Meine Frau, das (un)bekannte Wesen

Ingar Bergmans Film „Szenen einer Ehe“ ist ein Klassiker. Für mich sind solche Filme stets interessant, gewähren sie mir doch zumindest filmisch Einblick in eine Welt, die ich nicht kenne und nur schwer verstehe. Auf der Fahrt zur Uni fiel mir der Titel ein, als wir ein heftig streitendes Paar am Straßenrand bemerkten. Spontan habe ich mit meiner Frau ein Interview geführt. Da sie heute den Toyota fährt, hatte sie keine Chance und ich konnte in Ruhe tippen.

„Sag, bist du eigentlich glücklich?“
Yukis sanfter Blick ließ mein Herz schneller schlagen.
„Du bist doof,“ sagte sie und schaltete in den nächsten Gang.
„Ich weiß,“ erwiderte ich mit breitem Grinsen. „Jetzt sag halt, bist du glücklich? Und warum? Ich will meinen Lesern doch …“
„Morgen erstelle ich meinen eigenen Blog,“ kündigte Yuki an, ohne auf meine Frage einzugehen.
„Wieso das denn jetzt?“
„Na da blamiere ich dich dann und verrate allen, dass du nicht kochen kannst.“
„Hey, wohl kann ich kochen!“
„Ach ja? Und warum muss ich dir dann immer helfen?“
„Weil du das gern machst?“
Yuki schwieg, konnte aber ihr elfenhaftes Lachen nicht verbergen.
„Ich wollte dich doch interviewen,“ begann ich erneut.
Yuki verdrehte die Augen.
„Schreib doch einfach die Wahrheit,“ sagte sie. „Du weißt doch wie ich denke und fühle.“
„Ja, aber das macht keinen Spaß! Ich mag deine Worte hören. Bitte!“
„Ich liebe dich,“ sagte Yuki. „Schreib das doch.“
„Du bist doof,“ sagt ich und klappte den Laptop zu. „Ich rede jetzt nicht mehr mit dir.“
„Wie lange willst du das aushalten?“
„Mindestens … ach menno!“
Yuki warf mir einen Kuss zu. „Was kochen wir heute?“
„Du meinst was ich koche!“
„Seit wann kannst du kochen?“
„Ich koche gleich vor Wut!“

In diesem Stil ging es die ganze Fahrt weiter. Außenstehende wittern nun vielleicht die erste Ehekrise. Für uns ist das lediglich ein Spiel. Es gibt kein Thema über das wir nicht reden können. Und manchmal schweigen wir auch und schauen uns nur an. Diese kleinen Wortgefechte mögen für Viele nun befremdlich wirken. Aber sie sind ein wichtiger Teil unseres Lebens. Ebenso wie das gemeinsame Kochen, Sport, oder ein Spaziergang in der Natur. Aber bei aller Nähe haben wir doch jede ihren eigenen Kopf. Und gegen Yukis sanfte Argumente gewinne ich längst nicht immer. Und das ist auch gut so.

An der Uni angekommen standen uns die Tränen in den Augen vor Lachen. Ich schnappte nach Luft und griff nach Yukis Hand.
„Ich bin glücklich,“ sagte ich bevor wir zur Vorlesung gingen. „Was würde ich nur ohne dich machen?“
„Verhungern!“

Ist dieses (un)bekannte Wesen nicht allerliebst? 😀

24 Kommentare zu “Meine Frau, das (un)bekannte Wesen

  1. Das finde ich wunderschön und erstrebenswert. Alles besprechen, sich alles sagen zu können. Und wenns manchmal der größte Mist ist. Ich denke mir, dazu gehört viel (Selbst-)Bewusstsein, (Selbst-)Liebe und möglichst wenig (Selbst-)Reflexion.

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  2. Hihi, ein wenig erinnert mich das an meine Frau und mich 😀

    Also in erster Linie das Herumsticheln und Aufziehen… 😉

    Meine Frau durfte sich von mir heute schon anhören, dass sie verfressen ist, echt dick geworden und… Während unser Krümelchen natürlich ganz toll ist, momentan vor allem dann, wenn meiner Frau so richtig schlecht ist! Naja, ich lass das mal, hihi 🙂

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  3. Solche Wortgefechte sind gut für die andauernde Würze. Es soll ja nicht fade werden. 😉 Einem der Kommentare deiner Leser muss ich widersprechen. Ich (als Paartherapeutin etc.) halte auch Selbstreflexion in einer Beziehung oder Ehe für wichtig.

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    • Selbstreflexion ist immens wichtig. Aber dabei gilt auch: nicht alles zu zerreden, keine Probleme künstlich zu erschaffen. Aber ich habe sowieso nix zu sagen und stehe voll unter dem Pantoffel 😀

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      • Ich bin von uns beiden auch der Pantoffelheld, obwohl ich sie natürlich in der Öffentlichkeit beschützen würde. 😉 Wenn Yi Man streiten will, ist sie immer davon genervt, dass man mit mir nicht diskutieren könne, da ich so harmoniebedürftig sei.

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      • Es gibt bei uns keine Pantoffelheldin und keine dominiert. Yuki und ich ergänzen uns, diskutieren aber, wenn wir anderer Meinung sind. Bei früheren Beziehungen habe immer ich dominiert, was auf Dauer langweilig wird. So kam die Idee mit den USA übrigens von Yuki und ich habe nach kurzer Analyse zugestimmt.

        Harmoniebedürfnis schließt Diskussionen nicht aus. Aber die gilt es zu lernen. Viele Paare verwechseln das mit Streit.

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      • Devot oder so bin ich nicht. Wortgefechte wiederrum mag ich. Ich streite nur nicht gerne. Und im Endeffekt mache ich sowieso immer, was ich selbst für richtig halte. Ich mag es überhaupt nicht, wenn mir jemand seine Meinung aufzwingen will. Damit erreicht derjenige genau den gegenteiligen Effekt. Im Moment bin ich aber dabei, zu lernen für die Beziehung mehr Kompromisse einzugehen, damit Yi Man nicht zu kurz kommt.

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      • Und zum Thema Pantoffelheld: Ich lasse Yi Man oft etwas entscheiden, außer wenn es mir sehr wichtig ist, da ich unnötige Gefechte nicht mag. Es hat aber vielleicht auch etwas mit Bequemlichkeit zu tun. Außerdem kann man mich recht leicht für etwas begeistern (eher Optimist). So, jetzt habe ich aber genug von mir preisgegeben. 😉

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