In der Hitze der Nacht

Der Beitrag einer geschätzten Blog-Kollegin, hat mich auf die Idee zu diesem Beitrag gebracht. Aber auch mein Zorn, der über Nacht gewachsen ist. Schon in „Liebe unterm Regenbogen“, hatte ich über Thomas Hitzlspergers Coming Out geschrieben und mich bei dem Ex-Profi bedankt. Eine weitere geschätzte Blog-Kollegin gab zu bedenken „Warum erst nach Karriereende?“ Und irgendwo hat sie da Recht. Vor allem wenn man sich die Reaktionen auf das Coming Out anschaut.

Definitiv den Vogel schießt dabei ein Journalist der FAZ ab. Sein hochtrabender Name: Jasper von Altenbockum. Unter dem Titel „Die Rocky Horror Hitzlsperger Show“ lässt er sich über Thomas Hitzlsperger aus. Dabei ist allein schon der Titel bezeichnend und zeigt welcher Gesinnung der Schreiber ist. Bezeichnend auch, was als Einleitung unter dem Titel steht: Es sollte in Deutschland nicht so weit kommen, dass Mut dazu gehört zu sagen: „Ich bin heterosexuell, und das ist auch gut so.“ Ich muss den Artikel nicht einmal lesen, um zu wissen in welche Richtung er geht. Das ist Stammtischniveau, armselige Bierseeligkeit.

Der werte Herr von Altenbockum, hat da nicht nur einen Bock, sondern einen kapitalen Hirsch geschossen. Über das Ziel hinaus auf jeden Fall. „Für die große Mehrheit der Deutschen, die mit Homosexuellen so normal umgeht wie mit Heterosexuellen, ist das ein Schlag ins Gesicht“, schreibt er zum Coming Out. Und da muss ich dann bitter lachen. Die Mehrheit der Deutschen, ja der ganzen Welt, ist noch immer homophob. Und daran wird sich so schnell nichts ändern, wenn es Kommentatoren wie den Herrn von Altenbockum gibt.

Nüchtern betrachtet und mit dem Abstand von nun zwei Tagen, stehe ich Thomas Hitzlsperger kritisch gegenüber. Warum erst nach Karriereende, muss auch ich mich fragen. Die Antwort ist einfach: Weil sie sonst schon vor Jahren zu Ende gewesen wäre! Und das ist bezeichnend und widerspricht dem Kommentar der FAZ. Eine vermuteten sexuellen Gesinnung widersprochen, hat auch der Ex-Profi Arne Friedrich. Er beeilte sich sehr schnell nach dem Coming Out seines Freundes und früheren Kollegen, auf seine Heterosexualität hinzuweisen.

Vor allen Männer haben ein Problem mit Homosexualität. Aber vorwiegend dann, wenn sich um ihrer eigene Art handelt. Bei Frauen wird das eher toleriert und milde belächelt. Auch mit gewisser Lüsternheit. Mann träumt ja gern vom „Dreier“, auch wenn er kaum die eigene Frau befriedigen kann. Lust reduziert auf 10 – 15 Zentimeter ist es eben nicht. Auch Christoph Ruf im SPON lässt sie über Hitzlsperger aus. Oder besser gesagt über die Talkshow von Maybritt Illner, deren zentrales Thema das Coming Out gewesen ist. Auch dieser Herr wird seinem Nachnamen nicht gerecht, auch wenn er es versucht. Die Ironie in seinen Zeilen ist klar erkennbar. Unverkrampft ist auch dieser Schreiber nicht.

Aber was Sie können meine Herren, das kann ich auch. Vielleicht hitziger und mit mehr Emotion. Aber dafür bin ich Frau. Und lesbisch. Und ich habe mich schon als Teenager geoutet. Ohne Angst vor Eltern und Karriere, vor einer homophoben Welt. Und in der Hitze der Nacht ist in mir ein Entschluss gewachsen, noch mehr als bisher aufzuklären. Mich Leuten wie dem Bockschießer und Rufenden zu stellen. An jeder Front. Ganz vorn, statt nur irgendwo dabei. Damit Liebe endlich für alle Menschen ist. Guten Tag!

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35 Kommentare zu “In der Hitze der Nacht

  1. Diese Gesellschaft ist so viel homophober als sie tut…
    Beim Frauenfußball ist es hingegen kein Problem, seine sexuelle Gesinnung preiszugeben. Das passt ja auch eher zum Bild der „Kampflesbe“, man erwartet es doch quasi schon förmlich, dass alle Frauen, die Fußball spielen (was ja schon sehr abwegig ist, diese Domäne sollte doch ausschließlich Männern vorbehalten sein), lesbisch sind. Wie sollten sie sonst dazu kommen, Fußball zu spielen? Alles sehr überspitzt gesagt und definitiv nicht meine Meinung, aber wahrscheinlich irgendwo das Denken in dieser Gesellschaft. Ein Denken, über das man einen Schleier legt und wahnsinnig tolerant tut.
    Ich kann gut verstehen, dass Hitzlsperger sich erst nach der Karriere geoutet hat, glaube aber, dass unsere Gesellschaft es braucht, dass sich jemand innerhalb der Karriere äußert. Wobei derjenige sich wahrscheinlich keinen Gefallen damit tun wird. Sehr traurig.

    Der beste Kommentar, den ich zu Hitzlspergers Outing las, kam übrigens von der Komikergruppe „Eure Mütter“:
    „Die Leute sollen Thomas Hitzlsperger so akzeptieren, wie er ist! Dann hat er halt eine Saison beim VfL Wolfsburg gespielt, na und?“ 😉

    • Was wir brauchen, was diese Welt braucht ist wirkliche Toleranz. Keine Scheinheiligen, die sich hinter Schwarzen Kutten verbergen und Schweizer Gardisten am Abend zum Liebesspiel bitten. Was wir brauchen ist Normalität. Dann bin ich eben Spongebob, oder ET. Na und? Dann sitzt eben der Pink Panther neben dem Samurai Musashi. Und in der Mittagspause spielen sie Schach.

      Frauen (auch im Fußball) sind mutiger. Generell. Mann hat den heimlichen Geliebten und spielt den braven Ehemann. Wegen der Gesellschaft, wegen der Kirche. Diese Verlogenheit, diese Stammtischmentalität, dieses armeselige Verhalten ödet mich an.

      Danke für deinen Kommentar und LG 🙂

  2. Ich begreife einfach nicht, was scheinbar seriöse Journalisten und Medien so alles abdrucken. Für mich liest es sich entweder wie Satire oder ich denke wirklich kurz, ich habe mich verlesen. Und im Alltag begegne ich immer wieder scheinheilig aufgeschlossenen Menschen, die dann gleichzeitig (!) homophobe Sprüche bringen. Aber nur auf sich bezogen, andere Menschen sind dann natürlich nicht betroffen und sollen sich frei ausleben. Hä?

    • Die Medien wissen sehr genau, wo, in welcher Ecke der Geist des Volkes steht. Sie steuern ihn schließlich bewusst geanu dort hin. Und noch verkauft sich ein homophober Kommentar sehr gut. Ich denke es liegt aber auch viel Angst und Unsicherheit in solchem Verhalten. Also machen sie sich lustig über die Randerscheinung „Gay.“ Vermutlich hoffen sie, dass Schwule und Lesben aussterben, wenn vor allem Mann ihnen das Kinder kriegen erschwert. Was völliger Quatsch ist. Die wenigsten Kinder aus Homo-Ehen werden lesbisch, oder schwul. Das ist ja keine Krankheit.

      • Da hast du wohl leider recht. So sehr ich auch die Kritik an Hitzlsbergers „spätem“ Coming Out verstehe, hat es doch mal wieder wenigstens eine Diskussion entfacht. Eine neue Gelegenheit, idiotische Beiträge und Kommentare richtigzustellen und für Aufklärung zu sorgen. Es ist ein langer Prozess, aber jede Kommunikation ist besser als gar keine, wie ich finde (und natürlich darf man da auch mal ein Gespräch beenden, wenn es niveaulos wird).

  3. Einen schönen Tag wünsche ich dir,ja an Toleranz fehlt es unserer Welt auf jeden Fall noch,es soll doch jeder Leben wie er möchte,und jeder soll vor seiner eigenen Tür kehren.Wünsche dir ein gutes und schönes Wochenende.Liebe Grüße Gislinde

  4. Gestrig vernahm ich im Radio einen Beitrag, in dem Nachwuchsfußballjungs, Knaben noch, zu dem Thema befragt wurden. Allesamt fanden es supitollprima mit dem Outing eines ihrer Vorbilder. Auf die Nachfrage, ob sie es denn auch so händeln würden, gab es großes Gejohle: Nie und nimmer! Da könnten sie ja die Karriere gleich knicken…
    Ich dachte, ich höre nicht richtig. Liebe Mayumi, Herzenskämpferin, ich stelle mich neben Dich. Wir werden nicht an den gleichen Fronten kämpfen, aber doch miteinander. Gut, daß es streitbare Nichthinnehmer wie Dich gibt.

    • Die sind dann heimlich schwul und offen homophob. Vor denen gruselt es mich richtig. Und mit 35 das Coming Out. Schau mer mal, ob und wo ich so einige Betonköpfe aufbrechen kann. Es wird mir eine Freude sein 😀

      • Richtig. DAS ist so was von armselig! Und zur Kritik am späten Coming Out werden die Antworten hier auch schon gegeben: Von einem Fussballer zu erwaten, dass er in seiner kurzen Karriere die Gesellschaft verbessert, statt alles der Karriere unterzuordnen, ist einfach verlogen, so lange wir alle so wenig Mumm in den Knochen haben, zu unseren eigenen Präferenzen zu stehen oder uns für jene anderer einzusetzen.
        Aber es gibt auch gute Folgen der Ignoranz: So habe ich vor vielen Jahren begonnen, die Aidshilfe zu unterstützen, weil ich in meiner Verwandtschaft selbstgefällig bigotte Kommentare von Gottes Strafe zu Ohren bekam. Das hat mir die Augen so was von geöffnet, und Du, Nandalya, kannst ganz sicher sein, dass ich der Frau Knobloch zur Hand gehe, wenn es darum geht, für Euch zu kämpfen.

  5. Ich habe ja das Gefühl, dass die Gesellschaft mit Lesben vor allem deswegen weniger Probleme hat als mit Schwulen, weil weibliche Sexualität einfach nicht ernst genommen wird 😦

    Die Herren, die sich da in ihrer Heterosexualität angegriffen fühlen, entlarven sich eigentlich selbst. Müsste nicht allein die Tatsache, dass um dieses Coming-Out so ein Bohei gemacht wird, beweisen, dass es eben leider doch immer noch schwierig ist, Homosexualität offen zuzugeben? Wenn das wirklich so völlig akzeptiert und normal wäre, wie es sein sollte, hätte doch einfach keine einzige Zeitung darüber geschrieben.

    Aber ach, die Medien sind wahrscheinlich auch alle Teil der bösen homosexuellen Verschwörung, die möchte, dass Heterosexuelle sich nicht mehr trauen dürfen, ihre Orientierung zuzugeben *augenroll* Weil Freiheit ein Nullsummenspiel ist. Weil einer sich immer für seine Sexualität schämen muss, und wenn die Schwulen das nicht mehr tun wollen, müssen sie wohl die Heteros dazu zwingen. Astreine Logik.

    Ich möchte nicht in Herrn Altenbockums enger, engstirniger Welt leben müssen 😦

  6. Der FAZ-Kommentar ist unterirdisch und es lohnt den Aufwand nicht, ihn auseinanderzunehmen, aber dennoch interessant. Interessant, weil das intellektuelle Niveau sehr bescheiden ist und der FAZ nicht gut ansteht. Dass er dennoch im Blatt steht, hat m.E. damit zu tun, dass man heute offiziell – also in einer medialen Debatte – nicht mehr sagen darf, dass Schwule pervers oder krank sind. Das ging in den 50er und 60er Jahren noch, heute nicht mehr. Das ist natürlich ein zivilisatorischer Fortschritt, aber Homophobie ist deshalb nicht passé. Und solche Leute machen es heute über den üblichen rechten Umweg: Eine de facto unterprivilegierte Gruppe wird als überprivilegiert dargestellt, als übermächtig, derer wir uns erwehren müssen. Das läuft analog mit den Moslems oder mit „Linken“ generell. Am deutlichsten war diese Strategie unter Hitler, der die Juden als übermächtig darstellte, gegen die wir uns halt wehren müssen, sonst machen sie uns fertig.

    Nichts anderes macht Altenbockum strutkurell. Interessant ist eben, dass solche Leute jegliche intellektuelle Integrität sausen lassen. Ihr Hass auf Schwule muss enorm sein.

    • Ich lese Hass, Angst, Unverständnis aus Altenbockums Worten. Da ist etwas, was nicht sein kann und darf, das nicht der Norm entspricht.

      Was mich traurig macht: In den (meisten?) Verlagen scheinen Homophobe zu sitzen, vor allem in der Chefredaktion. Das trifft mein Berufsbild, will ich doch unbedingt in diese Branche. Aber wie kann ich das noch, wenn solche Dinge passieren?

      Ich MUSSTE einfach etwas zu dem Kommentar sagen, nachdem ich darauf aufmerksam geworden bin. Wie kann ich schweigen, wenn Mann sich über mich erhebt.

      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!

  7. In der Sportlernszene wimmelt es von Homosexuellen und da wird sich kaum ein Mann trauen während der Karriere zu outen, weil er es eben schwer haben würde. Männer haben damit mehr Probleme als Frauen, aber eben wenn es um einen Mann geht. Das wurde hier in den Kommentaren aber bereits geschrieben, es ist auch meine Meinung.
    Ich habe eben auch einen Beitrag im TV über die Petition (knapp 90.000 Stimmen) gegen Aufklärung der Kinder über Homosexualität im Unterricht in Baden-Württemberg gesehen. Die Begründungen sind echt erschreckend und das in heutiger Zeit. 😕

    • Ich weiß von der Petition, sie liegt mir echt schwer im Magen. Wobei ich glaube, dass nicht alle Eltern wirklich verstanden haben, worum es da wirklich geht. Aber der Initiator weiß es. Und der bekommt sein Fett auch noch weg. Nur heute nicht mehr.

  8. Deinen Artikel habe ich eben mit grossem Interesse gelesen, und ich verstehe Deine Reaktion sehr gut, und auch die Ambivalenz, mit der sich Dein Zorn und Frust über die Tage und durch den Artikel wandelt. Alles gut, bis zu dieser Stelle:

    „Mann träumt ja gern vom “Dreier”, auch wenn er kaum die eigene Frau befriedigen kann. Lust reduziert auf 10 – 15 Zentimeter ist es eben nicht“

    Verzeihung, aber wenn Du die Klischees der Heteros beklagst, dann darfst Du nicht selbst solche bemühen. Diese Aussage ist genau so sexistisch und unsensibel wie besagter Untertitel im Zeitungsartikel, der ja gar nicht wahr sein darf.

    • Warum darf ich meine Meinung nicht sagen? Wer will sie mir verbieten? Die 10 – 15 Zentimeter? Im Leben nicht! 😀 Und lieber bemühe ich ein Klischee, als vor Mann zu schweigen.

      • Ganz einfach, Nandalya, weil auf Dein pauschales Statement, dass Mann die Frau eh nicht befriedigen kann, des Mannes Spruch passt, dass Lesben einfach noch nie richtig gefickt worden sind. Tut mir leid, aber ich spreche solche Dinge deswegen gerne gleich an und bin so sensibilisiert, weil wir damit den Primitiven erlauben, in ihren Schützengräben liegen zu bleiben und mit Dreck zu werfen. Das hast du nicht nötig. Führe die feine Klinge weiter, und Du wirst immer Menschen jenseits Deiner Orientierung finden, die sich aktiv zu Dir bekennen und Deine Bemühungen mit tragen.

      • Weißt du, ich bin seit ich Teenager bin out of the Closet. Mit Mann konnte und wollte ich nie. Sie waren meine Gegner und sind es in Teilen immer noch. Auch, wenn ich mittlerweile Frieden geschlossen habe.

        Ich nehme kein Blatt vor den Mund. Aber auf Schlammschlachten lasse ich mich nicht ein. Da lenke ich, wie im Aikido, die Kraft einfach um. Das funktioniert gut. Aber Mann legt sich selten mit mir an, das bekommt ihm nicht.

        Danke für deinen lieb gemeinten Hinweis, aber ich werde den Artikel so lassen, wie er ist. Vielleicht werde ich aber in Zukunft wieder mehr Kendo üben. Die hohe Kunst des Schwertkampfes richtig zu beherrschen, ist selbst für mich oft schwer. Aber da wird mein Papa bald wieder ein gewichtiges Wort mitzureden haben. 😉

      • Seit dem ersten Text, den ich von Dir im Netz gelesen habe, kenne ich eine wache Neugier für alles, was Dich umtreibt und beschäftigt und was Du zu sagen hast. Und ich respektiere diese Kampfeshaltung gegenüber dem menschlichen Geschlecht. Es setzt mir aber auch Grenzen – viel weiter vorn, als es vielleicht nötig wäre. Übe den Schwerterkampf ruhig. Jede Form der Selbstbehauptung will am Ende nichts anderes als die Verteidigung der eigenen Seele und den Respekt für sein Menschsein. Kämpfe, finde Deine Regeln, welche Dir Klarheit, Stand und Durchschlagskraft bescheren, aber kämpfe nicht gegen ein Geschlecht, sondern für die Vielfalt. Ich wünsche Dir eine gute Nacht – und es ist schön, gibt es Dich hier und anderswo. Du hast mir viel zu sagen.

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