Back in Japan – Teil 1

Ich bin wieder da – zurück aus Japan! Aber eigentlich bin ich noch dort. Mein Herz zumindest. In einem Land, das mich trotz aller Widersprüche fasziniert. Aber dies soll nun kein typischer Reisebericht werden. Davon gibt es im Netz mehr als genug. Und ich mag auch nicht – schon wieder – nur über mich schreiben. Also fast nicht. Ich mag ein wenig über Japan erzählen. Der Titel des Blogs lehnt sich an ein altes Lied der Gruppe Alphaville an „Big in Japan.“ Das lief zufällig im Radio, als Yukis Vater uns vom Flughafen abgeholt hat.

Japan in wenigen Sätzen zu beschreiben fällt schwer. Ich fange bei den Menschen an. Japaner sind sehr zurückhaltend, sehr höflich. Europäer oder Amerikaner wirken auf sie oft wie Elefanten in einem Porzellanladen. Selbst Yuki und ich müssen in Japan umdenken. Da hilft es dann schon, dass wir engen Kontakt zu Japanern in Deutschland haben. Japaner verzeihen aber typisch westliche Fehltritte oft lächelnd. Sie haben gelernt, dass Fremde die japanischen Sitten nicht kennen. Natürlich wird von uns erst einmal etwas anderes erwartet. Wenn sich dann aber im Gespräch herausstellt, dass wir eigentlich aus Deutschland kommen, toleriert man auch unsere (möglichen) Fehler. Nicht, dass wir welche machten … 😛

Yuki ist von ihrer Art her viel japanischer als ich. Ich marschiere eher mal drauf los. Vor wem oder was sollte ich auch Angst haben? Forsch, frech, extrovertiert, so werde ich oft beschrieben. Und das erwartet „Mann“ in Japan nicht. Männer in Japan sind ohnehin komisch. Viele Jugendliche sind eher verweichlicht, fast schon androgyn. Westliche Mädels finden sie wohl hübsch, ich kann diesem Look nichts abgewinnen. Aber gut, ich mag ja auch keine Männer.

Da wir auch in Deutschland sehr traditionell japanisch essen, hatten wir mit dem Essen keine Probleme. Im Gegenteil schmeckte es uns in Japan sogar besser. Natürlich sollte man sich von Fast Food fernhalten! Das ist einfach nur eklig! Aber da wir japanisch können, gab es für uns keine Probleme in Restaurants oder Supermärkten. Der normale Tourist wird da eher verzweifeln und sich kaum noch ohne Reiseführer aus dem Hotel trauen. Japaner sprechen kaum Englisch. Und selbst wenn sind sie oft schwer zu verstehen. Wir haben das mit Bekannten getestet. Die Leute haben sich wirklich bemüht, aber sie bekommen die richtige Betonung einfach nicht hin. Wir haben dann versucht ihnen einige deutsche Worte beizubringen, was in Lachanfällen endete.

Wenn ich schreibe „kaum Englisch“ ist das aber nur bedingt richtig. Ich meinte damit auch mehr den typischen Japaner auf der Straße. In großen Firmen und Universitäten sieht das natürlich völlig anders aus! Ich habe mich mit einer eingeheirateten Cousine – also der Frau eines Cousins – prima auf Englisch unterhalten. Die konnte das besser als ich! Frechheit so was *lacht* Es hat zwei, drei Tage gedauert, bis wir richtig in Japan angekommen waren. Aber dann sind wir eingetaucht in eine Kultur, die so fremd und doch so vertraut ist.

Natürlich mussten wir die Familien besuchen! Das war dann doch ein mittleres Abenteuer. Während meine Angehörigen aus Fukuoka stammen, lebt der Rest von Yukis Familie in der Nähe von Osaka. Und das sind 600 Kilometer. Aber da gibt es meinen coolen Cousin! Der hat sich einfach einige Tage freigenommen und uns gefahren. Familie eben! Meinen Cousin muss man einfach erlebt haben. Ken ist einfach nur lustig, witzig und immer gut gelaunt. Vielleicht ein wenig durchgeknallt. Wem würde es schon einfallen, seine Cousine mal so eben bei Tempo 100 zu kitzeln? Oder sich mit ihr einen Schaukampf auf einem Parkplatz zu liefern? Ich liebe diesen Typ! 😀

Ken ist schwul. Er wird vermutlich der Vater unserer Kinder werden. Was er total spannend findet! Sein nicht ernst gemeinter Kommentar dazu: „Dann habe ich wenigstens einmal im Leben Sex mit einer Frau.“ Yuki hat ihn zur Strafe so lange gekitzelt, bis er uns mit Schokolade bestochen hat. Sagte ich schon, dass ich diesen Typ liebe?

Ich glaube wir haben so ziemlich jeden besucht. Alle Tanten und Onkel, Cousins und Cousinen. Leider leben meine Großeltern nicht mehr. Aber die von Yuki. Dass wir ein Paar sind wird dort nicht angesprochen. Natürlich wissen sie über uns Bescheid, aber ich werde als „beste Freundin“ behandelt. Das ist schade, aber ich mag die alten Leutchen nicht bekehren wollen. Es half aber, dass wir aus Deutschland sind. Japaner mögen Deutsche und Deutschland sehr. Wir haben dann viel von Deutschland erzählt, von deutscher Geschichte, selbst von Politik. Auch von unseren Berufen und dass wir wieder auf die Uni gehen. Das kam alles gut an.

Ken hat sich ein wenig aufgeregt über Yukis seiner Meinung nach rückständige Großeltern. Er mochte dann nicht ständig anwesend sein und hat sich lieber die Stadt angesehen. Immerhin war der Rest von Yukis Familie dann soweit okay. Vor allem die jüngere Generation war mehr an Deutschland interessiert, als an unserer Beziehung. Wir waren eine Woche bei Yukis Familie, dann sind wir zurück nach Fukuoka.

Und zurück komme ich auch. Nämlich im zweiten Teil meines Berichts.

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