Plädoyer für die Liebe

Samstag ist Frauenabend. Wir sind eingeladen und eine strahlende Ilka öffnet uns die Tür. In den letzten Wochen ist die Jura-Studentin aufgeblüht. Und das hat sie nicht nur uns zu verdanken. Klar haben wir sie damals nach dem Erlebnis mit der untreuen Gabi aufgebaut und Online Dating mit ihr gemacht. Aber es war auch eine riesige Portion Glück, dass sie auf Amelie traf. Und Amelie, hat sie mit in ihre Welt genommen.

Es gibt Menschen, die sind immer gut gelaunt, immer auf einem guten Weg. Für sie ist ein Glas halb voll und nicht halb leer. Amelie ist eine solche Frau. Im Gegensatz zu mir, ist sie keine wirkliche Alpha. Aber durchaus selbstbewusst. Sie hat kein Helfersyndrom, wie andere Frauen. Aber bei ihr und Ilka schlug der sprichwörtliche Blitz ein. Und eigentlich ist es Ilka, die sich verändert hat.

Wir haben über so einiges geredet an diesem Abend. Natürlich ging es um Liebe, aber auch über die Lage von Frauen in Deutschland und der Welt. Und ich durfte mir nun von gleich zwei Juristinnen anhören, wie es rechtlich um den Fall Alice Schwarzer bestellt ist. Das war interessant, aber spannend ist anders. In einem Akt von Notwehr greife ich zu einer Scheibe Weißbrot und stecke es der überraschten Ilka in den Mund.

Amelie schaut mich entgeistert an.
Yuki reagiert sofort und schenkt ihr ein typisch japanisches Lächeln.
„Wollen wir essen?“, fragt sie in die Runde. „Ich habe Hunger.“
Ilka wirft mir einen gespielt bösen Blick zu, kann aber ein Schmunzeln nicht verbergen. Auch sie hat verstanden.
„Alles gut“, sagt sie schnell zu Amelie. „Das war Mayumi pur. Gewöhn dich besser dran.“

Ilka hat gekocht. Und das kann sie richtig gut! Es gibt Curry-Hähnchen mit Basmati Reis. Zum Nachtisch Früchte mit Eis.
Amelie wirkt etwas gehemmt. Vielleicht ist meine Brot-Attacke auf Ilka doch etwas heftig gewesen. Nicht jeder Mensch kann mit meinem Humor.
Ich deute auf das Hähnchen.
„So viel zum Thema alle Lesben seien Vegetarierinnen“, sage ich. „Aber Ilka hat bestimmt irgendwo noch ein Rudel Katzen versteckt.“
Yuki hält demonstrativ den Atem an.
„Bloß nicht“, meint sie. „Der Abend wäre für mich sprichwörtlich gelaufen.“
„Sie ist allergisch gegen Katzenhaare“, füge ich hinzu. „Sonst hätten wir bestimmt zwei dieser Schmusetiger.“

„Meine Großeltern hatten einen Bauernhof“, erzählt Amelie. „Ich bin dort praktisch aufgewachsen. Zwischen Hühnern, Pferden und Getreide. Und als kleines Mädchen wollte ich immer Tierärztin werden. Oder im Reiten eine Goldmedaille gewinnen.“
„Was ist aus diesen Träumen geworden“, will ich wissen. „Warum nun Jura?“
„Ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn“, erwidert Amelie. „Und nachdem es bei der Polizei nicht klappte, habe ich eben Jura studiert. Ich sah mich schon als große Anwältin die wildesten Fälle vor Gericht verteidigen.“
„Und heute verteidigt sie mich“, wirft Ilka ein und streicht ihr sanft über den Arm. „Das musst du bei Mayumi aber nicht. Du hättest sowieso keine Chance.“
Amelie muss lachen.
„Ilka sagt du machst Karate?“
„Ja“, sage ich. „Karate, Aikido und Wing Chun Kung Fu.“

Amelie nickt begeistert.
„Ich habe bis vor einer Weile Jiu-Jitsu gemacht“, erzählt sie stolz. „Und sogar den 1. Dan. Aber dann ist das Studium immer heftiger geworden und das Training immer weniger. Ich möchte aber unbedingt wieder damit anfangen!“
„Und ich komme dann mit“, fügt Ilka hinzu.
„Finde ich gut“, sage ich. „Yuki und ich trainieren auch zusammen.“
„Du meinst du kitzelst mich immer“, sagt meine Elfe. „Das macht sie nämlich immer!“
„Ach was“, wehre ich ab und strecke meine Hand nach Yuki aus.“
„Wehe!“, zischt sie und alle lachen.

„Wir haben beschlossen, dass Amelie zu mir zieht“, sagt Ilka unvermittelt. „Auch wenn wir uns erst kurz kennen. Es passt einfach. Und ich mag nicht immer Sehnsucht haben.“
Amelie strahlt und greift nach Ilkas Hand.
Yuki lächelt und ich freue mich ebenfalls.
„Wir haben damals zwei Jahre auf diesen Schritt gewartet“, erzähle ich. „Aber es ging nicht anders. Ich war mitten im Studium und wollte nicht so ohne weiteres die Uni wechseln.“
„Sie hat mich absichtlich leiden lassen“, sagt Yuki mit gespieltem Ernst. „Das macht sie immer so. Ich weiß nicht mal warum ich sie geheiratet habe. Kochen kann sie auch nicht.“
„Du meinst du lässt mich nicht“, erwidere ich. „Immer wenn ich in der Küche bin steht sie neben mir und hilft.“
„Ja, weil du zu doof bist um …“
Ich kitzele Yuki nun doch und sie hält die Luft an.

„Keine Angst, das ist kein Streit“, sagt Ilka, um Amelie zu beruhigen. „Das machen die beiden immer so.“
„Reine Selbstverteidigung“, sage ich. „Meine Frau hat den höchsten Gürtel im Kissenwurf.“
„Wie lange kennt ihr euch?“, fragt Amelie.
„Im Sommer werden es sechs Jahre“, sagt Yuki leise und mir wird ganz warm ums Herz.
Aber sie wäre nicht Yuki, wenn nun nicht sofort wieder ein Dämpfer käme.
„Und seit Oktober 2013 haben ich lebenslänglich“, fügt sie hinzu. „Und ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll mit diesem Biest. Vielleicht mögt ihr mich ja verteidigen, wenn ich mich dann wieder scheiden lasse.“
Ich kann nicht anders und fange an zu lachen. Das ist Yuki-Humor pur.

„Ihr seid unmöglich“, meint Ilka und schaut uns abwechselnd an. „Aber auch das ideale Paar. Ihr könnt doch nicht ohne die andere. So viel Harmonie habe ich selten erlebt. Das ist …“, sie denkt kurz nach und nickt. „Das ist ein Plädoyer für die Liebe!“
Amelie hat plötzlich Tränen in den Augen. Sie will etwas sagen, aber ihre Stimme versagt.
Ich zwinkere ihr und Ilka zu.
„Und ihr könnt das auch“, sage ich. „Nur Staatsanwältinnen dürft ihr nicht werden, das käme nicht gut.“
„Warum das denn?“, will Ilka wissen.
„Bis du doof?“, fragt Yuki, die meine Gedanken natürlich kennt. „Staatsanwälte küsst man nicht.“

12 Kommentare zu “Plädoyer für die Liebe

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