Die Gier nach Leid und Sensationen

Wie armselig die Presse wirklich ist zeigt sich in diesen Tagen. Sensationslüstern wird der Orkan Xaver ausgeschlachtet. Journalisten sind im Dauereinsatz, um live vom Ort des Geschehens zu berichten. Vor allem aber deshalb, um die Gier nach Sensationen noch armseligerer Menschen zu befriedigen. Offenbar reicht denen ihr erbärmliches, kleines Leben nicht mehr aus. Nun müssen sie sich noch am Leid anderer ergötzen. Dieser Sensationsjournalismus, diese Gier nach Leid, wird täglich mehr. Wer darauf achtet was die Medien der Masse präsentieren, wird erstaunt sein. Meist sind es negative Schlagzeilen. Muss das wirklich sein?

Vor einigen Jahren wollte ich Journalistin werden. Das war lange bevor ich BWL studierte. Zum Glück habe ich mich anders entschieden. Ich kann mit dieser verlogenen, manipulierenden Bande von Schmuddelschreibern einfach nicht. Dann ändere etwas, höre ich die Leute sagen. Das kann ich leider nicht. Sex and Violence sells! Das habe ich schon lange begriffen. Statt über die schönen Dinge des Lebens zu schreiben, geht es lieber zum nächsten Sturm, dem nächsten, tödlichen Verkehrsunfall, oder dem verlorenen Baby einer Prominenten.

Leid, Trauer, Tod! Jeden Tag werden wir damit berieselt. Selbst in den Blogs ist ständig davon zu lesen. Fast möchte man meinen, die ganze Welt sei ein Meer aus Tränen. Geht es den Menschen wirklich nicht mehr gut? Müssen sie jeden Tag im Tränensee ertrinken? Mir wird das langsam zuviel. Ich schreibe meine eigenen Geschichten. Und dort gibt es keine Tränen. Wenn überhaupt weinen meine Helden vor Freude. Die Gier nach Sensationen ist mir unverständlich. Gaffer, die auf der Autobahn anhalten, um möglichst viel von dem Verkehrsunfall zu sehen, sollten einen Strafzettel bekommen.

Die Menschen genießen ihr kleines Leben, aus dem sicheren und warmen Wohnzimmer heraus. Die Glotze zeigt, was Sache ist. Das Leid der Anderen ist immer weit weg. Nie vor der eigenen Tür. Diesen Menschen wünsche ich, dass sie niemals in eine solche Lage kommen. Um dann von anderen Gaffern gierig begafft zu werden. Ich habe fertig!

16 Kommentare zu “Die Gier nach Leid und Sensationen

  1. Schon alles wahr. Allerdings lesen wir den Schwachsinn. Wir schauen Trash TV. Schau Dir doch an wie wenige Leute arte oder ZDF Kultur schauen im Vergleich zu RTL II. Die 500. Titelseite mit den van der Vaarts wird mehr Leser finden, als über ein wirklich wichtiges Thema. Jeder muss sich an die eigene Nase fassen.

    Nimm die Globalisierung. Finden alle doof, aber das billige Elektronikprodukt aus Asien oder die Rosen aus Kenia, etc. nehmen die Konsumenten gerne in Anspruch.

    Wir sind letztlich alle Armani Linke, wenn wir unser Verhalten nicht nachhaltig ändern. Wir müssen Taten sprechen lassen. Die meisten, inkl. mir, sind zu bequem dafür. Das ist traurig aber wahr.

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    • Ich habe mich so aufgeregt, weil die Glotze, sämtliche Medien, NUR noch von diesem Sturm berichten. Klar ist der schlimm! Klar tun mir die Menschen Leid, bzw. haben mein Mitgefühl. Und dann die Krönung gestern Abend: Eine Freundin, mit der wir nach dem Training verabredet waren entschuldigt sich mit den Worten: Ich habe leider doch keine Zeit, ich muss mir die Bilder vom Sturm anschauen … Ohne Worte … Und dann vorhin neben dem Sturm wirklich das verlorene Baby von van der Vaart. Das war zuviel!

      Kauft und seid lieb, heißt es in der Textzeile eines Liedes. Das bin ich heute nicht mehr.

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  2. Da hilft manchmal tatsächlich nur, die Medien auszuschalten bzw. zu umgehen und sich zum Beispiel Büchern zu widmen. Klar ist es idiotisch, sich Bilder vom Sturm anzuschauen, aber ich bin dankbar, dass wir davon nicht (mehr) komplett überrascht werden. Die Berichterstattung im Vorfeld ist wichtig. Was die Leute danach machen, ist nur noch Sensationslust. Ich stelle einfach fest, dass Themen nicht mehr in der Tiefe behandelt werden, sondern sehr oberflächlich. Auch politische Diskussionen lassen sich häppchenweise besser verkaufen. Vielleicht ist das aber auch nur mein persönlicher Eindruck und in Wirklichkeit war es schon immer so.

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      • Ja, danke! Hier in Hamburg war es zum Glück letztlich nicht so schlimm, außer dass die Stadtteile um den Hafen herum unter Wasser standen. Und auch da waren die Leute rechtzeitig vorgewarnt.
        Fernsehen ertrage ich auch nur ganz gezielt.

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  3. Die Leid- und Sensations-Berichterstattung über Xaver fing ja schon am Vortag an: mit Leid- und Sensationsbildern vom letzten Orkan. | Du wärest besser Journalistin geworden (es ist ja noch nicht zu spät). Pre$$e haben wir genug. Freie Geister braucht die Presse!

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    • Die Entscheidung, was ich mache, ist noch nicht ganz gefallen. 3 Jahre als BWLerin waren es zumindest nicht. Mein Ziel ist eine Arbeit im Verlag, gern auch im Pressebereich. Dann aber nur dort, wo ich wirklich freigeistig sein kann. Ich mag einfach nicht über gesponsorte Themen schreiben.

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  4. Die Gier nach Sensation finde ich auch schrecklich. Wir haben übrigens von der Mutter meiner Frau erfahren, dass da ein Unwetter namens Xaver kommen soll 😉 Und den Fernseher (bzw. die „Nachrichten“) haben wir bewusst aus gelassen.

    Ganz schlimm fand ich die Berichterstattung, als 2011 das Erdbeben und der Tsunami in Japan waren. Das war nicht nur sensationslustig sondern schlicht und ergreifend falsche, fehlerbehaftete und komplett unvollständige Berichterstattung. Selbst die ach-so-tollen öffentlich-rechtlichen Sender haben sich daran freudig beteiligt und den Menschen hier in Deutschland (am anderen Ende der Erdkugel!) Angst gemacht, ihnen könnte aufgrund der Strahlung was passieren. Und gierig wurden Japaner gesucht, die alles verloren hatten und immer wieder mit Interviews belästigt… Nein, so sollte das wirklich nicht sein.

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    • Ich habe eine andere Sicht der damaligen Dinge. Auch über die japanische Seite und spärlichen Infos, den (falschen) Stolz Japans, wenn es um Hilfe geht.

      Das Thema Wetter ist nun hoffentlich vorbei und wir können uns wieder spannenderen Dingen widmen 🙂 Und ich muss nicht mehr vor mich hin wettern *lacht*

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      • Ja, dass die Japaner alles richtig gemacht haben, das hab ich auch nie behauptet 😉

        Und die spärlichen Infos haben wahrscheinlich zu den ganzen Spekulationen in den ausländischen Medien geführt. Trotzdem fand ich es ziemlich übertrieben, sich hier in Deutschland Gedanken über eventuelle, mögliche Strahlung hier vor Ort zu machen, während es in Japan wirklich ein Problem war. Aber hauptsache, man verbreitet Panik und Schrecken in der (deutschen) Bevölkerung.

        Yeah, spannende Themen! Ich warte 😉

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