Kuschelhormon macht Männer froh und Frauen glücklich

Ich wusste immer schon, dass ich anders bin. Aber seit heute weiß ich es ganz genau. Schuld daran ist erneut der SPIEGEL. Nicht der im Badezimmer! Der SPIEGEL schreibt heute über das Kuschelhormon Oxytocin. Es mache die Partnerin attraktiver, heißt es in dem Bericht. Zwar ist der Artikel auf Mann zugeschnitten und erklärt ausführlich warum das so ist, aber Oxytocin kenne ich schon lange. Frauen haben wesentlich mehr davon. Sie produzieren es wenn sie sich verlieben, Sex haben, oder ein Baby stillen. Laut Dr. Lauren Costine gibt es bei lesbischen Paaren aber ein wesentliches Problem, das hetero Paare nicht in dem Maß haben. Angeblich sinke bei Lesben der Oxytocin Spiegel bereits nach wenigen Monaten dramatisch, bis die Produktion des Hormons völlig eingestellt wird.

Natürlich bin ich schockiert.
Liefert Dr. Costine hier die ultimative Erklärung für das (eher seltene) Scheitern von lesbischen Paaren?
Ich überlege wie lange ich Yuki kenne. Es sind bereits mehr als 5 Jahre. Seit 3 Jahren leben wir zusammen. Im Oktober 2013 haben wir geheiratet und ein Ende unserer Liebe ist nicht in Sicht.
Dr. Costine hat ihre eigene Theorie. Nach ihrer Meinung gibt es einen „Burn Out“ der Liebe bei lesbischen Frauen, die sich nach dem kennenlernen täglich sehen. Es bedürfe eines Date Plans. Nach dem Ende der ersten Verliebtheit gäbe es ohnehin nur zwei Frauen, die die jeweiligen Fehler der anderen sähen.
Das will ich genauer wissen.
„Warum liebst du mich eigentlich?“, frage ich Yuki unvermittelt. „Gehen dir meine Fehler nicht manchmal auf die Nerven?“
Yuki schaut mich erstaunt an.
„Welche Fehler? Und was soll die Frage nun wieder?“
Ich erzähle ihr von Oxytocin und Dr. Costine.
„Habe ich dich jemals genervt?“, will ich wissen. „Gibt es irgendetwas, dass dich an mir stört?“
Yuki schenkt mir ein elfenhaftes Lächeln.
„Außer, dass du nicht kochen kannst …“
Weiter kommt sie nicht, ich halte ihr den Mund zu. Prompt beißt sie mir in die Hand.
Wir müssen lachen.

„Ich glaube diese Studien verallgemeinern viel zu sehr“, sagt Yuki. „Außerdem sind wir keine Amerikanerinnen. In den drei Jahren USA habe ich gelernt, dass die Menschen dort recht oberflächlich und schnelllebig sind. Freundschaften dauern manchmal nur 2 Tage, danach kennen sie dich nicht mehr. Und mit Oxytocin hat das bestimmt nichts zu tun.“
„Du meinst also es handele sich dabei um ein rein amerikanisches Phänomen?“, frage ich.
„Das nicht“, erwidert Yuki. „Aber ich glaube Japaner und Deutsche sind anders. Es kommt bestimmt auch auf die Menschen an. Wie sie sind, ihre Persönlichkeit.“
„Aber sind unsere Gefühle noch so stark wie damals?“, will ich wissen. „Oder haben sie sich verändert, haben wir uns verändert?“
„Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen“, sagt Yuki. „Klar kribbelt es nicht so stark wie damals auf dem Konzert, als wir stundenlang geredet haben. Dafür anders. Und ich mag keinen Tag mehr ohne dich sein.“
Ich fühle wie mein Herz vor Rührung schneller schlägt und kitzele Yukis Füße.
„Kribbelt es jetzt wieder mehr?“, frage ich leise.
Sie kreischt und zieht die Beine an.
„Biest!“, ruft sie in gespielter Empörung.

Vermutlich hat Dr. Costine durchaus Recht mit ihrer Studie. Aber die von ihr angesprochenen Probleme haben wir nicht. Unsere Verliebtheit ist wirklicher Liebe gewichen. Und wir verlieben uns ständig neu ineinander. Vielleicht sind wir die Ausnahme von der Regel, zumindest aber anders. Oxytocin als Nasenspray wie Mann brauchen wir zumindest nicht. Wir kuscheln auch ohne „Drogen.“ Und Treue war für uns nie ein Thema. Wir sind es. Und es ist gut so. Bei Mann bin ich mir nicht so sicher. Vielleicht gäbe es mehr glückliche Hetero-Ehen wenn Mann sprüht. Auch Deo.

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24 Kommentare zu “Kuschelhormon macht Männer froh und Frauen glücklich

  1. Ich frage mich, ob Frau Dr. Costine weiß, was sie da gestudiert hat. Liebt sie auch Frauen? Und warum sinkt bei Damen, die Damen lieben der Oxytocin-Spiegel schneller? Wenn er doch bei praktizierter Liebelei immer wieder ansteigt…

    • Frag mich was leichteres 😉

      Die Studie gibt es wirklich. Aber ich denke auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Bei Frau – Frau steht auch oft „Lust“ im Vordergrund. Basiert eine Beziehung nur auf Sex, haben sich die Mädels sonst nichts zu sagen, steht der Wald bald schwarz und schweiget. Und dann nix mehr mit Treue und Oxy .. eher boxing und Bruch.

      • Im Grunde ist es aber doch bei allen Beziehungen so, dass sie auf Dauer scheitern, wenn Sex die Basis ist. Kommunikation ist in jeder Form von Beziehung das wichtigste – ob es die Liebesbeziehung zu gleich- oder andersgeschlechtlichen ist, ob es die Freundschaft, die Beziehung zu den Eltern, Geschwistern, Kollegen etc. ist. In guten Beziehungen herrscht eine gute Kommunikation.

  2. „Und wir verlieben uns ständig neu ineinander.“ That is the key. As an ill-equipped (but securely deodorized) fast moving and shallow American male, I can attest to the power of falling in love over and over again with the same person for almost twenty five years.

  3. Diese Studien sind doch meistens die Tinte nicht wert. Man könnte genauso versuchen eine Korrelation zum Wochentag oder zur Geburtsstunde herzuleiten. Man nimmt sich einen kleinen Teil raus und wenn dann die Daten dazu passen, dann wird es als tolle Erkenntnis verkauft.

  4. Jaja, amerikanische Studien zeigen, dass amerikanische Studien viel zeigen 😛

    Liebe ist, wenn man sich kennt und trotzdem mag. Und immer wieder bereit ist, sich ständig neu ineinander zu verlieben, wie du schreibst. Wenn das klappt, kann nicht mal der SPIEGEL was dran ändern 😉

  5. Ich hab das mit dem O-Hormon irgendwie komplett überlesen, weil ich völlig fasziniert von der liebevollen Beschreibung eurer offenbar noch liebevolleren Beziehung bin. So schön, dass es das gibt…. und auch nach so langer Zeit…

  6. Ich kannte dieses Kuschelhormon noch nicht einmal. 😉 Es scheint aber in Bezug auf die Länge/Dauer lesbischer Beziehungen keine Aussagekraft zu haben. Ich kenne einige lesbische Paare, die schon seit über 20 Jahren zusammen sind.

    • Solche Studien haben die Aussagekraft eines leeren Blattes Papier. Ich habe „meinen Menschen“ gefunden, bzw. meine Elfe mich. Und daran wird sich nichts ändern, auch wenn sie mir zum Spaß mit Scheidung droht. 😀

      • Meine droht mir zum Spass immer, dass sie mich nicht heiraten wird. Wo liegt der Fehler!?! 😉
        PS: Die Filme „Yes or no 1 und 2“ fand ich einfach nur super (vor allem Pie)! 🙂

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