Lebenswege

Die (japanische) Sagenwelt ist voll von Mythen und Kreaturen, denen kein Mensch je wirklich begegnen mag. Auch in Europa ist das nicht anders. Hier waren es vor allem Vampire und Werwölfe, die das Denken von Menschen bestimmten. Nun sind Sagen und Mythen eine Sache. Etwas ganz anderes sind real existierende Gefahren. Wir begegnen auf unserem Weg durchs Leben, den unterschiedlichsten Charakteren. Manche sind echte Frohnaturen, denen nichts und niemand jemals die Laune verderben kann. Andere sind Denker, Philosophen. Dann gibt es die Kämpfer und die Verlierer, um nur einige Kategorien zu nennen.

Für mich besteht das Leben aus Wegen und Kreuzungen. Wege können breit und schmal, steinig und steil, aber auch sehr verschlungen sein. Ich für mein Teil schaue mir nicht nur den Weg an sonderrn achte auch auf den Wegesrand. Dort gibt es Schönheit und Glück, aber auch abstoßende Dinge, wie Krieg, Hass und Niedertracht, zu sehen. Eine Gefahr die wir oft übersehen begegnet uns an den Kreuzwegen. Dort tummelt sich oft allerlei seltsames Volk. Mancher mag dort nur kurz rasten. Andere verweilen länger. Sie sind vielleicht Wegweiser, Helfer in der Not. Sie begleiten uns auch dann und wann ein Stück. Aber sie sind nicht für immer in unserer Nähe, das sind oft nur die Wegbegleiter. Und dann gibt es die Gruppe der Verlorenen. Menschen, die nicht nur die Orientierung sondern auch den Lebensmut verloren haben. Ich möchte sie Seelenvampire nennen, wobei ich diesen Begriff nicht selbst geprägt habe.

Seelenvampire sind Menschen, die kein eigenes Leben mehr haben. Wie die Vampire aus den Sagen haben sie einen untrüglichen Instinkt. Und sie sind oft nicht als Vampire zu erkennen. Anders, als ihre die Sonne scheuenden Verwandten sind sie auch bei Tageslicht unterwegs. Sie saugen ans uns, unserem Glück, wollen daran teilhaben. Daran ist nicht grundsätzlich etwas falsch. Schlimm wird es nur, wenn wir uns auf diese Sauger zu sehr einlassen. Denn Grenzen kennen diese Menschen nicht! Sie brauchen wie jeder Süchtige immer mehr und mehr von ihrer Droge. Was letztlich von uns übrig bleibt ist dann nur noch eine ausgebrannte Hülle. Ein weiterer blutleerer Körper, der hilflos durchs Leben taumelt und an eben jener Kreuzung verharrt, um nun selbst zu saugen.

Das mag alles sehr verallgemeinert klingen, trifft aber durchaus zu. Wir alle stehen manchmal an einem Scheideweg. Und auch wenn wir wissen wohin die Reise geht, so trifft das nicht auf alle Menschen zu. Aber dürfen wir Menschen die uns nahestehen einfach ihrem Unglück überlassen? Was soll man mit einem Menschen machen, der aus seiner Agonie nicht erwachen will, der im Meer der Tränen schwimmt, ohne das rettende Land zu sehen? Es ist nur einen Schritt entfernt! Jeder kann diesen Schritt gehen, nur der Seelenvampir nicht. Er stürzt sich auf jeden ahnungslosen Wanderer, um mehr von seiner Droge zu bekommen. Ich habe für mich an diesem Wochenende einen Schlußstrich gezogen und einer Jugendfreundin Lebewohl gesagt. Dabei war ich ziemlich drastisch! Anders ging es einfach nicht. Ich mochte nicht länger an mir saugen lassen. Sie wird an meinem Abschied nicht zu Grunde gehen. Irgend ein anderes Mädel wird für mich in die Bresche springen und ihr Geld und Zuwendung geben. Mein Lebensweg ist das zumindest nicht. Der führt nach vorn und nicht zurück.

13 Kommentare zu “Lebenswege

  1. Ich habe damals, als ich den Rettungsschwimmerschein gemacht habe, gelernt, dass man Menschen erst retten kann, wenn sie schon beinahe ertrinken.
    Vorher schlagen sie dich in ihrer Panik vielleicht K.O., ziehen dich auch mit hinunter.
    Das mag grausam klingen, hat mich aber eines gelehrt: Immer erst auf mich selbst zu achten und dann dem anderen die Hand reichen. ich glaube, es macht Sinn, dass nicht nur auf die körperliche Rettung zu beziehen.

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    • Wir Mädels sind da anders, aber grundsätzlich gebe ich dir Recht. Ich habe nicht nur eine Hand, sondern über die Jahre beide Hände, den ganzen Arm und mehr gereicht. Irgendwann ist dann auch meine Geduld zu Ende.

      Eine buddistiache Weisheit sagt, dass die Nächstenliebe die wahre Schönheit eines Menschen ausmache. Es sei die Güte, die wirklich dem Inneren eines Menschen hervorleuchte. Dies sei einer der größten Beiträge, die wir zum Leben der Welt leisten können, denn unsere Haltung des Nichtverletzens biete den Menschen um uns herum das Geschenk der Sicherheit und des Vertauens an.

      Dumm nur, dass Seelenvampire sich kaum an das Prinzip des Nichtverletzens halten. Dein Vergleich passt da sehr gut.

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      • Ich würde die Hilfe nicht verweigern, dabei aber nicht untergehen wollen.
        Ich habe da mit den Jahren auch so manch existentielle Erfahrung machen dürfen (unsarkastisch gemeint)

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  2. Ein interessanter Beitrag. Was die Aeelenvampiere betrifft, kann ich dir allerdings nicht ganz zustimmen. Es sind nicht unbedingt Menschen, die keinen Lebensmut mehr haben oder kein eigenes Leben. Ich denke, der Kernpunkt ist wohl das Selbstvertrauen: Kann ich das, was ich erreichen oder haben möchte, selbst hinkriegen oder brauche ich dafür die Energie anderer? Ich konnte solche Exemplare, und die driften unbedingt orientierungslos durch’s Leben, fordern aber viel Aufmerksamkeit. Zum Beispiel, indem sie alles und jedes zum Drama aufbauschen.
    Jedenfalls gibt es sie, die Energievampiere, und es ist wichtig, sich nicht aussaugen zu lassen.

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    • Von fehlendem Lebensmut hatte ich nicht geschrieben. Kein eigenes Leben – sie saugen das der anderen auf. Das war damit gemeint. Sie leben durch dich, duch mich erst wieder. Ja, sie brauchen dazu unsere Energie. Und die bin ich nach all den vielen Jahren nicht mehr bereit zu geben.

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  3. Mit Nächstenliebe hat das Sich-ausnutzen-lassen wenig zu tun. Zur Nächstenliebe kann auch ein kräftiges Nein gehören. damit der Andere endlich die Verantwortung für sich selbst übernimmt. Für viele Menschen ist ihr Problem (Krankheit, Beziehungen, Streitigkeiten) das Lebenselixier: das Denken und tun dreht sich nur darum. Sie sind fixiert darauf. Würde man ihnen das Problem wegnehmen, würden diese Menschen in ein tiefes Loch fallen, weil sie nur sich und ihr Problem kennen. Es handelt sich also um ziemliche Egoisten.
    Wer sich für andere aufopfert, hat ein Helfersyndrom. Näheres dazu hier http://ursulaortmann.wordpress.com/2010/07/07/jeder-bekommt-den-partner-den-er-verdient-ob-er-will-oder-nicht/

    Liebe Grüsse
    Ursula

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    • Ich stehe wirklich gern für meine Freunde ein, das ist einfach meine Natur. Aber aufopfern? Im Einzelfall gehe ich vielleicht weiter, aber ein Helfersyndrom im klassischen Sinn habe ich nicht. Danke für den Link liebe Ursula. War sehr interessant zu lesen!

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  4. Es gilt, zu unterscheiden: geht es nur um eine vorläufige Krise, die wieder vorbeigeht, oder ist das schon eine „Lebenseinstellung“, dieses ewige Hilfe brauchen, Dramen haben usw.
    Auch ich habe schon einmal den Schlußstrich unter eine sehr lange bestehende Freundschaft ziehen müssen – bezüglich der Person war ich übrigens die Letzte aus deren Freundeskreis, die noch übrig geblieben war. Bei sowas bin ich eben… Ja.
    Aber ich kann nur sagen: Es hat mir gut getan! Mich befreit und mir auch wieder eine klare Sicht auf diese Person geschenkt, nachdem der gröbste Schmerz verflogen war. Im Nachhinein ist mir völlig klar, dass ich für diese Person eben auch gar nicht mehr als Freund betrachtet wurde, sondern als… Ja, „Seele“, wie Du es so schön nennst.
    Schade war das, aber nötig. Wie die Amputation eines kranken Körperteils, der drohte, mich ganz zu vergiften.

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  5. Pingback: Gift | Von der Uni an den Herd

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