ist dies besser als durch Eltern, die zufällig oder wegen des Schicksals zu einem eigenen Kind gekommen sind.

    Die Lewitscharoff ist da anderer Meinung. In diesem Zusammenhang noch ein Nachtrag meinerseits. Skandalös. Jetzt hat doch die von vielen und auch von mir geachtete NZZ, die Neue Zürcher Zeitung, dieser Person Platz für einen eigenen Artikel gegeben, sich zu rechtfertigen und ihre Dresdener Aussagen abzuwiegeln, oder es zumindest zu versuchen. Sie schreibt in ihrem Artikel u.a.:

    „Wenn Menschen mit technischen Hilfsmitteln erzeugt werden können, wenn sie ihre Existenz nicht einfach dem Liebesakt, der Gnade, dem Zufall (oder im schlimmsten, zutiefst verstörenden Fall, einer Vergewaltigung) verdanken , ist die Verantwortung, die insbesondere der Mutter aufgebürdet wird, riesig. Wenn es das Schicksal gewollt hat, dass ein Mensch auf die Welt geraten ist, birgt dies ja einen gewissen Trost und befreit die Eltern, insbesondere die Mutter, von einer überbordenden Verantwortung.“

    What a bullshit!

    Also, jetzt wissen wir, wenn ein Mann und eine Frau besoffen oder aus Freude am Sex oder sonst unbedacht vögeln und ein Kind entsteht, hat es das Schicksal gewollt, dann ist es Zufall, wie eine Vergewaltigung auch, und das alles ist gut und die Mutter ist von einer überbordenden Verantwortung befreit. Was für abstrusen Unsinn predigt diese Frau! Und keine geringere Zeitung als die NZZ publiziert diesen Kot.

    Ich las den Artikel nicht fertig, konnte mir das nicht weiter antun.

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    • Die Lewitscharoff bekommt massiv Gegenwind und merkt nun, dass sie zu weit gegangen ist. Für mich ist sie nun noch armseliger, als zuvor.

      Das Bundesverfassungsgericht wird die schwarz-rote Regierung in Kürze dazu verpflichten, das Adoptionsrecht zu ändern. Von Politikerseite kann man dann zu der homophoben Lobby sagen: Schaut nur, wir konnten nichts dafür.

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      • Die Lewitscharoff korrigiert nur die Ausdrucksweise, nicht den Inhalt, sie glaubt und vertritt nach wie vor, es sei schlecht, auf andere Art als durch GV zu einem Kind zu kommen.
        Dann wäre es ja vielleicht auch gottgewollt und Zufall, wenn jemand erkrankt, und sich dem Schicksal ergeben und sterben wäre besser als sich durch Chemo oder künstliche Hezklappen oder was immer retten zu lassen, um nicht ein laut Lewitscharoff „verachtungswürdiges Halbwesen“ zu werden.

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  5. Es bietet sich an, hierzu viel zu sagen. Zum einen wird häufig kritisiert, dass das Bundesverfassungsgericht zu viel Politik betreibe und nicht dem amerikanischen Beispiel folge, sich bei political-questions wegen des Gewaltenteilungsprinzips für unzuständig zu erklären. Zum anderen ist es in der Tat politisch unanständig und gesellschaftlich bedenklich, dass politische Entscheidungen sehenden Auges im Hinblick auf ihre Grundrechtswidrigkeit getroffen werden.

    … und ich finde es gut, dass du darauf hinweist.

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      • Mich stört an deinem Gedanken der Verschwörungsaspekt, wonach durch getreue Richter das Ergebnis vorgegeben sei.

        Ich finde es gut, dass du dich entrüstet und vielleicht hast du auch Erlebnisse gehabt, die dich in deiner Entrüstung bestätigen. Gleichwohl ist es falsch von der Tatsache, dass die Politik die Verfassungsrichter bestimmt, auf eine Voreingenommenheit der Verfassungsrichter zu schließen.

        Unabhängig davon, dass eine schwierige Frage zur Entscheidung ansteht. Denn es gibt sicherlich viele Menschen die moralischen zutiefst davon überzeugt sind, dass die Ehe auf die Verbindung zwischen Mann und Frau beschränkt sein soll. Genauso viele sind wahrscheinlich moralisch und ethisch davon überzeugt, dass gleichgeschlechtliche Paare ein Recht darauf hätten, verheiratet zu werden und dass Homosexuelle nicht anders behandelt werden sollten als ihre heterosexuellen Nachbarn.

        In Amerika hat Marshall in Goodridge vs Dept of Pubiic Helath die Ausdehnung der Ehe auf gleichgeschlechtliche Partner mit ihrem Zweck begründet. Die Zivilehe als eine zutiefst persönliche Bindung an einen anderen Menschen und zugleich ein höchst öffentliches Lob der Ideale von Gegenseitigkeit, Gemeinschaft, Vertrautheit, Treue und Familie gebiete ihre Anerkennung auch für gleichgeschlechtliche Gemeinschaft, denn es gelte die Freiheit aller zu bestimmen und nicht irgendeinen Moralkodex durchzusetzen. Der Ausschluss gleichgeschlechtlicher Paare von der Ehe sei unvereinbar mit der Achtung für die individuelle Selbstbestimmung und die Gleichheit vor dem Gesetz. (Übrigens klassische liberale Positionen, vielleicht bedauert doch noch irgendjemand das Verschwinden der FDP aus dem Bundestag).

        Diese Zweckargumentation entlang des juristischen Gleichheitssatzes ist normales juristisches Handwerk, die sich auch Verfassungsrichter unabhängig ihres moralischen Hintergrundes nicht verschließen werden.

        In der Regel ist es doch so, dass die Personen, die als Verfassungsrichter gewählt werden, sich sodann von ihrem Amt dergestalt einnehmen lassen, dass ihre parteipolitische Zugehörigkeit in den Hintergrund tritt.

        Beispielsweise brachte sie CDU ihren Politiker Ernst Benda in das Verfassungsgericht. Er enttäuschte sie maßlos, als er die von der CDU initiierten Volkszählung mittels des Grundrechts auf informelle Selbstbestimmung als verfassungswidrig erkannte.

        Auch in Amerika wird versucht, durch die Benennung von Richterkandidaten die politische Richtung zu beeinflussen. Dies klappt trotzdem nicht immer. Trotz politischer Vorgaben haben die Richter des Supreme Court, oft gegen den Willen der sie in Amt gebrachten Politiker Entscheidungen durchgesetzt.

        Ich denke hier greift der katholische Grundsatz, wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch die Fähigkeit dazu.

        Insofern finde ich, dass der von dir hervorgehobene Aspekt der Verschwörung zwar eine grundsätzliche Stimmung aufnimmt, jedoch realiter nicht berechtigt ist.

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      • Eine lange und sehr ausführliche Antwort, aus der ich lediglich die Kernaussage ziehe. Ich beteilige mich in der Regel nicht an vorherrschenden Theorien zur Weltverchwörung. Wenn versuche ich quer zu lesen (nicht queer :D) und mir (m)eine eigene Meinung zu bilden. Wie du selbst schreibst wird von der Politik immer versucht, der Regierung genehme Richter zu bestimmen. Oft gehören diese Richter dann auch der regierenden Partei an. Und nun müssen sie (sich) entscheiden, ob sie zum Wohl des Volkes, sprich aller Menschen, ein Urteil fällen, oder es nicht tief im Innern von der politischen Gesinnung beeinflusst wird.

        Ich kann dir von einem Fall berichten, bei dem ein Amtsrichter klar Front gegen eine Gruppierung machte. Mit dem zynischen Hinweis, der Beschuldigte könne ja in Revision gehen, wenn er sich das leisten könne. Konnte er nicht, also wurde „gedeckelt.“ Verurteilt worden ist der Bruder einer Freundin, der damals Soldat war. Der Richter war Soldatenhasser, das hat er klar gemacht.

        Natürlich bin ich als direkt Betroffene etwas voreingenommen, wenn es um homophobe Politik und Justiz geht. Und was nicht nur ich sehe ist klar: Die Politik lehnt sich zurück und lässt die Justiz entscheiden. Und darüber mache nicht nur ich mir so meine Gedanken.

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      • Ich dachte mir schon, dass so ein Hintergrund bei dir besteht.

        Ungeachtet der Richtigkeit deines Vorwurfs, passiert so etwas leider immer wieder, hinterlassen immer wieder Entscheidungen bei den Betroffenen das Gefühl einer ungerechten oder ungerechtfertigten Behandlung. Das System gewährleistet nur ein formalisiertes Verfahren für die Urteilsfindung, einen Anspruch auf einen gesetzlichen Richter und ein Urteil sowie einen Instanzenzug. Mehr nicht!

        Übrigens infolge der Verweiblichung der Justiz (die Frauen haben einfach besser Examensnoten und bekommen die begehrten Stellen im öffentlichen Dienst) ist es heute fast schon Standard, dass ein Mann einen schwierigen Stand vor Gericht hat. Nicht nur, dass einem mutmaßlicher Vergewaltiger, der drei Richterinnen und einer Staatsanwältin gegenübersitzt, alle Hoffnung schwindet, auch in ganz alltäglichen Fällen des Familienrechts ist der Mann immer der böse (und muss härter und versierter um seine Rechte kämpfen), im Straßenverkehrsrecht ist er automatisch ein rücksichtsloser Täter, usw. usf.

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