Schreiben, die oft brotlose Kunst

Freunde haben meinen Blog entdeckt und mich auf die Artikel angesprochen. Warum ich denn bitteschön eine Art Webreporterin sei und keine Geschichten mehr vorstelle. Die kurze Antwort: Ich hatte keine Lust mehr. Die lange Antwort ist der nachfolgende Text.

Haikus und Texte verfasse ich seit vielen Jahren. Vor ca. 4 Jahren hatte ich damit aufgehört. Ich war zuvor in einem Literaturforum angemeldet. Dort bin ich auf die Spezies der Besserwisser getroffen. Sie haben alles besser gewusst, gekonnt zerschrieben, technisch einwandfrei bereinigt. Meine Texte sahen hinterher klinisch rein aus. Meister Proper lässt grüßen. Für sachliche Kritik bin ich stets offen. Angriffe wehre ich wie im Karate oder Aikido ab. Mal hart, mal weich. Treffer, versenkt!

In Lehrbüchern über Kreatives Schreiben wird gern die nackte Schreibtechnik vermittelt. Der Lernende stürzt sich also nun mit neuen Wissen bewaffnet auf sein Werk, um es zu konterkarikieren … äh … konterkarieren oder radkial zu redigieren. Ihr wisst schon. Übrig bleibt meist eine leere Hülle, nichts vom eigentlichen Sinn. Sinnlos, bewusstlos, tot. Natürlich gibt es überflüssige Worte, Füllworte, Passiv und und und … Na und? Und jetzt erst Recht! Worte müssen nun mal fließen, ein Text im Fluss sein. Nicht wegeworfen im …, eher darin schwimmen.

Ich kenne meine Fehler. Genau das ist der eigentliche Punkt. Ein Schriftsteller sollte um seine Schwächen wissen, die Regeln zu kennen und sie doch gekonnt umgehen. Keine Schachtelsätze ist ein Lehrsatz, keine Zeitsprünge. Und dann kommt ein T. C. Boyle und führt in seinem Werk „Worlds End“ alle Lehrer und Kritiker ad absurdum. Denn Herr Boyle macht alles falsch! Dumm nur, dass sein Buch ein Weltbestseller ist und literarisch richtig anspruchsvoll. Aber eine kleine, unbekannte Tippse darf das nicht. Nicht, dass ich es nicht könnte. Aber um gelesen zu werden, die Chance zu bekommen vor den Augen eines Lektors zu bestehen, darf ich es nicht können. Also muss ich mich gekonnt verstellen. Können auch nur Könner sowas.

Dann gabs da einen Herrn Hemmingway. Der kam zum Fluss. Er war da. Mit seiner Schreibe hat er Preise gewonnen. Aber wieder darf ich das nicht. Ich muss weichgespült ankommen. Der Himmel über dem Fluss darf nicht „stahlblau“ sein. Ich muss ihm dem Leser zeigen, die Farben vemitteln. Es darf auch kein „zitronengelber“ Schmetterling von Blume zu Blume fliegen. Zugegeben sind diese Beispiele nun bewusst übertrieben. Gewusst wie ist also die Devise. Nur will ich das? Muss ich mich verbiegen, um vor den Augen der Wissenden zu bestehen? Und was wissen die? Ehrlich? Nix! Ich habe wenige Menschen in diesen Foren getroffen, denen Textarbeit wirklich wichtig war. Und die vor allem immer fair blieben und etwas mit Engelsgeduld erklärten.

Hauptsächlich trifft man auf: „Bis zu diesem Satz habe ich gelesen, dann habe ich aufgehört“ Kritiker. Der gleiche Mensch maßt sich dann aber an, den ganzen Text zu beurteilen. Wie geht das? Geht nicht. Er wollte lediglich seine Duftmarke setzen und mir vom Elfenbeinturm aus auf den Kopf spucken. Ich habe mich dann bei diesen Kritikern revanchiert und ihre Texte akribisch zerpflückt. Das Heulen, Stammeln und Zähneklappern war dann immer groß. Fehler machen solche Leute auch. Und nicht wenige. Gelernt habe ich. Vor allem den „Löschen“ Knopf zu drücken. Ich habe keine Angst vor den Besserwissern, mein Ego ist groß genug. Ich mag nur meine Zeit nicht mehr verschwenden.

Ich wollte immer nur Schreiben, Geschichten erfinden, Figuren. Mir fällt ständig irgendetwas ein. Aber Textarbeit? Muss ich nicht mehr haben. Klar juckt es mich bei so manchem Text in den Fingern. Aber dazu ist der Blog der falsche Platz. Meine Bloggerfreunde sind genau das: Freunde! Und ihre Texte sind gut. Punkt!

Kann Frau vom Schreiben leben? Dank BWL musste ich das bisher nicht. Zurück auf der Uni wähle ich nun einen anderen Weg. Künstlerisch wertvoll, brotlose Kunst. Wer weiß. Alles besser Viele. Ich dafür nur wenig, daher lerne ich. Schreiben kann ich ja schon. Mag mich wer lesen?

29 Kommentare zu “Schreiben, die oft brotlose Kunst

  1. Ich mag dich lesen! 🙂
    Wenn ich schreibe, mache ich mir relativ wenig Gedanken darüber, welche literariischen Regeln ich befolgen sollte, könnte, müsste. Wichtiger ist doch, dass es von Herzen kommt.
    Außerdem: ein Text, der alle Regeln befolgt, mag vielleicht in dieser Hinsicht einwandfrei sein, ist aber dennoch nicht unbedingt „gut“. Das, was als „gut“ empfunden wird, ist doch was ganz anderes als ein regelkonformer Text.

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  2. Lass dich nicht beirren, vergiß die Regeln. Auf meiner Blogseite habe ich was über Thermomix verlinkt. Zu jedem Rezept schreibt sie kleine Geschichten, als Holländerin nicht ganz perfekt deutsch, aber herzerfrischend.
    Die Geschichten, die du schreibst, müssen dir selber gefallen. Der Rest erledigt sich von selbst. 🙂

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  3. Nicht beirren lassen.
    Man selbst ist oder wird man nicht, einen eigenen Stil findet man nicht, wenn man sich dem, was andere tun oder vorschreiben anpasst.
    Damit sage ich bestimmt nichts neues, bestenfalls das, was ich selbst gern lesen würde, wenn Zweifel Einzug halten…
    Dieser ganze gestreamlinte Kram, der sich liest oder klingt, als ob er lediglich massenkompatibel sein soll, ist nicht die Lösung.
    Ich glaube auch nicht, dass Du, so wie Du hier reflektierst, auch nur einen Gedanken an Mainstram verschwendest 🙂

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  4. Wie du weißt lebe ich vom Schreiben und habe gerade auch etwas Literarisches veröffentlicht. Kritik ist wichtig und man sollte sie sich ein paar Jahre anhören und offen für sie sein. Vieles, was einem zunächst unmöglich erscheint stellt sich mit etwas Abstand als richtig heraus. Wenn Menschen deine Texte kritisieren, beschäftigen sie sich mit deiner Arbeit. Das ist durchweg positiv zu betrachten. Nach einigen Jahren der Selbstkasteiung sollte man allerdings den nächsten Schritt gehen und veröffentlichen. Mir gefallen sehr viele Bücher von erfolgreichen AutorInnen überhaupt nicht. Trotzdem veröffentlichen sie und verkaufen auch. Kreativität lebt immer im Spannungsfeld von Autonomie und Akzeptanz. Völlige Autonomie funktioniert nicht, weil dann das Publikum davonrennt, völlige Akzeptanz führt zu Selbstaufgabe.

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    • Der Fantasy Autor Christoph Hardebusch, der früher viel in Schreibforen tätig war, hat sinngemäß einmal gesagt, dass wer ernsthaft Schreiben will dort seine Zeit verschwendet. Für mich war der Austausch dort durchaus fruchtbar. Nicht so sehr die Attacken, die wirklich nur genau solche waren. Ich sage nicht ich sei gut! Auch wenn ich jetzt nach Irrungen und Wirrungen, einem abgeschlossenen BWL-Studium – ja ja ich auch *lacht laut* – zurück auf der Uni bin. Ich liebe sachliche Kritik. Lob? Wird gern genommen, aber dann bitte ehrlich! Wer mir nur meine Füllworte um die Ohren haut, dem haue ich die eigenen zurück. Ich kann weitaus besser editieren, als manchem Schreiber lieb ist 😉 Kurz: Sag mir ich bin Scheiße und begründe es. Ich werde dir die Füße küssen! Das hatte ich kaum. Verständlich dann mein Ausstieg. Nun bin ich wieder da. Blogge, fabuliere, lese. Ach ich mag es wieder gern. Davon leben? Mein Ziel. Als Schriftstellerin? Eher nicht. Aber Worte sind ein weites Feld. Auf wiederlesen 🙂

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  5. Da ich sehr viele AutorInnen kenne: Es ist ein hartes Brot, vom literarischen Schreiben zu leben. Aber eine Kombi BWL und gutes Texten wird sicher dein Schaden nicht sein. In Schreibforen sind natürlich immer eine Menge gescheiterter Profil-Neurotiker unterwegs. Ich hatte mit meiner Schreibgruppe großes Glück, inzwischen hat die Hälfte vom harten Kern veröffentlicht oder ist kurz davor.

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      • Das hätte ich nicht erwartet, faszinierend! Ich kann mir auch vorstellen, dass ich später nochmal an die Uni gehe und was aus reinem Interesse studiere, was mich sonst nicht sonderlich weiterbringt (irgendwas „sinnvolles“ zu finden, was man dann mit Informatik kombinieren kann ist schwer).

        Aktuell wäre es bei mir ja Japanologie 😀

        Ich hoffe, du findest im Studium das, was du erwartest! Und Rausschmeißerin ist doch immerhin auch ein legitimer Plan B 😉

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      • Ich hatte mit Psychologie angefangen, auch schon ein Semester in Germanistik gemacht und bin dann erst zu BWL geschwenkt. Die sichere Nummer 😉 Hat auch gut geklappt. Aber nach fast 3 Jahren war ich durch, am Ende. Ich bin ein freier, kreativer Geist.

        Und die Rausschmeißerin – Security – ist die Frau. die ich Linda nenne. Zu der könnte ich noch einiges erzählen. Aber das mag vermutlich niemand lesen.

        Was die Leute immer nur mit Japan haben 😉 Das sind so komische Menschen da, die noch komischer reden 😀

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      • Das ist einfach die Faszination des „Fremden“ – bei den meisten zumindest. Bei mir ist es ja zu 50 Prozent DAS ESSEN in Japan. Wenn es das alles hier geben würde, wäre die Sehnsucht nicht mehr so riesig *lach*

        Aber ernsthaft: Kannst du das garnicht nachvollziehen? Was an Japan eventuell für Ausländer faszinierend ist? Das interessiert mich wirklich, du kennst ja beide Seiten!

        Ach, ich lese alles gern von dir! Also erzähl ruhig 😉

        Ja, Informatik ist zumindest bei mir auch die „sichere Nummer“. Aber da ich auch nicht weiß, was mir eher liegen würde… Immerhin vielfältig ist die Informatik, das muss man schon sagen.

        Was hat dich an Psychologie abgeschreckt? Eine gute Freundin von uns hat das Studium nach 6 Semestern abgebrochen, studiert mittlerweile Mathematik und will es jetzt vermutlich doch nochmal mit Psychologie versuchen, diesmal Bachelor statt Diplom. Deshalb frage ich 😉

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      • Japan ist ein faszinierendes Land. Die Menschen, die Geschichte. Nicht so sehr die Gewalt, aber die gehört dann leider dazu. Die Sprache … die Haikus, die Kunst. Glaub mir, ich bin von Japan ebenfalls fasziniert, aber mag dort nicht leben. Die Gründe sind bekannt denke ich.

        Pychologie ist faszinierend! Aber es ging irgendwann nicht mehr. Diess sachlich-mechanische Menschenbild schreckte mich ab. Ich bin empathisch veranlagt und kann andere Menschen fühlen. Aber das belastet dann auch. Ob ich als Psychologin noch den richtigen Abstand zum Hilfesuchenden hätte wagte ich zu bezweifeln. Klar gibt’s andere Einsatzmöglichkeiten. Aber das wollte ich dann doch nicht. Und Bachelor reicht eigentlich auch. Wer braucht schon ein Diplom? 😛 Ich hab’s ja *lacht*

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      • Und da musst du noch fragen, was an Japan faszinierend ist? 😀

        Niemand braucht Diplom, wenn man auch Doktor haben kann! Und das ist das Ziel… Hihi 🙂

        Das mit der Psychologie klingt einleuchtend. Ja, für mich wäre das vermutlich auch nichts. Und ich hab auch schon die Patienten-Seite hinter mir, ist zwar schon her, aber waren gut 2 Jahre… Nein, mit sowas würde ich nicht klar kommen, da auf der anderen Seite zu sitzen und ein 14-jähriges ICH mir gegenüber zu haben…

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  6. Wirst du gelesen, bist du gut. Punkt.
    Produkte kauft man schließlich auch nicht, weil sie schlecht sind. Und Geschmäcker sind verschieden – dennoch sollte es auf jeden Fall erst einmal einem selbst gefallen.

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  7. Also, ich mag deine Texte gerade deshalb, weil sich in ihnen auch dein Wesen widerspiegelt. Würde man beim Schreiben auf alle literarischen Regeln achten, würde man wahrscheinlich die Individualität seines Schreibstils verlieren. Das würde es nur uniform und für mich darum langweilig machen. Aber da ich ja vom Schreiben keine Ahnung habe, ist dies nur meine subjektive Meinung. Ich bin halt einfach nur der Menschentyp „Leser“, der gerne Dinge liest, die ihn interessieren. 😉

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    • Wer sich auf den steinigen Parcours des Schreibens begibt, hat einen langen Weg vor sich liegen. Dort gibt es Hindernisse, Schlaglöcher und auch Kreuzungen. All das wird für den Autor oft zum Problem. Auf sich allein gestellt, wird er die Richtung meist verfehlen. Das sieht anders aus, wenn er auf den richtigen Lektor trifft. Dessen Job ist es, den Rohdiamanten mit sanfter Hand auf Hochglanz zu polieren. Aber poliert der Lektor zu stark, wird die Farbe abblättern, sprich die Individualität flöten gehen.

      Mein (Schreib)Stil variiert von nüchtern bis emotional. Und wer das nicht mag, der kann mich mal. 😉

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