Mein Japan – Teil 1

Heute möchte ich über Japan schreiben und habe einige Eigenheiten kurz auf den Punkt gebracht. Denn das Zeitalter der Aufklärung hat begonnen. Meine Damen und Herren, Frau Dr. Landar erklärt Japan und JapanerInnen. Und was man als Gaijin am Besten niemals macht.

Menschen in Amerika und Europa sind laut. Und sie haben kein Benehmen. Das zumindest ist die Meinung von Japanern, wenn sie Gaijin zum ersten Mal ereleben. Japaner sind anders. Japaner sind vor allem leise. In Öffentlichen Verkehrsmitteln wird eisern geschwiegen. Laute Gespräche und klingelnde Mobiltelefone sind verpönt. Man repspektiert die Privatsphäre anderer deutlich mehr, als in Europa und den USA.

Vermutlich wird der eine oder andere meiner Leser schon japanische Filme gesehen haben und das nun vehement verneinen. Aber Filme sind Show und haben mit der realen Welt nicht viel zu tun. Oder es lief eine Reportage über Tokio. Aber Tokio ist Tokio, dort gelten manchmal andere Gesetze. Das ist wie mit Berlin, Moskau, oder auch Paris. Alles ist dort irgendwie ein wenig lockerer und zum Teil auch weniger kompliziert.

Japans Jugend ist rebellisch. Sie ist schrill, bunt und oft laut. Witzig dabei, dass sie dann immer noch leiser, als in Europa ist. Männer in Japan sind auch anders. Und sie begrapschen gerne Frau. Das wird „Chikan“ genannt und ist ein echtes Problem. Vor allem in der oft übervollen U-Bahn geschieht das gern. Dicht an dicht gedrängt darf Frau dann Mannes Hand am Hintern spüren. In diesem Fall hilft oft den Grapscher zu outen und laut zu werden.

Der Betreffende wird meist vor Scham im Boden versinken wollen und sein Tun bereuen. Ganz mutige Frauen werden seine Hand ergreifen und ihn der Polizei, oder dem Zugpersonal übergeben. Zumindest in Tokio gibt es daher Abteile nur für Frauen. Ob das in anderen Städten auch so ist weiß ich leider nicht. Vermutlich aber schon. Um nicht fälschlicherweise beschuldigt zu werden, halten manche Männer sich daher mit beiden Händen und deutlich sichtbar an Haltegriffen in der U-Bahn fest.

Japaner küssen wenig. Zumindest außerhalb des Hauses. Erwachsene werden diese Art der Zuneigung selten in der Öffentlichkeit zeigen. Bei Jugendlichen ist das schon eher der Fall. Wer nach Japan reist und dort Japaner begrüßt, der gibt bitte nie die Hand zum Gruß. Hände schütteln hat in Japan keine Tradition. Nur, wenn der Japaner die Hand anbietet, darf man sie auch ergreifen. Wird er aber meistens nicht. Es wird sich stattdessen verbeugt. Und hier kommt für den Gaijin das nächste Problem.

Verbeugen ist nämlich nicht gleich verbeugen. Eine in der Hierarchie tiefer gestellte Person verbeugt sich tiefer und länger als die höher gestellte. Grundsätzlich stehen Ältere über Jüngeren, Männer über Frauen, Kunden über Verkäufern und Gäste über Gastgebern. Dabei legen Männer die Hände seitlich an die Schenkel, Frauen legen die Hände aufeinander und halten sie vor die Oberschenkel. Japaner sind Ausländern gegenüber aber durchaus nachsichtig, wenn es um die richtige Verbeugung angeht. Und falls der Gastgeber, oder Geschäftspartner dann doch eine Umarmung anbietet, ist man als Gaijin oft überrascht. Auch Japaner gehen mit der Zeit.

In Japan sagt man nicht Nein. Das Wort wird so gut es geht vermieden. Es gilt als unhöflich das Wort „iie“ zu sagen, das einem Nein am nächsten kommt. Iie wird meist im Zusammenhang mit „Nein, danke“, verwendet, um z. B. Komplimente abzuwehren. Nur Klein-Mayumi hat das anders gesehen. Laut meinen Eltern habe ich oft vehement verneint. Und wenn es im japanischen dafür keine Worte gab, soll ich auf Deutsch verneint haben. Als Gaijin mit kaum vorhandenen Sprachkenntnissen, sollte man auch auf Englisch ein schroffes „No“ vermeiden. Wer höflich und blumig etwas umschreiben kann, kommt auch zum Ziel.

Titel und Hirarchien sind in Japan wichtig. Immer noch und immer wieder. Daher sind Visitenkarten äußerst interessant. Und auch der Umgang damit. Wer mit Japanern Geschäfte machen möchte, sollte seine Visitenkarten immer bei sich tragen. Die des Japaners ist mit beiden Händen entgegenzunehmen, aufmerksam und interessiert zu lesen, um sie dann mit größtmöglicher Sorgfalt in der Brieftasche zu verstauen. Das kommt gut an und ist bei Geschäften schon die halbe Miete.

Wer japanische Filme sieht, wird sich über japanische Essgewohnheiten wundern. Der eben noch so vornehme Japaner schlürft und schmatzt, wenn er eine Nudelsuppe vor sich hat. Das ist nun alles, aber kein schlechtes Benehmen. Im Gegenteil ist es ein Teil der japanischen Esskultur. Wer schlürft und schmatzt zeigt deutlich, dass es ihm schmeckt. Rülpsen gehört in Japan nicht zum guten Ton. Wer das macht ist schnell geächtet. Auch öffentlich die Nase putzen kennen Japaner nicht. Das macht man ohne andere Menschen.

Und wenn wir schon beim Essen sind, so gehört das Trinken mit dazu. Auf keinen Fall darf man sich selbst sein Glas nachschenken. Das wird als Zeichen der Gier gewertet. In einer geselligen Runde wird immer der Tischnachbar für ein volles Glas bei dem ihm an mächsten Sitzenden sorgen. Gleiches wird aber auch erwartet. Wer einen Kater vermeiden möchte lässt besser einen Rest im Glas, oder trinkt einfach Flaschenbier. Prost!

Damit all diese Infos nicht zu sehr verwirren, sage ich für heute leise Tschüss. Morgen gibts dann mehr von mir und meinem aufgeklärten Japan.

40 Kommentare zu “Mein Japan – Teil 1

      • Es gibt eine dreiteilige Reihe vom letzten Sommer: Back in Japan 1 – 3. Leider wollte die wohl niemand bisher lesen, was vielleicht auch an der noch eher chatlastigen Sprache lag. 4 Jahre ohne Prosa hatten Spuren hinterlassen. Und ich gebe mir auch keine wirkliche Mühe beim Text verfassen mehr.

        Worüber würdest du denn noch lesen wollen?

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      • Also, die Höflichkeitsregeln sind schon spannend – da kannst du sicher noch einiges zu schreiben. Interessant fände ich aber auch, wie z.B. Japaner andere Kulturen sehen. Da könntest du bestimmt viel erzählen, oder?

        Die „Back in Japan“-Reihe muss ich mal suchen, danke für den Tipp!

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      • Um fremde Kulturen zu beleuchten bin ich nicht repräsentativ. Bekanntlich mag ich andere Völker. In Japan ist das nicht immer der Fall. Das im Blog aufzuarbeiten sprengt jeden Rahmen. Das Verhältnis Japan – Korea – China ist mit Deutschland – England zu vergleichen. Wobei ich keine Probleme habe. Offenbar nur (mit) Presse und Politik.

        Und was du aus den Medien hörst und was gebildete Menschen wirklich denken, hat immer eine andere Qualität.

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      • OK, das verstehe ich natürlich. Und letzten Endes musst du ja auch selber entscheiden, worüber du Lust hast zu schreiben. Dann freue ich mich eben jedes Mal ein bisschen, wenn du von dir aus was über Japan erzählst 😉

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      • Wir planen für den Sommer wieder eine Japan-Reise. Großfamiliär mit beiden Elternpaaren. Das verspricht lustig zu werden. Bestimmt fällt mir dazu ein Reisebericht ein. Bis dahin suche ich nach anderen Themen.

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  1. Interessant…sehr sogar…und eine gute Vorbereitung, wenn ich mal in das Land der Samurai gehe, die mich wohl lautlos enthaupten würden, wenn ich wie ein Elefant durch die Gegend trampele 😉

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    • Deutsche und Japaner mögen sich und können viel vom jeweils anderen lernen. Sofern gewollt. Ich gewähre gern einen Blick ins Land des Lächelns. Und verstehen kann ich wirklich beide Seiten, gehe aber (m)einen eigenen Weg.

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    • Ich war vier Jahre alt, als ich nach Deutschland kam. An Japan kann ich mich nicht erinnern. Japan kenne ich nur von Urlauben. Seltsam waren die Menschen. Größer, blonder, laut. Ich bin so deutsch wie 80 Millionen andere Menschen in diesem Land, aber stolz auf meine japanischen Wurzeln. Witzigerweise sind mir viele japanische Regeln fremd geblieben. Auch das vermeiden des Wortes „Nein.“ Ich bin eine Großmeisterin dieses Wortes und kann es mit Nachdruck anwenden. Überall und jederzeit. Vermutlich hätte ich in Japan mehr Probleme, als ich jemals in Deutschland hatte. So unangepasst und „laut“, wie ich oft bin 😉

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  2. Ein super Bericht und sehr interessant. Ein paar Sachen wusste ich, sehr viele aber nicht. Ich finde einiges ziemlich kompliziert und am meisten, dass man nicht „nein“ sagen darf. Ich stelle es mir schwierig vor.
    Ich freue mich auf die Fortsetzung.
    Liebe Grüße
    Emma

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    • Ich glaube als kleines Mädchen hatte ich auch dieses Nein-Problem. Wie entsetzt waren meine armen Eltern, als ich so vehement NEIN NEIN NEIN sagen konnte 😀

      Die Gälischen Sprachen kennen überhaupt kein Ja und Nein. Wenn du so aufwächst und nichts anderes kennst, gewöhnst du dich vermutlich schnell daran.

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  3. Das ist klasse! Ich kenne Japan noch nicht, irgendwann soll sich das aber ändern. Dafür bin ich mit Indien nicht völlig unvertraut. Aber hier wie da scheint mir nur eines gemein: „Japan ist“ scheint man kaum sagen zu können. Nicht schwarz, nicht weiss, nicht fassbar, nicht einfach, geheimnisvoll, exotisch, interessant. Einfach wirklich ein Land, das die Tugend des Reisenden voraussetzt: Neugier und die Demut, verstehen lernen zu wollen. Damit lässt sich weit reisen. Und reich beschenkt nach Hause kommen.

    Ich danke Dir für Dein Erzählen. Und ich muss schmunzeln über Deinen instinktiven Einfallsreichtum, Dein Nein auszudrücken…

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  4. Da habe ich nun endlich einen deiner Japan-Artikel gefunden, in dem es um die Benimmregeln geht. (Der Suchbegriff „Japan“ war auf deinem Blog dann doch etwas zu allgemein gehalten. Aber so konnte ich nochmal ein paar ältere Artikel lesen. ;))
    Viele Sachen kannte ich schon (ich recherchiere ja, um mich nicht vollkommen zu blamieren! :D), aber beispielsweise die Sache mit den Getränken ist mir noch nie untergekommen. Interessant! Und ich frage mich ja bereits seit jeher, wie Japaner eigentlich eine Erkältung überleben, ohne alle drei Minuten auf die Toilette oder andere Orte zu fliehen, an denen man sich unbeobachtet die Nase putzen kann. Wenn ich nämlich erkältet bin (oder eine Allergie zuschlägt), kann ich selten drei Stunden am Stück ohne Taschentücher auskommen. Liegt das wohl an meiner europäischen Nase oder erkälten sich Japaner einfach viel seltener? Ein unhübsches Thema, aber es beschäftigt mich dummerweise mehr als die korrekte Höhe der Verbeugungen. 😀

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      • Stimmt, das ist dann wohl die einzig logische Erklärung. 😉
        Du hast ja Recht. Momentan muss ich nur noch so viel organisieren, dass mein Hirn sich manchmal überfordert fühlt und sich mit unsinnigen Fragen panisch im Kreis dreht, wie du wohl gemerkt hast. ^^ Aber ja. „Kann man nicht ändern, also ist es halt so“ sollte ich mir bei manchen Dingen mal als Grundsatz zulegen …

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