Kurzgeschichten, Texte, Analysen

Ich hab’s getan, wie Frau es tut. Im Stehen und im Liegen. Ein Manuskript gelesen und analysiert. Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

Alles beginnt in Düsseldorf, im Sommer vor 5 Jahren. Eine lustige Runde verrückter Mädels. Einige lesbisch, einige nicht. Aber alle gut gelaunt und auf der gleichen Wellenlänge. Zumindest was Kunst und Kultur betrifft. Monika kommt auf die Idee ein Buch zu schreiben. Über lesbisches Leben und die Liebe von Frau zu Frau. Für verrückte Ideen bin ich schnell zu begeistern. Also stimme ich zu ihr fertiges Manuskript zu lesen. Warum ausgerechnet ich mag sich so mancher Leser nun fragen. Die Antwort ist einfach: Weil ich (noch) viel besser (fremde) Texte analysieren, als eigene Texte schreiben kann. Auch, wenn ich das zur Zeit kaum mache.

Schreiben ist eine tolle Sache. Zum Schreiben gehört Talent. Und, was viele neue Autoren nicht begreifen wollen, eine große Portion Schreibtechnik. Als angehende AutorInnen sind wir natürlich fest von unseren Fähigkeiten überzeugt. Aber ich darf jedem Schreibwilligen versichern, dass die vor den Augen eines Lektors kaum vorhanden sind. Viele heute berühmte Autoren, hatten wenig mehr als eine gute Idee. Der wahre Künstler ist oft der Lektor, der daraus mit sanfter Hand die richtigen Worte formt, oder den Autor erst auf den Weg zum Erfolg führt. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wer sich alles für einen Autor hält. Schreiben kann jeder Mensch. Gut Schreiben nur wenige. Und nur eine Handvoll werden Schriftsteller.

Der vermutlich größte Fehler von Autoren liegt in ihrer Kritikresistenz. Sie sind tödlich beleidigt, wenn jemand ihr Baby kritisiert. Selbst gut gemeinte Hinweise werden mit Vehemenz abgewehrt. Kritiker haben schließlich keine Ahnung vom mit Herzblut verfassten Meisterwerk des Autors. Denken sie. Aber sie denken leider falsch. Wenn ich fremde Texte lese möchte ich Bilder sehen. Nicht unbedingt die Bilder des Autors, die er mir langatmig erzählt. Ich erwarte eigene Bilder zu sehen. Angeregt, erschaffen durch eben jenes Manuskript, jenen Text, der vor mir liegt. Viele Autoren können das nicht. Sie erzählen nur. Das ist wie bei Opa Karlchen, der endlos und monoton von seiner Arbeit unter Tage erzählen kann. Nur hört ihm schon nach 5 Minuten kein Mensch mehr zu.

„Show, don’t tell“, sind mit die besten Worte, die jemals über das Schreiben gesagt worden sind. Was sie bedeuten erkläre ich gern. Angenommen wir sitzen im Theater. Gespannt warten wir darauf, dass der Vorhang sich hebt und die Akteure die Bühne betreten. Die Zeit vergeht und Stimmen sind zu hören. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, schallt es in die Runde. Die Wartenden werden unruhig. Zu sehen ist der Sprecher nicht. Der Vorhang bleibt unten, das Schauspiel findet dahinter statt, ohne die Zuschauer. Nur Autoren, die uns einen Blick auf die Figuren gewähren, die uns mit auf die Reise zum Mittelpunkt der Erde nehmen und uns die Hitze des glühenden Gesteins fühlen lassen, nur die gehören zu den wahren Meistern ihres Fachs. Kurz gesagt: Schreibt niemals „Es regnete.“ Außer ihr seid Hemmingway. Der Leser muss beim lesen glauben klatschnass zu werden. Das ist die wahre Kunst.

Mehr als ein Jahr später, habe ich Monikas fertigen Text gelesen und analysiert. Nein, Monika ist keine Autorin, das ist mir nach wenigen Zeilen klar. Aber sie hat eine wirklich blendende Idee. Mehr wird dieser Text nie sein. Es wimmelt von Passivsätzen und schwachen Verben. Sie hat Worte zu wahren Satzkonstrukten verknotet, die kein Mensch flüssig vorlesen kann. Merke: Weniger ist oft mehr. Niemand wird etwas gegen den ein oder anderen Schachtelsatz sagen, wenn der Autor die Handlung voranbringen kann. Dazu gehören kurze, dynamische Sätze. Satzmonster erschrecken Leser und bremsen den Lesefluss aus. Eine Ausnahme ist T. C. Boyle. Aber er ist ein Meister seines Fachs. Insgesamt liest sich Monikas Werk sehr hölzern und kalt. Blutleer möche ich fast sagen. Und bei der Logik hapert es auch. Sie wird für das Werk in dieser Form keinen Verleger finden.

Aber vielleicht kann ich ihr helfen, das Manuskript zu verbessern. Während ich lese markiere ich falsche Sätze und Wörter, streiche überflüssige Passagen, oder füge Fragen und Hinweise ein. Am Ende sind die Seiten sehr bunt, der Text macht aber deutlich mehr Sinn. Als wir uns bei ihr zu Hause treffen ist Monika noch gut gelaunt. Sie rutscht auf ihrem Stuhl hin und her, ihre Finger trommeln auf dem Tisch. Klar, sie ist aufgeregt und kann es kaum erwarten. Ich erzähle ihr von Fehlern anderer Autoren und schlage einen Bogen zu ihrem Manuskript. Als ich ihr meine ehrliche Meinung sage herrscht eisige Stille. Dann holt Monika tief Luft und lässt einen Redeschwall über mich niedergehen, der selbst heftigsten Tropenregen zum Witz verkommen lässt. Leidenschaft pur, die sie im Text vermissen lässt. Genau das sage ich ihr und ihr Redefluss verstummt.

„Du bist nicht kritikfähig“, füge ich hinzu. „Lektoren und echte Kritiker meinen es niemals böse. Ihre Hinweise darfst du nie persönlich nehmen. Ich habe dir nur Dinge aufgezeigt, die sofort ins Auge stechen. Die Idee des Buches halte ich für gut. Schlaf einfach eine Nacht über meinen Worten, dann sieht die Sache anders aus. Und schau dir bitte meine Korrekturen an, sie werden dir weiterhelfen.“
„Aber du bis keine Lektorin“, platzt es aus ihr heraus. „Und du hast noch nie ein Buch geschrieben …“
Sie unterbricht sich und ihr Gesicht nimmt die Farbe reifer Tomaten an.
Mit dieser Attacke habe ich gerechnet. Sie ist mir nur allzu bekannt. Der typische Reflex einer zu Tode gekränkten Erstautorin. Ich schenke ihr ein Lächeln und stehe auf. Hier ist jedes weitere Wort verloren. Und streiten macht wenig Sinn.
„Das habe ich auch nicht vor“, erwidere ich und gehe zur Tür. „Du hast mich um Hilfe gebeten, vielleicht erinnerst du dich daran. Aber wenn du schon mir nicht vertraust, wie willst du jemals mit einem Lektor arbeiten?“
Sie murmelt eine Entschuldigung und ich fahre nach Hause.
Die Tage vergehen und werden zu Wochen und einem weiteren Jahr. Kein Wort mehr von Monika. Sie meidet mich. Das ist traurig, aber ich habe verstanden.

Fünfzehn Monate nach unserem Treffen hat mich eine SMS erreicht. Von Monika. Sie habe einen Verlag gefunden schrieb sie mir. Ich kann den Triumph in ihren Worten spüren. Spontan rufe ich an.
„Was ist das für ein Verlag?“, will ich wissen und ahne die Antwort schon.
Ich verkneife mir ein Lachen, als sie mir den Namen eines typischen Book-on-Demand Verlages nennt. Ab 300 Euro ist Monika mit dabei. Im Club der selbstgestrickten Schreiberlinge. Ohne Korrektur, ohne Lektorat. Das würde extra kosten. Und so viel Geld hat Monika nicht.
Ich spreche sie darauf an, aber sie blockt sofort ab.
„Die Verdienstmöglichkeiten sind toll“, erzählt sie mir und ist völlig aus dem Häuschen. „Ich habe den Verlag in einem Literaturforum gefunden. Der hat tolle Bewertungen bekommen. Bestimmt werden die Mädels das Buch alle kaufen und empfehlen. Und der Verlag wird auch Werbung machen. Die paar Euro bekomme ich locker wieder, wirst schon sehen. Und im Lauf der Zeit mache ich noch Geld gut. Und dann schreibe ich noch ein Buch.“
Fast beiläufig erwähnt sie die Absagen renomierter Verlage.
Klar, denke ich. Dieses wirre Gescheibsel mag kein Lektor lesen. Außerdem passt ein Buch über Lesben kaum ins normale Verlagsprogramm.
Book-on-Demand ist keine schlechte Sache. Leider tummeln sich viele Schwarze Schafe auf der literarischen Schreibwiese. Und die wollen nicht alles unser Bestes, die wollen ohne großen Aufwand Geld. Der angehende Autor wird meist keinen Cent verdienen, aber viel Geld in sein Machwerk investieren. Die guten BoD-Verlage bleiben fair. Auch beim Preis. Sie wollen unbekannten Autoren helfen. Und ein selbst publiziertes Buch muss nicht schlechter sein, als die namhafter Autoren.

Ich versuche Monika ins Gewissen zu reden und kläre sie über die Hintergründe von Book-on-Demand auf. Meine Mühe bleibt vergebens. Monika ist felsenfest von dem Verlagskonzept überzeugt.
„Dann such dir wenigstens einen anderen Verlag“, versuche ich sie wieder auf den Boden zu bringen. „Ein eigenes, unlektoriertes Buch kannst du anderswo viel billiger haben. Bei den 300 Euro bleibt es nämlich nicht!“
Aber Monika will nicht hören und legt schließlich auf. Mit keinem Wort ist sie auf ihr langes Schweigen eingegangen.
Damals nehme ich mir vor nie wieder Texte von Freunden zu analysieren. Das ist besser, als sie im Streit zu verlieren. Was aus Monikas Buch geworden ist weiß ich bis heute nicht. Unsere Wege haben sich schon lange getrennt. Vermutlich hat sie viel Geld für das Machwerk gezahlt. Gekauft wird es keiner haben. Dafür war es viel zu schlecht. Und bei einer Internetrecherche habe ich weder Buch noch Verlag gefunden. Aber wer weiß, vermutlich ist Monika mittlerweile weltberühmt und residiert in der Düsseldorfer Königsallee. Ich bleibe lieber meinem Studium und meinen Idealen treu. Selbst Bücher schreiben will ich aber nicht. Das können andere Leute besser.

Aber eines zumindest werde ich wieder tun. So, wie Frau es tut. Im Stehen und im Liegen. Mit Yuki schmusen. Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

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33 Kommentare zu “Kurzgeschichten, Texte, Analysen

  1. Mal was ganz Allgemeines: Ich hab blaue Augen, im Stehen, Liegen und sogar im sitzen! – Na und, fragst Du dich? Ganz genau! So lange bei der Aussage: Ich bin hetero/lesbisch/schwul nicht automatisch dieses „Na und?“ in unseren Gedanken entsteht, so lange dürfen wir uns auch nicht als Menschen bezeichnen!
    Du machst mit Deinen Texten eine tolle Arbeit, dieses dem „normal-hetero“ näher zu bringen. Warum sollte unsere sexuelle Orientierung irgend einen Unterschied in unserem Menschsein ausmachen? Höchste Zeit, dass das der normale Sportschau-Gucker und Bildzeitungsleser endlich in seine Hirnwindungen bekommt!
    Danke dafür und weiter so! 😀

    • Danke für deinen Kommentar, Charly. Auch, wenn du die blauen Augen hinter einer Sonnenbrille versteckst 😉

      Mir ging es bei diesem Text nicht primär um LGBT-Themen. Monikas Geschichte fiel mir lediglich wieder ein. Ich finde es immer noch schade, dass sie sich nicht hat helfen lassen. Die Idee hatte was. Klar bin ich keine ausgebildete Lektorin. Aber so schwer sind Fehler nicht zu finden. Nur meine eigenen, die finde ich oft nicht 😀 Macht aber nichts, Bücher werde ich keine schreiben.

  2. Du hast dich wieder einmal als wunderbare Freundin erwiesen. Und bist dir selbst treu geblieben. Monika hatte die Wahl. Und manchmal muss man die Falsche treffen, um zu erkennen. Das kommt vielleicht später.
    P. S. Als passionierte Lektorin hat mich deine kleine Hymne über diesen Berufszweig zum Lächlen gebracht. Danke.

    • Es ist ein guter Tag, wenn ich auch nur einen Menschen auf der Welt zum lächeln bringen kann. 🙂

      Die meisten LektorInnen machen eine tollen Job, das steht außer Frage. Leider habe ich schon Bücher gelesen, bei denen das nicht so war. Ich fragte mich dann immer, wer bitte diesen Text gegengelesen und korrigiert haben mag.

  3. Iiiih! Wer will denn in der Düsseldorfer Königsallee residieren?! Keine zehn Weltbestseller brächten mich dahin! Die ich, unter uns gesagt, natürlich schon in der Schublade hab‘. Aber diese Lektoren…haben immer ‚was zu meckern! Tsss…
    Und im Moment tut es Frau im Sitzen. Herzlich lachen! Was habt ihr denn gedacht?

    • Was hast du gegen die Kö? 😀 (Schreckliche Gegend, oder?)

      Es ist ja leider so, dass Verlage / Lektoren, unverlangt eingeschickte Texte in den seltensten Fällen lesen. Kurzgeschichten gingen / gehen in Deutschland fast nie. BoD ist daher eine durchaus brauchbare Alternative. Nicht unbedingt der Verlag gleichen Namens, mehr das Konzept. Unter selbst veröffentlichten Werken finden sich oft wahre Perlen. Die breite Öffentlichkeit wird sie aber niemals zu Gesicht bekommen.

      Und du, liebe Käthe, du packst sofort, jetzt und gleich die Bestseller aus und wirst gefälligst berühmt! Also nicht, dass du es nicht schon wärst 😉

      Sitzend-lächelnde Grüße

      • Die Königsallee kann ich jedesmal nur schaudernd queren, wenn wir mal in D-dorf weilen. Ich denke dann immer, ich bin am Set von The walking dead gelandet. Gruselig.
        Mist! Ich habe den Schlüssel für die Bestsellerschublade verbummelt. So wird das wohl nix mit der Berühmtwerderei. Naja, so klickediklacke ich halt weiterhin unberühmt, aber nicht unberührt vor mich hin.
        Strahlegrüße, sitzendschmunzelnd zurück.

  4. Einen schönen Tag für dich,ja es ist immer gut wenn man sich selber treu bleibt eine schöne spannender Text,ja etwas zu schreiben und es zu veröfenlichen das habe ich auch versucht,aber der Markt an Büchern ist einfach zu groß.Wünsche dir ein gutes und schönes Wochenende liebe Grüße Gislinde

    • Vielen Dank für deinen Kommentar 🙂

      Es ist leider fast unmöglich (s)ein Buch bei Verlagen unterzubringen. Ein Literaturagent kann helfen, das BoD-Konzept für unbekannte Autoren ein wahrer Segen sein.

  5. He, es ist nicht Opa Karl, sondern Nachbar Ben, der über die seine Arbeit unter Tage berichtete 😉 und ich bekam neulich auch über eine Freundin erklärt, dass eine Bekannte von ihr nun ihre Texte rausbringt und der Verlag würde nur tausend Euro verlangen. Da hab ich inständig auf jene Freundin eingeredet, dass sie das stoppen müsste, weil kein seriöser Verlag so etwas verlangen würde…jene Gedichte habe ich leider nie gelesen, aber ich vermute, es wird sie auch niemand sonst lesen…
    Und da ich von meiner Beratungsresistenz weiß, stelle ich meine Texte gleich kostenlos hier zur Verfügung und lasse die Verlage richtige Autoren publizieren 🙂

    • Ich wollte dich nicht outen, lieber Ben ibn Karl 😀

      BoD kann durchaus teuer werden. Aber es geht weitaus billiger, als tausend, oder dreihundert Euro. Nur bleiben Texte dann unlektoriert.

      Schreibtechnik lernen, oder verbessern ist nicht schwer. Wichtig dabei: Niemals vor den sich nun auftürmenden Regelbergen kapitulieren! Der Trick: Einfach weitermachen, wie bisher. Den Text eine Weile ruhen lassen, um ihn dann mit purer Lust zu korrigieren. Und in Anlehnung an Günter Grass: Die Welt der Schriftsteller ist „Ein weites Feld.“ 😉

      • Ja, nun hab ich es getan und früher hießen meine Protagonisten tatsächlich meist Karl 😉

        Ich schreibe ja nebenbei immer mal wieder an einem längeren Text, der womöglich irgendwann auch mal ein Buch werden dürfte. Neulich las ich ihn mir aus Lust und Laune mal durch…und was ich da so beim Lesen an Fehlern und merkwürdigen Satzkonstruktionen fand…man liest das dann eben doch ganz anders, als zu dem Zeitpunkt, an dem man es ursprünglich schrieb.

        Ich habe sogar zwei Lektorinnen zur Hand, aber bis jene Fragmente nicht einen halbwegs zusammenhängenden Text ergeben, werde ich den Text eh niemandem in die Hand geben.

        Oh ja und solche BoDs können noch viel teuerer werden, jene Bekannte meiner Freundin wollte anfangs sogar 5000 Euro hinlegen…na ich hoffe mal, dass aus Ermanglung an Geld sie sich von jener Idee verabschiedet hat und es von mir aus unkorrigiert bei Amazon auf den Markt schmeißt, denn ganz ehrlich, da hat sie mehr von, als irgendeinem unseriösen Verein Geld in den Allerwertesten zu schieben und wird dabei wohl genauso gut lektoriert, nämlich gar nicht. 😉

  6. Au weh, auf der einen Seite kann ich Deine ehemalige Freundin verstehen – man muss schon sehr hart im Nehmen sein, wenn ein selbst geschriebenes Werk von jemandem anderen „verrissen“ wird. Von einer Freundin oder von Bekannten ist das vermutlich noch fast schwieriger zu ertragen, als von einem ausgewiesenen Lektor, so wäre das auf jeden Fall bei mir. Ich kenne das aus der Werbebranche von beiden Seiten – ich habe Texte „lektoriert“ und Texte von mir wurden lektoriert.
    Auf der anderen Seite finde ich es gerade bei Texten unheimlich bereichernd, wenn eine Zweit- oder sogar Drittmeinung jegliche Unklarheiten ausräumt und das Ergebnis stärkt. Auch wenn manche Anmerkungen vielleicht im ersten Moment verletztend sein können, einem in der kreativen Freiheit beschneiden…..manchmal aber auch schlicht falsch sind. Ich habe früher oft Texte meiner Mama zum Gegenlesen gegeben, weil sie ein super Gespür für Sprachen hat und – obwohl Juristin – selber nicht in dieses geschwollene Juristendeutsch verfällt. Das ging zwischendurch auch nicht ohne „Kämpfe“ ab. Aber bei vielen Dingen lag sie richtig. Denn wenn die Texte danach ins Lektorat gingen, wurden meistens nur noch ein paar Rechtschreibefehler gefunden. 🙂
    Schade, dass Du durch diese Sache eine Freundin verloren hast. Vielleicht war sie wirklich zu wenig kritikfähig. Auf der anderen Seite weiss ich ja nicht, wie Du Deine Kritik verpackt hast – kritisieren kann man bekanntlich verdaulicher und weniger verdaulich. *grins* Wenn aber eine Freundschaft deswegen komplett auf der Strecke bleibt, dann kann es nicht eine innige Freundschaft gewesen sein – denke ich.
    Liebe Grüsse aus der verschneiten Schweiz
    Charlotte

    • Nein, eine große Freundschaft war das nicht. Monika war eben da. Ein Szenemädel, lustig, witzig, lieb.

      Als ich vor einigen Jahren mit eigenen Texten in einem Literaturforum antrat, haben sie mich übelst zerrissen. Ich habe den Reflex zurückzuschlagen unterdrückt. Zumindest zu Beginn und wenn es sich um hilfreiche Kritik handelte. Und ich habe sehr schnell und sehr viel gelernt über das Schreiben. Danach habe ich mich gefetzt und die Kritiker kritisiert, die dann heulend in der Ecke saßen.

      Ich habe meine Kritik recht sanft verpackt. Wobei ich kein Blatt vor den Mund nehme, wie du weißt. Aber wenn ein Text von Füllworten wimmelt, dann markiere und streiche ich die. Wenn ein langatmiger Absatz nichts zum Fortgang der Handlung beiträgt: Weg damit! Ich habe kleine Fragen in den Text verpackt, Dinge erklärt. Auch im persönlichen Gespräch.

      Unverdauliche Kritik hätte so ausgesehen: Schon beim ersten Satz musse ich den Kopf schütteln … nach dem ersten Abschnitt habe ich nicht mehr weiter gelesen … Wer sich nur auf diese Weise über andere erheben kann, der sollte besser schweigen. Und es geht noch schlimmer, wenn subtile Angriffe und Beleidigungen in die Kritik verpackt werden.

      Nach Monika und meiner Erfahrung in Schreibforen, habe ich nie mehr Texte online gestellt. Und andere korrigieren mag ich auch nicht mehr. Auch, wenn es manchmal in den Tippselfingern juckt 😀

      LG zurück aus Deutschland. General Winter und die Yuki-Onna sind auch hier auf dem Weg.

  7. Ich finde, es ist harte Arbeit an sich selbst, wenn ein Text gut werden soll.
    Alles, was du aufzählst, gehört dazu. Adjektive abwägen und die meisten wegschmeißen, auch.
    Irgendwann wird es dann leichter, wenn sich Routine einstellt. Es bleibt immer noch genug zu tun, weil Dauerplaudern und geschwätzig sein sich so schnell einschleichen.
    Die Lieblingsideen einfach wieder streichen kann auch nötig sein.
    Dann finde ich, auch an vorhandenen Texten ist einfacher herumzufeilen als an eigenen. Aber beides übt für beides.
    Und die Kritik weitergeben ist schwer, wie auch sie anzunehmen. Meine Güte…

    • In diesen Blogs bin ich auf wundervolle Texte gestoßen. Und egal ob Schachtelsatz oder überflüssiges Adjektiv, sie sind und bleiben gut. Kritik üben mag ich nicht mehr. Wir sind alle meisterlich. Mindestens! 🙂

      • Lasse ich es, bleibt noch die Arbeit an mir selbst. Dankbar schaue ich auf sie zurück.
        Und was mich anspricht und berührt, ist gut und was soll da verbessern? Wohl wahr.

  8. Eieiei, das tut mir ja Leid für Dich! Kenn ich: Wie ensetzt war ich damals, als ich die einleitung meiner Abschlußarbeit aus meiner Freundin Hand zurückbekam – freilich nun Schwarz auf Weiß auf jeder Menge Rot! Dabei hatte das in meinem Kopf doch alles sooo schön einen Sinn ergeben, nur „da Draußen“ leider nicht… 😀
    Ja, da galt es auch für mich, erstmal mit höhrbarem Schlucken (und dazugehörigem Würgegefühl!) meinen „Stolz“ herunterzuschlucken.
    Dumm ist nämlich, dass viele Menschen – ich selbstredend inklusive 😦 – ihre Werke Freunden mit der absichtlichen oder unabsichtlichen Intention geben, dafür in den Himmel gelobt zu werden. Dumm dann, wenn es anders kommt…
    Oder, wie schon ein schlauer Mensch vor mir wusste: Frag nie, wenn Du nicht bereit bist, die Antwort zu hören! 😉

    PS: Schade, dass Du keine Bücher etc. schreiben magst; Dein Blog gefällt mir bisher sehr gut und Deine Haikus sind auch wunderschön! 🙂

    • Buch: Mir fehlt die Lust lange Texte zu schreiben.

      Haiku schreibe ich seit mehr als 15 Jahren. Aber die alten Haiku stelle ich nicht ins Netz. Und mein Blog ist ein wirres Geschreibsel von Ideen, die mir so nebenbei kommen. Ansatzweise lasse ich richtiges Schreiben aufblitzen. Meine Artikel sind nichts als Berichte in einer Art Telegrammstil. Zum Teil eine Art lyrische Prosa.

      Ich war vor einigen Jahren in einem Literaturforum unterwegs und habe auch einen Kurs für kreatives Schreiben besucht. Diverse Bücher gelesen und recht schnell erkannt, wo meine tatsächlichen Stärken liegen. Dachte ich. Bis ich vor einigen Monaten wieder „nüchtern“ geworden bin. 😉

      • Ach Du, jetzt hast Du mich aber doch kurz erschreckt! 😉
        Aber: Wer sagt denn, dass es ein entweder(logisch) oder(Buch etc. schreiben) sein muss? 😛 😉

      • Literatur, wie ich sie verstehe, hat eine besondere Qualität. Es ist sehr zeitintensiv einen Roman zu schreiben. Und noch aufwändiger ihn zu lektorieren. Von dieser Idee, habe ich mich schon vor Jahren verabschiedet. Mein Ziel war in einem Verlag zu arbeiten. BWL als Grundlage, Germanistik / Literaturwissenschaft als Zugabe, sollten mir diesen Weg ebnen. Mein jetziger Weg lässt mir mehr Freiheiten. Auch für ein mögliches Buch. Wenn de Lust mich wieder packt. Bis dahin dürft ihr meine verbiesterten Kommentare und scharfzüngigen Äußerungen lesen. Du weißt schon: Beiß, kratz, fauch! 😀

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