Mein Frieden mit Mann

Einige meiner Beiträge scheinen auf den ersten Blick männerfeindlich zu sein. So ganz stimmt das aber nicht. Zu meinem Verhältnis Mann gegenüber muss ich weiter ausholen. Fakt ist ich hatte nie eins. Meinem Papa vertraue ich blind, anderen männlichen Wesen stand ich meist skeptisch gegenüber. Das lag an deren Verhalten. Sie wollten etwas von mir. Was das war, habe ich als Kind nie verstanden. Immer suchten sie Nähe. Die konnte ich nicht geben. In meiner Gedankenwelt war lange kein Platz für Mann. Für mich waren das ungehobelte Klötze mit merkwürdigem Benehmen, die dazu noch schlecht rochen. Den Jugendfreund oder Spielkamerad hatte ich nie. Bei mir waren das immer andere Mädchen. Jungs empfand ich nur als lästig.

Ja, ich habe Jungs geschlagen. Aber die Gewalt ging nie von meiner Seite aus. Diese Angriffe haben mein Männerbild lange Zeit geprägt, sind aber mit Sicherheit nicht der Grund warum ich lesbisch bin. Das war ich immer schon. Als Teenager wollte ich es genauer wissen. Mehr von und über Mann. Aus Neugier. Dank Internet konnte ich mir nackte Männer anschauen. Aber empfunden habe ich nichts außer Ekel. Es soll Lesben geben, die sich schwule Pornofilme anschauen. Ich kenne keine. Meine Mädels machen das nicht. Ich schaue mir nicht einmal (angeblich) lesbische Pornos an, sonst bekomme ich Schreikrämpfe vor Lachen.

Klar hat Mann versucht mich von seinen Qualitäten zu überzeugen. Ein Date mit Mann hatte ich aber nie. Es blieb bei Wortgefechten, die mir den Spitznamen „Biest“ einbrachten. Und gegenüber Mann kann ich das noch immer sein. Was empfinde ich heute für Mann? Immer noch nicht wirklich viel. Ich habe akzeptiert, dass Mann in meinem Leben eine gewisse Rolle spielt. Als Dozent, Komilitone, Kollege. Männliche Freunde habe ich nicht. Eine Ausnahme ist mein schwuler Cousin Ken. Mit ihm kann ich reden. Aber er ist nicht der typische Mann. Immerhin konnte er mir gewisse Einblicke in die Gefühlswelt von Männern geben. Wie sie ticken, warum sie so sind. Ken ist nicht so.

Bei meiner Aufzählung habe ich bewusst das Wort „Chef“ vergessen. Mit Mann als Chef kann ich nicht. In den letzten 3 Jahren hatte ich das große Glück eine Frau als Vorgesetzte zu haben. Auch in Zukunft möchte ich lieber mit Frau arbeiten. Für mich ist das angenehmer. Ich ticke auch anders als die typische Frau. Meine Welt ist von Frauen geprägt. Mann hat dort keinen Platz. Aber wie bin ich, was bin ich? Wer die Japanischen Azumi Filme kennt mag eine ungefähre Idee davon haben, wie ich mich als Teenager gesehen habe. Weniger als Killerin, aber als Kriegerin des Lichts. Auch wenn ich mich als Deutsche fühle, ein Teil von mir wird immer Japanerin sein. Und Japaner haben eine andere Tradition zu Kampf und Gewalt. Sie war Teil unserer Kultur und Geschichte. Nun will und wollte ich nie anderen Menschen töten. Aber der Kampf bestimmt mein Leben. Ich muss immer gegen etwas sein, für etwas kämpfen. Nicht unbedingt mit meinen Fäusten. Worte erfüllen den gleichen Zweck. Daher steckt noch immer viel Azumi in mir. Und Aya Ueto, die Darstellerin der Azumi, könnte glatt meine jüngere Schwester sein.

Ich bin sehr forsch und selbstbewusst. Das kommt bei vielen Männern nicht gut an. Vielleicht lagen meine Schwierigkeiten mit Mann an einer oft ähnlichen Denkweise. Ich kann sehr spöttisch sein und richtig gut provozieren. Zwei junge Koreaner durften das vor einer Weile im Asia-Shop erleben. Sie machten Yuki und mich an. Die beiden hatten Glück, dass der Besitzer sie vor die Tür setzte. Aber einige Nettigkeiten bin ich noch losgeworden. Die trafen schlimmer, als Hiebe. Das Verhältnis Japan – Korea ist in etwa mit dem zwischen Deutschen und Engländern zu vergleichen. Entsprechend nette Schimpfworte sind über die Jahrhunderte entstanden. Mit älteren Männern – Vatertypen – hatte ich wenig Probleme. Das lag an deren oft schon recht abgeklärter Sichtweise der Dinge. Sie konnte ich als Lehrer akzeptieren.

Yuki und ich schauen uns gern Filme an. Fantasy, Liebe, Drama. Nicht nur Frau – Frau! Das ist auf Dauer öde. Für mich faszinierend sind (normale) asiatische Liebesfilme. Wobei das Wort normal da eine andere Qualität hat. In Asien ist nichts wirklich normal. Diese Filme und ein über die Jahre notwendiger Kontakt mit Mann, haben mein Männerbild nun leicht verändert. Auch mein Blog trägt weiter dazu bei. Mittlerweile finde ich es interessant mit Mann zu diskutieren. Und solange keine Totschlagargumente kommen macht das auch Spaß. Keinen Spaß verstehe ich bei männlicher Gewalt gegen Frau, oder einer entwürdigenden Behandlung. Da werde ich zur Radikalfeministin.

Vermutlich wird Mann nie eine zentrale Rolle in meinem Leben spielen. Und doch habe ich meinen Frieden mit ihm gemacht. Der Bösewicht früherer Jahre ist einer Figur gewichen, mit der ich gut leben kann. Nur nicht in meiner Nähe.

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15 Kommentare zu “Mein Frieden mit Mann

  1. “ Ich muss immer gegen etwas sein, für etwas kämpfen.“

    Diese Einsicht wünsche ich einigen anderen Leuten auch und vor allem auch das sie mit dieser Erkenntnis sinnvoll umgehen.
    Würde mir einige Diskussionen ersparen.

  2. Mein Horrorszenario: Frau als Chef. Ich brauch Männer um mich, auch wenn ich mit ihnen sexuell nix anfangen kann. Ich brauch ihre Geradlinigkeit, ihren Humor, den offenen Schlagabtausch, die anderen Sichtweisen etc.

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