Die wahre Schönheit

Wahre Schönheit kommt von innen heißt es. Wissenschaftliche Untersuchungen haben dieses Klischee bestätigt. Die Bewertung von Fotos fiel bei den Probanden anders aus, wenn sie die betreffenden Personen kannten. Das (gute) Aussehen spielte dann eine weniger große eine Rolle. Als typisch japanische Schönheit, habe ich all diese Probleme nicht. Vor allem nicht mit meinem (guten) Namen. Aber dazu später mehr.

Wie nehmen wir anderen Menschen eigentlich wahr? Was gilt als schön und was nicht? Als Frau, die selbst nur Frauen liebt, sehe ich viele Dinge anders. Und auch wieder nicht. Aber immerhin muss ich keinem Mann gefallen. Viele Frauen glauben, dass es eine Pflicht zur Schönheit gibt. Mit allerlei Cremes und Gels wird der Körper malträtiert. Auch diverse Färbemittel dürfen nicht fehlen. Wollte die Frau von Welt nicht immer schon ein süßes Blondchen sein? Nagellack und Mascara sind der Alltag. Das lebenswichtige Lipgloss nicht zu vergessen. Hüftspeckig zwängt sich die so verschönte Dame dann gern in viel zu enge Jeans, die ihr nicht nur während der Regel arge Probleme bereiten. Und das Prinzessinnen Füßchen muss natürlich in genau jenen schmalen Schuh, auf dem sie dann stöckelnd zu ihrem Prinzen eilt. Und meist doch fällt. Herein. Aber lassen wir das.

Ich kenne fast keine Frau, die sich dem Schön- und Schlankheitswahn entziehen kann. Selbst bei Lesben ist das oft der Fall. Abgesehen von einigen eher fragwürdigen Frauen, die das Wort Deo, oder Achselhaarrasur vermutlich nur vom Hörensagen kennen. Die finden sich vielleicht dufte, ich ihren Duft dagegen nicht. Dank asiatischer Gene bin ich zwar keine Miss World, aber ich sehe deutlich jünger aus. Selbst mit meinen stolzen 30 Jahren habe ich noch keine Falten. Das wird dank dickerer Oberhaut auch noch eine ganze Weile so bleiben. Forschungen haben ergeben, dass Asiatinnen bis zum 50. Lebensjahr um mindestens 10 Jahe jünger aussehen und auch kaum Falten haben. Angeblich kehrt sich dann das Bild um und wir altern schneller. Meine Mutter beweist das Gegenteil. Klar hat sie einige Falten, ein Runzelgesicht noch lange nicht.

Auch mir fiel es schwer, mich dem Schönheitswahn zu entziehen. Dank modernster Lasertechnik, habe ich schon lange keine Achselhaare mehr. Die waren zum Glück eher spärlich vorhanden. Auf diese Weise spare ich mir aber eine hautreizende (Nass)Rasur. Und nein, ich bin kein bisschen eitel. Vor allem bei (überflüssiger) Körperbehaarung ergreift der Wahn schnell Besitz von Frau. Da wird gezupft und epiliert, getrimmt und kahl geschoren. Aus den Badezimmern dieser Welt erklingen täglich die Schreie von Frauen. Weniger lustbedingt, als schmerzgeplagt. Wer schön sein will, muss leiden. Frei nach dem Motto: Rasierst du noch, oder wachst du schon?

Aber was hat das alles nun mit meinem (guten) Namen zu tun? Immer wieder fragen mich Menschen, was Mayumi genau bedeutet. In der Regel antworte ich darauf, dass man ihn mit „wahrer Bogen“ übersetzen kann. Kann, ja. Aber nicht muss. Japanisch ist als Sprache etwas verrückt, immerhin haben wir mehrere Alphabete. Und  die werden zum Teil auch fleißig gemischt, was Lernende oft zur Verzweiflung bringt. Und zu allem Überfluss kann Mayumi in Kanji Zeichen auch auf verschiedene Art geschrieben werden. Wie eigentlich alle Namen. Und jedes Mal bedeuten die etwas anderes. Die für eine Frau richtige Übersetzung meines Namens lautet „Wahre (sanfte) Schönheit.“ Aber wozu soll das gut sein? Ich brauche keine Komplimente. Den japanischen Namen Mami kann man übrigens auch mit „Wahre Schönheit“ übersetzen. Kann. Ich sage doch, Japanisch ist verrückt.

Süß und sanft wollte ich schon als Kind nie sein. Lieber wild und ungestüm. Gemocht aber schon. Also habe ich mich für den Bogen entschieden und für meinen Namen andere Kanji-Zeichen benutzt. Bekanntlich kämpfe ich gern. In Wort und Tat. Und ich sehe mich als eine Art Kriegerin. Wem das nun spanisch, oder besser chinesich vorkommt, dem muss ich widersprechen. In Japan benutzt man zum Teil andere Kanji-Zeichen. Ganz verloren wäre ich in China aber nicht. Nur bei der Sprache. Die richtigen Zeichen meines Namens lauten 真優美. Und so, haben mich meine Eltern auch genannt. Meine Leser bitte nicht. Sonst fange ich an mit Worten zu schießen. Oder verstecke mich im マユミ (まゆみ). Und das ist ein japanischer Strauch. Die Zeichen stehen aber auch für Mayumi. Alles klar?

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12 Kommentare zu “Die wahre Schönheit

  1. Ich finde, dass Schönheit weniger mit rasierter Haut, Nagellack oder Haargel zu tun hat, als vielmehr mit der Ausstrahlung eines Menschen – zumindest, wenn es um Äußerliches geht. Manche Menschen passen nicht in das übliche Schönheitsideal, ziehen mich aber in ihren Bann, weil sie eine wahnsinnig interessante Ausstrahlung haben.
    Im Grunde bin ich aber auch eine Verfechterin davon, dass Schönheit von innen kommt. Und diese innere Schönheit kann sich in Form der Ausstrahlung nach außen kehren (zumindest in Hinblick auf Dinge wie Selbstzufriedenheit, Lebensfreude etc.). Wobei der Charakter das Schönheitsempfinden natürlich auch beeinflusst. Je charakterschöner wir eine Person finden, desto intensiver ist unser subjektives Befinden für ihre Schönheit, würde ich behaupten.

    • Ich kann dir versichern, dass ich super aufgestylte Mädels als nicht sonderlich schön empfinde. Betäubender Chanel Nr. XXX Duft raubt mir höchstens die Luft, aber nicht die Sinne.

      Kennst du Ellen DeGeneres? Die Frau ist schön! Und das liegt vor allem an ihrem Charakter, ihrer umwerfenden Persönlichkeit.

  2. Nicht nur Frauen können sich dem Schönheitswahn nicht mehr entziehen… Mittlerweile sind ja auch Männer stundenlang mit sich selbst beschäftigt. Ich weiß, das kratzt dich wenig – mich auch. Meiner ist zum Glück vollkommen uneitel. Ein gutes Gegengewicht zu mir.

    Mein Name heißt übrigens „die Gekrönte“. Und da brauche ich keine andere Übersetzung 😉

  3. Gepflegt sollte man schon sein, aber ich bin ganz froh, dass ich nur noch selten das Bedürfnis habe, schön zu sein. Fürs Aufbrezeln fehlt mir die Lust, und wie ein durchgephotoshopptes Model werde ich sowieso nie aussehen. Manche sagen vielleicht, dass ich aufgegeben habe 😛 Mein Schatz sagt, dass ich das nicht nötig habe. Wessen Meinung mir wohl wichtiger ist…? 😉

    Übrigens habe ich an mir selbst auch schon beobachtet, dass ich andere umso schöner finde, je besser ich sie kennenlerne. Auf den ersten Blick sieht man eben nur das Außen, aber mit der Zeit wird das Innen immer wichtiger.

  4. Da ist es wieder: Bluff! Die Fälschung der Welt. | Menschen mit wahrer Schönheit nehme ich eher wahr als solche, die die Ware Schönheit überproportional zur Hilfe nehmen. Wenn strahlende Blicke sich treffen, wie bedeutungslos ist dann aller künstlicher Glitter und Glammer.

    • Danke dir fürs lesen. Die älteren Sachen waren alle recht flapsig verfasst. Erst im Herbst habe ich die Schreibzügel angezogen und etwas anders geschrieben.

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