Stille Tage im Klischee

Der Ort: Das Kloster Klischee in der Gemeinde Absurdität.
Die Akteure: Engel Gabriel, die Scheinheilige Angela und Pater Vollhorst.

Es ist Runde 74 der Klausurtagung. Mindestens! So oft haben sich die drei Akteure nun im Kloster Klischee getroffen. Engel Gabriel, seines Zeichens Vorbläser der pausbäckigen Putten Fraktion, wirkt satt an diesem Tag. Er strahlt und wischt sich die rosigen Lippen. Offenbar hat er einen leckeren Happen verspeist. Auch der ergraute Vollhorst wirkt zufrieden. Sein weißblauer Anzug sitzt perfekt. Dressman made by Hans Wurst. Trefflich! Und die Frohnatur Mutter Angela hat sowieso immer ein Lächeln auf den Lippen. Für die Chefin der Schwarzen Rotte geht immer alles gut.

Die Gläubigen dieses Landes hatten den großen Drei vor einer Weile einen Auftrag erteilt. Es ging um die Um- und Neuverteilung. Von Sitzen! Nicht Sitzenbleibern. Die hat die Gemeinde mittlerweile entfernt. Aber das neu angeschaffte Gestühl brauchte neue Kehrseiten. Nicht zu verwechseln mit Ärschen! Die gibt es hier nicht. Nur schmalzgelockte Schönredner und den ein oder anderen Mitesser. Schön ausdrücken können sich die Meisten davon. Mehr nicht. Was übrig bleibt ist meist nicht einmal die Muße. Nur müffelnde Fettbacken.

Gemeinsam schreiten die Drei zur Fresskonferenz. Aus einem versteckten Lautsprecher ertönt ein Lied. „Und der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht …“
Fresser aller Größen sind versammelt. Sie erwarten das kalte Buffet. Gierige Blicke gleiten über Brust und Keule.
„Und der Mackie hat ein Messer, doch das Messer sieht man nicht …“, trällert der Sänger. Dann stoppt die Musik. Stille.
Gabeln blitzen. Überflüssiges im Überfluss wird in die kuhle Wampe geschaufelt. Die Kolonie ist satt, die Köpfe rauchen.

Der Vollhorst ergreift das Wort und Legionen von Gläubigen lauschen gebannt. Zufrieden sei er, beginnt der Pater. Habe er doch wesentliche Forderungen seiner Anhänger gegen die roten Putten durchsetzen können. Einen Wehmuststropfen für die Engel gäbe es aber. Ab sofort müssten sie einen Obulus für den Durchflug der Engelsrouten zahlen. Als ein Aufschrei aus tausend Bierkehlen ertönt wird der Pater blass. Natürlich müssten den auch fremde Engel zahlen, verkündet er schnell.

Engel Gabriel schwitzt. Dem beleibten Vorbläser der Putten geht es sichtlich schlecht. Er ringt sich ein Lächeln ab und spielt mit einem Abziehbild. Das Portrait vom himmlischen Willy ist darauf zu erkennen. Aber dessen Klasse erreicht er nicht. Sie liegt jenseits seiner Kunst. Aber vielleicht liegt ihm auch einfach noch der lange Gang über die Steinbrücke im Magen. Stammelnd verkündet er seine Position. Anwesende Putten nicken leicht im Meer der Biergesichter. Weingeistig-selig wird gelächelt, die Gesichter verschwimmen im Massenbrei. Irgendwie sind heute alle Rot.

Mutter Angela greift nach den Händen ihrer Partner. Sie strahlt schon wieder. „So nehmet auch mich zur Genossin an“, sagt sie und der Busen wogt.  „Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde die Dritte!“
Wie aufs Stichwort erklingt die Musik.
„Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht. Und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“
Dann geht das Licht aus.

Werbeanzeigen

32 Kommentare zu “Stille Tage im Klischee

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s