E-Mail von Dir

Normalerweise bleibe ich von unerwünchten E-Mails – Spam – weitgehend verschont. Das liegt daran, dass ich meine Adresse(n) nur an Freunde weitergebe. Aber als „Öffentliche Person“ bei WordPress kann man(n) mir natürlich E-Mails schicken. Genau das ist heute Morgen geschehen. In meinem Postfach fand sich die E-Mail eines ganz offensichtlich homophoben Mannes in der er sexistisch-vulgär vom Leder zog.

In sehr drastischen Worten führte er aus, was er von mir und meiner sexuellen Orientierung hält. Sein wirres Gestammel ist geprägt von Hass auf Frauen. Offensichtlich hat der Ärmste keine. Verständlich, liest man das Geseier. In schonungsloser Weise wird mir erklärt, was er mit mir und meiner Frau gern machen würde. Und dass es nur eines richtigen Mannes bedürfe damit ich meine Überzeugung ändere.

Die Palette reichte vom Gebrauch seines dritten Beins bis hin zu Schlägen und Elektroschocks. Yuki hat nur den Kopf geschüttelt, als ich ihr davon erzählte. Ich solle die Mail löschen und mir keine Gedanken machen. Sonst habe der Verfasser sein Ziel erreicht. Nun allerwertester Schreiber dieser Zeilen, ich kann dir versichern dass genau das nicht der Fall ist. Erreicht hast du lediglich mir Stoff für einen Artikel zu liefern. Vielen Dank dafür.

Die scheinbare Anonymität im Netz habe ich einmal mit dem Verhalten auf den Autobahnen verglichen. Auf beiden Highways tobt es! Mit rasender Geschwindigkeit geht es vorbei an anderen Fahrern, sie werden bedrängt und geschnitten. Bußgelder gibt es im Internet  keine, aber es ist auch kein rechtsfreier Raum. Nun bin ich weder Juristin noch bei der Polizei. Daher habe ich lediglch ein (Täter)Profil erstellt.

Mein Schreiberling benutzt alte Rechtschreibung. Seine Wortwahl ist eher einfach und etwas umständlich. Sein Geburtsjahr dürfte demnach vor mehr als einem halben Jahrhundert gewesen sein. Er ist sexuell frustriert. Single, oder in einer unglücklichen Beziehung. Seine Ängste treiben ihn an. Der krankhafte Zwang sich über andere zu erheben. Vermutlich leidet er an einer verzerrten Wahrnehmung. Ich tippe auf eine dissoziale Persönlichkeitsstörung.

Er muss eine sehr einsame, verlorene Seele sein. Getrieben von Ängsten und Zwängen. Sklave der eigenen Lust. Frustbeladen versucht er nun diese auf andere zu reflektieren. Er weidet sich an Angst, wird groß, wenn er andere klein schreiben kann. Lieber Schreiber der E-Mail:  Vermutlich bist du von größerer Statur als ich. Das ist dann schon alles was dich über mich erhebt.

19 Kommentare zu “E-Mail von Dir

  1. Ich finde deine Antwort, so wie sie ist, gut. Natürlich kann man auch einfach gar nicht reagieren – oder man reagiert halt mit Klasse. Es ist schade, dass Menschen andere Menschen nicht einfach sein lassen, wie sie sind.

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  2. Eine psychische Störung brauchts für so etwas nicht. Hab bei diversen Diskussionen zum Thema „Homoehe“ bzw. Emanzipation eher den Eindruck gewonnen, dass es meist Männer sind, mit starkem religiösen Hintergrund oder gern eine Frau gehabt hätten, aber keine „abbekommen haben“ (das Leben ist nicht immer fair), oder denen die eigene Frau ausgespannt wurde. Der daraus resultierende Frust oder Hass kann schon lustige Auswüchse annehmen. Im Grunde tun mir solche Seelen dann doch wieder leid.

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  3. Ihr wunderbares Profilbild und Ihre geistreichen Kommentare führten mich letzlich hierher. Und dieser Eintrag läßt mich aufstöhnen. Es ist gut, daß Sie öffentlich auf so eine Schundmail reagieren. Still schweigend ändert sich nichts. Bleiben Sie wehrhaft. Herzlichst, Käthe Knobloch. Bitte mit O.

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