Zwei Seelen in (m)einer Brust

Wie Leser meines Blogs (vielleicht) wissen trainiere ich seit vielen Jahren Karate und Aikido. Von Freunden werde ich daher liebevoll „Kampfzwerg;“ oder „Karate-Chick“ genannt. Frechheit, oder? Die sind dann oft ganz verwundert, wenn ich von Literatur und Poesie spreche. Dabei ist das kein Widerspruch. Schon die alten Samurai waren nicht einfach nur hirnlose Krieger. Manche schrieben Gedichte und waren in der hohen Kunst der Kalligraphie bewandert.

Nun kann ich als Frau kein(e) Samurai sein. 1. gibt’s die nicht mehr und 2. mag ich niemanden auf Befehl umbringen müssen. Und doch sehe ich bei mir gewisse Ähnlichkeiten. In meiner Brust wohnen zwei Seelen. Da gibt es die forsche, extrovertierte Seele. Die, die immer nach vorn schaut, die keine Angst kennt, sich mutig vor Schwächere stellt und ihren Weg geht. Und dann die nachdenkliche, verträumte Seele, aus der so nebenbei ein Haiku in diesen Blog fließt.

Ich habe immer gern geschrieben. Als Teenager waren auch Worte ein Ventil für mich. Vor einigen Jahren änderten sich Dinge. Das Studium war beendet, ich zog nach Süden. Auf der Strecke blieben die Worte. Vor einem knappen Jahr wuchs erster Widerstand. Mein Weg führte mich zögernd wieder zur Bildung. Ich kannte die Richtung noch nicht, jetzt ist sie klar. Ich mag meine Zeit nicht mehr mit trockenen Zahlen verbringen, keine Statistiken mehr fälschen erstellen. Meine Seele soll wieder klingen, fliegen! Mein Herz soll jubeln und das nicht nur zur baldigen Hochzeit. Sondern für immer! Und doch werde ich immer diese zwei Seelen in meiner Brust haben.

Sport wird immer ein wichtiger Teil meines Lebens sein. Aber es ist nicht nur die körperliche Aktivität. Mehr und mehr beschäftige ich mich auch mit dem Zen-Buddhismus. Im deutschen Alltag ist das nicht immer einfach. Da ist es von Vorteil aus Japan zu kommen und eine ebenfalls aus Japan stammende Frau zu haben.

In gewisser Weise zeigen Karate und Aikido mein Wesen deutlich auf. Karate ist zum Teil sehr hart, dynamisch. Aikido ist weich, fließend. Beides ist kein Widerspruch sondern eine harmonische Kombination. Es bedurfte aber eines langes Trainings, vieler Jahre, um aus einem zornigen kleinen Mädchen, die in sich ruhende Frau von heute zu machen.

Nur manchmal, manchmal werde ich noch wild.

7 Kommentare zu “Zwei Seelen in (m)einer Brust

  1. Zen finde ich eine ganz spannende Sache. Leider habe ich es nur noch nicht geschafft soweit damit zu beschäftigen wie ich gerne würde.

    Hatte jetzt letzte Woche ein Buch dazu in der Hand bei dem ich mir auch dachte das mir die (biographische) Geschichte von Buddha erstmal mehr bringt als reine Zusammenfassungen seiner Lehre.
    Auch so ein Thema was ich plane in den nächsten Monaten mir mal genauer anzusehen.

    Welche Erfahrungen hast du denn damit schon gemacht?

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    • Ich bin Buddhistin. Aber nicht wirklich religiös. Zumindest nicht im Sinn einer Kirche, der Verehrung einer Gottheit. Ich sehe die Dinge mehr auf mystischer Ebene. Die Lehren des Buddha sind ansatzweise für mich wertvoll. Ich kann viel Wahrheit darin finden. Vor allem aber Toleranz anderen Menschen und Religionen gegenüber. Ein Buch allein wird dir nicht auf der Suche nach dir selbst helfen. Es kann dir aber erste Hinweise geben. Wichtig ist, dass du glauben willst! Dass du dich frei machst von Zwängern. Schwierig, das zu erklären mit wenigen Worten. Vielleicht gibt es in deiner Nähe praktizierende Buddhisten?

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  2. ein erwachter Mensch hat alles in sich – Mann und Frau, also männliche und weibliche Komponenten.
    In Deutschnland wissen viele Menschen nichts davon, oder sie reden nur darüber, ohne es tief verstanden zu haben. Die Lyrik, die ja aus der Tiefe sprudelt kommt erst zum Tragen, wenn wir uns ganz annehmen, wenn beide Seiten „Hochzeit halten“.
    Sie ist dann nichts Gekünsteltes. Sie fließt aus dem Bewusstsein und spiegelt sich in unseren Worten.
    Echte Lyrik ist authentisch. Sie wird tief empfunden und im Innern verstanden.

    YIN und YANG
    Furchtlos verließ sie
    den in sich Ruhenden,
    schuf Leben um Leben
    Tausend und eins.
    Bekränzt nun
    mit ebenso vielen Blumen,
    kehrt sie zurück
    für kurze Zeit.
    Begeistert erzählt sie
    dem Uferlosen
    von Mond und Sternen.
    Der Ozean tanzt.
    Hoch schäumt die Gischt
    vor des Himmels Blau,
    indigo nachts,
    arzurnen am Tag.
    Unter Kämmen und Tälern
    ruhen die Wasser.
    Gemeinsam
    träumen sie hier.
    Die Spielende ruht nun,
    der Ruhende tanzt.
    Ein stetiger Wechsel
    im ewigen Spiel.

    © bmh 6/2010

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  3. Hallo Kampfkeks,
    toll, dass du weiter gemacht hast. Ich hab nach 8 Jahren Judo und 6 Jahren Taek-won-do aufgehört. Dafür geh ich jetzt Joggen, immerhin. Schreiben ist mir auch sehr wichtig, da ich das beruflich betreibe, komme ich da allerdings voll auf meine Kosten. Und ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.

    Bis bald,

    deine Lesbomatin

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