The real me – auf Deutsch

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, wie und ob ich den Blog (weiter)schreiben soll. Englisch ist nicht meine Muttersprache und so sehr ich mich auch bemühe, ich kann in Englisch nicht das ausdrücken was ich fühle und denke. Daher werde ich ab sofort Deutsch schreiben. Das kann ich, das bin ich. Deal with it 😀

Noch einmal zu mir: Ich bin in Japan geboren, demnach also Japanerin. Aber ich lebe seit meinem vierten Lebensjahr im schönen Deutschland. Und ja, ich meine was ich sage! Ich liebe Deutschland, die Menschen, die Kultur, die Geschichte. Meine Eltern blicken auf eine gewisse Tradition mit Deutschland zurück. Beide hatten deutsche Brieffreunde und waren als Schüler /Student mehrfach dort. Und nein, sie haben sich nicht dort kennengelernt *lacht* Das wär’s noch … 😀 Wie das Leben so spielt, führte die Arbeit meine Familie vor mehr als 25 Jahren nach Deutschland. Und die kleine Mayumi – das bin ich 😛 – kam natürlich mit. Mayumi bedeutet „wahrer Bogen“ und vielleicht schieße ich daher auch oft so schnell mit Worten. Und nicht nur das, aber dazu später mehr. Mit 4 Jahren haben Kinder keine Probleme in einem anderen Land heimisch zu werden. Obwohl ich kein Wort Deutsch konnte, mochten sie mich alle. Klar, ich sehe süß aus. Immer schon und immer noch. Ich kann nichts dafür, dass ich hübsch bin und immer mindestens 10 Jahre jünger aussehen werde. Der Vorteil Japanerin zu sein.

Es dauerte nicht lange und ich hatte erste Freunde gewonnen. Deutsch sprach ich nach einem Jahr fließend. Problemlos und ohne jeden Akzent. Dafür habe ich anderswo Akzente gesetzt. Ich war ein schwieriges, ein zorniges Mädchen. Was es genau war, in welchem Alter das begann, das weiß ich heute nicht mehr. Was ich noch weiß, dass ich oft Streit hatte. Und es waren immer Jungs mit denen ich kämpfte. Ja kämpfte in des Wortes wahrer Bedeutung. Vielleicht sollte ich dazu weiter ausholen, damit jeder versteht wie es dazu kam und warum ich diese Kämpfe gewonnen habe. Meine Familie blickt auf eine lange Geschichte zurück. Meine Vorfahren waren Samurai, Krieger. Und keine schlechten ihrer Art. Die Tradition des Schwertkampfes, des Aikido und Karate ist in unserer Familie über die Generationen bis zum heutigen Tag aufrecht erhalten worden. Mein Vater ist ein Meister im Aikido und Karate und begann mich im Alter von 5 Jahren zu unterrichten.

Vom ersten Tag an war es so, als sei ich für diese Sportarten geschaffen. Mein Vater war verblüfft, welche rasenden Fortschritte ich machte, wie leicht es mir fiel, die zum Teil komplizierten Techniken zu lernen. Ich war nie sehr groß und bin es mit 1 Meter 62 auch heute noch nicht. Ich wiege meist ca. 50 Kilogramm, selten mehr, manchmal auch weniger. Wie gesagt war ich ein zorniges Kind, voller Unruhe und hatte viel zu viel Energie. Das war mit ein Grund, warum mein Vater mich unterrichtete. Ja, das Training half, um mich zu beruhigen. Nur war ich eben nicht immer ruhig und ich habe Aikido und Karate benutzt, um meinem Zorn Luft zu machen. Und wenn ich Jungs in den Hintern treten konnte, dann habe ich das getan. Die mochten alle größer und stärker gewesen sein, aber ich war schneller und wusste vor allem ganz genau, wie ich jemanden von den Beinen holen konnte. Bin ich stolz auf diese Phase, darauf was ich getan habe? Nein! Aber ich tat das, was ich tun musste, was meine Gefühle, meine Emotionen mir befahlen.

Mittlerweile bin ich ruhiger geworden und ich kämpfe nicht mehr gegen Männer. Ich habe den 2. Dan im Karate und einen braunen Gürtel im Aikido. Aber mit den Gürteln ist das immer so eine Sache. Mir sind die mittlerweile egal und ich habe schon fast 10 Jahre lang keine Prüfung mehr abgelegt und trainiere eigentlich nur noch zum Spaß. Seit einer Weile übrigens auch Wing Chun, eine Chinesische Kung Fu Art, die ich für sehr effektiv halte. Aber zurück zu meinem jüngeren Selbst. Wir lebten in der Nähe von Düsseldorf und ich wuchs sehr behütet und doch als kleiner Freigeist auf. Die Schule war nie ein Problem für mich. Der Stoff flog mir zu, Prüfungsangst kannte ich nie. Mein Abi habe ich mit einem Durchschnitt von 1,2 gemacht. Also recht gut denke ich. Und Mädels mochte ich schon immer … Womit ich eine Brücke zu dem schlage was ich bin: Lesbisch. Wer damit Probleme hat darf an dieser Stelle gern mit dem lesen aufhören. Ist mir egal.

Ja, ich bin lesbisch. Ich war es immer und werde es immer sein. Ich habe niemals einen Jungen / Mann geküsst und werde das in meinem Leben auch niemals tun. Ausnahme: Mein Vater, den ich über alles liebe! Gut, den ein oder anderen Mann gibt’s dann noch in meinem Leben, aber das ist alles Familie und hat mit Sex nichts zu tun. Seit frühester Jugend fühlte ich mich immer zu Mädchen hingezogen. Als Kind auf eher unschuldige Weise. Später als Teenager fühlte ich mehr, ohne dieses Gefühl anfangs zu begreifen. Wie auch? Ich war ein Kind! Mit 16 küsste ich zum ersten Mal ein Mädchen. Meine damalige beste Freundin Natalie. Sie war blond, hatte blaue Augen und war einfach supersüß. Wir hingen jeden Tag zusammen, entweder bei ihr oder mir. Und irgendwann küssten wir uns .. ok ok ich küsste sie! 😀 Ich weiß heute nicht mehr warum ich es machte. Aber da war dieses Verlangen, dieses so intensive Gefühl! Ich glaube nicht, dass sie für mich ebenso fühlte, aber zumindest küsste sie zurück. Mädels eben, wir machen so was. Und manchmal ohne Hintergedanken. Ich weiß noch genau, wie ich damals in diesem Kuss aufging, wie sehr er mich verwirrte, die Nähe, die Zärtlichkeit dieses Mädchens. Ihr Duft, ihre weiche Haut, alles an ihr zog mich an. Es gab nur diesen einen Moment, sie hat mich hinterher nie wieder geküsst. Aber wir blieben trotzdem Freunde. Passiert auch selten genug.

Nach diesem Tag veränderte sich mein Leben. Okay, ich verprügelte immer noch Jungs, gewann die Karate Meisterschaften, aber in mir war etwas erwacht, das mich für immer verändern sollte. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Und es gab niemand, mit dem ich reden konnte. Niemand? Doch! Da war Karin , eine 17 Jahre alte Rothaarige, die von allen nur „Die Lesbe“ genannt wurde. Sie machte kein Hehl daraus, dass sie Frauen mochte. Vom Typ her war sie eine Art Tomboy oder Soft Butch. Ein „starkes Mädchen.“ Und trotzdem muss ich sie zu Tode erschreckt haben, als ich einige Wochen nach meinem Kuss mit Natalie in der Schule auf sie zumarschierte und zur ihr sagte „Hey, ich muss mit dir reden!“ Aber ich brach das Eis mit einem Lächeln und alles war gut. Es gab von Beginn an ein Band zwischen uns und sie wurde sehr schnell so etwas wie eine große Schwester. Und das ist sie heute noch. Karin als die Erfahrenere in Sachen Gefühlen half mir sehr. Wir redeten viel, sehr viel sogar. Durch sie lernte ich meine erste Freundin kennen, meine erste Erfahrung mit einer Frau. Ich mag an dieser Stelle keine Details schreiben. Wer das erhofft ist auf dem Holzweg.

Diese Erfahrung war auf jeden Fall der Durchbruch in Sachen Gefühlen für mich. Sie war wunderschön und genau das, wonach ich mich immer gesehnt hatte. Mein Coming Out war danach nur noch Formsache und kein großes Ding. Dieses in vielen Filmen dargestellte Verhalten mancher Girlies, die ihr Coming Out monatelang wenn nicht sogar jahrelang vor sich her schieben, ihr wahres Selbst verleugnen, all das hatte ich nie. Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch. Daher ging einige Tage nach diesem ersten Erlebnis zu meinen Eltern und schockte sie mit den Worten: „Ich muss euch etwas wichtiges sagen: Ich bin lesbisch!“ Nicht sehr mädchenhaft, oder? 😀 Aber ich bin nun mal kein Girlie. Auch, wenn ich hundertmal so aussehen mag. Meine Mutter begann zu weinen, mein Vater holte nur tief Luft. Ich glaube er hatte es längst geahnt, aber nie darüber reden wollen. Er hat mir mal gesagt, dass ich zigfach besser als jeder Junge sei, den er sich ursprünglich als Kind gewünscht hatte.

Wie ging es weiter? Positiv für mich! Meine Eltern waren sehr verständnisvoll. Und sie akzeptierten letztlich was ich war, auch wenn es einige Wochen dauerte, in denen sie viel mit mir redeten, ohne mich jemals zu bedrängen. Es änderte sich nichts zwischen uns, vielleicht wurde unser Band sogar noch stärker. Sie gaben mir die Unterstützung, die ich brauchte. In der Schule gab es keine größeren Probleme. Einige Ohrfeigen an dümmliche agierende Jungs musste ich aber noch verteilen. Danach herrschte Ruhe und ich war wieder der heimliche Star. In den nächsten Jahren hatte ich einige Beziehungen zu Frauen. Probleme in der Richtung hatte ich nie. Mein Gaydar (Gay Radar) half mir dabei, vermutlich aber auch mein Selbstbewusstsein. Und es ist kaum zu glauben, wie viele angeblich heterosexuelle Frauen neugierig auf den Kuss einer anderen Frau sind. Oder sogar auf mehr … Aber zu diesem Thema werde ich ein anderes Mal mehr schreiben.

Wirklich verliebt war ich in den nächsten Jahren nie. Bis zum Sommer 2008 und einem Konzert, zu dem ich mit Freunden fuhr. Eine der Freundinnen hatte eine Freundin die in Stuttgart lebte und die wieder eine Freundin hatte … Und da war sie, die Frau meiner Träume. Ihr Name war Yuki und Überraschung … sie war eine Japanerin, die in Deutschland lebte 😀 Verrückt, wie das Leben manchmal so spielt. Es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Wir redeten den ganzen Abend, die ganze Nacht. Das Konzert, die Musik war zweitrangig geworden. Auch unsere Begleiterinnen. Ich wusste vom ersten Moment an, dass Yuki auf Frauen stand. Sie machte kein Hehl daraus, bezeichnete sich selbst aber als bisexuell und hatte Beziehungen zu Männern und Frauen gehabt. Aber das mit Mann hatte bei ihr nie wirklich funktioniert. Sie mochte lieber Frauen. Als wir Abschied nehmen mussten tauschten wir Handynummern aus. Und das war der Anfang einer Freundschaft, die sehr schnell zu einer sehr tiefen Liebe geworden ist. Den Anrufen, SMS, eMails, folgte der Schritt nach Second Life. Das war Yukis Idee gewesen. Sie hatte über SL gelesen und fand es cool.

Wird fortgesetzt …

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8 Kommentare zu “The real me – auf Deutsch

  1. Ich las zwar schon die englische Vorstellung, aber mein Schulenglisch reichte für Details nicht. Freue mich auf die nächsten Einträge. Und Ihnen dadurch näher zu kommen. Es ist doch herrlich, wie bunt das Leben ist.

    • Englisch fand ich dann doch zu heftig für diesen Blog. Ich kann mich in Deutsch viel besser ausdrücken. In einer Fremdsprache fehlen mir die Feinheiten.

      Bunte Regenbogengrüße! 🙂

  2. Ich mag echt, wie du schreibst. 🙂 Man fühlt sich so, als ob man dabei ist. Und so nebenbei, Menschen die ehrlich sind, sind mutige Menschen. Hast du dich damals eigentlich auch in der Schule geoutet?

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