Gleichberechtigung am Pranger – Männer haben die Schnauze voll

Nun ist es (mehr oder weniger) amtlich: Zwei Drittel der Männer haben von der Gleichberechtigung die Schnaue voll. So zumindest schreibt Focus online. Eine repräsentative Allensbach-Studie belege das.

Prima denke ich mir und schmunzele amüsiert. Da haben die Herren der Schöpfung mal wieder zugeschlagen und uns Mädels in die Schranken verwiesen. Aber sowas von! Spontan will ich die Wohnung putzen. Dann fällt mir ein, dass ich keinen Mann im Haus habe, nie hatte und nie haben werde. Ich überlege, ob ich einige meiner häuslichen Pflichten Yuki abgeben soll. Nur warum sollte ich das machen?

Ich lese weiter und erfahre, dass BILD der Frau die Studie in Auftrag gegeben hat. Yuki kommt vorbei und drückt mir einen Kuss auf die Wange. Du bist heute mit Kochen dran, sagt sie. Ich springe auf und flitze in die Küche. Messer wirbeln, Zwiebeln, Knoblauch und Gemüse werden malträtiert. Großes Karate! Reis und Rindfleisch werden gar gekocht. Bin ich nicht toll? Und so repräsentativ! Dumm nur, dass morgen Yuki für uns kocht.

Immerhin sieben Prozent der Männer sind laut Allensbach völlig verunsichert, da sie sich nicht mehr wie ein richtiger Mann verhalten könnten. Jetzt habe ich als Frau leider ein großes Problem: Was bitte ist ein richtiger Mann? Ich könnte meinen Cousin Ken fragen. Aber der ist schwul, sensibel, humorvoll, sauber, intelligent und ein richtig dufter Typ.  Sehen so richtige Männer aus? Oder doch eher unrasiert, müffelnd, mit Bierfahne, Goldketten und weißen Socken in Birkenstock Latschen? Gut da gibt’s dann noch die Men in Black, die jeden Morgen die Öffentlichen Verkehrsmittel stürmen um zur Arbeit in der Matrix zu fahren. Schweigend meist mit vor die Augen gehaltenem Wirtschafts- oder Sportteil diverser Zeitungen.

Ich erfahre, dass 81 Prozent der Männer denken, Bügeln sei Frauensache. Recht haben sie, Bügeln ist Horror! Ich rufe Yuki und zeige ihr den Artikel. Sie lacht. Du bist mit Abwaschen dran ist ihr Kommentar. Ich seufze ergeben und räume die Teller in die Spülmaschine. 66 Prozent der Frauen wünschen sich nämlich, dass Männer viele Aufgaben im Haushalt übernehmen. Ich überlege kurz. Nein ich will das nicht. Und selbst wenn ich die Wahl hätte wollte ich kein Mann sein.

„Männer sehen sich heute mit hohen Erwartungen konfrontiert“, erklärt uns Renate Köcher. Sie ist die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Weiter sagt sie: „Sie sollen gleichzeitig berufs- und familienorientiert sein, sich intensiv um die Kinder kümmern und vermehrt Aufgaben in Haushalt und Familie übernehmen, selbstbewusst und gleichzeitig einfühlsam sein, eigene Gefühle zeigen und eine selbstbewusste Partnerin schätzen.“

Aha, denke ich. Wieso nur trifft das (bis auf die Kinder) auf Yuki und mich zu? Die Antwort liegt auf der Hand. Daher klicke ich die Webseite weg, ich habe als Gleichberechtigte von der Studie die Schnauze voll.

8 Kommentare zu “Gleichberechtigung am Pranger – Männer haben die Schnauze voll

  1. Hihi, den Artikel hab ich auch schon überflogen – durchlesen ging nicht, der war mir zu doof 😀

    Ja, ich versuch sowas auch immer auf mich und meine Beziehung zu übertragen – funktioniert nur nicht, weil es bei uns einfach nicht rollentypisch verteilt ist. Ich koche gerne, meine Frau backt gerne Kuchen und Muffins, Wäsche aufhängen mögen wir beide absolut nicht (weshalb wir die auch mal in der Maschine vergessen und deshalb nochmal waschen müssen), bügeln tun wir nicht – wozu auch?

    Ich nehm das mal auseinander: Berufsorientiert – naja. Zählt Studium dazu? Oder beißt sich das mit unserem Plan, später auf keinen Fall mehr als 30 Stunden die Woche zu arbeiten, weil das Geld ja reicht und wir gern noch Freizeit und Zeit für die Familie hätten? Aber zielstrebig sind wir – können wir das mit berufsorientiert ersetzen? 😀

    Familienorientiert – aber hallo, natürlich! Familie ist toll!

    Um Kinder kümmern – geerne, so ab nächstem Juni 😀

    Haushalt – hmpf. Können wir später nicht ne Haushaltshilfe anstellen? Haushalt ist langweilig und macht selten Spaß.

    Selbstbewusst – joa. Kommt drauf an. Ich mag die meisten Menschen nicht so und gehe deshalb oft dummen Menschen aus dem Weg – Wirkt bestimmt zum Teil, als wäre ich nicht sonderlich selbstbewusst. Aber ich weiß schon sehr genau, was ich kann und kann das auch zeigen.

    Und meine Partnerin schätze ich sowieso.

    Bin ich nun ein Mann? Ohje, hoffentlich nicht! Oder eben nicht, weil ich (fast) alles erfülle? Bin ich gar der Traum einer jeden Frau? Klär mich auf! 😉

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    • Hey du bald Mama 😀

      Wir haben so gelacht, als wir den Artikel lasen. Und ich mache mich nun mal gern über solche Studien lustig. Und los ging es!

      Wir kochen Beide gern. Okay, bei mir sieht das immer wie ein Schlachtfeld aus. Yuki ist generell die Ruhigere und halt viel mehr von der oft beschriebenen asiatischen Gelassenheit. Aber wir teilen uns die Hausarbeit auf, oder machen einfach alles zusammen. Und das wird auch bei Kindern nicht anders sein.

      Du, deine Frau … WIR sind der Traum jeder Frau! Und irgendwann wird das, was wir leben Normalität sein. Vermutlich wird die BILD dann eine neue Studie in Auftrag geben, um die Gleichberechtigung von Mann zu fordern. 😉

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  2. Klar Hausarbeit ist Frauensache und das handwerkliche männersache. Deswegen habe ich auch einen Akkuschrauber und kein Bügeleisen.
    Was ggf auch interessant wäre, sind regionale Unterschiede und die Wohnsituation. Naja dazu müsste ich vermutlich nur die ganze Studie lesen, aber ich glaube, dass ich das gar nicht möchte 😉

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    • Allensbach ist eigentlich seriös. Ich befürchte nur, dass BILD (der Frau) die Fragen vorgegeben hat, damit die Jammerstudie erst wirksam wurde. Ich frage mich nur, was sie bezwecken soll? Ein Umdenken von Frau,damit sie wieder Heimchen am Herd wird? 😉

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  3. Hihihi! Also, „Sie sollen gleichzeitig berufs- und familienorientiert sein, sich intensiv um die Kinder kümmern und vermehrt Aufgaben in Haushalt und Familie übernehmen, selbstbewusst und gleichzeitig einfühlsam sein, eigene Gefühle zeigen und eine selbstbewusste Partnerin schätzen.“: Ich würde mal sagen, dass ist das, was viele Frauen jeden Tag machen, und das schon seit Jahren! 😀
    Andererseits gibt es auch eine Kehrseite: ich als „nur“ Mutter und Hausfrau werde ja heutzutage echt schräg bis mitleidig angeguckt, wenn ich sage, dass ich derzeit NICHT noch nebenher außer Haus arbeiten gehe, da werde ich dann gleich der Dummheit, Faulheit oder – noch schlimmer! – „Unemanzipiertheit“ beschuldigt, von wegen weil ich mich ja von meinem Mann an den Herd ketten ließe (Das soll eer mal versuchen! 😉 )… Man kann`s auch nicht allen recht machen, gelle? 😀

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