Mein Japan – Teil 2

In Filmen sieht man immer wieder böse japanische Yakuza. Yakuza ist der Oberbegriff für kriminelle Organisationen. Wer solche Filme sieht mag glauben, dass Japan von Kriminellen durchzogen ist. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. In Deutschland wird dreimal so oft gemordet, wie in Japan. Die Zahl der Verbrechen geht in Japan seit zehn Jahren deutlich zurück und ist auf dem tiefsten Stand seit den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrstausends angelangt.

Das heißt nun nicht, dass man sich als Ausländer in Japan allzu sicher fühlen kann. Unsicherheit wird den Fremden in Japan aber immer begleiten. Auch bei der Einladung in ein Restaurant durch einen japanischen Gastgeber. Wie man sich beim Essen und Trinken verhält habe ich bereits geschrieben. Aber wie sieht es bei der Rechnung aus? Als Regel gilt, wer einlädt, der bezahlt. Auf keinen Fall sollte man darauf bestehen, die eigene Mahlzeit zu bezahlen, oder etwa dem Personal Trinkgeld geben. Trinkgeld hat in Japan keine Tradition. Japaner erwarten immer den bestmöglichsten Service, extra honorieren werden sie ihn daher nicht.

Eine Besonderheit in Japan sind die Comics, Manga genannt. Die oft vor Gewalt und Pornografie strotzenden Hefte werden von allen Schichten der Bevölkerung gelesen. Ein Ausländer vermag kaum zu glauben, wenn er den elegant gekleideten Manager mit einem Manga sieht. Für Japaner ist das normal. Als Ausrede gilt „Es ist doch nicht echt.“ Ausgelebte Gewalt der besonderen Art. Überhaupt haben japanische Regisseure einen oft verstörenden Hang zur Brutalität. Die Hollywood Remakes japanischer Horrorfilme sind oft lächerlich im Vergleich zum Original.

Japaner mögen Geschenke. Witzig dabei, hat ein Ausländer ein Date mit einer Frau, so wird sie das Geschenk oft ablehnen. Aber das gehört zum guten Ton. Einfach erneut anbieten, dann wird es auch genommen. Als Gast sollte man bei einer privaten Einladung niemals ohne Geschenk auftauchen. Oft reicht eine hübsch verpackte Tafel Schokolade, die mit beiden Händen überreicht werden muss. Das gilt als von Herzen kommend und wird gern gesehen. Ebenso, wie Geschenke „Made in Germany.“ Deutsche genießen in Japan hohes Ansehen. Erhält man selbst ein Geschenk sollte man es auf keinen Fall vor den Augen aller öffnen. Damit wahrt der Schenkende sein Gesicht, falls das Geschenk nicht gefällt.

Europäer wundern sich oft über die Sitte im Haus die Schuhe auszuziehen. Japaner wundern sich auch: warum der Gaijin den Schmutz der Straße in sein (westliches) Haus trägt. In Japan stehen für Gäste meist Flurpantoffeln bereit. Nur mit diesen betritt man ein Haus. Alternativ betritt man ein Haus auf Socken, Schmutz gibt es in japanischen Häusern nicht. Eine Eigenart in Japan sind Toilettenpantoffeln. Betritt man das Bad, oder die Toilette, werden diese angezogen. Auf keinen Fall geht man jemals mit diesen Pantoffeln durchs Haus. Einem Gaijin wird viel verziehen, überstrapazieren sollte man Gastfreundschaft aber nicht.

Japaner sind reinliche Menschen und das bis zur Perfektion. Wer ein öffentliches Badehaus betritt, muss sich vor dem Bad duschen. Das mag merkwürdig für einen Europäer klingen, hat aber in Japan Tradition. Ein Bad dient lediglich zur Entspannung. Unter der Dusche reinigt man sich. Das gilt auch für das Bad im eigenen Haus. Ausländer, die in Japan leben und mit Japanerinnen verheiratet sind, werden dort sanft aber bestimmt umerzogen. Schmutz, Unordnung im Haus? Gibt es nicht! Da wird die sanfte Japanerin zur Furie und Mann schnell ganz klein.

Apropos sanfte, süße Japanerin. Die Unsitte von Japanerinnen kurzberockt auf jung und unschuldig zu machen, führt leider auch zu Übergriffen. Strumpfhosen gelten in Japan als nicht besonders cool. Oft sieht man daher junge Frauen im kurzen Rock und Kniestrümpfen auch im dicksten Winter. Wohin das führt ist schnell erklärt, zum höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Antibiotika auf der Welt. Und zu den wärmsten Heizungen. Japan im Winter als Frau? Zieht euch Hosen an!

Japaner sind abergläubische Menschen. Egal, ob sie Buddhisten, Christen, oder Shintoisten sind. Weiß gilt in Japan, als die Farbe des Todes und der Trauer. Ebenso, wie die Zahl Vier. Vier wird „Shi“ ausgesprochen und heißt auch Tod. Geschrieben werden die beiden Worte anders, sie klingen lediglich gleich. Gleiches gilt auch für die Zahl Neun, die „Ku“ ausgesprochen wird. Ku bedeutet auch Leiden. Also vermeidet man auch diese Zahl. Vier wird in Japan zur Sicherheit Yon und Neun Kyu ausgesprochen. Als Gaijin hält man sich besser daran und die Geister werden es danken.

Zu guter Letzt möchte ich noch über Essstäbchen sprechen und was man beim Essen vermeiden sollte. Absolut verpönt: mit einem Stäbchen auf andere Menschen zeigen, oder die Spitze abzulecken. Auf keinen Fall steckt man seine Stäbchen etwa in eine Schale mit Reis. Das ist schon fast ein Sakrileg und den Duftkerzen vor Altaren vorbehalten. Man legt sie nach dem Essen neben den Teller, oder die Schüssel. Das ist okay und tut nicht weh. Große Bissen sollte man nach Möglichkeit mit den Stäbchen zerteilen.

Vermieden werden sollte mit den Stäbchen im Essen herumzustochern, um an bestimmte Teile zu gelangen. Zu allem Überfluss haben diese Regeln sogar Namen, die sich Ausländer kaum merken können. Gute Tischmanieren sind keine Kunst. Wer seinen Gastgeber, oder Nachbarn im Auge behält, ist meist auf der sicheren Seite. Und wer absolut nicht mit Stäbchen essen kann, der fragt nach einer Gabel.

Wer sich nun fragt, ob man sich diese Regeln wirklich alle merken kann, der erwischt mich auf dem falschen Fuß. Ich kann durchaus mit Stäbchen essen und das auch richtig gut. Aber im Normalfall benutzen wir Messer und Gabel und wir schlürfen auch die Suppe beim Essen nicht. Dazu sind wir zu sehr deutsch geworden, was auch sein Gutes hat. Und wer braucht Hausschuhe, wenn man richtig dicke Socken sein eigen nennt? Außerdem rutscht es sich damit so viel besser durch die Küche, wenn ich kochen und backen darf. Aber halt, das ist dann wieder eine andere Geschichte von der ich ein anderes Mal erzählen möchte. Sayōnara!

29 Kommentare zu “Mein Japan – Teil 2

    • Nun bist du bereits die Zweite im Bunde, die nach mehr Japan dürstet. Was würdest du noch gern lesen? Immer nur auf Unterschiede hinweisen mag ich nämlich nicht. Es sind ja lediglich andere Sitten und Gebräuche. Japaner und Deutsche haben viel mehr gemeinsam, als du glaubst. Vorschläge? 🙂

      Gefällt mir

      • Na, dann auf! Schreib was zu den Gemeinsamkeiten von Japan und Deutschland! 😉

        Für mich war tatsächlich nichts neues dabei. Das überrascht mich nun doch… Sagen wir mal… Etwas sehr! Hätte ich nie erwartet.

        Gefällt mir

      • …Also das würde ich jetzt so nicht unterschreiben. Die Eltern meiner Frau essen sehr manierlich mit Gabel, Messer und Löffel. Mit Stäbchen hingegen: Eine Katastrophe. 😀

        Meine Eltern hingegen essen weniger manierlich (laute Tischgespräche mit vollem Mund, Kauen mit offenem Mund, „ich stopf mir so viel rein, wie der Mund groß ist“ etc). Sah mit Stäbchen alles ähnlich aus. Nur, dass meine Eltern da noch etwas manierlicher gegessen haben, als mit Gabel/Messer, weil sie sich beim Essen mit Stäbchen so aufs Essen selbst bzw. auf die Stäbchen konzentrieren mussten 😛

        Gefällt mir

  1. Naja, wer glaubt, dass Filme die Realität darstellen… Auch in Deutschland gibt es im Fernsehen mehr Gewaltverbrechen als in der Realität. Dass hier trotzdem dreimal so oft gemordet wird wie in Japan, ist aber ein bisschen erschreckend.

    Wieder ein interessanter Beitrag! Über Gastgeschenke in Japan wusste ich z.B. nichts, oder dass man dort kein Trinkgeld gibt, und auch sonst so manche interessante Kleinigkeit. Vielen Dank!

    Gefällt mir

    • In den USA sind es sogar achtmal mehr Morde, als in Japan. Das japanische Polizeisystem ist sehr effektiv und arbeitet mit modernster Technologie.

      Vielleicht fällt mir noch mehr zu (meinem) Japan ein, oder wie ich es sehe. Anders auf jeden Fall 😉

      Gefällt mir

  2. Im Osten nichts Neues. 😉
    Ich hörte noch, dass man die Stäbchen nicht gekreuzt ablegen solle. Weiß aber nicht mehr, warum. Bin, wie du schreibst, immer gut damit gefahen, meine Umgebung sehr aufmerksam zu beobachten. Und ja, bitte mehr! Vielleicht zu einzelnen Themen?
    Was mir noch aufgefallen ist: die Getränkeautomaten, selbst auf einem Parkplatz im Nirgendwo gab’s heißen Kaffee aus der Dose, irgendwie genial. Und natürlich die Geräuschprinzessin, als meine Schwester mir davon erzählte, musste ich schon ein wenig schmunzln…

    Gefällt mir

      • Das fand ich auch faszinierend. Hab mich selten so sicher wie dort gefühlt. Wir waren u. a. auch zum Pilgern auf Shikoku. Einmal ließen wir einfach unser gesamtes Gepäck unter einer Brücke stehen, weil wir noch zu einem Tempel auf einem Berg wollten und ich hatte keinen Zweifel, dass es bei unserer Rückkehr noch da sein würde. 🙂

        Gefällt mir

      • Die Yakuza waren und sind oft mit sich selbst beschäftigt und verhauen sich gegenseitig 😉 Leider gab es schon gezielte „Gaijn-Jagden.“ Sowas ist nie nett und führt zu harten Strafen. Aber keine Angst, nicht alle Japaner können Karate 😀

        Gefällt mir

  3. Schöner Artikel, ich beneide dich um deine gelebte Globalisierung.

    Erwähnenswert ist noch die allgegenwärtige Pornographie in Japan. Also Mann bedauerte ich es zutiefst bereits mit einer deutschen Frau verheiratet zu sein, da die Japanerinnen durch die Konfrontation mit soviel Pornographie nach meiner Vorstellung eine in der restlichen Welt unerreichte Aufgeschlossenheit aufweisen müssten.

    Gefällt mir

    • Ich lasse dir deinen Glauben. 😉

      Was in Europa unter Pornografie läuft, hat in Japan eine lange Tradition. Aber dort ist sie anders. Glücklicher wärst du mit einer Japanerin nicht. Sie mag in einigen Dingen aufgeschlossener sein, in anderen dafür nicht. Und Japaner haben generell wenig Lust auf Sex. Das sollte jede/r wissen.

      Gefällt mir

  4. Sehr interessant, meine Liebe. Sollte ich je nach Japan gelangen, ist dieser Zweiteiler auf alle Faelle Pflichtlektüre „Zum Wiederlesen“ – und befragen darf ich dich sicher auch, falls mir da noch was einfaellt. Botschafterin des Licht und leisen Laechelns, hab einen schönen Abend! Stefanie

    Gefällt mir

  5. Immer Yakuza in Filmen? Willkomen im Club. Das ist ja wie das Nummernkonto in der Schweiz in jedem Tatort. Gibt es nämlich gar nicht mehr.
    Mir gefallen Deine Erklärungen sehr, auch die Vielfalt. Du erzählst den ganzen bunten Strauss. Und viel interessanter für mich, als mir die Details zu merken, ist der Versuch, in die Mentalität zu blicken. Bereits man ein Land wie Japan, wird einem bewusst, wie relativ alles ist, was man selbst gelernt hat zur Frage, was „sich gehört“, und was nicht.

    Gefällt mir

    • Regisseure und Drehbuchautoren bedienen gern Klischees. Masssenbrei als schnelle Kost für die zahnlosen Papiertiger Zuschauer. Schließlich können auch alle Japaner Karate und alle Deutschen heißen Franz.

      Gefällt mir

      • Und die Schweizer sagen „ischt“ und reden alle langsam und essen erst Käse und dann Schoggi und dann zählen sie das Geld, das ihnen Fremde in den Rachen stopfen, warum auch immer. Ich weiss.
        Und alle Japanerinnen tragen einen Kimono, das ganze Land übernachtet praktisch in der Firma und selbstverständlich ist jeder Japaner zäh.
        Ich weiss.

        Gefällt mir

  6. Das Meiste wusste ich bereits – ich gucke viele Länderdokus. 😀 Mit den Stäbchen esse ich immer, wenn ich asiatisch essen gehe und ich kann damit recht gut umgehen. Mein Mann ist da ein Stückchen besser, er hat aber darin mehr Erfahrung. Was ich mich immer frage ist, was machen Japaner, wenn sie Gäste zu einer Party einladen? Die Frauen machen sich zurecht, ziehen Kleider an und dürften dann ihre Highheels an der Haustür ausziehen um in die Schlappen zu schlüpfen?

    Gefällt mir

  7. Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche, Mayumi… Danke für Deine Schilderungen hier – sie sind für mich sehr interessant! Und Du schreibst sehr angenehm… Merci…* Frank

    Gefällt mir

  8. Jetzt habe ich etwas dazugelernt. Ich dachte immer, dass die Yakuza, die japanische Mafia sei. Ich wünschte in Deutschland würde die Anzahl der Verbrechen auch zurückgehen. Die japanischen Unglückszahlen kannte ich auch noch nicht. Dass man die Stäbchen auf keinen Fall, wie Räucherstäbchen in den Reis stecken darf, hat mir Yi Man schon sehr eindringlich beigebracht. 😉 Witziger Weise esse ich mehr mit Stäbchen als sie. In China trägt man Zuhause auch Pantoffeln, aber es gibt kein Extrapaar fürs Bad. Ich denke, dass Japaner in der Regel reinlicher als Chinesen sind. 😁

    Gefällt 1 Person

    • Yakuza kann man mit der Mafia vergleichen. Aber ihr Einfluss geht zurück. Vielleicht schreibe ich bei Gelegenheit mehr über diese Typen.

      Die schon fast übertriebene japanische Sauberkeit ist legendär. Ich trage eine Hose, ein Shirt selten mehr als einen Tag. Von Unterwäsche ganz zu schweigen. Da bin ich total penibel.

      Gefällt 1 Person

      • Das stimmt, China ist riesig und hat sicherlich ganz unterschiedliche Sitten und Bräuche. Yi Mans Familie kommt aus Südchina (vor allem aus Hongkong). Dann bezieht sich meine Aussage nur auf diese Region. Und Hongkong hat ja sowieso durch die damalige britische Besetzung eine absolute Sonderstellung. 😉

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s