Lass Mann mal ran – Gewalt gegen Frauen

Dieser Blogeintrag http://lesbomat.wordpress.com/2013/07/27/so-ganz-allein-hier/ und unser unschönes Erlebnis in Japan gehen mir seit einer Weile nicht aus dem Kopf. Im Spiegel gab es vor einigen Monaten einen Bericht über Gewalt an Frauen. Demnach sind weltweit 35 Prozent aller Frauen körperlicher (häuslicher) Gewalt ausgesetzt. Diese Zahl macht mich traurig und wütend zugleich! Mann will also gern an Frau ran … Dabei ist offenbar jedes Mittel Recht. Auch Gewalt. Langsam überlege ich mir, ob ich nicht Selbstverteidigung für Frauen anbieten soll.

Ich hatte einige Gewalt-Erlebnisse, die von harmlos bis zur offenen Konfrontation reichten. Mein exotisches Aussehen war meist der Grund. Mann fühlte sich hingezogen. Meist dann aber auf den Boden. Also jenen der Tatsachen, wenn ihn ein kleines Mädchen genau dahin schickte. Hemmungen mich zu wehren hatte ich nie! Ich bin in dieser Hinsicht so völlig anders, als die meisten Frauen.

(M)Ein Schlüsselerlebnis: Ich war sieben Jahre alt. Ein Tag im Herbst. Bunte Blätter regneten zu Boden, die Sonne wärmte unsere kalten Hände. Ort: Der Schulhof, die große Pause. Eine Gruppe von Mädchen. Wir redeten, lachten. Worüber reden Siebenjärige eigentlich? Der Stoß kam unerwartet und ich fiel hart zu Boden. Eine Freundin schrie laut auf. Mein Knie schmerzte, die Jeans war kaputt. Vor mir segelte ein Ahornblatt durch die Luft. Es taumelte und landete weich auf einem Haufen anderer Blätter. Ein Symbol? Ich war noch nie derart attackiert worden. Außer im Training musste ich meine Kunst noch nie anwenden. All das änderte sich an diesem Tag.

Ich sah auf und in das feiste Gesicht eines Jungen, der für sein Alter viel zu groß und schwer war. Er lachte, amüsierte sich im Kreis seiner Freunde. „Na Schlitzauge, vielleicht willst du ja lieber mich und nicht den Boden küssen“, hörte ich ihn sagen. Jedes andere Mädchen wäre vermutlich geschockt gewesen, oder hätte geweint. Ich habe nicht einmal groß nachgedacht. Nur an meinen unglaublichen Zorn in mir erinnere ich mich. Ich kam fast sofort wieder auf die Beine und bin auf den Jungen los. Er wich zurück, plötzlich war Angst in seinem Gesicht. Ich mage keine Details wiedergeben, aber ich habe ihm die Nase gebrochen. Und seinen Stolz auch. Er hat es nie wieder gewagt, sich mir zu nähern. Großes Karate war das nicht, das war „Mayumi wütend.“

Vermutlich war dieser Tag mein erstes „Coming Out.“ Niemand hatte gewusst, dass mein Vater mich unterrichtete. Danach begegnete nicht nur Mann mir meist mit Respekt. Meine Eltern mussten damals in die Schule kommen. Und mein Papa hat einfach nur cool reagiert. Mit den Worten – „Ich habe meiner Tochter beigebracht, dass Gewalt nie die Lösung eines Problems ist. Das haben andere Eltern bei ihren Kindern offenbar versäumt. Ich habe ihr aber auch beigebracht sich zu wehren, nicht das Opfer zu sein.“- hat er den Druck von mir genommen und auf sich gelenkt. Mir ist nichts passiert, dem Jungen schon.

Ich habe mich immer gefragt was andere Menschen dazu bringt Gewalt anzuwenden und ob ich nicht auch in diese Kategorie falle. Nur habe ich niemals einen Streit angefangen! Der Junge wollte sich beweisen. Vermutlich gefiel ich ihm einfach nur. Aber viele Menschen nehmen sich Dinge mit Gewalt. Leider bin ich mit meinem 1 Meter 62 zu klein, um Polizistin zu werden. Zumindest war das in NRW so. Der Beruf hat mich auch nicht wirklich interessiert. Wechselschichten und wenig Schlaf sind nichts für mich.

 In den folgenden Jahren hatte ich noch häufiger Gelegenheit männliche Gewalt(bereitschaft) zu erleben. Ich mag nun nicht detailliert beschreiben wann, warum und wo. Aber vielleicht interessiert sich wer dafür? Habt ihr auch schon ähnliche Erlebnisse gehabt? Vielleicht mögt ihr davon erzählen?

 

 

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10 Kommentare zu “Lass Mann mal ran – Gewalt gegen Frauen

  1. Das mit der Selbstverteidung für Frauen halte ich generell für eine gute Idee, und dass du keine Hemmungen hast, dich zu wehren, ist ziemlich beeindruckend. Und ein bisschen beneidenswert. Ich selbst bin nur ganz selten belästigt worden – kann aber gut daran liegen, dass ich ziemlich groß bin. (Was die Sache irgendwie nicht besser macht – Leute belästigen, die kleiner und schwächer sind/zu sein scheinen… bäh.)

  2. Hm. Da bin ich – zum Glück! – bisher fast immer so „davongekommen“. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich mich auch schon rechts früh aus allen möglichen brenzligen Situationen rausgehalten habe.
    Eine Sache allerdings ist mir bis heute in sehr guter Erinnerung geblieben:
    Neue Schule, neues Glück.
    Ich weiß nicht, warum, aber irgendwann fingen 2, 3 Jungs an, mich zu ärgern, zu provozieren, leicht zu schubsen. Da bin ich irgendwann – alles Reden half nicht! – ausgerastet (heute würde ich das nicht mehr machen!) und habe sie getreten. Die tatsächlich physische Gewalt ging also von mir aus, aber ich denke nicht, dass man psychische und pysische Gewalt immer trennen kann… Mir war einfach klar, die werden mich nie in Ruhe lassen, und stärker waren sie auch. Und es ging mir eben an die Substanz, immer von denen ausgelacht und beschimpft zu werden. Zumal ich ja gar nichts getan hatte!
    Also habe ich mich selbst gewehrt, so, wie ich es damals für angebracht hielt: Ich habe sie getreten. Da war ich ungefähr 10.
    Sie haben mich daraufhin weitestgehend in Ruhe gelassen und einen Bogen um mich gemacht.
    Dafür war ich bis zum Ende meiner Schulzeit als „Emanze“ verschrieen. Irgendwie jämmerlich, oder?

    • Ich bin eine Asiatin in einem westlichen Land. Das weckt Neugier, aber auch Abwehr. Mir macht das nicht viel. Ich kann mich sehr gut wehren. Auch wenn ich klein bin kann ich größere Menschen problemlos abwehren. Die scheitern am eigenen Schwung 😉 Als Mädel hast du natürlich in der Regel gegen stärkere Jungs verloren. Das habe ich leider viel und oft in Schulen gesehen. Ich wollte nie Ärger, der Ärger hat mich immer gefunden. Und ich habe mich erfolgreich gewehrt. Und das mache ich heute noch. Weißt du, von meinem „kriegerischen Standpunkt“ aus gesehen, hast du völlig richtig gehandelt. 😀 Ich glaube wir beide wären wunderbar durch die Schulzeit gekommen. Rücken an Rücken im gleichen „Tritt.“ 😀

      Und nein, ich bin nicht stolz darauf, wenn ich mich wehren muss. Das kommt leider oft in meinen Beiträgen falsch an. Es ist nur so, dass in mir eine sehr wehrhafte Persönlichkeit steckt. Das hilft mir aber auch im normalen Leben sehr. Du weißt vielleicht aus meinem Blog, wie ich über die meisten Männer denke, bzw. dachte. So wirklich gut wird das nie mit mir und Mann. Aber ich habe sie akzeptiert. Wenn sie mich … dann ist alles gut.

  3. Mir war Gewalt in der Schule immer suspekt, denn ich fand den Psychoterror mancher Lehrer schon anstrengend genug. Ich habe auch erst mit 15 verstanden, dass manche Mädchen mich nur gekratzt und geneckt haben, weil sie mich gut fanden. Das ist wohl ein ähnliches Verhalten wie bei aggressiven Jungs, denen mal ein Klaps von einer 1,62 Meter großen Grazie nicht schaden kann. Vielleicht sogar eine Lehre für ihr ganzes Leben 😉 Wir wären sicher Freunde gewesen, weil ich immer meine eigenen Sachen im Kopf hatte und nie Herdentier geworden bin, doch wenn nicht, meinen Respekt hat immer jeder, bis er ihn verliert. Ich kann natürlich kein Karate, nur ein wenig Judo, aber jeder Auseinandersetzung habe ich mir gedacht, „warum soll ich mir freiwillig Schmerzen zufügen lassen?“ Dann hab ich alles gegeben, bis es ruhig war. Danach ist man indieser Region kein gutes Opfer mehr und so etwas spricht sich rum, weshalb ich nicht oft gezwungen war so etwas zu machen. Ich denke auch, der Gesichtsausdruck und der Blickkontakt entscheiden darüber, ob dein Gegenüber dir glaubt, dass es sich nicht für ihn lohnt sich mit dir anzulegen, aber es gibt eben auch dumme Menschen, die nur schwer dazu lernen. Es war eine Freude die junge Mayumi gelesen zu haben!

    • Der „Klaps“ war ein gesprungenes Knie zur Brust und mein Ellbogen in seinem Gesicht. Wenig Ladylike, ich weiß. Aber ich war 7 Jahre alt und furchtbar zornig. Ich war und bin nie stolz darauf Gewalt auszuüben und sie ist wirklich nur das allerletzte Mittel! Aber ich habe keinerlei Hemmungen zu reagieren, wenn es um Leib und Leben, die Gesundheit anderer geht. Gewalt ist übrigens noch immer ein großes Thema an japanischen Schulen. Wobei Mobbing oft die größere Gefahr ist.

      Man(n) hat mir vorgeworfen gewalttätig zu sein. Ich nenne es Selbstbewusstsein. Vor allem aber schaue ich nie weg sondern genau hin, wenn andere bedrängt werden. Heute reichen oft Worte. Ich erinnere an diesen aggressiven Porsche Fahrer, den ich in perfektem Ruhrpottdialekt jeglichen Schneid nahm. 😀

      Ich danke dir fürs lesen dieses alten Beitrags! Bis bald, wir sind dann mal eine Weile weg.

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