Lass die Leute reden!

Die Band Rosenstolz kenne ich schon seit vielen Jahren. Die Musik hat mich immer tief bewegt. Ein Song den ich besonders mag heißt „Lass sie reden.“ Als Lesbe bin ich es gewohnt, dass die Leute über mich reden. Ich bin ja anders! Aber bin ich das wirklich? Was macht mich so seltsam, so anders? Dass ich nicht in die Moralvorstellungen von Heten passe? Dass ich noch nie einen Mann geküsst habe? Auf die entsprechende Frage von Mann gibt es eine (lesbische) Standardantwort, die immer wieder für Heiterkeit sorgt: „Nein, hast du schon?“

Mir ist bewusst, dass mich nicht alle Menschen mögen. Einige haben vermutlich Angst vor mir. Nicht vor meiner „Kraft“, aber vor meiner (inneren) Stärke. Mir ist bewusst, dass ich als Lesbe noch immer nicht völlig akzeptiert bin. Aber ich möchte kein Mitglied einer homophoben Gesellschaft sein. „Jeder hat es ja gewußt jeder hat es ja geahnt, dass mit dir etwas nicht stimmt“, heißt es in dem Lied. Aber ist es nicht eben jene Gesellschaft, die etwas seltsam ist?

Ich war immer schon unbequem. Ein Querkopf. Ein (kleiner) Freigeist. Kämpferisch, emotional, mutig, selbstbewusst, frech und nicht ganz dumm. Mein zugegeben großes Ego hat mir schon oft Ärger eingebracht. Aber ich kann weder tatenlos zuschauen, wie ein alter Mann verprügelt wird, noch im stillen Kämmerlein sitzen, wenn eine Schwester seelischen Beistand braucht. Von sich selbst überzeugt zu sein ist vermutlich nicht der größte Fehler. Überzeugend sein zu wollen vermutlich schon.

Mir ist bewusst, dass ich oft belehrend auf andere Menschen wirke. „Oberlehrerhaft“, wie es eine Freundin bezeichnete. Na und? Lass die Leute reden! Ich mag niemanden belehren. Niemand muss mir auf meinem Weg folgen. Was ich zu sagen habe sage ich. Ohne Rücksicht. „Ich bin wie ich bin und das ist alles was ich bin“, lautet ein Zitat. Mehr wollte ich nie sein. Aber ich glaube, das ist schon eine ganze Menge mehr, als andere Menschen jemals sein werden.

„I have a dream …“, hat Martin Luther King einst gesagt. Er hat diesen Traum nicht mehr erlebt. Auch ich habe einen Traum. Und dieser Traum hat eine Farbe. Sie ist bunt, wie der Regenbogen. Und jeden Tag spannt sich dieser Regenbogen über ein anderes Land der Welt. Im Gegensatz zu Martin Luther King werde ich meinen Traum (er)leben. Ich träume ihn täglich. Stück für Stück. Und die Leute, die lasse ich reden. Redet wer mit?

19 Kommentare zu “Lass die Leute reden!

      • Einer guten Rednerin aus dem Land des Laechelns wird zugelaechelt, weil sie die Reden gut findet, überzeugend, so dass es zunaechst schwerfaellt, etwas dazu zu reden – also ja, Rosenstolz kenne ich seit meiner Jugend, wel die Band meiner Mama sehr viel bedeutete. Andere reden so oder so – können sie auch, ist doch egal, wenn sie kein eigenes interessantes Leben haben. Ich habe aufgrund meiner Anderartigkeit viel Nasengerümpf, Gekicher etc. mitgekriegt, aber insgeheim bewundern dich Leute für deinen Mut, deine Weitsicht – und verrückt sind wir sowieso alle – was ist schon normal?
        So, jetzt könnten wir losphilosophieren 😉
        Liebe Grüße

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      • Ich bin eigentlich mehr auf dem „Ach Sie suchen Streit?“ Trip. Nur irgendwie mag keine/r mit mir! Yuki grinst nur frech. Gemein so was! 😉

        Vielleicht sollte ich eine Weile weniger Lächeln und dafür Mama Merkel noch mehr Kritik um die Ohren hauen.

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  1. I’m older than you are (43). Well, we are who we are. Those who despise us, they are stupid, ignorant. We are member of an homophobic society but we can change this society. We only have to be without fear, angry.
    Keep on being yourself for it’s like this we love you. 🙂

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    • 43 is just some number, Esther. I am pretty sure you kept your inner child. At least the creative personality which i like a lot!

      Fear is just a feeling. Nothing to be scared of. And i will be always me. The famous, the one and only, the gorgeous … 😀
      Love and Peace!

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  2. Ich würde ja gerne ein wenig mit Dir streiten, aber dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen, weshalb das wohl nix wird. 🙂 Mir war schon immer egal, was die Leute über mich sagen. Ich bin, wie ich bin – basta. Und solange ich mit dem „ich sein“ niemandem schade, hat das auch niemanden zu stören. Deine innere Stärke wird immer etwas sein, das bei anderen Menschen, die tief in ihrem Inneren unsicher sind, Unbehagen auslösen wird. Das ist normal. Und es ist gut, dass Du Dich davon nicht beirren lässt. Und überhaupt: ist es erstrebenswert, dass einen alle Menschen mögen?
    Lebe Deinen Traum, sei unbequem, kämpferisch, frech und emotional. Das braucht unsere Gesellschaft. Menschen, die mit ihrer „Andersartigkeit“, bzw. in meinen Augen ist es Ehrlichkeit, bewirken können, dass sich die Gesellschaft ändern kann.
    Liebe Grüsse
    Charlotte

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  3. Mitredner reden lassen. Vom Reden allein ändert sich die Welt nicht und spannt sich kein Regenbogen. Aber dabei zu helfen Regenbogen über Teile der Welt zu spannen, macht sie bunter. Um mich herum hüpfen bunte Flummis *-) Könnte von der Ferne aus betrachtet aussehen wie ein Regenbogen.

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  4. GE-lebt hat aber Martin seinen Traum auch: denn er ging seinen Weg, und war furchtlos sich selbst, und sich selbst treu 🙂 Was könnte schöner sein? 🙂
    Die Erfüllung seiner Wünsche für die Menschheit aber, die erleben andere heute.
    Aber ist das nicht die Geschichte aller mutigen Kämpfer und Träumer?…

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      • LOL 😀 . Also hast Du mir einen Wink gegeben zum Lüften des Geheimnisses darüber, was eine tolle Frau ausmacht 😉
        Aber ich weiß, was Du meinst, und ich mag auch Deinen Kampfgeist.

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  5. Es ist immer leichter mit dem Strom als gegen den Strom zu schwimmen. Richtig stark wird man aber nur, wenn man gegen den Strom schwimmt und nicht einfach nur mitgleitet. Dieses nervige, oft verurteilende Schubladendenken (Klischees und Stereotype) hilft Menschen Dinge einzusortieren, um von der Wirklichkeitsvielfalt des Lebens nicht erschlagen zu werden. Da ich gerne Dinge lerne, stört es mich nicht, dass du gerne Dinge erklärst. 🙂 Ganz im Gegenteil, denn man kann davon profitieren, dass andere ihr Wissen teilen.

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    • „Wenn du zurück zur Quelle willst, dann mußt du gegen den Strom schwimmen“, lautet ein Zitat aus dem Zen-Buddhismus. Ob davon stark zu werden erstrebenswert ist sei dahingestellt. Aber man erreicht (s)ein Ziel. Und darüber reden sie dann wieder. Die Leute. Die immer alles besser (von uns) wissen. Und mein Wissen teile ich gern. Aber das hast du bestimmt gewusst. 😉

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