Die Rückkehr des (Erl)Königs – Teil 2

Das Biest

Das Biest

Der ehemalige Flugplatz liegt im milden Sonnenschein.
Sonnenbebrillt gehen wir auf eine Baracke zu.
Techniker und andere Boliden stehen dort. Wir werden schon erwartet.
„Hattet ihr Ärger mit der Polizei?“, will der Chef wissen.
Sein Name ist Wolfgang, kurz Wolf genannt.
Ich kenne ihn, er ist ein Mitarbeiter von Yukis Vater und im gleichen Alter.
„Routinekontrolle“, sage ich. „Haben Sie angefragt?“
Wolf nickt und sein Gesicht verfinstert sich.
„Die suchen nach Ärger“, sagt er. „Jemand hat sie auf uns angesetzt. Wir dürfen vorerst keine Autobahn mehr nutzen zum Test.“

Der Audi ist schnell umgerüstet.
Yuki bewundert einen BMW.
„Was ist das für einer?“, will sie wissen. „Den mag ich, der sieht klein und handlich aus.“
Wolf lacht und will sich kaum beruhigen.
„Das ist der M 235i“, sagt er. „Willst du ihn mal fahren?“
Yuki strahlt.
„Darf ich wirklich?“, will sie wissen.
„Na immerhin bis du du doch auch dafür hier“, scherzt Wolf.
Auch Yuki bekommt jetzt Geld fürs testen. Nur fahren will sie meistens nicht.

„Darf Mayumi mit?“, fragt sie und schaut Wolf bittend an.
Er schmilzt. Niemand kann (m)einer Elfe widerstehen.
Wir drehen eine Runde.
Yuki ist ausgelassen. Sie strahlt und jauchzt und mir wird schlecht.
Besorgt bringt mich Yuki zur Toilette.
Mein Kopf dreht sich und mein Bauch spielt verrückt.
„Mistige Tage“, stöhne ich. „Es ist wieder mal soweit.“
Obwohl ich kaum noch Regelschmerzen habe, hat es mich wieder erwischt. Übelste Krämpfe verderben mir den Tag.
Der Grund ist klar, der Stress der letzten Wochen. Ich habe mich übernommen.

Eine Schmerztablette und Tee wirken Wunder. Eine knappe Stunde später bin ich wieder fit.
„Wir können dann“, sage ich zu Wolf. „Mir geht es wieder gut.“
„Bist du dir sicher?“, fragt er. „Ich lasse dich nicht fahren, wenn du nicht auf der Höhe bist.“
Als Antwort setze ich einen Kick direkt vor sein Gesicht und halte den Fuß dort bewegungslos.
„Oha!“, entfährt es ihm. „Die Karate-Queen schlägt wieder zu.“
Wolf weiß von meinem Sport.
Ich lache und setze den Fuß wieder ab.
„Ach was“, wehre ich ab. „Ich wollte nur zeigen, wie gut es mir geht. Und Regelschmerzen kennt so ziemlich jede Frau. Die bringen uns nicht um.“

Der Audi lauert schon und heißt uns knurrend willkommen.
In kaum mehr als drei Sekunden sind wir auf 100 km/h.
Das Gedicht vom Erlkönig fällt mir ein, während der Wagen vehement nach vorne stürmt. Aber ich benutze eigene Worte, was Yuki zum Lachen bringt.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist Mayumi mit dem Elfenkind;
Der Audi hat die Beiden wohl im Arm,
Er faßt sie sicher, er hält sie warm.

Ach Elfchen, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Spürst Mayumi, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit den vier machtvollen Ringen? –
Oh, Yuki-onna, werden uns die 350 gelingen?. –

„Ihr lieben Kinder, kommt, geht mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich hier;
Manch bunte Blumen sind am Wegesrand,
Meine Mutter gab mir mein rotes Gewand.“

Mayumi, meine Mayumi, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig uns leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Elfenkind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Wollt, feine Mädels, ihr mit mir gehn?
Meine VW-Töchter sollen euch warten schön;
Meine VW-Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen euch ein.“

Mayumi, meine Mayumi, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Tochter am düstern Ort? –
Mein Elfchen, mein Elfchen, ich seh es genau:
Es scheint der alte Porsche so grau. –

„Ich liebe euch, mich reizt eure schöne Gestalt“;
säuselt es aus dem Zuffenhausener Fnsterwald.
Mayumi, meine Mayumi, der Porsche fasst sich ein Herz!
Erlkönigs Motor dröhnt mit hundert Hertz!

Mayumi grauset’s, sie raset geschwind,
Der Audi fährt schneller als jeder Wind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
Hinter ihm der Porsche und der ist tot.

Das Problem bei solchen Wagen sind die Reifen. Daher ist bei vielen Modellen schon bei 250 km/h Schluss. Beim Audi sind auch die Reifen nicht von der Stange. Ihr Preis ist utopisch und wird hier nicht genannt. 347 km/h stehen am Ende für uns zu Buche, ein absoluter Bolidenrekord. Wahnsinn pur, Leidenschaft in Stahl gepresst. Der Wagen kann noch schneller, aber das halten die Reifen nicht mehr aus.

Das Team ist ausgelassen und mir gehts wieder richtig gut.
Die Rückkehr des Königs ist gelungen. Machtvoll glänzen seine Ringe. Und das nicht nur unter Erlen. Noch auf dem Flugplatz schreibe ich diese Zeilen, um dann mit meiner Elfe nach Hause zu eilen. Gehabt euch wohl ihr holden Narren und fahrt langsam mit eurem eigenen Karren. Nach Karneval bin ich zurück. Bis dahin genieße ich mein Eheglück.

19 Kommentare zu “Die Rückkehr des (Erl)Königs – Teil 2

  1. Dachte ich’s mir doch, das wegen dem Tipp an die Polizei, hätte Teil 2 lesen sollen vor dem Kommentieren. Viel Spass, Freude, Liebe weiter.
    PS: Ich hatte ein Motorrad, eine MV Agusta Brutale, der Name klingt brutaler als die Maschine ist, aber sie ging auch in weniger als 4 Sekunden auf Hundert, und Du sitzt auf einem Motor mit 2 Rädern 🙂

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    • Jetzt stell dir vor, dass du beim beschleunigen mit diesem Motorrad von einem Auto überholt wirst. Das ist der getunte RS 6 zur Zeit 😉

      Ja, laut Wolf wird das Team nahezug ständig kontrolliert. Was weniger an den Personen, als an Vorfällen mit anderen Testfahrern liegt. Vor allem war Karneval, da kontrolliert man doppelt gut. Stichwort Alkohol.

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