Wenn Frauen Frauen lieben

Viele hetero Männer und Frauen fragen sich vielleicht, wie sich schwule Männer oder Lesben erkennen und ansprechen. Zugegeben ist das nicht immer ganz einfach. Nicht jede Frau hat den für Lesben angeblich so typischen Kurzhaarschnitt, ist gepierced und mit auffallenden Tattoos versehen. Aber ein Teil der Szene verfügt über das sogenannte Gaydar, das übersetzt „Schwulen / Lesben Radar“ bedeutet. Die vorherrschende Meinung, dass jede Frau in einem Szene-Club lesbisch sein muss, stimmt nicht mehr. Schon vor Jahren sind diese Clubs von Heten für sich entdeckt worden. Nicht lesbische Frauen feiern und tanzen dort sehr gern, um nicht von Männern angemacht zu werden. Die Besitzer solcher Clubs sehen das nicht allzu gern und beginnen nun die Leute auszufiltern. Lesbische Stammbesucherinnen mit Clubausweisen werden gern gesehen, fremde (hetero) Frauen nur noch sporadisch eingelassen.

Damit komme ich zum eigentlich Hintergrund des Artikels: Lesben, die gezielt Heten anmachen. Glaubt ihr nicht? Ich schon. Das Balzverhalten von Lesben ist nicht viel anders, als das von Mann. Vielleicht weniger plump. Einer hetero Freundin ist folgendes passiert. Sie war mit einer anderen Freundin in einem Cafe. Am Nachbartisch saß eine Frau Mitte Dreißig, die immer wieder zu ihr geschaut habe, erzählte sie. Als sie kurz auf die Toilette ging, sei ihr die Frau offenbar gefolgt. Beim Händewaschen habe diese sie angesprochen und gefragt, ob sie vielleicht einmal mit ihr einen Kaffee trinken gehen wolle. Meine Freundin ist nicht auf den Mund gefallen. Aber sie sei völlig perplex gewesen, sagte sie mir. Immerhin habe sie ein Lächeln zustande gebracht und dankend abgelehnt. Sie stehe nicht auf Frauen. Die Andere habe geschmunzelt und gesagt: Sie wisse es nur nicht. Dann sei sie gegangen. Dazu muss ich nun sagen, dass diese Form der „Anmache“ durchaus normal ist und eher harmloser Natur. Psychologisch aber sehr geschickt! Der letzte Satz der Lesbe sollte die typische weibliche Neugier wecken. Das hat sie auch geschafft! Meine Freundin war ziemlich durcheinander und hat ihre Neigung hinterfragt. Wir konnten sie beruhigen, sie ist absolut hetero. Eine gute Anmacherin wäre nun nicht unbedingt gegangen sondern hätte eine Handynummer ausgetauscht. Ich hätte das so gemacht. Oder den Kontakt anders gesucht. Aber um mich geht es nicht.

Wo treffen nun Heten auf Lesben? Eigentlich überall. Im Büro, im Supermarkt, als Nachbarin, im Fitness Studio. Lesben leben nicht in einem Ghetto. Sie tragen keinen Stempel auf der Stirn. Es sind normale Frauen! Mit dem kleinen Unterschied, dass sie Frauen lieben. In einem Szene-Club ist das Kennenlernen meist einfacher. Vorausgesetzt Frau überwindet ihre Scheu den ersten Schritt zu tun. Denn nicht jede Lesbe ist automatisch anders in ihrem Verhalten, als eine hetero Frau. Und hier kommen wir dann zu den Unterschieden in der lesbischen Community. Wobei auch diese Unterschiede nicht die Regel sind! Ein (kleiner) Teil der Szene unterscheidet sich in Butches und Femmes. Butches sind der „männliche“ Part. Diese Frauen benehmen sich oft sehr männlich und sind auch entsprechend gekleidet. Ihnen fällt die Rolle des ersten Schrittes zu. Die Femmes sind vom Aussehen her normale Frauen. Gut nicht immer! Aber sie sind passiver und warten ab was so passiert. Das nur zum generellen Verständnis. Die Grenzen sind aber meist fließend. Auch die typische Femme kann durchaus den ersten Schritt machen.

Für mich sind Butches die Alphafrauen, die oft auch eine Art Mutterolle in einer Clique haben. Sie dominieren, der Rest folgt. Manche Butches schrecken auch vor Heten nicht zurück. Wobei das Klischee der (leicht) übergewichtigen und männlich gekleideten Butch-Frau oft einfach nur ein Klischee ist. Es gibt sie, aber ich kenne starke Frauen, die mit diesem Bild nichts gemein haben. Mein Spiegel zeigt sie mir jeden Tag. Lesben unterscheiden sich zum Teil noch tiefer, aber darauf will ich an dieser Stelle nicht eingehen. Nur so als Hinweis: Yuki und ich haben keine Piercings, keine Tattoos, keine kurzen Haare. Auch wenn ich das größere Ego habe, bin ich noch lange keine Butch. Wir ergänzen uns perfekt. Meine Stärke mit Yukis Sanftheit. Und Wasser kann den Stein besiegen. Wer ist nun stärker?

Wie bereits erwähnt machen sich manche Lesben einen Spaß daraus Heten anzumachen und umzudrehen. Über den moralischen Aspekt will ich an dieser Stelle nicht sprechen. Und wie wirbt nun eine Lesbe um eine andere Frau? Sie macht es so, wie jene Frau im Cafe. Vielleicht nicht ganz so ungeschickt. Vermutlich war sie noch nicht lange in der Szene. Sie trifft sie vielleicht zufällig auf der Toilette. Im Alltag, also Büro, Supermarkt oder Fitness Studio ist es einfacher. Dort gibt es mehr Berührungspunkte und ein Date kann aus einer normalen Unterhaltung entstehen. Manche Lesben outen sich gleich zu Beginn, manche erst bei einem eher harmlosen Treffen. Das Risiko abgewiesen zu werden ist sehr hoch. Wobei Frauen anderen Frauen gegenüber deutlich toleranter gegenüberstehen, alls einem werbenden Mann. Und dann kommt noch die Neugier hinzu. Es gibt (vor allem junge) Frauen, die andere Frauen küssen. Das kann ein harmloer Schmatzer sein, oder ein heißer Zungenkuss. Weiter gehen diese Frauen aber nie. Ist das schon lesbisch? Nein.

Männer fragen sich nun vielleicht, ob jede Frau – vor allem ihre Frau – umgedreht werden kann. Manche Lesben sagen ja und dass jede Frau eine Bi-Neigung habe. Das schrieb schon Siegmund Freud. Wobei er das auf alle Menschen bezog, also auch auf Mann. Von mir kommt dazu ein klares Jein. Angenommen Frau ist unglücklich. Stichwort Gewalt in der Ehe. Und das über viele Jahre. Oder Mann kann sich Frau nicht emotional nähern, öffnen. Es fehlt Frau an Nähe. Manchmal auch an (gutem!) Sex. Treffen diese Frauen auf eine Lesbe und diese bemüht sich intensiv um sie, hat Mann keine Chance mehr. Er ist raus. Sorry liebe Männer, aber da könnt ihr machen was ihr wollt. Muss Mann nicht glauben, sollte er aber. Der Erfolg lesbischer Werberinnen basiert auf mehreren Dingen. Weiblicher Neugier, größerer Toleranz und der stärkeren emotionalen Bindung von Frauen untereinander. Selbst Heten gehen Arm in Arm spazieren, gemeinsam zur Toilette, schlafen manchmal im gleichen Bett. Das Sozialverhalten von Frauen anderen Frauen gegenüber ist von Nähe geprägt. Ein typisches Beispiel sieht man oft in Filmen, in denen beste Freundinnen nebeneinander auf dem Bett sitzen, oder liegen. Mit sexueller Anziehung hat das nichts zu tun! Man/n zeige mir nun Mann, der Gleiches macht.

Manche Lesben machen das Objekt ihrer Begierde betrunken. Auch Drogen spielen eine Rolle. Die Hemmschwelle fällt und das Höschen gleich mit. Von diesem Typ Frau halte ich nichts. Bekomme ich das mit, hat die Schwester ein Problem. Dann gibt es die Persönlichkeiten. Lesbische Frauen, die absolut dominant sind. Sie müssen nichts dafür tun, sie nutzen es auch nicht immer aus. Ihre Ausstrahlung, Auftreten, die ganze Erscheinung wird auch für Heten zur Gefahr. Die amerikanische Schauspielerin und Moderatorin Ellen DeGeneres ist eine solche Frau. Wer sie kennt und liebt weiß wovon ich spreche. Persönlich kenne ich zwei Lesben, die eine ähnliche Ausstrahlung haben. Nur bin ich dagegen immun – ist wirklich so -. Zwei Alphamädels passen nicht zueinander. Ich kenne mehrere Fälle von Heten, die sich in andere Frauen verliebt haben. Über einen Fall hatte ich vor einer Weile geschriebenSabine ist immer noch mit ihrer Freundin zusammen. Wir haben regelmäßigen Kontakt. Die Beiden werden auch zu unserer Hochzeit kommen. In meiner alten Heimat Düsseldorf gab es ein schon älteres Frauenpaar, das früher mit Mann lebte. Beide haben sehr schlechte Erfahrungen mit Mann gemacht und irgendwann zueinander gefunden.

An dieser Stelle möchte ich einen Bogen zu „Liebe kennt kein Geschlecht“ schlagen. Auch wenn ich das für mich ausschließe glaube ich mittlerweile daran, dass fast jeder Mensch sich in fast jeden anderen Menschen verlieben kann. (Wir) Frauen schneller und einfacher, als Mann. Zum Glück muss ich mir keine Gedanken mehr um die Liebe machen. Sie hat mich gefunden, sitzt neben mir und strahlt mich an. Und damit das auch so bleibt verbleibe ich für heute mit einem Zitat, der britischen Schriftstellerin Vita Sackville-West (1892-1962):

„Erst in einer tiefen Freundschaft mit einer Frau ist wahre Nähe, Vertrauen und Geborgenheit möglich. Aus dem Gleichklang von Fühlen und Denken, von Interessen und Wünschen ergibt sich die totale Erfüllung in der Liebe.“

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4 Kommentare zu “Wenn Frauen Frauen lieben

  1. Erst mal: Schön, dass du die Liebe gefunden hast. (Dafür beneide ich dich übrigens maßlos 😀 ) Und dann: Vielen Dank für diesen Einblick.

    Und noch ein Gedanke, der nicht widerspricht, sondern ergänzt: Es gibt nun mal auch bei Heteros zurückhaltende Männer, die niemals den erster Schritt machen würden und dominante Frauen, die sich niemals nehmen lassen würden, den erster Schritt zu machen.

    • Dankeschön. Natürlich kann es nur ein vager Einblick sein. Den Flirtbericht gibt’s dann noch. 🙂

      Mann ist dein Metier, da muss ich dir vertrauen. Aber dass es Alphafrauen gibt weiß ich. Ich bin eine davon. Dominant? Nö. Ich stehe unter dem Pantoffel meiner Frau *lacht sich weg*

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