Die Sprache der Frauen

Mein Blogfreund Bao hat mich in seinem Beitrag –  KLICK – auf die Idee zum heutigen Artikel gebracht. „Weißt du eigentlich, was du da sagst?“, war seine Überschrift. Die möchte ich aufgreifen und ihm an dieser Stelle antworten. Und gleichzeitig einiges über die Sprache der Frauen erzählen. Und über die von Mann. Denn Männer und Frauen haben andere Sprachmuster. Das ist ein Hauptproblem. Problematisch für mich ist das eher nicht, denn ich denke anders und habe nicht nur BWL studiert.

Nun bin ich keine typische Frau und spreche eher direkt. Daher weiß ich immer, was ich sage. Viele Frauen sprechen aber eher indirekt. Ihre Botschaft kommt bei Mann nicht an. Warum? Nun Männer vermitteln Informationen. Kurz, knapp, präzise. Punkt. Sie sind gewohnt sich durchzusetzen und Hierarchien zu klären. Ein Mann, ein Wort sozusagen.

Frauen versuchen einen emotionalen Bezug zum Gesprächspartner herzustellen. Und das in einer möglichst harmonischen Gesprächsatmosphäre. Also zeigen sie Anteilnahme, erzählen von eigenen Erlebnissen. Die Information kommt trotzdem ans Ziel, nur Mann versteht sie wegen der vielen Worte nicht: Er hört irgendwann nicht mehr zu. Frauen benutzen Sprache auch, um Stress abzubauen, auf andere Gedanken zu kommen, Probleme zu lösen und … eine Aussage zu machen. Sie brauchen dafür meist nur mehr Worte.

Männer haben laut einer Studie Probleme damit, der Stimme einer Frau über längere Zeit zu folgen. Die hohe Stimmlage sei für Mann unangenehm heißt es. Auch das ist angeblich ein Grund für die Kommunikationsprobleme von Männern und Frauen sein. Die amerikanische Soziolinguistin und Bestseller-Autorin.Deborah Tannen hat es so beschrieben:

Männer und Frauen als Angehörige verschiedener Kulturen zu begreifen eröffnet die Möglichkeit, eine Erklärung für zu Recht bestehende Unzufriedenheiten zu finden, ohne der einen oder anderen Seite vorzuwerfen, dass sie sich falsch oder unverständlich verhält.

Frauen achten auf versteckte Kommunikation. Sie hinterfragen Sätze. Sie machen das oft auf eine spezielle Weise, mit der Mann ganz offensichtlich wenig anfangen kann. Wenn Mann als Beifahrer im Auto sagt „Die Ampel ist grün“, fühlt Frau sich als Fahrerin herabgesetzt. Er gibt ihr eine (für sie unnötige) Information. Sie hat die grüne Ampel gesehen, aber sie hielt doch eben noch verliebt seine Hand. Wie kann sie da schalten?

Ich habe zwei klassiche Missverständnisse bei der Kommunikation zwischen Frau und Mann als Beispiel ausgesucht.

Szene 1:
Ich besuche eine (hetero) Freundin. Wir reden. Ihr Handy klingelt. Es ist ihr Freund. 5 Minuten später taucht er hinkend und mit krummem Rücken auf.
„Bandscheibe“, murmelt er auf ihre besorgte Nachfrage.
Sie versucht ihn zu trösten. „Hast du wieder Gewichte gestemmt?“, will sie noch wissen. „Vielleicht solltest du eine Weile damit aufhören.“
In seinem Gesicht arbeitet es.
„Willst du mir jetzt auch noch den Sport verbieten?“, faucht er schließlich los.
Sie ist erschrocken, das hat sie weder gesagt noch so gemeint.
Die Wogen glätten sich wieder und prompt kommt Missverständnis Nummer 2.
Er verzieht das Gesicht und sagt „Das ist echt nicht lustig.“
Meine Freundin wird bleich.
„Ich …ich mache mich doch nicht über dich lustig“, stammelt sie.
Szene 1 Ende

Klassisch, oder? Genau so passiert. Aber was ist da passiert? Sie haben sich nicht verstanden. Mann hat (s)eine Information vermittelt. Frau unter dem Aspekt von Bindung und Nähe ihre Anteilnahme gezeigt. Sie will nicht wirklich, dass er mit dem Sport aufhört. Sie ist besorgt um ihn, um die Beziehung. Sein Satz „Das ist echt nicht lustig“, ist typisch Mann. Er meint das nicht böse, er hat das mehr so nebenbei gesagt. Seine Partnerin spielt dabei keine Rolle.

Szene 2 – Gleiches Paar. Ich kenne die Szene selbst aber nur aus Erzählung und Sicht von Frau -:
Er hat frei, verbringt den Tag zu Hause am PC. Das Essen kocht er selbst.
Sie kommt Abends nach der Arbeit nach Hause. Sie ist müde, hatte einen langen Tag.
In der Küche stapelt sich schmutziges Geschirr, der Mülleimer quillt über.
Sie ist enttäuscht, aber sie mag keinen Streit. Also wählt sie den aus ihrer Sicht harmonischen Weg.
Sie: „Schatz, wenn du nachher vielleicht den Müll rausbringen könntest?“
Er: „Warum? Ich nehme den morgen auf dem Weg zur Arbeit mit.“
Sie: „Aber der Mülleimer ist voll und der Deckel geht nicht zu.“
Er: „Halb so wild, ich drücke den nachher richtig zu.“
Sie leicht genervt: „Das Geschirr hättest du aber wenigstens in die Spülmaschine stellen können.“
Er: „Das ging nicht, da ist noch der Kram von gestern drin.“
Szene 2 Ende

Klassisch, oder? Wo lag der Fehler? Primär zwar bei Mann, er hätte nun wirklich die Spülmaschine ausräumen und den Mülleimer leeren können. Aber auch bei Frau. Ihre indirekte Aufforderunng wird von Mann nicht als solche erkannt. Ihn stört der volle Mülleimer nicht. Eine eher auf Ordnung und Sauberkeit (Harmonie) bedachte Frau dagegen schon. Mit etwas Übung kann aber auch Frau ihren Helden zum Kampf mit dem Objekt bewegen. Männer brauchen Infornationen. Eine dirkte Ansprache. Kurz, knapp, präzise.

Ich stelle nun den Satz in zwei Varianten zur Wahl.

1. – „Peter, bring bitte den Mülleimer jetzt nach unten. Er ist voll und es riecht.“

2. – Schatz, ich koche uns ein leckeres Abendessen. Dein Leibgericht. Bringst du bitte noch schnell den Müll raus? Ich brauche Platz im Mülleimer.“

Beide Varianten erfüllen den Zweck. Variante 1 vermittelt die für Mann nötige Information. Variante 2 stellt sogar noch eine Belohnung in Aussicht. Ich mag nun nicht schon wieder auf den Vorteilen von lesbischen Partnerschaften reiten. Aber bei Yuki und mir gibt es die oben beschriebenen Szenen nicht. Wir sprechen die gleiche Sprache und haben weder Mann noch Müll im Haus.

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28 Kommentare zu “Die Sprache der Frauen

  1. zu Szene 1: wenn man Schmerzen hat bzw. krank ist, ist jeder leicht reizbar. Eine Belehrung (Vielleicht solltest du!) bzw. ein Vorwurf (Hast du wieder?) kann so schnell zu einer entsprechenden gereizten Reaktion führen.

    • Bin ganz und gar nicht maennerfeindlich, und ich weiß, wie du es meinst, aber deine Ausrucksweise ist schon gewaltig direkt deinerseits – das kommt wohl von dem weiten Bogen! *Knutsch* Momomuchachita

      • Das sind Thesen, die nicht ich aufgestellt habe. Eigentlich Fakten. Und warum soll ich nun in einem Artikel indirekt schreiben? Haben wir hier etwa ein klassiches Beispiel missverstandener nonverbaler Kommunikation? 😀

  2. Nun weiß ich warum dir das als Kommentar zu lang war 🙂
    Vielen Dank.

    Binmal mal gespannt was dir zu meinen weiteren Artikeln zum Thema Kommunikation noch so einfallt. Die erscheinen in den kommenden Veröffentlichungen.

  3. „Nun Männer vermitteln Informationen. Kurz, knapp, präzise.“
    Wenn´s nur so wäre^^. Ich war allein diese Woche auf zwei Veranstaltungen, auf denen alte Männer mir Krawatte redeten und redeten, ohne wirklich was zu sagen. Ob das jetzt auch ein Hierarchie-Ding ist („Schaut her, ich kann so lange reden, wie ich will, will mich etwa jemand herausfordern?“) oder ob das einfach redselige Typen waren, sei mal dahingestellt. Wenn ersteres zutrifft, dann war es ja eher auch eine versteckte Kommunikation („Ich Boss, du musst zuhören.“, sozusagen), denke ich. Oder was meinst du?

    • Ich habe bewusst Stereotypen gewählt. Aber aus Studien und einer Uni-Arbeit. Es mag auch bei Männern Quasselstrippen geben. Aber es geht doch um die Aussage an sich: Mann tauscht im Normalfall eine Information aus. Nehmen wir Fußballergebnisse, oder das Resultat der Schwimmweltmeisterschaften. Frau erwiesenermaßen wird zwar auch am Ergebnis interessiert sein, aber sie wird das im Normalfall in eine Kommuniktaion einbetten. Sie bemerkt die neuen Trikots, die neuen Badeanzüge, erzählt vielleicht noch über die neue Freundin von Spieler xyz. Und schon passt es wieder.

  4. Mit Vergnügen gelesen. Es gibt solche und solche unter Männern und Frauen. Ich bin eher direkt, mein Partner eher vorsichtig in seinen Äußerungen und oft sehr einfühlsam :-).

    • Das Buch von Deborah Tannen „Du kannst mich einfach nicht verstehen“ beschreibt natürlich bewusst Stereotypen. Sie dienen zur Verdeutlichung. Die gute Professorin ist nicht unumstritten. Aber ihre Aussagen passen trotzdem zum größten Teil 😉

  5. Hat dies auf Red Skies over Paradise rebloggt und kommentierte:
    „Psychologie: Frauen und Männer verstehen sich im Beruf oft nicht | Babylon im Büro: Frauen und Männer kommunizieren anders. Im Berufsalltag führt dies oft zu Konflikten. Die Sprache des jeweils anderen kann man aber lernen.“

    20.02.2012 | von Berit Waschatz

    alles lesen => http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article13877497/Frauen-und-Maenner-verstehen-sich-im-Beruf-oft-nicht.html

  6. Ich habe den Artikel gestern auf der Fahrt nach Köln gelesen, sogar auch laut für meinen Mann vorgelesen. Wir diskutierten ein wenig darüber. Es stimmt grob schon, dass Frauen und Männer durch die unterschiedlichen Sprachmuster sich oft nicht richtig verstehen oder einfach aneinander vorbei reden. Ich erlebe jedoch auch Männer, die indirekt Dinge mitteilen, wie man es sonst den Frauen vorwirft – deshalb kann man es nicht so verallgemeinern. Wenn man ewig zusammen ist, dann lernt man sowieso die Sprache des anderen – meistens zumindest, aber Missverständnisse kommen trotzdem schon mal auf. Auch nach 14 Jahren, trotzdem kann man es schnell aufklären. 😀

    • Ich konnte in dem Artikel natürlich nicht explizit auf alles eingehen und habe bewusst Stereotypen gewählt. Über die Sprachmuster gibt es Bücher und Studien, die das Ganze noch weiter aufschlüsseln. Mir ging es darum einen groben Überblick zu geben. Da kamen mir die Beispiele meiner Freundin natürlich Recht 😉

  7. Sag ich es doch, du bist prädestiniert für eine Führungslaufbahn. Wenn du männliche Kommunikation kannst, dann hast du sie und bist dabei und gehörst dazu. Jetzt musst du nur noch differenzieren, zwischen dem männlichen Macher, der ein klares Go Ahead braucht und dem männlichen Analytiker, dem du ein Excelsheet präsentieren musst.

  8. Also ich stimme da zu: Mann braucht die Informationen direkt, nicht durch die Blume. Mich persönlich stört es, wenn es durch die Blume kommt und hinterläßt quasi den Eindruck des Herumgeieres.

    Allerdings: ist der Mülleimer voll, bringe ich ihn auch ohne Aufforderung raus. Stört mich nämlich selber. Wobei ich da nicht unbedingt denke, es ist ein Männer-Problem, sondern eher das des Anspruchs, den man hat (du umschreibst das ja mit Frau die auf Harmonie und Sauberkeit achtet – machen Männer auch, nur so nebenbei). Und in einer Beziehung – egal, ob nun homo oder hetero – ist es dann die Frage des _gemeinsamen_ Levels, auf das man sich einläßt/einigt. Und das mag bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ähnlicher sein.

    Und natürlich wäre ich als Mann froh, wenn mich Frau – vielleicht dann nicht an dem Abend, aber halt bei einem gemeinsamen Gespräch – mal auf genau solch eine Situation anspricht und mir erzählt, was/wie sie dabei/darüber denkt. Ich als Mann würde das ihr gegenüber auch gerne machen – und letzlich kann man sich ja dann (neu) auf ein gemeinsames Level einigen, wenn die Ansichten zu weit auseinanderdriften. Wobei dem jeweiligen anderen Partner die Gedanken des Anderen natürlich nicht bekannt sind. Schließlich hat man ja kein Leuchtband auf der STirn 😉

    • Ich kann beide „Sprachen“ sprechen, kein Problem. Und auch verstehen. Aber Frauen sind nun mal mehr auf Harmonie bedacht und sprechen daher Dinge oft nicht gezielt an. Elfchen und ich haben uns da arrangiert. Wir kennen uns schon so lange, da brauchen wir wenig Diskussionen über bestimmte Dinge.

      Ich denke dass Frauen und Männer einfach zu verschieden denken und empfinden, um zu 100 % auf einen Level zu kommen. Die Kunst liegt dann im aufeinander zugehen und nicht auf dem sturen beharren der eigenen Meinung. Wenn Mann seiner Frau z. B. erklärt, warum er sofort nach dem nach Hause kommen nicht wissen möchte, wieso Frau Schnippschnappschnabel neue Möbel gekauft hat … 😀 Ebenso sollte Frau ehrlich zu ihrem Partner sein, wenn sie keinen Sex haben möchte. Weil sie vielleicht ihre Tage hat, oder Krämpfe, angespannt ist wegen den Kindern und und und. Die „Kopfweh-Ausrede“ kennen aber auch Lesben. Nur glauben wir sie im Gegensatz zu Mann meist nicht 😉

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