Mein Weg – mein Coming Out – Kommt Mayumi raus?

Meine Freundin hat meinen Blog gelesen und mit mir geschimpft. Ich sei zu flapsig und zu schnell über mein Coming Out hinweg gegangen. Und ich glaube sie hat Recht.Daher möchte ich etwas mehr und ausführlicher über mich und mein Leben schreiben.

Mein Coming Out war vermutlich nicht erst an diesem speziellen Tag, an dem ich mit meinen Eltern gesprochen habe. Es begann alles viel früher. Da war ein kleines japanisches Mädchen, das so unglaublich zornig und wild war. Irgendwann, viele Jahre nach dieser wilden Phase, haben Ärzte mir gesagt, es sei alles ein Hormonproblem. Sie haben mir die Antibabypille gegeben. MIR! Hallo ich bin lesbisch, ich brauche diesen Mist nicht! Genommen habe ich sie dann doch, meine Frauenärztin hat mich von den Vorteilen überzeugt. Na ja gut, zumindest hatte ich dann keine Bauchkrämpfe mehr. Und die hatte ich lange und oft. Heute mit fast 30 brauche ich keine Chemie mehr. Meine einzige Droge ist meine Süße, meine Yuki. Und diese Droge wirkt nun schon seit fast 5 Jahren. Und ich weiß einfach, dass noch sehr viele Jahre folgen werden. Aber zurück zum Coming Out.

Ich habe selten Kleider getragen. Das war ich irgendwie nicht. Hosen mussten es immer sein, Jeans! Und Sweat Shirts, die immer viel zu groß waren. Von Mode hielt ich eine ganze Weile nicht viel, das begann erst im Teenageralter. Ich sehe übrigens nicht aus, wie man Lesben aus amerikanischen Filmen kennt. Kurze Haare? No way! Die bleiben schön lang. Mein Avatarbild sieht mir ziemlich ähnlich. Mit ein Grund, warum ich es ausgewählt habe. Wie ich schon schrieb, hat mein Vater mich in Aikido, Karate und auch in Kendo, dem japanischen Schwertkampf unterrichtet. Kendo mochte ich nicht sonderlich. Aber ich kann es gut genug, um mich effektiv mit einem (Holz)Schwert zu wehren.

Es wird wohl jedem klar sein, dass ich keine typische, zurückhaltende Japanerin bin. Das war ich nie. Zum Leidwesen meiner Eltern. Aber sie haben nie mit Strenge reagiert, sondern mir alle Freiheiten gelassen. Vermutlich sind die beiden auch keine typischen Japaner, obwohl Traditionen in unserer Familie zum Alltag gehörten. Trotzdem hatten sie immer einen Blick für Neuerungen, Veränderungen. Und Japan liegt nach Meinung meines Vaters krank am Boden. Er sagt einmal es täte ihm weh zu sehen, wie krank, wie degeneriert dieses Land sei. Harte Worte von einem Japaner, aber ich gebe ihm völlig Recht. Meine Mutter denkt ähnlich. Sie sagt sie vermisse Japan, aber Deutschland sei die bessere Heimat geworden.

Ich war ein schwieriges Kind. Nicht ungehorsam. Da es keine wirklichen Regeln für mich gab, konnte ich auch keine brechen. Gebrochen habe ich dann Nasen und Finger. Die von Jungs … Ja ich weiß, Mädchen machen so etwas nicht. Ich aber schon. Vielleicht wäre die Frage angebracht, ob ich ein Transgender bin. Das kann ich klar verneinen! Vielleicht fühle ich zu viel? Zu tief? Aber all diese Gefühle suchten ein Ventil. Und die fanden sie. Meine Mutter sagte mir, dass sie geahnt habe, dass ich anders bin. Aber sie habe es nie wahrhaben wollen. Heute hat sie kein Problem mehr damit. Im Gegenteil, sie liebt Yuki wie eine zweite Tochter. Und mein Papa? Der auch! Meine anderen Freundinnen haben nie so viel Eindruck auf sie gemacht, wie dieses süße Wesen, dass lächelnd auf der Couch neben mir sitzt und mich diesen Blog nicht zu Ende schreiben lassen will.

Mein Weg war ein besonderer Weg. Ich musste ihn gehen. So und nicht anders. Die tobenden Stürme in meiner Seele, das Chaos, das mein Herz zerreißen wollte, all das gibt es nicht mehr. Seit ich Yuki kenne und liebe, bin ich angekommen. Bei ihr, mit ihr. Und gemeinsam gehen wir diesen, unseren Weg. Mayumi kam raus. Und da bleibt sie auch.

 

 

Advertisements

7 Kommentare zu “Mein Weg – mein Coming Out – Kommt Mayumi raus?

  1. Also ist Yuki dein Ventil. Ich muss meins scheinbar noch finden. Es ist schön, dass du dein Gleichgewicht gefunden hast. Das mit dem Avatar-Bild ist witzig. Ich dachte die ganze Zeit, dass du das wirklich bist. 🙂
    Von mir gibt es aus der Grundschulzeit ein Foto mit meinem besten Freund. Da sehe ich total aus, wie ein Kerl (meine Butchzeit ;)). Heute gefalle ich mir aber echt besser! Schließlich muss ich auch feststellen, dass ich auch sehr früh gemerkt habe, dass ich anders bin, nämlich in der Grundschulzeit.
    PS: Das ist der frühste Text, der mir im Archiv angezeigt wird.

    • Wenn du nach unten scrollst, gibt es dort „The real me.“ Das ist ein bisschen doof gemacht von WordPress, aber leider nicht zu ändern. Immerhin gibt es das Archiv. Der Nachteil eines Blogs, dass ältere Beiträge von neuen LeserInnen kaum gefunden, oder gelesen werden. Was schade ist. Vieler BloggerInnen stellen dann ihre Beiträge neu ein. Vielleicht mache ich das auch eines Tages und überarbeite den alten Kram.

      Natürlich bin ich viel hübscher als dieses olle Avatarbild! 😀 😀 😀 Im Endeffekt sehe ich ihm durchaus ähnlich und wie die ältere Schwester von Aya Ueto aus. Hat Frau gesagt! Ich würde mich nie derartig loben. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s